Kassenärztliche Notfallpraxis ist umgezogen - das müssen Patienten nun wissen Sebastian Radermacher Minden. Dr. Heinz Schumacher und Anke Wilharm fühlen sich wohl in den neuen Räumen der Notfallpraxis. „Wir sind sehr zufrieden hier", sagt der Notdienstbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) über den jetzigen Standort. Die Anlaufstelle für Patienten außerhalb der Öffnungszeiten der Hausarztpraxen ist vor Kurzem nach Königstor umgezogen. Gemeinsam möchten Schumacher und Wilharm die neue Adresse nun publik machen. Die Ausgangslage Als im Frühjahr die nachweislichen Corona-Infektionen immer stärker zunahmen, musste die Notfallpraxis kurzfristig aus den Räumen im Johannes Wesling Klinikum (JWK) ausziehen, um das Menschenaufkommen dort zu verringern, berichtet Schumacher. Die Praxis wurde in Containern vor dem Gebäude untergebracht. Doch die Bedingungen waren nicht optimal: Im März war es sehr kalt in den Warte- und Behandlungsräumen, im Sommer herrschten dann Temperaturen von fast 40 Grad Celsius – und bei Regen wurden Besucher und Mitarbeiter beim Gang vom Warte- zum Behandlungscontainer nass, erzählt Wilharm. „Es war von Beginn an klar, dass dies nur eine Übergangs- und keine Dauerlösung ist", ergänzt Schumacher. Als dann ersichtlich wurde, dass das Virus weiterhin für Einschränkungen sorgt und eine baldige Rückkehr ins JWK nicht absehbar ist, suchte die Kassenärztliche Vereinigung nach Alternativen – und wurde fündig. Der neue Standort Vor rund einem Monat ist die Notfallpraxis an die Königstraße 116a umgezogen. Zuvor war sie zehn Jahre im Klinikum angesiedelt, davor mehr als 20 Jahre in der Feuerwache an der Marienstraße. An der Königstraße sei früher einmal eine Kinderarztpraxis gewesen, die Räume hätten seit einiger Zeit leer gestanden, sagt Schumacher. Für die Notfallpraxis seien sie optimal. Denn neben neuen Möbeln gibt es hier im Vergleich zum vorherigen Standort im Klinikum noch einen großen Vorteil: „Wir haben deutlich mehr Patz." Patienten mit und ohne Grippe- oder Corona-Symptome können nun voneinander getrennt werden – dafür gibt es separate Warte- und Behandlungszimmer. „Wer Symptome hat, wird an der Eingangstür direkt abgefangen und isoliert", erklärt Anke Wilharm. Patienten können den Parkplatz hinter dem Haus nutzen – dadurch, dass die Notfallpraxis erst öffnet, wenn die anderen Praxen auf dem Grundstück geschlossen haben, sollten immer freie Stellplätze verfügbar sein. Der Eingang zur Notfallpraxis werde künftig noch etwas besser ausgeschildert, kündigt Schumacher an. Die Praxis ist Anlaufstelle für Patienten aus Minden und Umgebung. Im KV-Bezirk gibt es weitere Notfallpraxen in Lübbecke, Bad Oeynhausen, Herford und Bünde. Das Problem Der KV-Bereitschaftsdienst hilft bei akuten Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, mit denen Patienten aber nicht bis zur nächsten Hausarzt-Sprechstunde warten können – zum Beispiel bei Rückenschmerzen, Harnwegsinfekten, starken Bauch- oder Ohrenschmerzen. Aktuell gibt es laut Schumacher das Problem, dass viele Patienten immer noch zum Mindener Klinikum fahren, weil sie noch nicht wissen, dass die KV-Praxis umgezogen ist. Oftmals landen sie dann mit nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen in der Notaufnahme und binden personelle Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. „Das JWK ist immer noch als Anlaufstelle in den Köpfen verankert. Wir wollen den neuen Standort bekannter machen, damit die Notaufnahme im Klinikum nicht überlastet wird", betont der Notdienstbeauftragte. Die Ärzte In der Notfallpraxis an der Königstraße sind pro Dienst ein Arzt und eine Helferin anwesend. Sollte es erforderlich sein, zum Beispiel bei stark zunehmenden Infektionszahlen, könne das Personal auch aufgestockt werden, erklärt Schumacher. Zusätzlich gibt es noch einen Bereitschaftsdienst für Hausbesuche. Falls Erkrankte mit den genannten Beschwerden nicht die Praxis aufsuchen können, werden sie in den eigenen vier Wänden behandelt. Über die zentrale kostenfreie Telefonnummer 116 117 (rund um die Uhr erreichbar) werde dies in die Wege geleitet. In die Notfallpraxis können Patienten ohne Anmeldung kommen. Die Kassenärztliche Vereinigung teilt die Bereitschaftsdienste langfristig ein. Im Schnitt habe jeder Mindener Arzt pro Jahr etwa fünf solcher Dienste, sagt Schumacher. Die Patienten Über zu wenig Arbeit kann sich der Bereitschaftsdienst in Minden keineswegs beklagen – die Zahl der Patienten, die die Notfallpraxis aufsuchen, ist beachtlich. An einem Freitag werden im Schnitt etwa 40 Patienten behandelt, am Wochenende oder an Feiertagen sind es 70 bis 80 pro Schicht. Im Jahr 2019 zählte die KV-Praxis in Minden insgesamt 12.500 Patienten, berichtet Anke Wilharm. Das Hygienekonzept Die KV hat für die Notfallpraxis ein Hygienekonzept erarbeitet, das eine eigens ausgebildete Hygienebeauftragte überwacht. Um die Abstandsregel zu wahren, ist die wichtigste Vorkehrung: Alle Begleitpersonen müssen außer Haus warten. In Ausnahmefällen können sie zur Behandlung hinzugerufen werden – dafür sollte eine Handynummer bei der Anmeldung hinterlegt werden. „Wir klären all diese Dinge immer sofort an der Eingangstür", versichert Wilharm. Patienten, die Corona-Symptome haben, können in der Notfallpraxis an der Königstraße getestet werden – der jeweilige Arzt oder die Ärztin entscheidet, ob dies notwendig ist. Die Befunde werden später digital übermittelt, die Praxis teilt keine Testergebnisse mit. Wer freiwillig einen Corona-Abstrich wünscht, muss sich beim jeweiligen Hausarzt oder beim Testzentrum am Klinikum melden. Zusätzliches Angebot Um den Bereitschaftsdienst zu entlasten, werden an Samstagen seit Kurzem zusätzlich sogenannte Infekt-Sprechstunden für Patienten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Fieber oder Atemwegsbeschwerden angeboten. Dieser Service der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird laut Auskunft der KV nach Bedarf und lokalem Infektionsgeschehen angepasst. Das heißt, nicht überall und an jedem Samstag bieten Praxen die Infekt-Sprechstunden an. Welche Praxis in der Region geöffnet hat, erfahren Patienten unter der Telefonnummer 116 117.

Kassenärztliche Notfallpraxis ist umgezogen - das müssen Patienten nun wissen

Glücklich am neuen Standort: Dr. Heinz Schumacher, Notdienstbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung, und Koordinatorin Anke Wilharm leiten die Notfallpraxis. © MT-Foto: Sebastian Radermacher

Minden. Dr. Heinz Schumacher und Anke Wilharm fühlen sich wohl in den neuen Räumen der Notfallpraxis. „Wir sind sehr zufrieden hier", sagt der Notdienstbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) über den jetzigen Standort. Die Anlaufstelle für Patienten außerhalb der Öffnungszeiten der Hausarztpraxen ist vor Kurzem nach Königstor umgezogen. Gemeinsam möchten Schumacher und Wilharm die neue Adresse nun publik machen.

Die Ausgangslage

Als im Frühjahr die nachweislichen Corona-Infektionen immer stärker zunahmen, musste die Notfallpraxis kurzfristig aus den Räumen im Johannes Wesling Klinikum (JWK) ausziehen, um das Menschenaufkommen dort zu verringern, berichtet Schumacher. Die Praxis wurde in Containern vor dem Gebäude untergebracht. Doch die Bedingungen waren nicht optimal: Im März war es sehr kalt in den Warte- und Behandlungsräumen, im Sommer herrschten dann Temperaturen von fast 40 Grad Celsius – und bei Regen wurden Besucher und Mitarbeiter beim Gang vom Warte- zum Behandlungscontainer nass, erzählt Wilharm. „Es war von Beginn an klar, dass dies nur eine Übergangs- und keine Dauerlösung ist", ergänzt Schumacher.

Karte: MT
Karte: MT

Als dann ersichtlich wurde, dass das Virus weiterhin für Einschränkungen sorgt und eine baldige Rückkehr ins JWK nicht absehbar ist, suchte die Kassenärztliche Vereinigung nach Alternativen – und wurde fündig.

Der neue Standort

Vor rund einem Monat ist die Notfallpraxis an die Königstraße 116a umgezogen. Zuvor war sie zehn Jahre im Klinikum angesiedelt, davor mehr als 20 Jahre in der Feuerwache an der Marienstraße. An der Königstraße sei früher einmal eine Kinderarztpraxis gewesen, die Räume hätten seit einiger Zeit leer gestanden, sagt Schumacher. Für die Notfallpraxis seien sie optimal. Denn neben neuen Möbeln gibt es hier im Vergleich zum vorherigen Standort im Klinikum noch einen großen Vorteil: „Wir haben deutlich mehr Patz."

Die Notfallpraxis soll bald noch besser ausgeschildert werden. - © MT-Foto: Sebastian Radermacher
Die Notfallpraxis soll bald noch besser ausgeschildert werden. - © MT-Foto: Sebastian Radermacher

Patienten mit und ohne Grippe- oder Corona-Symptome können nun voneinander getrennt werden – dafür gibt es separate Warte- und Behandlungszimmer. „Wer Symptome hat, wird an der Eingangstür direkt abgefangen und isoliert", erklärt Anke Wilharm.

Patienten können den Parkplatz hinter dem Haus nutzen – dadurch, dass die Notfallpraxis erst öffnet, wenn die anderen Praxen auf dem Grundstück geschlossen haben, sollten immer freie Stellplätze verfügbar sein. Der Eingang zur Notfallpraxis werde künftig noch etwas besser ausgeschildert, kündigt Schumacher an. Die Praxis ist Anlaufstelle für Patienten aus Minden und Umgebung. Im KV-Bezirk gibt es weitere Notfallpraxen in Lübbecke, Bad Oeynhausen, Herford und Bünde.

Das Problem

Der KV-Bereitschaftsdienst hilft bei akuten Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, mit denen Patienten aber nicht bis zur nächsten Hausarzt-Sprechstunde warten können – zum Beispiel bei Rückenschmerzen, Harnwegsinfekten, starken Bauch- oder Ohrenschmerzen. Aktuell gibt es laut Schumacher das Problem, dass viele Patienten immer noch zum Mindener Klinikum fahren, weil sie noch nicht wissen, dass die KV-Praxis umgezogen ist. Oftmals landen sie dann mit nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen in der Notaufnahme und binden personelle Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. „Das JWK ist immer noch als Anlaufstelle in den Köpfen verankert. Wir wollen den neuen Standort bekannter machen, damit die Notaufnahme im Klinikum nicht überlastet wird", betont der Notdienstbeauftragte.

Die Ärzte

In der Notfallpraxis an der Königstraße sind pro Dienst ein Arzt und eine Helferin anwesend. Sollte es erforderlich sein, zum Beispiel bei stark zunehmenden Infektionszahlen, könne das Personal auch aufgestockt werden, erklärt Schumacher. Zusätzlich gibt es noch einen Bereitschaftsdienst für Hausbesuche. Falls Erkrankte mit den genannten Beschwerden nicht die Praxis aufsuchen können, werden sie in den eigenen vier Wänden behandelt. Über die zentrale kostenfreie Telefonnummer 116 117 (rund um die Uhr erreichbar) werde dies in die Wege geleitet. In die Notfallpraxis können Patienten ohne Anmeldung kommen. Die Kassenärztliche Vereinigung teilt die Bereitschaftsdienste langfristig ein. Im Schnitt habe jeder Mindener Arzt pro Jahr etwa fünf solcher Dienste, sagt Schumacher.

Die Patienten

Über zu wenig Arbeit kann sich der Bereitschaftsdienst in Minden keineswegs beklagen – die Zahl der Patienten, die die Notfallpraxis aufsuchen, ist beachtlich. An einem Freitag werden im Schnitt etwa 40 Patienten behandelt, am Wochenende oder an Feiertagen sind es 70 bis 80 pro Schicht. Im Jahr 2019 zählte die KV-Praxis in Minden insgesamt 12.500 Patienten, berichtet Anke Wilharm.

Das Hygienekonzept

Die KV hat für die Notfallpraxis ein Hygienekonzept erarbeitet, das eine eigens ausgebildete Hygienebeauftragte überwacht. Um die Abstandsregel zu wahren, ist die wichtigste Vorkehrung: Alle Begleitpersonen müssen außer Haus warten. In Ausnahmefällen können sie zur Behandlung hinzugerufen werden – dafür sollte eine Handynummer bei der Anmeldung hinterlegt werden. „Wir klären all diese Dinge immer sofort an der Eingangstür", versichert Wilharm.

Patienten, die Corona-Symptome haben, können in der Notfallpraxis an der Königstraße getestet werden – der jeweilige Arzt oder die Ärztin entscheidet, ob dies notwendig ist. Die Befunde werden später digital übermittelt, die Praxis teilt keine Testergebnisse mit. Wer freiwillig einen Corona-Abstrich wünscht, muss sich beim jeweiligen Hausarzt oder beim Testzentrum am Klinikum melden.

Zusätzliches Angebot

Um den Bereitschaftsdienst zu entlasten, werden an Samstagen seit Kurzem zusätzlich sogenannte Infekt-Sprechstunden für Patienten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Fieber oder Atemwegsbeschwerden angeboten. Dieser Service der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird laut Auskunft der KV nach Bedarf und lokalem Infektionsgeschehen angepasst. Das heißt, nicht überall und an jedem Samstag bieten Praxen die Infekt-Sprechstunden an. Welche Praxis in der Region geöffnet hat, erfahren Patienten unter der Telefonnummer 116 117.

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