Inge Howe zu Hintergründen der Diskussion um Zukunft des Preußen-Museums Minden "Das sehe ich als Sandkastenspiele" Von Ursula Koch Minden (mt). "Mich ärgert, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe beim Preußen-Museum vorgegangen ist", sagt die Landtagsabgeordnete Inge Howe (SPD) im Gespräch. Was sie aufregt, sind die vom Land geforderten 877000 Euro Investitionskosten, die der Verband in seinen Beschluss zur Übernahme des Museumsstandortes Minden eingebaut hat, über den am heutigen Freitag auch Landschaftsausschuss und Stiftungsrat abstimmen.Der Standort Wesel habe in der Tat Geld vom Land und von der Preußen-Stiftung des Bundes erhalten, um das Dach des dortigen Museumsgebäudes zu sanieren. Das habe der LWL offenbar für sich zum Anlass genommen, neue Forderungen zu stellen. "Das sehe ich als Sandkastenspiele an", sagt Howe. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale hätten in einem Brief an Verkehrsminister Michael Groschek acht Fragen formuliert, auf die sie entgegen anderer Aussagen auch eine Antwort erhalten hätten. Im Beschluss seien nun aber zehn Punkte formuliert."Ich finde es nicht korrekt, so zu agieren", ärgert sich Howe auch, weil sie in den vergangenen drei Jahren immer wieder Gespräche zwischen den beteiligten Parteien organisiert hat. Für sie sei das Verhalten seitens des LWL ein Indiz dafür, dass zwar nach außen gesagt werde, wir wollen die Trägerschaft übernehmen, aber nur um nach außen den Schein zu wahren. "Dem Land soll der Schwarze Peter zugeschoben werden", vermutet die Landespolitikerin.Mit der Forderung des LWL, das Land solle Sanierungskosten übernehmen, sofern diese sich auf mehr als 126000 Euro jährlich belaufen, werde unterstellt, dass auch das Museumsgebäude am Simeonsplatz ein Sanierungsfall ist. Das sei aber nicht der Fall. Im Gegenteil habe der Verband Profit aus dem Bau schlagen wollen, indem er Räume im Erdgeschoss an Arztpraxen vermiete. Dem habe das Land nicht zugestimmt, sondern die Vermietung auf kulturaffine Nutzungen beschränkt.Schließung wäre ein großer VerlustIn Wesel sei dagegen von Anfang an klar gewesen, dass das Gebäude in schlechtem Zustand ist. Der Landschaftsverband Rheinland habe sich mittlerweile aber klar zu Investitionen und der Übernahme des Standortes bekannt."Ich fände es einen großen Verlust, wenn wir das Preußen-Museum Minden zumachen müssten", sagt Howe. Denn "ohne historische Darstellung haben wir weder Gegenwart noch Zukunft". Für die Schulen sei das Preußen-Museum sehr wichtig. Sie räumt aber auch ein, dass die Dauerausstellung in Minden zu starr ist. "Ich finde es klasse, was der LWL aus seinen Museen gemacht hat", lobt sie und sieht dort das Know-How, um das Museum attraktiver zu machen.Auch der Platz vor der Defensionskaserne lade nicht gerade zu einem Besuch ein, sei zu groß und zu leer. "Daraus könnte man mehr machen", meint Howe. Dass in Westfalen-Lippe so taktiert wird, habe eindeutig mit der Finanzlage der Beteiligten zu tun, ist sie sich sicher.Wie der Knoten für Minden noch durchschlagen werden kann? Eine Option sei, das Kapital der Stiftung Preußen-Museum nicht hälftig auf die Standorte Minden und Wesel aufzuteilen. Man könnte schauen, was Wesel an öffentlichen Mitteln für die Gebäudesanierung bekommen habe und das von dem Weseler Anteil abziehen.

Inge Howe zu Hintergründen der Diskussion um Zukunft des Preußen-Museums Minden

Minden (mt). "Mich ärgert, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe beim Preußen-Museum vorgegangen ist", sagt die Landtagsabgeordnete Inge Howe (SPD) im Gespräch.

Aus dem Preußen-Museum in Minden könnte man mehr machen, findet Landtagsabgeordnete Inge Howe. Dafür müsste Geld zur Verfügung gestellt werden. - © Foto: Lehn (Archiv)
Aus dem Preußen-Museum in Minden könnte man mehr machen, findet Landtagsabgeordnete Inge Howe. Dafür müsste Geld zur Verfügung gestellt werden. - © Foto: Lehn (Archiv)

Was sie aufregt, sind die vom Land geforderten 877000 Euro Investitionskosten, die der Verband in seinen Beschluss zur Übernahme des Museumsstandortes Minden eingebaut hat, über den am heutigen Freitag auch Landschaftsausschuss und Stiftungsrat abstimmen.

"Das sehe ich als Sandkastenspiele" - © MINDEN
"Das sehe ich als Sandkastenspiele" - © MINDEN

Der Standort Wesel habe in der Tat Geld vom Land und von der Preußen-Stiftung des Bundes erhalten, um das Dach des dortigen Museumsgebäudes zu sanieren. Das habe der LWL offenbar für sich zum Anlass genommen, neue Forderungen zu stellen. "Das sehe ich als Sandkastenspiele an", sagt Howe. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale hätten in einem Brief an Verkehrsminister Michael Groschek acht Fragen formuliert, auf die sie entgegen anderer Aussagen auch eine Antwort erhalten hätten. Im Beschluss seien nun aber zehn Punkte formuliert.

"Ich finde es nicht korrekt, so zu agieren", ärgert sich Howe auch, weil sie in den vergangenen drei Jahren immer wieder Gespräche zwischen den beteiligten Parteien organisiert hat. Für sie sei das Verhalten seitens des LWL ein Indiz dafür, dass zwar nach außen gesagt werde, wir wollen die Trägerschaft übernehmen, aber nur um nach außen den Schein zu wahren. "Dem Land soll der Schwarze Peter zugeschoben werden", vermutet die Landespolitikerin.

Mit der Forderung des LWL, das Land solle Sanierungskosten übernehmen, sofern diese sich auf mehr als 126000 Euro jährlich belaufen, werde unterstellt, dass auch das Museumsgebäude am Simeonsplatz ein Sanierungsfall ist. Das sei aber nicht der Fall. Im Gegenteil habe der Verband Profit aus dem Bau schlagen wollen, indem er Räume im Erdgeschoss an Arztpraxen vermiete. Dem habe das Land nicht zugestimmt, sondern die Vermietung auf kulturaffine Nutzungen beschränkt.

Schließung wäre ein großer Verlust

In Wesel sei dagegen von Anfang an klar gewesen, dass das Gebäude in schlechtem Zustand ist. Der Landschaftsverband Rheinland habe sich mittlerweile aber klar zu Investitionen und der Übernahme des Standortes bekannt.

"Ich fände es einen großen Verlust, wenn wir das Preußen-Museum Minden zumachen müssten", sagt Howe. Denn "ohne historische Darstellung haben wir weder Gegenwart noch Zukunft". Für die Schulen sei das Preußen-Museum sehr wichtig. Sie räumt aber auch ein, dass die Dauerausstellung in Minden zu starr ist. "Ich finde es klasse, was der LWL aus seinen Museen gemacht hat", lobt sie und sieht dort das Know-How, um das Museum attraktiver zu machen.

Auch der Platz vor der Defensionskaserne lade nicht gerade zu einem Besuch ein, sei zu groß und zu leer. "Daraus könnte man mehr machen", meint Howe. Dass in Westfalen-Lippe so taktiert wird, habe eindeutig mit der Finanzlage der Beteiligten zu tun, ist sie sich sicher.

Wie der Knoten für Minden noch durchschlagen werden kann? Eine Option sei, das Kapital der Stiftung Preußen-Museum nicht hälftig auf die Standorte Minden und Wesel aufzuteilen. Man könnte schauen, was Wesel an öffentlichen Mitteln für die Gebäudesanierung bekommen habe und das von dem Weseler Anteil abziehen.

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