Immer die passenden Worte finden Bernd Rathert ist freier Trauerredner / Menschlichkeit steht im Mittelpunkt Von Christine Potter Minden (mt). Zum freien Trauerredner wurde Bernd Rathert eher zufällig. Bei der Beerdigung eines Geflügelzüchters erschien der Pastor nicht, da er gestürzt war. Bernd Rathert, Vorstandsmitglied der Kreisgeflügelzüchter, wurde gebeten, ein Paar Worte über den Verstorbenen zu sagen. Somit nahm vor 14 Jahren seine Freiberuflichkeit ihren Anfang. Schon kurze Zeit später hielt er seine erste Trauerfeier ab. "Es war im Januar und bitterkalt", erinnert sich der gebürtige Mindener. Anzug und Wintermantel seien nach der Feier klitschnass gewesen, die Aufregung sehr groß. Doch Bernd Rathert merkte sehr schnell, dass ihm der Beruf des Trauerredners liegt und er trauernden Menschen eine kompetente Begleitung anbieten kann.Waren früher Beerdigungen eine rein kirchliche Angelegenheit, so wünschen sich heute viele Hinterbliebenen eine weltliche Form des Abschiednehmens, ist Bernd Rathert überzeugt. Auch Personen, die nicht aus der Kirche ausgetreten sind, entschließen sich immer mehr für eine weltliche Bestattung und die Begleitung durch den Trauerredner."Ich halte meine Trauerfeiern auch christlich ab", so Rathert, selbst evangelisch. Bei vielen Gesprächen im Vorfeld habe er gemerkt, dass es kaum "Leute gibt, die gar nicht glauben". Deshalb ist es ihm auch wichtig, den Segen zu geben und das Vaterunser am Grab zu halten.Obwohl der Beruf des freien Trauerredners keine Ausbildung voraussetzt, stellt er natürlich hohe Voraussetzungen an den Ausübenden. Der Tod eines Menschen ist für die Hinterbliebenen eine schwierige Lebensphase. Am Anfang steht für Bernd Rathert das Gespräch mit den Angehörigen. "Da lasse ich erst einmal einen Tag vergehen, um sie mit ihrem Schmerz allein zu lassen". Einfühlsamkeit sei eine seiner Stärken, erzählt der engagierte Trauerredner. Er halte sich nicht starr an Regeln der Kirche, lege mehr sein Hauptaugenmerk auf das Weltliche.Bernd Rathert, selbst ein Vereinsmensch, spürt in Gesprächen mit den Angehörigen, ob der Verstorbene Hobbys hatte, ob er in Vereinen aktiv war, und lässt all dies bei seinen Reden in den Friedhofskapellen auch anklingen. Bei den Vorgesprächen sei es wichtig, gut zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen und einfühlsam zu sein. Außerdem bespreche er mit den Hinterbliebenen deren Musikwünsche und Bibelsprüche. "Die zitiere ich auch, aber im anderen Maße, als es ein Pfarrer macht, denn ich verbinde alles mit dem Leben des Verstorbenen", bekräftigt der engagierte Trauerredner.Zur allen drei evangelischen Kirchenkreisen, Vlotho, Minden und Lübbecke, habe er guten Kontakt und halte mit verschiedenen Pfarrern regen Austausch. "Sie sehen mich nicht als Konkurrenten", ist er überzeugt. Zur katholischen Kirche: "Nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist die Zahl der Katholiken enorm angestiegen, die mich um eine Trauerrede bitten."Was ihm ebenfalls sehr am Herzen liegt, sind Trauungen, die er auf Anfragen auch abhält. "Man muss heute nicht unbedingt in der Kirche heiraten, es gibt so viele Möglichkeiten, wo man sich trauen lassen kann", erklärt der gelernte Industriekaufmann und engagierte Geflügelzüchter.

Immer die passenden Worte finden

Minden (mt). Zum freien Trauerredner wurde Bernd Rathert eher zufällig. Bei der Beerdigung eines Geflügelzüchters erschien der Pastor nicht, da er gestürzt war. Bernd Rathert, Vorstandsmitglied der Kreisgeflügelzüchter, wurde gebeten, ein Paar Worte über den Verstorbenen zu sagen. Somit nahm vor 14 Jahren seine Freiberuflichkeit ihren Anfang.

Bernd Rathert. - © Foto: pr.
Bernd Rathert. - © Foto: pr.

Schon kurze Zeit später hielt er seine erste Trauerfeier ab. "Es war im Januar und bitterkalt", erinnert sich der gebürtige Mindener. Anzug und Wintermantel seien nach der Feier klitschnass gewesen, die Aufregung sehr groß. Doch Bernd Rathert merkte sehr schnell, dass ihm der Beruf des Trauerredners liegt und er trauernden Menschen eine kompetente Begleitung anbieten kann.

Viele Hinterbliebenen lassen Trauerfeier und Beisetzung von einem ehrenamtlichen Trauerredner durchführen. - © MT-Foto: Manfred Otto
Viele Hinterbliebenen lassen Trauerfeier und Beisetzung von einem ehrenamtlichen Trauerredner durchführen. - © MT-Foto: Manfred Otto

Waren früher Beerdigungen eine rein kirchliche Angelegenheit, so wünschen sich heute viele Hinterbliebenen eine weltliche Form des Abschiednehmens, ist Bernd Rathert überzeugt. Auch Personen, die nicht aus der Kirche ausgetreten sind, entschließen sich immer mehr für eine weltliche Bestattung und die Begleitung durch den Trauerredner.

"Ich halte meine Trauerfeiern auch christlich ab", so Rathert, selbst evangelisch. Bei vielen Gesprächen im Vorfeld habe er gemerkt, dass es kaum "Leute gibt, die gar nicht glauben". Deshalb ist es ihm auch wichtig, den Segen zu geben und das Vaterunser am Grab zu halten.

Obwohl der Beruf des freien Trauerredners keine Ausbildung voraussetzt, stellt er natürlich hohe Voraussetzungen an den Ausübenden. Der Tod eines Menschen ist für die Hinterbliebenen eine schwierige Lebensphase. Am Anfang steht für Bernd Rathert das Gespräch mit den Angehörigen. "Da lasse ich erst einmal einen Tag vergehen, um sie mit ihrem Schmerz allein zu lassen". Einfühlsamkeit sei eine seiner Stärken, erzählt der engagierte Trauerredner. Er halte sich nicht starr an Regeln der Kirche, lege mehr sein Hauptaugenmerk auf das Weltliche.

Bernd Rathert, selbst ein Vereinsmensch, spürt in Gesprächen mit den Angehörigen, ob der Verstorbene Hobbys hatte, ob er in Vereinen aktiv war, und lässt all dies bei seinen Reden in den Friedhofskapellen auch anklingen. Bei den Vorgesprächen sei es wichtig, gut zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen und einfühlsam zu sein. Außerdem bespreche er mit den Hinterbliebenen deren Musikwünsche und Bibelsprüche. "Die zitiere ich auch, aber im anderen Maße, als es ein Pfarrer macht, denn ich verbinde alles mit dem Leben des Verstorbenen", bekräftigt der engagierte Trauerredner.

Zur allen drei evangelischen Kirchenkreisen, Vlotho, Minden und Lübbecke, habe er guten Kontakt und halte mit verschiedenen Pfarrern regen Austausch. "Sie sehen mich nicht als Konkurrenten", ist er überzeugt. Zur katholischen Kirche: "Nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist die Zahl der Katholiken enorm angestiegen, die mich um eine Trauerrede bitten."

Was ihm ebenfalls sehr am Herzen liegt, sind Trauungen, die er auf Anfragen auch abhält. "Man muss heute nicht unbedingt in der Kirche heiraten, es gibt so viele Möglichkeiten, wo man sich trauen lassen kann", erklärt der gelernte Industriekaufmann und engagierte Geflügelzüchter.

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