Kampa-Halle während Sanierung sechs Monate geschlossen Sebastian Radermacher Minden (mt). Die Sanierung der Kampa-Halle wird erhebliche Einschränkungen für die Nutzer mit sich bringen, vor allem für den Handball-Bundesligisten GWD Minden. Denn während der Bauarbeiten muss die Sport- und Veranstaltungshalle an der Hahler Straße komplett geschlossen werden – und zwar für sechs bis neun Monate, wie Lutz Freiberg, Bau-Dezernent des Kreises Minden-Lübbecke, auf MT-Anfrage bestätigt: „Es ist nicht anders möglich.“ Der Sanierungsstau ist riesig, vor allem die Brandmelde- und Lüftungsanlage sowie die Beleuchtung erfüllen nicht mehr die aktuellen Anforderungen. In einem sogenannten Masterplan hatte der Kreis, dem die Halle gehört, bereits im Jahr 2014 erforderliche Maßnahmen aufgelistet. 15 Punkte sind laut Freiberg seitdem umgesetzt worden, etwa der Einbau von Brandschutztüren, Rauchmeldern und einer Rauchabzugsanlage. 25 Punkte stehen aber noch auf der To-Do-Liste. Vor allem das Lüftungssystem bereitet Probleme, es ist mit rund einer Million Euro der teuerste Posten. Rund fünf Millionen muss der Kreis nach einer ersten Kostenschätzung insgesamt aufbringen, zusätzlich noch eine Million Euro an Planungsleistungen. Ein fixer Startpunkt der Bauarbeiten steht noch nicht fest. Zuletzt hatte die Kreisverwaltung ins Auge gefasst, Ende Mai 2020 loszulegen und die Halle dichtzumachen. Freiberg bestätigt entsprechende MT-Informationen, aktuell könne er allerdings nicht einschätzen, ob dieser Zeitplan einzuhalten sei. Immerhin weiß der Handball-Bundesligist frühzeitig Bescheid, dass er mehrere Heimspiele künftig in einer anderen Halle austragen muss. Die Organisation des Spielbetriebs für die Zeit der Renovierung ist nämlich aufwendig und kompliziert (siehe Artikel unten). Die Unsicherheit bei der Zeitschiene hängt vor allem mit zwei Punkten zusammen. Zum einen gibt es noch keine endgültige Entscheidung, welche einzelnen Projekte aus dem Masterplan tatsächlich umgesetzt werden. Darüber soll in den nächsten Wochen ein neu gegründeter Arbeitskreis mit Vertretern der Kreistagsfraktionen beraten. Ein erstes Treffen ist für Mitte Juni geplant, eine Entscheidung soll zeitnah nach der politischen Sommerpause im Bauausschuss und Kreistag fallen, kündigt Freiberg an. In dem Arbeitskreis soll ergebnisoffen diskutiert werden, wie die Kampa-Halle für die nächsten zehn bis 15 Jahre fit gemacht wird. Zum Beispiel auch darüber, ob zusätzliche Sanierungen notwendig sind, etwa in den Duschen und Toiletten. Oder ob Maßnahmen eingeplant werden, die nicht zwingend erforderlich sind, aber die Attraktivität der Veranstaltungsstätte erhöhen. Die Kreisverwaltung werde vorschlagen, die notwendigen Einzelposten aus dem Sanierungsplan umzusetzen. „Letztendlich entscheidet aber die Politik, was genau gemacht werden soll“, stellt der Dezernent klar. Zum anderen gibt es auch bei der Finanzierung des Großprojekts noch einige offene Fragen. Wie berichtet, hatte sich der Kreis im vergangenen Jahr um Fördermittel des Bundes beworben – für die Renovierung der Kampa-Halle und der angrenzenden Kreisschwimmhalle, die ebenfalls in die Jahre gekommen ist (siehe unten). Drei der sieben Millionen Euro an Gesamtinvestition hätten über das Bundesprogramm abgedeckt werden können. Doch jetzt musste der Kreis einen Dämpfer hinnehmen: Er ist nicht berücksichtigt worden. „Das ist sehr schade, denn unsere Projekte hätten ideal ins Förderprogramm gepasst“, bedauert Freiberg. Immerhin stellt er in Aussicht, dass einzelne Posten wie die Lüftungsanlage von anderen Fördertöpfen profitieren könnten. Er kalkuliert jetzt mit Zuschüssen von rund 600.000 Euro, der Rest sei aus dem Haushalt zu finanzieren. Welche Sanierungsarbeiten muss der Kreis unternehmen? Was will er machen? Und was kann er sich leisten? Mit diesen Kernfragen wird sich der Arbeitskreis befassen. Erst wenn eine Entscheidung feststehe, könne man das Vergabeverfahren anstoßen. Freiberg weist in diesem Zusammenhang nochmals auf die Notwendigkeit hin. Denn die nächste TÜV-Überprüfung steht Ende 2019 an, die Mängelliste wird nicht unerheblich sein. Schlimmstenfalls könnte die Bauaufsicht der Stadt Minden die Halle stilllegen. „Wir müssen daher jetzt tätig werden.“ Er sieht die notwendigen Arbeiten unabhängig von den Plänen für eine neue Multihalle in Minden. Die Stadt informiere den Kreis gut über den Sachstand, es sei aber derzeit noch offen, ob und wie die Halle gebaut werde. Lübbecke als einzige Alternative Wenn die Kampa-Halle umgebaut wird, gibt es für die Handballer von GWD Minden nur eine Lösung: „Wir werden dann wohl nach Lübbecke in die Kreissporthalle ausweichen“, sagt Markus Kalusche. Man habe verschiedene Modelle durchgespielt, auch die Rattenfängerhalle in Hameln als Spielort erwogen, doch die erfüllt die Bundesliga-Standards nicht. Daher bietet sich keine andere Lösung an, als in der Heimspielstätte des derzeit in der 2. Liga spielenden Mühlenkreiskonkurrenten TuS N-Lübbecke zu spielen: „Das ist das wahrscheinlichste Szenario“, sagt GWD-Geschäftsführer Kalusche. Falls Anfang Mai 2020 der Umbau begönne, wäre noch ein Heimspiel in der bereits am 14. Mai 2020 endenden Saison betroffen. Vor allem aber geht es um die erste Hälfte der dann folgenden Spielzeit, in der die Heimspiele von GWD und TuS N-Lübbecke sorgsam koordiniert werden müssen. „Ein Umzug bedeutet einen extremen planerischen Aufwand für uns. Das wird uns herausfordern“, sagt Kalusche. Es gibt vieles zu tun: Die Dauerkartenplätze müssten adäquat in die 3200 Zuschauer fassende und damit um rund 600 Plätze kleinere Lübbecker Halle transferiert werden. Neben der mobilen LED-Bande müssen auch die weiteren Werbemittel in der Kreissporthalle aufgebaut werden. Ein Problem stellt auch die von der Handball-Bundesliga geforderte Technik dar: Im Sommer wird in der Kampa-Halle viel Elektronik (darunter auch eine Video-Wand) installiert – auch, weil künftig die Laufwege der Handballer über Sender in den Trikots erfasst werden. Das muss auch in Lübbecke gewährleistet werden. Vor allem aber muss der VIP-Raum umziehen. „Das ist nicht einfach“ sagt Kalusche, denn für die rund 400 VIP-Gäste der Mindener ist der Raum in Lübbecke zu klein. „Da müssen wir Lösungen finden“, sagt der Geschäftsführer, der mit dem Gedanken an ein VIP-Zelt spielt. Er erkennt im bevorstehenden Umzug auch Chancen: „Wir haben so die Möglichkeit, mal ein paar neue Sachen auszuprobieren.“ Das gilt auch für die Erweiterung des Einzugsgebietes: „Wir nähern uns dem Hiller und Lübbecker Raum ein wenig an.“ Die Halle - Die Kampa-Halle, früher Kreissporthalle Minden, wurde im Jahr 1970 gebaut. Zuletzt modernisiert hat sie der Kreis im Zuge einer Erweiterung 1999. Bereits seit 2014 wird über eine Renovierung diskutiert. - Die Halle hat eine Kapazität von 4.547 Sitzplätzen, außerdem gibt es zahlreiche Stehplätze. Handball-Bundesligist GWD Minden trägt hier seine Heimspiele aus, zudem wird sie für Veranstaltungen genutzt, zum Beispiel Messen. Besucheraufkommen: im Schnitt 85.000 bis 100.000 pro Jahr. Die Kampa-Halle benötigt laut Angaben des Kreises seit 2012 durchschnittlich 540.000 Euro pro Jahr an Zuwendungen. - Auch die angrenzende Kreisschwimmhalle, die im Jahr 1975 errichtet wurde, ist veraltet. Zahlreiche Schwimmer der Schulen und Vereine aus Minden und Umgebung nutzen sie, doch Becken, Umkleidekabinen und vor allem die Fassade sind sanierungsbedürftig. Der Kreis schätzt das Investitionsvolumen auf rund eine Million Euro.

Kampa-Halle während Sanierung sechs Monate geschlossen

Blick von oben auf die Kampa-Halle an der Hahler Straße – das fast 50 Jahre alte Gebäude muss umfassend saniert werden. MT- © Foto: Alex Lehn

Minden (mt). Die Sanierung der Kampa-Halle wird erhebliche Einschränkungen für die Nutzer mit sich bringen, vor allem für den Handball-Bundesligisten GWD Minden. Denn während der Bauarbeiten muss die Sport- und Veranstaltungshalle an der Hahler Straße komplett geschlossen werden – und zwar für sechs bis neun Monate, wie Lutz Freiberg, Bau-Dezernent des Kreises Minden-Lübbecke, auf MT-Anfrage bestätigt: „Es ist nicht anders möglich.“

Der Sanierungsstau ist riesig, vor allem die Brandmelde- und Lüftungsanlage sowie die Beleuchtung erfüllen nicht mehr die aktuellen Anforderungen. In einem sogenannten Masterplan hatte der Kreis, dem die Halle gehört, bereits im Jahr 2014 erforderliche Maßnahmen aufgelistet. 15 Punkte sind laut Freiberg seitdem umgesetzt worden, etwa der Einbau von Brandschutztüren, Rauchmeldern und einer Rauchabzugsanlage. 25 Punkte stehen aber noch auf der To-Do-Liste. Vor allem das Lüftungssystem bereitet Probleme, es ist mit rund einer Million Euro der teuerste Posten. Rund fünf Millionen muss der Kreis nach einer ersten Kostenschätzung insgesamt aufbringen, zusätzlich noch eine Million Euro an Planungsleistungen.

Ein fixer Startpunkt der Bauarbeiten steht noch nicht fest. Zuletzt hatte die Kreisverwaltung ins Auge gefasst, Ende Mai 2020 loszulegen und die Halle dichtzumachen. Freiberg bestätigt entsprechende MT-Informationen, aktuell könne er allerdings nicht einschätzen, ob dieser Zeitplan einzuhalten sei. Immerhin weiß der Handball-Bundesligist frühzeitig Bescheid, dass er mehrere Heimspiele künftig in einer anderen Halle austragen muss. Die Organisation des Spielbetriebs für die Zeit der Renovierung ist nämlich aufwendig und kompliziert (siehe Artikel unten).

Die Unsicherheit bei der Zeitschiene hängt vor allem mit zwei Punkten zusammen. Zum einen gibt es noch keine endgültige Entscheidung, welche einzelnen Projekte aus dem Masterplan tatsächlich umgesetzt werden. Darüber soll in den nächsten Wochen ein neu gegründeter Arbeitskreis mit Vertretern der Kreistagsfraktionen beraten. Ein erstes Treffen ist für Mitte Juni geplant, eine Entscheidung soll zeitnah nach der politischen Sommerpause im Bauausschuss und Kreistag fallen, kündigt Freiberg an.

In dem Arbeitskreis soll ergebnisoffen diskutiert werden, wie die Kampa-Halle für die nächsten zehn bis 15 Jahre fit gemacht wird. Zum Beispiel auch darüber, ob zusätzliche Sanierungen notwendig sind, etwa in den Duschen und Toiletten. Oder ob Maßnahmen eingeplant werden, die nicht zwingend erforderlich sind, aber die Attraktivität der Veranstaltungsstätte erhöhen. Die Kreisverwaltung werde vorschlagen, die notwendigen Einzelposten aus dem Sanierungsplan umzusetzen. „Letztendlich entscheidet aber die Politik, was genau gemacht werden soll“, stellt der Dezernent klar.

Zum anderen gibt es auch bei der Finanzierung des Großprojekts noch einige offene Fragen. Wie berichtet, hatte sich der Kreis im vergangenen Jahr um Fördermittel des Bundes beworben – für die Renovierung der Kampa-Halle und der angrenzenden Kreisschwimmhalle, die ebenfalls in die Jahre gekommen ist (siehe unten). Drei der sieben Millionen Euro an Gesamtinvestition hätten über das Bundesprogramm abgedeckt werden können. Doch jetzt musste der Kreis einen Dämpfer hinnehmen: Er ist nicht berücksichtigt worden. „Das ist sehr schade, denn unsere Projekte hätten ideal ins Förderprogramm gepasst“, bedauert Freiberg.

Immerhin stellt er in Aussicht, dass einzelne Posten wie die Lüftungsanlage von anderen Fördertöpfen profitieren könnten. Er kalkuliert jetzt mit Zuschüssen von rund 600.000 Euro, der Rest sei aus dem Haushalt zu finanzieren. Welche Sanierungsarbeiten muss der Kreis unternehmen? Was will er machen? Und was kann er sich leisten? Mit diesen Kernfragen wird sich der Arbeitskreis befassen. Erst wenn eine Entscheidung feststehe, könne man das Vergabeverfahren anstoßen. Freiberg weist in diesem Zusammenhang nochmals auf die Notwendigkeit hin. Denn die nächste TÜV-Überprüfung steht Ende 2019 an, die Mängelliste wird nicht unerheblich sein. Schlimmstenfalls könnte die Bauaufsicht der Stadt Minden die Halle stilllegen. „Wir müssen daher jetzt tätig werden.“

Er sieht die notwendigen Arbeiten unabhängig von den Plänen für eine neue Multihalle in Minden. Die Stadt informiere den Kreis gut über den Sachstand, es sei aber derzeit noch offen, ob und wie die Halle gebaut werde.

Lübbecke als einzige Alternative

Wenn die Kampa-Halle umgebaut wird, gibt es für die Handballer von GWD Minden nur eine Lösung: „Wir werden dann wohl nach Lübbecke in die Kreissporthalle ausweichen“, sagt Markus Kalusche. Man habe verschiedene Modelle durchgespielt, auch die Rattenfängerhalle in Hameln als Spielort erwogen, doch die erfüllt die Bundesliga-Standards nicht. Daher bietet sich keine andere Lösung an, als in der Heimspielstätte des derzeit in der 2. Liga spielenden Mühlenkreiskonkurrenten TuS N-Lübbecke zu spielen: „Das ist das wahrscheinlichste Szenario“, sagt GWD-Geschäftsführer Kalusche.

Falls Anfang Mai 2020 der Umbau begönne, wäre noch ein Heimspiel in der bereits am 14. Mai 2020 endenden Saison betroffen. Vor allem aber geht es um die erste Hälfte der dann folgenden Spielzeit, in der die Heimspiele von GWD und TuS N-Lübbecke sorgsam koordiniert werden müssen.

„Ein Umzug bedeutet einen extremen planerischen Aufwand für uns. Das wird uns herausfordern“, sagt Kalusche. Es gibt vieles zu tun: Die Dauerkartenplätze müssten adäquat in die 3200 Zuschauer fassende und damit um rund 600 Plätze kleinere Lübbecker Halle transferiert werden. Neben der mobilen LED-Bande müssen auch die weiteren Werbemittel in der Kreissporthalle aufgebaut werden. Ein Problem stellt auch die von der Handball-Bundesliga geforderte Technik dar: Im Sommer wird in der Kampa-Halle viel Elektronik (darunter auch eine Video-Wand) installiert – auch, weil künftig die Laufwege der Handballer über Sender in den Trikots erfasst werden. Das muss auch in Lübbecke gewährleistet werden. Vor allem aber muss der VIP-Raum umziehen. „Das ist nicht einfach“ sagt Kalusche, denn für die rund 400 VIP-Gäste der Mindener ist der Raum in Lübbecke zu klein.

„Da müssen wir Lösungen finden“, sagt der Geschäftsführer, der mit dem Gedanken an ein VIP-Zelt spielt. Er erkennt im bevorstehenden Umzug auch Chancen: „Wir haben so die Möglichkeit, mal ein paar neue Sachen auszuprobieren.“ Das gilt auch für die Erweiterung des Einzugsgebietes: „Wir nähern uns dem Hiller und Lübbecker Raum ein wenig an.“

Die Halle

- Die Kampa-Halle, früher Kreissporthalle Minden, wurde im Jahr 1970 gebaut. Zuletzt modernisiert hat sie der Kreis im Zuge einer Erweiterung 1999. Bereits seit 2014 wird über eine Renovierung diskutiert.

- Die Halle hat eine Kapazität von 4.547 Sitzplätzen, außerdem gibt es zahlreiche Stehplätze. Handball-Bundesligist GWD Minden trägt hier seine Heimspiele aus, zudem wird sie für Veranstaltungen genutzt, zum Beispiel Messen. Besucheraufkommen: im Schnitt 85.000 bis 100.000 pro Jahr. Die Kampa-Halle benötigt laut Angaben des Kreises seit 2012 durchschnittlich 540.000 Euro pro Jahr an Zuwendungen.

- Auch die angrenzende Kreisschwimmhalle, die im Jahr 1975 errichtet wurde, ist veraltet. Zahlreiche Schwimmer der Schulen und Vereine aus Minden und Umgebung nutzen sie, doch Becken, Umkleidekabinen und vor allem die Fassade sind sanierungsbedürftig. Der Kreis schätzt das Investitionsvolumen auf rund eine Million Euro.

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