Interesse groß, Liefermenge klein: Betriebsärzte dürfen nun impfen - große Firmen reagieren schnell Doris Christoph Minden. Für den wichtigsten Schritt ist eine ruhige Hand gefragt: das Anmischen des Impfstoffs. Wie in Zeitlupe bereitet Sandra Tomiak die Spritzen mit dem Mittel von Biontech vor. Es ist immer der gleiche Ablauf, bei jedem der kleinen Injektionsfläschchen mit dem lilafarbenen Verschluss. Erst nimmt sie das Gefäß zwischen Daumen und Zeigefinger und schwenkt es langsam. Genau zehnmal. „Der Stoff ist am Boden abgelagert. Das ist wie bei gutem Wein“, erklärt Ingo Passoth. Der Geschäftsführer der Firma Company Check Deutschland stellt der Edeka Minden-Hannover das medizinische Personal für die Impfstraße. Seit Donnerstag ist sie in Betrieb. 80 Impfdosen stehen an diesem Tag zur Verfügung. Das kleine Glasbehältnis hat Werkstudentin Sandra Tomiak nun zur Seite gestellt und greift zum Fläschchen mit Natriumchlorid-Lösung, besser bekannt als Kochsalzlösung. Mit ihr wird der Impfstoff verdünnt. „Dabei darf keine Luft in das Vial hineingelangen und es darf nicht zu schnell passieren, sonst spritzt der Impfstoff aus dem Behältnis“, erklärt Passoth weiter. Eine Ärztin leitet Tomiak an, die vorsichtig die Kochsalzlösung per Spritze in die Ampulle befördert. Nach erneutem vorsichtigem Schwenken lassen sich am Ende sechs Spritzen aus einem Fläschchen gewinnen, sechs Edeka-Mitarbeiter mehr, die so besser vor dem Corona-Virus geschützt sind. Mit Aufhebung der Impfpriorisierung am vergangenen Montag sind neben den Impfzentren und Hausärzten nun auch Betriebsärzte in die Immunisierung eingestiegen. Dafür brauche es keine besonderen Voraussetzungen, man müsse nur die Einhaltung der AHA-Regeln und den Datenschutz gewährleisten, erklärt Passoth. Beschäftigte im Einzelhandel gehörten eigentlich zur Prioritätsgruppe 3. Schon im April hatte Edeka Mitarbeiter auf Impfmöglichkeiten bei Hausärzten und im Zentrum in Hille hingewiesen, dafür Bescheinigungen ausgestellt. Viele Mitarbeiter wurden aber nicht berücksichtigt und waren dementsprechend frustriert, berichtet Oliver Hajdu, leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit. „Die Freigabe hat für den Einzelhandel nichts gebracht.“ „Über die staatlichen Stellen lief es zu schleppend“, ergänzt Änne Spannuth, Leiterin der Edeka-Unternehmenskommunikation. „Dabei haben unsere Mitarbeiter über Monate die Versorgung sichergestellt. Wir wollen ihnen nun ein Stück Normalität wiedergeben.“ Darum gibt es das eigene Impfangebot hier in Minden und an anderen Standorten wie etwa bei Bauerngut in Bückeburg, dem Logistikzentrum in Lauenau oder auch in einigen Märkten. In der Edeka-Zentrale an der Wittelsbacherallee ist ein kleines Impfzentrum aufgebaut worden – mit einer Anmeldung, bei der die Mitarbeitenden ihre Unterlagen wie die Einwilligungserklärung abgeben. Es gibt Wartebereiche für vor und nach der Impfung und zwei Kabinen, abgeteilt durch Stellwände mit Werbeaufdruck. In der einen empfängt Betriebsarzt Farshid Mokhberi Impflinge, im Raum nebenan wird der bei zwei bis acht Grad in einer Kühlbox gelagerte Impfstoff aufbereitet. Die sechs Spritzen aus einer Ampulle holt sich Mokhberi in einem Frischhaltetütchen mit Zipperverschluss bei Werkstudentin Sandra Tomiak ab. Die darauf notierte Uhrzeit zeigt an, ab wann der Sechs-Stunden-Countdown läuft. Innerhalb dieses Zeitraums muss das Präparat verimpft werden. Auch andere große Unternehmen in Minden und Umgebung haben an ihren Standorten Impfstraßen eingerichtet. Wie viel im Kreisgebiet über die Betriebsärzte in der ersten Woche verimpft wurde, ist nicht bekannt. Während die Zahlen etwa fürs Impfzentrum und die Hausärzte über die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mitgeteilt werden, leiten die Betriebsärzte die Informationen zu Impfungen direkt ans Robert-Koch-Institut weiter, wo es keine Aufschlüsselung nach Landkreisen gibt. Auch die Firmen halten sich zu den Impfstoffmengen größtenteils zurück. „Dazu geben wir keine Auskunft“, teilt beispielsweise Unternehmenssprecherin Tina Nolting für Wago mit. Harting berichtet in einer Pressemitteilung hingegen von 1.400 Impfdosen, die Angestellte an zwei Tagen erhalten sollen. Passoths Firma, die Unternehmen wie Edeka Dienstleistungen zur Arbeitsmedizin anbietet, hatte für seine 18 Betriebsärzte jeweils 804 Dosen bestellt, bekommen habe er 102. „Und nächste Woche sind es nur 84.“ Bei Edeka ist in den kommenden Tagen ein Betriebsarzt im Einsatz. Passoth will die zugesagten Dosen auf jeden Fall einhalten. Eines ist klar: Die Nachfrage übersteigt bei allen angefragten Mindener Unternehmen die gelieferte Impfstoffmenge. „Es war weniger als bestellt“, berichtet beispielsweise Dr. Ewald Schlüter, Geschäftsführer des Werksarztzentrums Minden. Das betreut rund 170 heimische Unternehmen mit 27.000 Mitarbeitenden, gut die Hälfte davon habe Interesse an einer Impfung bekundet. Wie viele Dosen letztlich in Minden ankamen, will er nicht sagen. Auch, um keinen Unmut zu wecken. Die erhaltenen Dosen wurden aufgeteilt, seit Montag wird auf dem Gelände an der Ringstraße und in Unternehmen geimpft. Natürlich gebe es auch mal Drängler. „Aber wir haben das im Griff“, sagt er. Damit keine Diskussionen aufkommen, wurde ein Ethikbeirat geschaffen. Der nehme eine interne Priorisierung vor. Dabei liege vor allem der Einzelhandel sehr weit vorne. Das Unternehmen Wago ist am Montag mit den Impfungen gestartet. Bislang sei alles glatt gelaufen, berichtet Sprecherin Tina Nolting. Mehr als 1.000 von 2.500 Mitarbeitenden hatten Interesse bekundet. „Es werden die priorisiert, die nicht im Homeoffice arbeiten können“, erklärt Nolting. Die Stimmung sei positiv, weil es endlich losgehe. Arbeitserleichterungen wie die Abschaffung der Masken- oder Abstandspflicht bringt der Piks aber – vorerst – nicht mit sich. „Es gibt bislang kein Update der Corona-Arbeitsschutzverordnung dazu“, sagt die Sprecherin. Das Unternehmen Follmann wartet noch auf Impfstoff. Personalchef Thorsten Liecker rechnet mit einem Impfstart auf dem Werksgelände diese Woche. „Die größte Schwierigkeit ist die Unplanbarkeit, ob und wann wie viel Impfstoff kommt“, sagt er. Rund 500 Mitarbeiter gibt es in Minden. Die, die nicht ins Homeoffice können, sollen bevorzugt werden. „Und wir werden es so aufteilen, dass nicht einzelne Abteilungen lahmgelegt werden“, sagt er zu eventuellen Nebenwirkungen. Je länger die Impfaktion dauere, desto weniger werde am Ende nötig sein, schätzt er. Weil die Interessenten in der Zwischenzeit vielleicht Glück beim Hausarzt hatten. Bei Melitta ging es am Mittwoch los. „Wir freuen uns total, dass wir den Mitarbeitern dieses Angebot machen konnten“, berichtet Unternehmenssprecherin Tanja Wucherpfennig. Auch hier übersteigt die Nachfrage das Angebot. „Wir haben nur zehn Prozent der bestellten Menge erhalten.“ Wie viel geordert wurde, teilt sie nicht mit. Das Unternehmen hat eine eigene Priorisierung aufgestellt: Zuerst kommen die dran, die nicht zu Hause arbeiten können. Dann die, die beruflich viel Kontakt zu anderen Menschen haben. „Als drittes sind die dran, die im Homeoffice sind. Das ist der Großteil“, sagt Wucherpfennig. Und wie sieht es bei kleineren Betrieben zum Beispiel im Handwerk aus, die keinen Betriebsarzt haben? „Wir haben alle schon unsere Erstimpfung“, berichtet beispielsweise Juljane Grote vom familiengeführten „Grote Energie- und Bäderzentrum Porta“ auf MT-Nachfrage. Grotes Heizungsmonteure seien täglich in bis zu sechs verschiedenen Haushalten unterwegs. „Wir arbeiten viel in Altenheimen. Dadurch wurden wir vorgezogen in die Impf-Prio zwei.“ Michael Marten führt eine Tischlerei und Zimmerei in Porta Westfalica. Er wird nächste Woche geimpft. „Aber über meinen Hausarzt.“ Viele Kollegen seien noch nicht immunisiert. Das sei vor allem für die kritisch, die viel drinnen arbeiteten. „Es warten eigentlich alle“, sagt der Obermeister der Fachinnung für Zimmerei und Holzbau. „Aber man kann nicht sagen, dass der Staat es ungerecht macht. Wenn er nichts hat, kann er nichts verteilen“, meint er angesprochen auf die Aufhebung der Priorisierung und die großen Unternehmen, die Impfungen für ihre Mitarbeiter organisieren. Nach vergangenem Donnerstag gibt es auch in dieser Woche zwei Impftermine in der Edeka-Impfstraße. Daran sollen sich dann zwölf weitere Tage anschließen – wenn es denn genügend Impfstoff gibt. Am Ende sollen 1.200 Menschen eine Erstimpfung erhalten. Auch selbstständige Einzelhändler konnten ihre Mitarbeiter anmelden, an den ersten drei Tagen sind aber die Verwaltungsmitarbeiter dran. Es gehe darum, zunächst die Abläufe und das Zusammenspiel zu testen, berichtet Oliver Hajdu. Danach komme der Lebensmitteleinzelhandel dran. „Da wird es kniffliger“, sagt er. Die Impfwilligen kämen ja von überall her, es müsse ein separater Eingang geschaffen werden, damit sie nicht durchs Gebäude gehen müssten. Betriebsarzt Farshid Mokhberi tritt zwischen den Stellwänden hervor und bittet Kristin Haubrock in seine Kabine. Nach einem kurzen Gespräch verabreicht er der Mios-Mitarbeiterin in Elternzeit die Injektion. Beim Hausarzt stehe sie auf der Warteliste, berichtet Haubrock. Beim Arbeitgeber hat es nun schneller geklappt. „Da war ich doch überrascht.“ Ihr Mann sei schon länger geimpft. „Ich freue mich für jeden, der eine Spritze bekommen hat“, sagt sie. Aber jetzt ist sie froh, selber dran zu sein. Ein kleiner Piks, dann ist es geschafft. „Viel Wasser, kein Sport und kein Alkohol“, gibt Mokhberi ihr mit auf den Weg und entlässt sie in den Wartebereich. Nach einer Viertelstunde kann sie gehen. In rund sechs Wochen geht es weiter, dann gibt es die zweite Impfung.

Interesse groß, Liefermenge klein: Betriebsärzte dürfen nun impfen - große Firmen reagieren schnell

WerkstudentinSandra Tomiak bereitet den Impfstoff vor, in dem sie ihn mit Natriumchlorid verdünnt. © Alex Lehn

Minden. Für den wichtigsten Schritt ist eine ruhige Hand gefragt: das Anmischen des Impfstoffs. Wie in Zeitlupe bereitet Sandra Tomiak die Spritzen mit dem Mittel von Biontech vor. Es ist immer der gleiche Ablauf, bei jedem der kleinen Injektionsfläschchen mit dem lilafarbenen Verschluss. Erst nimmt sie das Gefäß zwischen Daumen und Zeigefinger und schwenkt es langsam. Genau zehnmal. „Der Stoff ist am Boden abgelagert. Das ist wie bei gutem Wein“, erklärt Ingo Passoth. Der Geschäftsführer der Firma Company Check Deutschland stellt der Edeka Minden-Hannover das medizinische Personal für die Impfstraße. Seit Donnerstag ist sie in Betrieb. 80 Impfdosen stehen an diesem Tag zur Verfügung.

Das kleine Glasbehältnis hat Werkstudentin Sandra Tomiak nun zur Seite gestellt und greift zum Fläschchen mit Natriumchlorid-Lösung, besser bekannt als Kochsalzlösung. Mit ihr wird der Impfstoff verdünnt. „Dabei darf keine Luft in das Vial hineingelangen und es darf nicht zu schnell passieren, sonst spritzt der Impfstoff aus dem Behältnis“, erklärt Passoth weiter. Eine Ärztin leitet Tomiak an, die vorsichtig die Kochsalzlösung per Spritze in die Ampulle befördert. Nach erneutem vorsichtigem Schwenken lassen sich am Ende sechs Spritzen aus einem Fläschchen gewinnen, sechs Edeka-Mitarbeiter mehr, die so besser vor dem Corona-Virus geschützt sind.

Mit Aufhebung der Impfpriorisierung am vergangenen Montag sind neben den Impfzentren und Hausärzten nun auch Betriebsärzte in die Immunisierung eingestiegen. Dafür brauche es keine besonderen Voraussetzungen, man müsse nur die Einhaltung der AHA-Regeln und den Datenschutz gewährleisten, erklärt Passoth.


Beschäftigte im Einzelhandel gehörten eigentlich zur Prioritätsgruppe 3. Schon im April hatte Edeka Mitarbeiter auf Impfmöglichkeiten bei Hausärzten und im Zentrum in Hille hingewiesen, dafür Bescheinigungen ausgestellt. Viele Mitarbeiter wurden aber nicht berücksichtigt und waren dementsprechend frustriert, berichtet Oliver Hajdu, leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit. „Die Freigabe hat für den Einzelhandel nichts gebracht.“

Betriebsarzt Farshid Mokhberi injiziert Kerstin Haubrock die erste Spritze. 80 Dosen werden pro Tag in der Edeka-Zentrale in Minden an Mitarbeiter verimpft. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Betriebsarzt Farshid Mokhberi injiziert Kerstin Haubrock die erste Spritze. 80 Dosen werden pro Tag in der Edeka-Zentrale in Minden an Mitarbeiter verimpft. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn

„Über die staatlichen Stellen lief es zu schleppend“, ergänzt Änne Spannuth, Leiterin der Edeka-Unternehmenskommunikation. „Dabei haben unsere Mitarbeiter über Monate die Versorgung sichergestellt. Wir wollen ihnen nun ein Stück Normalität wiedergeben.“ Darum gibt es das eigene Impfangebot hier in Minden und an anderen Standorten wie etwa bei Bauerngut in Bückeburg, dem Logistikzentrum in Lauenau oder auch in einigen Märkten.

In der Edeka-Zentrale an der Wittelsbacherallee ist ein kleines Impfzentrum aufgebaut worden – mit einer Anmeldung, bei der die Mitarbeitenden ihre Unterlagen wie die Einwilligungserklärung abgeben. Es gibt Wartebereiche für vor und nach der Impfung und zwei Kabinen, abgeteilt durch Stellwände mit Werbeaufdruck. In der einen empfängt Betriebsarzt Farshid Mokhberi Impflinge, im Raum nebenan wird der bei zwei bis acht Grad in einer Kühlbox gelagerte Impfstoff aufbereitet.

Die sechs Spritzen aus einer Ampulle holt sich Mokhberi in einem Frischhaltetütchen mit Zipperverschluss bei Werkstudentin Sandra Tomiak ab. Die darauf notierte Uhrzeit zeigt an, ab wann der Sechs-Stunden-Countdown läuft. Innerhalb dieses Zeitraums muss das Präparat verimpft werden.

Auch andere große Unternehmen in Minden und Umgebung haben an ihren Standorten Impfstraßen eingerichtet. Wie viel im Kreisgebiet über die Betriebsärzte in der ersten Woche verimpft wurde, ist nicht bekannt. Während die Zahlen etwa fürs Impfzentrum und die Hausärzte über die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mitgeteilt werden, leiten die Betriebsärzte die Informationen zu Impfungen direkt ans Robert-Koch-Institut weiter, wo es keine Aufschlüsselung nach Landkreisen gibt. Auch die Firmen halten sich zu den Impfstoffmengen größtenteils zurück. „Dazu geben wir keine Auskunft“, teilt beispielsweise Unternehmenssprecherin Tina Nolting für Wago mit. Harting berichtet in einer Pressemitteilung hingegen von 1.400 Impfdosen, die Angestellte an zwei Tagen erhalten sollen.

Passoths Firma, die Unternehmen wie Edeka Dienstleistungen zur Arbeitsmedizin anbietet, hatte für seine 18 Betriebsärzte jeweils 804 Dosen bestellt, bekommen habe er 102. „Und nächste Woche sind es nur 84.“ Bei Edeka ist in den kommenden Tagen ein Betriebsarzt im Einsatz. Passoth will die zugesagten Dosen auf jeden Fall einhalten.

Eines ist klar: Die Nachfrage übersteigt bei allen angefragten Mindener Unternehmen die gelieferte Impfstoffmenge. „Es war weniger als bestellt“, berichtet beispielsweise Dr. Ewald Schlüter, Geschäftsführer des Werksarztzentrums Minden. Das betreut rund 170 heimische Unternehmen mit 27.000 Mitarbeitenden, gut die Hälfte davon habe Interesse an einer Impfung bekundet. Wie viele Dosen letztlich in Minden ankamen, will er nicht sagen. Auch, um keinen Unmut zu wecken. Die erhaltenen Dosen wurden aufgeteilt, seit Montag wird auf dem Gelände an der Ringstraße und in Unternehmen geimpft.

Natürlich gebe es auch mal Drängler. „Aber wir haben das im Griff“, sagt er. Damit keine Diskussionen aufkommen, wurde ein Ethikbeirat geschaffen. Der nehme eine interne Priorisierung vor. Dabei liege vor allem der Einzelhandel sehr weit vorne.

Das Unternehmen Wago ist am Montag mit den Impfungen gestartet. Bislang sei alles glatt gelaufen, berichtet Sprecherin Tina Nolting. Mehr als 1.000 von 2.500 Mitarbeitenden hatten Interesse bekundet. „Es werden die priorisiert, die nicht im Homeoffice arbeiten können“, erklärt Nolting. Die Stimmung sei positiv, weil es endlich losgehe. Arbeitserleichterungen wie die Abschaffung der Masken- oder Abstandspflicht bringt der Piks aber – vorerst – nicht mit sich. „Es gibt bislang kein Update der Corona-Arbeitsschutzverordnung dazu“, sagt die Sprecherin.

Das Unternehmen Follmann wartet noch auf Impfstoff. Personalchef Thorsten Liecker rechnet mit einem Impfstart auf dem Werksgelände diese Woche. „Die größte Schwierigkeit ist die Unplanbarkeit, ob und wann wie viel Impfstoff kommt“, sagt er. Rund 500 Mitarbeiter gibt es in Minden. Die, die nicht ins Homeoffice können, sollen bevorzugt werden. „Und wir werden es so aufteilen, dass nicht einzelne Abteilungen lahmgelegt werden“, sagt er zu eventuellen Nebenwirkungen. Je länger die Impfaktion dauere, desto weniger werde am Ende nötig sein, schätzt er. Weil die Interessenten in der Zwischenzeit vielleicht Glück beim Hausarzt hatten.

Bei Melitta ging es am Mittwoch los. „Wir freuen uns total, dass wir den Mitarbeitern dieses Angebot machen konnten“, berichtet Unternehmenssprecherin Tanja Wucherpfennig. Auch hier übersteigt die Nachfrage das Angebot. „Wir haben nur zehn Prozent der bestellten Menge erhalten.“ Wie viel geordert wurde, teilt sie nicht mit.

Das Unternehmen hat eine eigene Priorisierung aufgestellt: Zuerst kommen die dran, die nicht zu Hause arbeiten können. Dann die, die beruflich viel Kontakt zu anderen Menschen haben. „Als drittes sind die dran, die im Homeoffice sind. Das ist der Großteil“, sagt Wucherpfennig.

Und wie sieht es bei kleineren Betrieben zum Beispiel im Handwerk aus, die keinen Betriebsarzt haben? „Wir haben alle schon unsere Erstimpfung“, berichtet beispielsweise Juljane Grote vom familiengeführten „Grote Energie- und Bäderzentrum Porta“ auf MT-Nachfrage. Grotes Heizungsmonteure seien täglich in bis zu sechs verschiedenen Haushalten unterwegs. „Wir arbeiten viel in Altenheimen. Dadurch wurden wir vorgezogen in die Impf-Prio zwei.“

Michael Marten führt eine Tischlerei und Zimmerei in Porta Westfalica. Er wird nächste Woche geimpft. „Aber über meinen Hausarzt.“ Viele Kollegen seien noch nicht immunisiert. Das sei vor allem für die kritisch, die viel drinnen arbeiteten. „Es warten eigentlich alle“, sagt der Obermeister der Fachinnung für Zimmerei und Holzbau. „Aber man kann nicht sagen, dass der Staat es ungerecht macht. Wenn er nichts hat, kann er nichts verteilen“, meint er angesprochen auf die Aufhebung der Priorisierung und die großen Unternehmen, die Impfungen für ihre Mitarbeiter organisieren.

Nach vergangenem Donnerstag gibt es auch in dieser Woche zwei Impftermine in der Edeka-Impfstraße. Daran sollen sich dann zwölf weitere Tage anschließen – wenn es denn genügend Impfstoff gibt. Am Ende sollen 1.200 Menschen eine Erstimpfung erhalten. Auch selbstständige Einzelhändler konnten ihre Mitarbeiter anmelden, an den ersten drei Tagen sind aber die Verwaltungsmitarbeiter dran. Es gehe darum, zunächst die Abläufe und das Zusammenspiel zu testen, berichtet Oliver Hajdu. Danach komme der Lebensmitteleinzelhandel dran. „Da wird es kniffliger“, sagt er. Die Impfwilligen kämen ja von überall her, es müsse ein separater Eingang geschaffen werden, damit sie nicht durchs Gebäude gehen müssten.

Betriebsarzt Farshid Mokhberi tritt zwischen den Stellwänden hervor und bittet Kristin Haubrock in seine Kabine. Nach einem kurzen Gespräch verabreicht er der Mios-Mitarbeiterin in Elternzeit die Injektion. Beim Hausarzt stehe sie auf der Warteliste, berichtet Haubrock. Beim Arbeitgeber hat es nun schneller geklappt. „Da war ich doch überrascht.“ Ihr Mann sei schon länger geimpft. „Ich freue mich für jeden, der eine Spritze bekommen hat“, sagt sie. Aber jetzt ist sie froh, selber dran zu sein.

Ein kleiner Piks, dann ist es geschafft. „Viel Wasser, kein Sport und kein Alkohol“, gibt Mokhberi ihr mit auf den Weg und entlässt sie in den Wartebereich. Nach einer Viertelstunde kann sie gehen. In rund sechs Wochen geht es weiter, dann gibt es die zweite Impfung.

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