In der Pandemiekrise gehen Mitarbeiter der Kreisverwaltung an ihre Grenzen Jürgen Langenkämper Minden. „Richtungsweisend für die kommenden Monate“ könne die Sitzung des Personalausschusses werden, vermutete dessen Vorsitzender Michael Großkurth (CDU). Zu Beginn der 25. Zusammenkunft der laufenden Legislaturperiode stand ein einziger, derzeit alles beherrschender Punkt auf der Tagesordnung: die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit der Kreisverwaltung. Bürgertelefon „Ganz schnell haben wir ein Bürgertelefon eingerichtet“, berichtete die Leiterin des für das Personal zuständigen Internen Service, Renate Golcher, von den frühen Anfängen der Pandemie in der ersten Märzhälfte. Für die Besetzung meldeten sich Mitarbeiter – wie auch bei vielen anderen der neu anfallenden Aufgaben – freiwillig und waren umschichtig bis 20 Uhr, teilweise bis 22 Uhr im Einsatz, um angesichts großer Unsicherheit bei vielen Bürger stets aktualisierte Informationen zu geben. Bis Ende Mai registrierte das Bürgertelefon mehr als 28.000 Anrufe. Zur Besetzung bildete sich ein Kern von zehn bis zwölf Mitarbeitern „aus allen Ämtern“, wie Golcher sagte. Homeoffice Zusätzlich zu 100 bereits bestehenden Telearbeitsplätzen mussten in kürzester Zeit mehr als doppelt so viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung ins Homeoffice versetzt werden. „Besonders gefährdete Kollegen wurden aus dem Dienstbetrieb rausgenommen“, berichtete Golcher von der Fürsorgepflicht des Kreises als Arbeitgeber. Betroffen waren aber auch Mitarbeiter, die mit zwei oder mehreren Kollegen in einem Raum arbeiteten und von denen einer seine Arbeit von zu Hause erledigen musste. Dazu richtete die IT-Abteilung 210 Arbeitsplätze bei den betroffenen Mitarbeitern zu Hause ein. Davon waren 119 Frauen und 91 Männer. Dabei waren besondere Sicherheitsanforderungen einer öffentlichen Verwaltung zu berücksichtigen. Von Datenschutz bis zu Zwei-Faktor-Authentifizierung, berichtete der Amtsleiter der IT, Sören Staas – und von derzeit unüberwindbaren Schwierigkeiten. „Es gibt unglaubliche Lieferzeiten.“ Das traf und trifft auch auf Telefone und Drucker zu. Daher müssen die Mitarbeiter im Homeoffice derzeit ihre private Hardware nutzen, während die 100 ursprünglich eingerichteten Telearbeitsplätze mit Dienstgeräten ausgestattet sind. Ein Austausch von Daten mit der privaten Hardware soll ausgeschlossen sein. Ausgedruckt werden amtliche Schreiben im Kreishaus und von dort automatisiert kuvertiert und per Post verschickt. Eine Einschränkung gibt es: „Im Homeoffice können die Mitarbeiter keine Überstunden aufbauen“, so Renate Golcher, „oder nur in Abstimmung mit dem Vorgesetzten“. Videokonferenzen Sehr schnell etablierten sich in den vergangenen Wochen Video- und Telefonkonferenzen „als neues Besprechungsformat“, wie Staas sagte. Deshalb und wegen der höheren Auslastung durch das Bürgertelefon und Sonder-Hotlines zum Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) sowie zur Erziehungsberatung – zusätzlich gibt es eine interne, rund um die Uhr erreichbare Corona-IT-Hotline – mussten 30 zusätzliche Telefonanschlüsse für das Kreishaus eingerichtet werden. All dies läuft zu erstaunlich geringen monatlichen Zusatzkosten: 780 Euro für die Telefonleitungen, 250 Euro für Videokonferenzen und 3.300 Euro für die Erhöhung der Bandbreitenlizenzen. Gesundheitsamt Vor allem im Gesundheitsamt erhöhten sich die zu bewältigenden Aufgaben. „Wir haben dort sehr gute Ärzte, vor allem Ärztinnen“, sagte Kreissozialdezernent Hans-Joerg Deichholz und ergänzte: „Viele davon in Teilzeit.“ Durch die hohe Arbeitsbelastung fielen bis zu 200 Überstunden pro Mitarbeiter an. „Einige gingen temporär auf Vollzeit.“ Den täglichen Arbeitsbeginn schilderte Deichholz wie folgt: 7 bis 8 Uhr Sichten der neuen Labordaten – „wir haben ein sehr gutes Labor im Kreis, das ist nicht überall so“. 8.30 Uhr Berichte für Fallzahlen, Bericht des Leitenden Notarztes über Rettungsdiensteinsätze in der vorhergehenden Nacht. „Wir haben relativ viel Glück gehabt“, meinte der Dezernent im Rückblick. Das galt auch für den Schlachthof in Lübbecke. „800 Testungen wurden in anderthalb Tagen abgearbeitet. Zum Glück waren alle negativ.“ Es habe keine größeren Ausbrüche gegeben – bis auf den „Bayrischen Abend“ in Espelkamp und aktuell ein Pflegeheim in Minden – dort gebe es immer noch weitere positive Testungen. Mit einer gehörigen Portion Skepsis blickte der Sozialdezernent in die Zukunft, „wenn die Kindergärten aufmachen“. Wenn die Grundschulen auch noch öffneten und dann eine Infektion auftrete, „dann sind wir relativ schnell an der Kapazitätsgrenze“. Derzeit sei das Personal im Gesundheitsamt, das durch Abordnungen aus anderen Bereich aufgestockt wurde, „knapp unter der Belastungsgrenze“, an der es vier bis sechs Wochen dran gewesen sei – „manchmal auch drüber“. Auf die Nachfrage aus dem Ausschuss, was denn angesichts von Corona „auf der Strecke“ bleibe, wies die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Annette Partmann, auf Einschulungsuntersuchungen. „Wir untersuchen derzeit nur die Kinder mit besonderem Förderbedarf.“ Dank des Kindergartensystems gebe es ausreichend Vorinformationen, so Deichholz. „Auch Einstellungsuntersuchungen für Beamte laufen auf sehr niedrigem Niveau und werden jetzt wieder hochgefahren“, so Partmann. Auch die Begehungen von Altenheimen, Krankenhäusern und ambulanten chirurgischen Praxen mussten ausgesetzt werden. „Bei der Schlachthofuntersuchung mussten alle Patienten wieder ausgeladen werden“, so die Medizinerin. Die nach dem WTG vorgesehenen Prüfungen vor Ort könnten nicht nachgeholt werden, so Deichholz. „Da, wo es notwendig war, sind wir rausgefahren.“ Das gelte für Reha-Einrichtungen ebenso wie den Kinderschutz. Bevölkerungsschutz In der Pandemiekrise sei er ungeahnt zum Logistiker – und zum Lageristen – geworden, berichtete Kreisbrandmeister Michael Schäfer. „Wir haben Schutzausrüstung zentral eingelagert, geliefert und abgeholt“. 800.000 Mund-Nase-Schutze und 300.000 FFP2-Masken hält der Kreis vor. „Die gleiche Menge haben wir an Pflegeeinrichtungen abgegeben.“ Zudem wurde das Testzentrum am Johannes-Wesling-Klinikum mit aufgebaut. Dafür waren Überstunden nötig und externe Unterstützung erforderlich. Rettungsdienst Glimpflich kam der Rettungsdienst davon. „Anfangs hatten wir mit höheren Patientenzahlen gerechnet“, berichtete der Leitende Notarzt, Dr. Gunter Veit. Es habe „etliche“ Covid-19-Transporte gegeben, sagte er, ohne dies exakt zu beziffern. Wegen der Infektionsgefahr, schon zwei Tage vor dem Ausbruch von Symptomen, war der vorsorgliche Schutz des Personals wichtig. Dabei konnte der Rettungsdienst zum Teil auf Bestände aus der Ebola-Krise zurückgreifen. Ständig seien zudem Listen nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) fortgeschrieben worden. „Gerade in der Anfangszeit ist es wichtig, dass keine Fehler passieren.“ Effekt bis dato: „Kein einziger Mitarbeiter wurde infiziert.“ Kreishaus/Außenstellen Nachdem das Kreishaus und seine Außenstellen sowie die Berufskollegs und Schulen des Kreises am 16. März bis zum 30. April für den Publikumsverkehr geschlossen worden waren, setzten um Ostern herum Überlegungen für eine Wiederöffnung ein. Seit dem 4. Mai ist das Kreishaus wieder geöffnet – „nach Terminvereinbarung“, wie Frank Breitenfeld von den Internen Diensten erläuterte. Bevorzugt werden jedoch weiter Telefon- und E-Mail-Kontakte sowie Online-Angebote. Sonderregelungen gebe es für die Außenstellen Jobcenter und Straßenverkehrsamt. Intern erfolgte eine zusätzliche Reinigung, vor allem von Türgriffen. Inzwischen ist ein Mund-Nase-Schutz zwar empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Zur Entzerrung bei Dienstbeginn und zum Feierabend wurde der Gleitzeitrahmen ausgeweitet. Die Kantine arbeitet mit Einschränkungen wieder: Es gibt einen Abholservice. Gleiches gilt an den Berufskollegs für Mahlzeiten für Schüler. Trotz Reibungsverlusten und nach einer Nachjustierung in der ersten Woche habe es gut funktioniert, so Breitenfeld. „Es hätte schlimmer kommen können.“ Zulassungsstelle Als „Beschleunigungsfaktor“ beschrieb der für das Straßenverkehrsamt zuständige Kämmerer Jörg Schrader die Corona-Pandemie. Der dort von einer „hochmotivierten Truppe“ eingeschlagene Weg für die Kfz-Zulassung ermögliche einen 36-Stunden-Service, während andernorts vielfach nur eine monatliche Terminvereinbarung erfolge. Auf diesem Wege könnten 90 Prozent der sonst üblichen Abmeldungen und Zulassungen bewältigt werden. Die Effizienz zeigt sich nach seinen Worten auch an rund 1.000 Fremdabmeldungen von außerhalb. Rückkehr zur Normalität Mehrfach fragten Vertreter fast aller Fraktionen nach Arbeiten, die vorübergehend liegenbleiben mussten oder sich verzögerten, und gingen dabei auf das große spürbare Verständnis weiter Teile der Bevölkerung ein. „Das kann aber wieder anders werden“, meinte Cornelia Schmelzer (Grüne). Darauf erwiderte Landrat Dr. Ralf Niermann: „Als absehbare Perspektive wollen wir bis Ende Juni an dem System festhalten.“ Um den 20. Juni solle entschieden werden, wie es weitergehe. Er sei selbst „erstaunt, dass die Zahl der Beschwerden nicht nach oben gegangen ist“. Die Masse aufgeschobener Arbeiten schätzte er so ein, dass die Verwaltung sich „nicht wie Sisyphus in einer aussichtslosen Situation“ befinde. „Auch im Homeoffice kann man eine ganze Menge schaffen.“ Und Renate Golcher ergänzte vieldeutig: „Es war nicht unbedingt immer zum Nachteil der Bürger.“ Angesichts des Aufgabenkatalogs – der Krisenstab kam wegen der urlaubsbedingten Abwesenheit von Kreisdirektorin Cornelia Schöder nur am Rande zur Sprache – hob Brigitte Sawade-Meyer (CDU) hervor, dass „außerhalb der Gremien gar nicht bekannt ist, was dahintersteckt“. Sie legte Wert darauf, die Arbeit nach außen transparent zu machen und dadurch in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz für coronabedingte anfallende Wartezeiten zu erhalten. Thomas Darlath (SPD) sah die Sitzung trotz Corona-Zeiten als sinnvoll an. „Vor drei Monaten hätte ich nicht geglaubt, dass wir heute in einer guten Situation sind“, gab er angesichts der für alle neuen Situation zu. Wenn es Fehler gegeben habe, so sei dies normal. „Wo was liegengeblieben ist, muss man das nach außen kommunizieren“, empfahl er. „Man lernt für diese und andere Pandemien.“

In der Pandemiekrise gehen Mitarbeiter der Kreisverwaltung an ihre Grenzen

Seit dem 4. Mai ist das Kreishaus wieder geöffnet. Bevorzugt werden jedoch weiter Telefon- und E-Mail-Kontakte sowie Online-Angebote. MT- © Foto: Alex Lehn

Minden. „Richtungsweisend für die kommenden Monate“ könne die Sitzung des Personalausschusses werden, vermutete dessen Vorsitzender Michael Großkurth (CDU). Zu Beginn der 25. Zusammenkunft der laufenden Legislaturperiode stand ein einziger, derzeit alles beherrschender Punkt auf der Tagesordnung: die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit der Kreisverwaltung.

Bürgertelefon

„Ganz schnell haben wir ein Bürgertelefon eingerichtet“, berichtete die Leiterin des für das Personal zuständigen Internen Service, Renate Golcher, von den frühen Anfängen der Pandemie in der ersten Märzhälfte. Für die Besetzung meldeten sich Mitarbeiter – wie auch bei vielen anderen der neu anfallenden Aufgaben – freiwillig und waren umschichtig bis 20 Uhr, teilweise bis 22 Uhr im Einsatz, um angesichts großer Unsicherheit bei vielen Bürger stets aktualisierte Informationen zu geben. Bis Ende Mai registrierte das Bürgertelefon mehr als 28.000 Anrufe. Zur Besetzung bildete sich ein Kern von zehn bis zwölf Mitarbeitern „aus allen Ämtern“, wie Golcher sagte.

Homeoffice

Zusätzlich zu 100 bereits bestehenden Telearbeitsplätzen mussten in kürzester Zeit mehr als doppelt so viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung ins Homeoffice versetzt werden. „Besonders gefährdete Kollegen wurden aus dem Dienstbetrieb rausgenommen“, berichtete Golcher von der Fürsorgepflicht des Kreises als Arbeitgeber. Betroffen waren aber auch Mitarbeiter, die mit zwei oder mehreren Kollegen in einem Raum arbeiteten und von denen einer seine Arbeit von zu Hause erledigen musste. Dazu richtete die IT-Abteilung 210 Arbeitsplätze bei den betroffenen Mitarbeitern zu Hause ein. Davon waren 119 Frauen und 91 Männer.

Dabei waren besondere Sicherheitsanforderungen einer öffentlichen Verwaltung zu berücksichtigen. Von Datenschutz bis zu Zwei-Faktor-Authentifizierung, berichtete der Amtsleiter der IT, Sören Staas – und von derzeit unüberwindbaren Schwierigkeiten. „Es gibt unglaubliche Lieferzeiten.“ Das traf und trifft auch auf Telefone und Drucker zu. Daher müssen die Mitarbeiter im Homeoffice derzeit ihre private Hardware nutzen, während die 100 ursprünglich eingerichteten Telearbeitsplätze mit Dienstgeräten ausgestattet sind. Ein Austausch von Daten mit der privaten Hardware soll ausgeschlossen sein. Ausgedruckt werden amtliche Schreiben im Kreishaus und von dort automatisiert kuvertiert und per Post verschickt. Eine Einschränkung gibt es: „Im Homeoffice können die Mitarbeiter keine Überstunden aufbauen“, so Renate Golcher, „oder nur in Abstimmung mit dem Vorgesetzten“.

Videokonferenzen

Sehr schnell etablierten sich in den vergangenen Wochen Video- und Telefonkonferenzen „als neues Besprechungsformat“, wie Staas sagte. Deshalb und wegen der höheren Auslastung durch das Bürgertelefon und Sonder-Hotlines zum Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) sowie zur Erziehungsberatung – zusätzlich gibt es eine interne, rund um die Uhr erreichbare Corona-IT-Hotline – mussten 30 zusätzliche Telefonanschlüsse für das Kreishaus eingerichtet werden. All dies läuft zu erstaunlich geringen monatlichen Zusatzkosten: 780 Euro für die Telefonleitungen, 250 Euro für Videokonferenzen und 3.300 Euro für die Erhöhung der Bandbreitenlizenzen.

Gesundheitsamt

Vor allem im Gesundheitsamt erhöhten sich die zu bewältigenden Aufgaben. „Wir haben dort sehr gute Ärzte, vor allem Ärztinnen“, sagte Kreissozialdezernent Hans-Joerg Deichholz und ergänzte: „Viele davon in Teilzeit.“ Durch die hohe Arbeitsbelastung fielen bis zu 200 Überstunden pro Mitarbeiter an. „Einige gingen temporär auf Vollzeit.“

Den täglichen Arbeitsbeginn schilderte Deichholz wie folgt: 7 bis 8 Uhr Sichten der neuen Labordaten – „wir haben ein sehr gutes Labor im Kreis, das ist nicht überall so“. 8.30 Uhr Berichte für Fallzahlen, Bericht des Leitenden Notarztes über Rettungsdiensteinsätze in der vorhergehenden Nacht. „Wir haben relativ viel Glück gehabt“, meinte der Dezernent im Rückblick. Das galt auch für den Schlachthof in Lübbecke. „800 Testungen wurden in anderthalb Tagen abgearbeitet. Zum Glück waren alle negativ.“ Es habe keine größeren Ausbrüche gegeben – bis auf den „Bayrischen Abend“ in Espelkamp und aktuell ein Pflegeheim in Minden – dort gebe es immer noch weitere positive Testungen.

Mit einer gehörigen Portion Skepsis blickte der Sozialdezernent in die Zukunft, „wenn die Kindergärten aufmachen“. Wenn die Grundschulen auch noch öffneten und dann eine Infektion auftrete, „dann sind wir relativ schnell an der Kapazitätsgrenze“. Derzeit sei das Personal im Gesundheitsamt, das durch Abordnungen aus anderen Bereich aufgestockt wurde, „knapp unter der Belastungsgrenze“, an der es vier bis sechs Wochen dran gewesen sei – „manchmal auch drüber“.

Auf die Nachfrage aus dem Ausschuss, was denn angesichts von Corona „auf der Strecke“ bleibe, wies die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Annette Partmann, auf Einschulungsuntersuchungen. „Wir untersuchen derzeit nur die Kinder mit besonderem Förderbedarf.“ Dank des Kindergartensystems gebe es ausreichend Vorinformationen, so Deichholz. „Auch Einstellungsuntersuchungen für Beamte laufen auf sehr niedrigem Niveau und werden jetzt wieder hochgefahren“, so Partmann. Auch die Begehungen von Altenheimen, Krankenhäusern und ambulanten chirurgischen Praxen mussten ausgesetzt werden. „Bei der Schlachthofuntersuchung mussten alle Patienten wieder ausgeladen werden“, so die Medizinerin. Die nach dem WTG vorgesehenen Prüfungen vor Ort könnten nicht nachgeholt werden, so Deichholz. „Da, wo es notwendig war, sind wir rausgefahren.“ Das gelte für Reha-Einrichtungen ebenso wie den Kinderschutz.

Bevölkerungsschutz

In der Pandemiekrise sei er ungeahnt zum Logistiker – und zum Lageristen – geworden, berichtete Kreisbrandmeister Michael Schäfer. „Wir haben Schutzausrüstung zentral eingelagert, geliefert und abgeholt“. 800.000 Mund-Nase-Schutze und 300.000 FFP2-Masken hält der Kreis vor. „Die gleiche Menge haben wir an Pflegeeinrichtungen abgegeben.“ Zudem wurde das Testzentrum am Johannes-Wesling-Klinikum mit aufgebaut. Dafür waren Überstunden nötig und externe Unterstützung erforderlich.

Rettungsdienst

Glimpflich kam der Rettungsdienst davon. „Anfangs hatten wir mit höheren Patientenzahlen gerechnet“, berichtete der Leitende Notarzt, Dr. Gunter Veit. Es habe „etliche“ Covid-19-Transporte gegeben, sagte er, ohne dies exakt zu beziffern. Wegen der Infektionsgefahr, schon zwei Tage vor dem Ausbruch von Symptomen, war der vorsorgliche Schutz des Personals wichtig. Dabei konnte der Rettungsdienst zum Teil auf Bestände aus der Ebola-Krise zurückgreifen. Ständig seien zudem Listen nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) fortgeschrieben worden. „Gerade in der Anfangszeit ist es wichtig, dass keine Fehler passieren.“ Effekt bis dato: „Kein einziger Mitarbeiter wurde infiziert.“

Kreishaus/Außenstellen

Nachdem das Kreishaus und seine Außenstellen sowie die Berufskollegs und Schulen des Kreises am 16. März bis zum 30. April für den Publikumsverkehr geschlossen worden waren, setzten um Ostern herum Überlegungen für eine Wiederöffnung ein. Seit dem 4. Mai ist das Kreishaus wieder geöffnet – „nach Terminvereinbarung“, wie Frank Breitenfeld von den Internen Diensten erläuterte. Bevorzugt werden jedoch weiter Telefon- und E-Mail-Kontakte sowie Online-Angebote. Sonderregelungen gebe es für die Außenstellen Jobcenter und Straßenverkehrsamt. Intern erfolgte eine zusätzliche Reinigung, vor allem von Türgriffen. Inzwischen ist ein Mund-Nase-Schutz zwar empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Zur Entzerrung bei Dienstbeginn und zum Feierabend wurde der Gleitzeitrahmen ausgeweitet. Die Kantine arbeitet mit Einschränkungen wieder: Es gibt einen Abholservice. Gleiches gilt an den Berufskollegs für Mahlzeiten für Schüler.

Trotz Reibungsverlusten und nach einer Nachjustierung in der ersten Woche habe es gut funktioniert, so Breitenfeld. „Es hätte schlimmer kommen können.“

Zulassungsstelle

Als „Beschleunigungsfaktor“ beschrieb der für das Straßenverkehrsamt zuständige Kämmerer Jörg Schrader die Corona-Pandemie. Der dort von einer „hochmotivierten Truppe“ eingeschlagene Weg für die Kfz-Zulassung ermögliche einen 36-Stunden-Service, während andernorts vielfach nur eine monatliche Terminvereinbarung erfolge. Auf diesem Wege könnten 90 Prozent der sonst üblichen Abmeldungen und Zulassungen bewältigt werden. Die Effizienz zeigt sich nach seinen Worten auch an rund 1.000 Fremdabmeldungen von außerhalb.

Rückkehr zur Normalität

Mehrfach fragten Vertreter fast aller Fraktionen nach Arbeiten, die vorübergehend liegenbleiben mussten oder sich verzögerten, und gingen dabei auf das große spürbare Verständnis weiter Teile der Bevölkerung ein. „Das kann aber wieder anders werden“, meinte Cornelia Schmelzer (Grüne). Darauf erwiderte Landrat Dr. Ralf Niermann: „Als absehbare Perspektive wollen wir bis Ende Juni an dem System festhalten.“ Um den 20. Juni solle entschieden werden, wie es weitergehe. Er sei selbst „erstaunt, dass die Zahl der Beschwerden nicht nach oben gegangen ist“. Die Masse aufgeschobener Arbeiten schätzte er so ein, dass die Verwaltung sich „nicht wie Sisyphus in einer aussichtslosen Situation“ befinde. „Auch im Homeoffice kann man eine ganze Menge schaffen.“ Und Renate Golcher ergänzte vieldeutig: „Es war nicht unbedingt immer zum Nachteil der Bürger.“

Angesichts des Aufgabenkatalogs – der Krisenstab kam wegen der urlaubsbedingten Abwesenheit von Kreisdirektorin Cornelia Schöder nur am Rande zur Sprache – hob Brigitte Sawade-Meyer (CDU) hervor, dass „außerhalb der Gremien gar nicht bekannt ist, was dahintersteckt“. Sie legte Wert darauf, die Arbeit nach außen transparent zu machen und dadurch in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz für coronabedingte anfallende Wartezeiten zu erhalten.

Thomas Darlath (SPD) sah die Sitzung trotz Corona-Zeiten als sinnvoll an. „Vor drei Monaten hätte ich nicht geglaubt, dass wir heute in einer guten Situation sind“, gab er angesichts der für alle neuen Situation zu. Wenn es Fehler gegeben habe, so sei dies normal. „Wo was liegengeblieben ist, muss man das nach außen kommunizieren“, empfahl er. „Man lernt für diese und andere Pandemien.“

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