In kleinen Schritten: Kreis nähert sich Sanierung der Kampa-Halle Henning Wandel Minden. Der Mindener Handball und die Kampa-Halle sind ohne einander kaum denkbar. Nirgends sonst im Kreis können so viele Menschen ihre GWD-Starts bejubeln. Und ohne die grün-weißen Erfolge stünde an der Hahler Straße wohl noch immer eine hauptsächlich von Schulen und Vereinen genutzte Dreifachhalle. Aber dieser Ort ist auch über den Handball hinaus für viele Sportler ein wichtiger Teil der eigenen Geschichte. Auch der Autor hat hier im Januar 1989 zum ersten Mal ein Rennen über die Hürden gewonnen – auf der damals hochmodernen 50-Meter-Kunststoffbahn, die die meisten Besucher noch nie gesehen haben – und die für viele Künstler nicht mehr ist als der Bereich, an dem das Catering aufgebaut wird. Wenn am Montag im Kreisausschuss darüber abgestimmt wird, ob die Sanierung der Halle auf den Weg gebracht wird, spielen auch solche Erinnerungen eine Rolle. In den vergangenen 50 Jahren haben Handballer und Leichtathleten, Volleyballer, Schützen und Fußballer eine emotionale Bindung zu ihrer Halle aufgebaut. Und ebenso emotional wird seit Jahren darüber gestritten, wie die Zukunft aussehen könnte. Während die eine Hälfte sich einem Erhalt verpflichtet fühlt, will die andere Platz schaffen für Neues. Und beide sind davon überzeugt, zum Wohle der Nutzer zu handeln. Genauso wie beide glauben, den Bau einer modernen Veranstaltungsstätte nur auf ihrem ermöglichen zu können. Im Kern geht es um zwei Themen, die scheinbar untrennbar miteinander verbunden sind. Einmal ist da die Sporthalle als wichtiger Teil zweier Berufskollegs. Träger ist der Kreis Minden-Lübbecke, er muss den Schulen Sportunterricht ebenso ermöglichen, wie die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, die später in einer Kita Bewegungsangebote machen sollen. Nach Schulschluss warten schon die Vereine, die hier entweder den sportlichen Nachwuchs ausbilden oder sich auf das nächste Bundesliga-Spiel vorbereiten. Und dann ist die Kampa-Halle auch noch der größte Veranstaltungsort im Kreis für Konzerte, Shows und Messen. Es ist richtig, dass erst der millionenschwere Sanierungsbedarf der Kampa-Halle 2014 überhaupt den Anstoß gegeben hat, die Idee einer modernen Arena zu entwickeln. Und es ist auch denkbar, dass ein Sanierungsbeschluss diesen Neubau auf lange Zeit unmöglich macht, weil private Investoren einen Doppelbetrieb ausschließen. Dennoch lohnt es sich, beide Aspekte voneinander zu trennen. Zum Beispiel mit einem Blick auf den Sport, einem der Kronzeugen für eine schnelle Sanierung, wie sie vor allem von den Kreistags-Fraktionen von CDU und Grünen befürwortet wird. Doch gerade aus dieser Ecke kam zuletzt immer deutlicherer Widerspruch. Die Kampa-Halle erfülle schon jetzt nicht mehr den aktuellen Standard, den gerade Leistungsstützpunkte erwarteten, sagt etwa der Kreissportbund, der sich für den Neubau eines Sportleistungszentrums stark macht. Das befürwortet auch GWD Minden, der sich als Ausbildungsverein versteht und unabhängig von einer Spielstätte entsprechende Trainingsmöglichkeiten benötigt. Eine Halle ist besser als keine Halle – so ähnlich argumentieren auch die Befürworter der Sanierung als sichere Variante. Für knapp neun Millionen Euro wären die wichtigsten Mängel zu beheben, für drei Millionen mehr auch die wünschenswerten. Vier Millionen sollen über Fördermittel aus Berlin abgedeckt werden, die bereits beantragt sind. Das Geld hätte grundsätzlich aber auch für ein neues Sportzentrum abgerufen werden können, sagt die SPD, die für einen Neubau kämpft, denn: bei einer Sanierung gäbe es „nur Verlierer". Die Kosten für das Leistungssportzentrum sollen nach früheren Schätzungen irgendwo zwischen zehn und zwölf Millionen Euro liegen, wären also vergleichbar mit den Sanierungskosten. Dafür aber würden die Unterhaltskosten deutlich günstiger, sagen Neubau-Befürworter. Aber der Kreis will nicht auf die Fördergelder verzichten. Im Hintergrund wird angeblich heftig darum gestritten, ob der Förderantrag noch einmal umgewidmet werden kann. Der zuständige Projektträger Jülich verweist auf MT-Nachfrage an das übergeordnete Bundesinnenministerium, doch auch das hält sich bedeckt. Ein Sprecher bestätigt, dass der Antrag vorliege und zunächst „alle Fragen rund um die Zuwendung zwischen Zuwendungsgeber, Bundesbauverwaltung und Antragsteller geklärt werden". Grundsätzlich aber sei in Ausnahmefällen auch ein Ersatzneubau möglich, „wenn dies wirtschaftlicher ist." Kreis-Sprecher Florian Hemann hingegen betont, dass eine Umwidmung nicht mehr möglich sei. Das hätten Gespräche von Landrätin Anna Bölling (CDU) mit Vertretern der Bundespolitik ergeben. Daran beteiligt gewesen seien Mitglieder des Finanzausschusses und Vertreter des Büros der Staatssekretärin im zuständigen Bundesministerium. Aber was sagen eigentlich die Schulen? Der Leiter des Leo-Sympher-Berufskollegs, Knut Engels, hält sich mit einer politischen Bewertung zurück. Eine funktionstüchtige Kampa-Halle sei für den Schulsport ausreichend, sagt und schließt besonders auch die Kreis-Schwimmhalle mit ein. Das gelte auch für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. „Mehr Anforderungen zu stellen steht der Schule nicht zu", so Engels weiter. Insofern wäre er mit einer Sanierung zufrieden. Doch das Leo Sympher hat ganz andere Probleme: Zwei Schulgebäude sind ebenfalls sanierungsbedürftig, die Entwicklungsmöglichkeiten müssen laut Engels in die Gesamtbetrachtung mit einfließen. Das bedeute aber nicht, dass das Berufskolleg sich räumlich auf dem Gelände der jetzigen Kampa-Halle ausdehnen müsse. Auch diese Variante war in der Debatte in Verbindung mit einem neuen Sportzentrum auf der gegenüberliegenden Seite der Hahler Straße bereits angeklungen. Beschlossen werden soll zunächst nur über die Ausschreibung der Planungsleistungen für die Sanierung. Damit kommen sich die SPD sowie die Kooperationspartner CDU und Grüne wieder etwas näher, da die eigentlichen Sanierungsarbeiten weiterer Beschlüsse bedürfen. Die Zeit drängt dennoch: Bis 2024 muss die Sanierung abgeschlossen sein, sonst fließt kein Geld aus Berlin. Standpunkt zur Kampa-Halle: Zu viele letzte Chancen Der nächste Akt im Drama um die Kampa-Halle steht am Montag auf dem Spielplan. Oder besser: Auf der Tagesordnung der Kreispolitik. Zuletzt standen sich die unterschiedlichen Ideen nach Jahren der Diskussion eher unbeweglich gegenüber. Jetzt müsste also eigentlich hier ein weiterer Lösungsvorschlag kommen, schließlich steht „Standpunkt" drüber. Zum Beispiel so: Die Halle wieder aufmachen, sie aber in zwei (oder nach einer möglichen Verlängerung des Interims in vier) Jahren mit einem Zweck-Neubau ersetzen anstatt sie zu sanieren. Förderprogramme gibt es immer wieder, sicher auch dann für einen Sportstättenbau. In der Zwischenzeit können sich Stadt und Wirtschaft um die Arena kümmern. Tatsächlich aber habe ich den Glauben daran fast verloren, dass hier wirklich einmal eine Entscheidung fällt, die dann auch Bestand hat und umgesetzt wird. Und ehrlich gesagt bin ich es auch leid, immer wieder über letzte Chancen schreiben zu müssen. Oder über Beschlüsse, die schon in dem Moment infrage stehen, in dem sie gefasst werden. Und so geht es offenbar nicht nur mir: Lange war das Leserinteresse groß, jetzt ist eher Resignation spürbar. In der Kreispolitik ist der Montag traditionell der Tag der Entscheidungen im Kreistag oder – in Zeiten coronabedingter Selbstbeschränkung – im Kreisausschuss. Dieses Mal soll die Planung für die Sanierung beschlossen werden. Eigentlich hätte es aber auch schon um die Ausschreibungen der folgenden Arbeiten gehen können, doch die müssen später jeweils einzeln noch einmal politisch bestätigt werden. So zumindest sieht es der Tagesordnungspunkt 3 vor. Wer genau hinschaut, kann hier die Bürde erkennen, die seit inzwischen fast sieben Jahren auf dem Gesamtkomplex aus Kampa-Halle und Multifunktionsarena, Abriss und Neubau, Förderung oder Nicht-Förderung lastet. Da werden Pläne gemacht, Kompromisse gesucht, Entscheidungen getroffen, wieder zurückgenommen, umformuliert, neue Beschlüsse gefasst. Währenddessen verschwinden alte Bündnisse und neue werden geformt. Dabei werden die Gräben zwischen den Lagern spürbar tiefer. Das Tragische an der Situation: Alle Seiten sind überzeugt davon, das Richtige zu wollen. Es könnte ein Fest der Politik sein, diesen Konflikt aufzulösen. Oder besser: Es hätte ein solches sein können. Denn der Moment, bis zu dem ein solcher Austausch möglich war, scheint lange vorbei. Stattdessen wird darüber gestritten, ob eine Interimsöffnung auf zwei Jahre befristet sein muss, ob die Fördermittel des Bundes nur für eine Sanierung abrufbar sind oder waren, ob die Stadt mit der Altlastensanierung vorankommt oder ob Schulen und Vereine mit einer Sanierung tatsächlich glücklich wären. Hoffnungsvoll klingt das nicht. Aber wer weiß: Es hat ja schon reichlich Überraschungen gegeben.

In kleinen Schritten: Kreis nähert sich Sanierung der Kampa-Halle

Minden. Der Mindener Handball und die Kampa-Halle sind ohne einander kaum denkbar. Nirgends sonst im Kreis können so viele Menschen ihre GWD-Starts bejubeln. Und ohne die grün-weißen Erfolge stünde an der Hahler Straße wohl noch immer eine hauptsächlich von Schulen und Vereinen genutzte Dreifachhalle. Aber dieser Ort ist auch über den Handball hinaus für viele Sportler ein wichtiger Teil der eigenen Geschichte. Auch der Autor hat hier im Januar 1989 zum ersten Mal ein Rennen über die Hürden gewonnen – auf der damals hochmodernen 50-Meter-Kunststoffbahn, die die meisten Besucher noch nie gesehen haben – und die für viele Künstler nicht mehr ist als der Bereich, an dem das Catering aufgebaut wird.

Die Laufbahn in der Kampa-Halle ist für die Leichtathleten trotz ihrer Defizite noch immer wichtig. MT-Archivfoto: Patrick Schwemling - © Patrick Schwemling
Die Laufbahn in der Kampa-Halle ist für die Leichtathleten trotz ihrer Defizite noch immer wichtig. MT-Archivfoto: Patrick Schwemling - © Patrick Schwemling

Wenn am Montag im Kreisausschuss darüber abgestimmt wird, ob die Sanierung der Halle auf den Weg gebracht wird, spielen auch solche Erinnerungen eine Rolle. In den vergangenen 50 Jahren haben Handballer und Leichtathleten, Volleyballer, Schützen und Fußballer eine emotionale Bindung zu ihrer Halle aufgebaut. Und ebenso emotional wird seit Jahren darüber gestritten, wie die Zukunft aussehen könnte. Während die eine Hälfte sich einem Erhalt verpflichtet fühlt, will die andere Platz schaffen für Neues. Und beide sind davon überzeugt, zum Wohle der Nutzer zu handeln. Genauso wie beide glauben, den Bau einer modernen Veranstaltungsstätte nur auf ihrem ermöglichen zu können.

Im Kern geht es um zwei Themen, die scheinbar untrennbar miteinander verbunden sind. Einmal ist da die Sporthalle als wichtiger Teil zweier Berufskollegs. Träger ist der Kreis Minden-Lübbecke, er muss den Schulen Sportunterricht ebenso ermöglichen, wie die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, die später in einer Kita Bewegungsangebote machen sollen. Nach Schulschluss warten schon die Vereine, die hier entweder den sportlichen Nachwuchs ausbilden oder sich auf das nächste Bundesliga-Spiel vorbereiten. Und dann ist die Kampa-Halle auch noch der größte Veranstaltungsort im Kreis für Konzerte, Shows und Messen.

Es ist richtig, dass erst der millionenschwere Sanierungsbedarf der Kampa-Halle 2014 überhaupt den Anstoß gegeben hat, die Idee einer modernen Arena zu entwickeln. Und es ist auch denkbar, dass ein Sanierungsbeschluss diesen Neubau auf lange Zeit unmöglich macht, weil private Investoren einen Doppelbetrieb ausschließen. Dennoch lohnt es sich, beide Aspekte voneinander zu trennen. Zum Beispiel mit einem Blick auf den Sport, einem der Kronzeugen für eine schnelle Sanierung, wie sie vor allem von den Kreistags-Fraktionen von CDU und Grünen befürwortet wird. Doch gerade aus dieser Ecke kam zuletzt immer deutlicherer Widerspruch. Die Kampa-Halle erfülle schon jetzt nicht mehr den aktuellen Standard, den gerade Leistungsstützpunkte erwarteten, sagt etwa der Kreissportbund, der sich für den Neubau eines Sportleistungszentrums stark macht. Das befürwortet auch GWD Minden, der sich als Ausbildungsverein versteht und unabhängig von einer Spielstätte entsprechende Trainingsmöglichkeiten benötigt.

Eine Halle ist besser als keine Halle – so ähnlich argumentieren auch die Befürworter der Sanierung als sichere Variante. Für knapp neun Millionen Euro wären die wichtigsten Mängel zu beheben, für drei Millionen mehr auch die wünschenswerten. Vier Millionen sollen über Fördermittel aus Berlin abgedeckt werden, die bereits beantragt sind. Das Geld hätte grundsätzlich aber auch für ein neues Sportzentrum abgerufen werden können, sagt die SPD, die für einen Neubau kämpft, denn: bei einer Sanierung gäbe es „nur Verlierer". Die Kosten für das Leistungssportzentrum sollen nach früheren Schätzungen irgendwo zwischen zehn und zwölf Millionen Euro liegen, wären also vergleichbar mit den Sanierungskosten. Dafür aber würden die Unterhaltskosten deutlich günstiger, sagen Neubau-Befürworter.

Aber der Kreis will nicht auf die Fördergelder verzichten. Im Hintergrund wird angeblich heftig darum gestritten, ob der Förderantrag noch einmal umgewidmet werden kann. Der zuständige Projektträger Jülich verweist auf MT-Nachfrage an das übergeordnete Bundesinnenministerium, doch auch das hält sich bedeckt. Ein Sprecher bestätigt, dass der Antrag vorliege und zunächst „alle Fragen rund um die Zuwendung zwischen Zuwendungsgeber, Bundesbauverwaltung und Antragsteller geklärt werden". Grundsätzlich aber sei in Ausnahmefällen auch ein Ersatzneubau möglich, „wenn dies wirtschaftlicher ist." Kreis-Sprecher Florian Hemann hingegen betont, dass eine Umwidmung nicht mehr möglich sei. Das hätten Gespräche von Landrätin Anna Bölling (CDU) mit Vertretern der Bundespolitik ergeben. Daran beteiligt gewesen seien Mitglieder des Finanzausschusses und Vertreter des Büros der Staatssekretärin im zuständigen Bundesministerium.

Aber was sagen eigentlich die Schulen? Der Leiter des Leo-Sympher-Berufskollegs, Knut Engels, hält sich mit einer politischen Bewertung zurück. Eine funktionstüchtige Kampa-Halle sei für den Schulsport ausreichend, sagt und schließt besonders auch die Kreis-Schwimmhalle mit ein. Das gelte auch für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. „Mehr Anforderungen zu stellen steht der Schule nicht zu", so Engels weiter. Insofern wäre er mit einer Sanierung zufrieden. Doch das Leo Sympher hat ganz andere Probleme: Zwei Schulgebäude sind ebenfalls sanierungsbedürftig, die Entwicklungsmöglichkeiten müssen laut Engels in die Gesamtbetrachtung mit einfließen. Das bedeute aber nicht, dass das Berufskolleg sich räumlich auf dem Gelände der jetzigen Kampa-Halle ausdehnen müsse. Auch diese Variante war in der Debatte in Verbindung mit einem neuen Sportzentrum auf der gegenüberliegenden Seite der Hahler Straße bereits angeklungen.

Beschlossen werden soll zunächst nur über die Ausschreibung der Planungsleistungen für die Sanierung. Damit kommen sich die SPD sowie die Kooperationspartner CDU und Grüne wieder etwas näher, da die eigentlichen Sanierungsarbeiten weiterer Beschlüsse bedürfen. Die Zeit drängt dennoch: Bis 2024 muss die Sanierung abgeschlossen sein, sonst fließt kein Geld aus Berlin.

Standpunkt zur Kampa-Halle: Zu viele letzte Chancen

Der nächste Akt im Drama um die Kampa-Halle steht am Montag auf dem Spielplan. Oder besser: Auf der Tagesordnung der Kreispolitik. Zuletzt standen sich die unterschiedlichen Ideen nach Jahren der Diskussion eher unbeweglich gegenüber. Jetzt müsste also eigentlich hier ein weiterer Lösungsvorschlag kommen, schließlich steht „Standpunkt" drüber. Zum Beispiel so: Die Halle wieder aufmachen, sie aber in zwei (oder nach einer möglichen Verlängerung des Interims in vier) Jahren mit einem Zweck-Neubau ersetzen anstatt sie zu sanieren. Förderprogramme gibt es immer wieder, sicher auch dann für einen Sportstättenbau. In der Zwischenzeit können sich Stadt und Wirtschaft um die Arena kümmern.

Tatsächlich aber habe ich den Glauben daran fast verloren, dass hier wirklich einmal eine Entscheidung fällt, die dann auch Bestand hat und umgesetzt wird. Und ehrlich gesagt bin ich es auch leid, immer wieder über letzte Chancen schreiben zu müssen. Oder über Beschlüsse, die schon in dem Moment infrage stehen, in dem sie gefasst werden. Und so geht es offenbar nicht nur mir: Lange war das Leserinteresse groß, jetzt ist eher Resignation spürbar.

In der Kreispolitik ist der Montag traditionell der Tag der Entscheidungen im Kreistag oder – in Zeiten coronabedingter Selbstbeschränkung – im Kreisausschuss. Dieses Mal soll die Planung für die Sanierung beschlossen werden. Eigentlich hätte es aber auch schon um die Ausschreibungen der folgenden Arbeiten gehen können, doch die müssen später jeweils einzeln noch einmal politisch bestätigt werden. So zumindest sieht es der Tagesordnungspunkt 3 vor.

Wer genau hinschaut, kann hier die Bürde erkennen, die seit inzwischen fast sieben Jahren auf dem Gesamtkomplex aus Kampa-Halle und Multifunktionsarena, Abriss und Neubau, Förderung oder Nicht-Förderung lastet. Da werden Pläne gemacht, Kompromisse gesucht, Entscheidungen getroffen, wieder zurückgenommen, umformuliert, neue Beschlüsse gefasst. Währenddessen verschwinden alte Bündnisse und neue werden geformt. Dabei werden die Gräben zwischen den Lagern spürbar tiefer. Das Tragische an der Situation: Alle Seiten sind überzeugt davon, das Richtige zu wollen.

Es könnte ein Fest der Politik sein, diesen Konflikt aufzulösen. Oder besser: Es hätte ein solches sein können. Denn der Moment, bis zu dem ein solcher Austausch möglich war, scheint lange vorbei. Stattdessen wird darüber gestritten, ob eine Interimsöffnung auf zwei Jahre befristet sein muss, ob die Fördermittel des Bundes nur für eine Sanierung abrufbar sind oder waren, ob die Stadt mit der Altlastensanierung vorankommt oder ob Schulen und Vereine mit einer Sanierung tatsächlich glücklich wären. Hoffnungsvoll klingt das nicht. Aber wer weiß: Es hat ja schon reichlich Überraschungen gegeben.

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