Im Advent kommt ein neuer Busfahrplan für Minden Henning Wandel Minden (mt). Vom Bahnhof zu Wago, über die Ringstraße zum Campus, weiter in Richtung ZOB und zurück zum Bahnhof – oder andersherum. Und das in einem verlässlichen Rhythmus von 30 Minuten: Der neue Ringbus ist der zentrale Bestandteil des neuen Nahverkehrskonzeptes für Minden, das am 1. Dezember an den Start gehen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick: Was soll sich mit dem neuen Konzept ändern? Der öffentliche Personennahverkehr soll sich spürbar verbessern, wie aus einer Präsentation für den Mindener Haupt- und Finanzausschuss hervorgeht. Unter anderem werde das sogenannte „Freizeitnetz“ abgeschafft. Bisher sind die Busse außerhalb der Kernzeiten nur noch stark eingeschränkt unterwegs. Schon ab 18.15 Uhr gibt es ein verändertes Liniennetz, das für die Nutzer weniger Verbindungen und zum Teil deutlich längere Fahrzeiten bedeutet. Künftig sollen die Betriebszeiten an Werktagen, also montags bis samstags, regulär bis 20.15 Uhr ausgeweitet werden, an Sonn- und Feiertagen bis 19.15 Uhr. Zu diesen Zeiten würde die jeweils letzte Abfahrt am ZOB erfolgen. Für Nachtschwärmer dürften die neuen Zeiten auch nach der Umstellung auf den neuen Fahrplan keine große Hilfe sein. Im Ausschuss wurde daher die Frage laut, ob nicht auch eine weitere Ausweitung der Fahrzeiten denkbar sei. Der zuständige Beigeordnete für Bauen, Umwelt und Verkehr, Lars Bursian, zeigte sich dafür grundsätzlich offen, allerdings müsse zunächst der Start des neuen Konzeptes abgewartet werden. Warum investiert die Stadt in den Nahverkehr? Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) spielt in Minden bisher eine untergeordnete Rolle. Nur sechs Prozent der Wege werden hier im Bus zurückgelegt – auf Autos oder Motorräder entfallen hingegen 49 Prozent. Das geht aus einer Analyse hervor, die im Rahmen des Masterplans nachhaltige Mobilität Minden erstellt worden ist. In vergleichbaren Städten liegen diese Werte bei acht beziehungsweise 44 Prozent. Dafür liegt Minden beim Thema Radfahren mit 23 Prozent deutlich über dem Vergleichswert von 13 Prozent. Den ÖPNV zu stärken war in dem Masterplan einer der Vorschläge im Bereich Mobilität Wie wird die Ausweitung der Zeiten finanziert? Öffentlicher Nahverkehr ist immer ein Zuschussgeschäft – auch in Minden. Doch mit der Gründung einer eigenen Verkehrsgesellschaft im Querverbund mit der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW) hat die Stadt einen Weg gefunden, die steigenden Kosten abzufedern. Unter dem Strich handelt es sich dabei um ein Steuersparmodell. Operativ kalkulieren die Mindener Verkehrsbetriebe dabei mit einem Defizit von etwa 775.000 Euro. Weil bei der Berechnung der Steuer aber noch Gesellschaftereinlagen eingerechnet werden, summiert sich das zu versteuernde Ergebnis auf insgesamt gut 1,22 Millionen. Unter dem Strich soll sich dann der tatsächliche Zuschussbedarf für den Betrieb des ÖPNV auf 390.000 Euro reduzieren. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 musste die Stadt für ein deutlich schmaleres Angebot 311.000 Euro aufwenden. Wer fährt künftig die Busse durch die Stadt? Als sogenannter Betriebsführer tritt die neu gegründete städtische Verkehrsgesellschaft auf, die den Verkehr aber an einen Subunternehmer abgibt. Über eigene Fahrzeuge verfügt die MEW-Tochter nicht. Den tatsächlichen Betrieb übernimmt Transdev, ein Tochterunternehmen des gleichnamigen französischen Bahnkonzerns, der in der Vergangenheit auch unter den Namen Connex und Veolis firmierte. Vor Ort tritt Transdev unter regionalen Markennamen auf, zur Gruppe gehört unter anderem auch die Nordwestbahn. In Minden wird Transdev als Teutoburger Wald Verkehr (TWV) auftreten, in der Nachbarschaft gibt es bereits die Schwesterunternehmen Mittelweser-Bus und die Schaumburger Verkehrsgesellschaft. Rund um Transdev gab es im Ausschuss auch kritische Stimmen. Grund waren besonders die Probleme im Bahnbetrieb, die Transdev in der Vergangenheit immer wieder gehabt hatte. So gab es unter anderem Abmahnungen gegen die Nordwest-Bahn, weil Züge zu oft verspätet fuhren oder Verbindungen sogar ganz ausgefallen waren. Auch in Bad Oeynhausen soll es Probleme mit dem Busverkehr gegeben haben. Das habe aber zumindest zum Teil auch strukturelle Gründe, erwiderte Bursian. Die Branche leide insgesamt unter dem Fachkräftemangel. Die Eurobahn, die auch den Mindener Bahnhof bedient, war ebenfalls aus ähnlichen Gründen abgemahnt worden. Auch sie gehört zu einem französischen Bahnkonzern: Keolis ist eine Tochter der staatlichen SNCF. Von Seiten der Minden-Herforder Verkehrsbetriebe habe es mit Blick auf Transdev aber keine Warnungen gegeben. Aufmerksamkeit in der Startphase Ob der neue Nahverkehrsplan schon zum Start am 1. Dezember vollständig greife, sei noch nicht klar. Bursian bezeichnete die Planung als „ambitioniert“. Möglicherweise werde es eine Übergangsphase geben, so der Beigeordnete. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass bis dahin noch nicht alle Fahrzeuge ausgeliefert würden. Unter anderem sollen im Mindener Nahverkehr auch Hybrid-Busse zum Einsatz kommen, die über eine Rückgewinnung von Bremsenergie mit zusätzlichem Strom versorgt werden. Trotz dieser denkbaren Startschwierigkeiten soll das neue Konzept intensiv beworben werden, hieß es im Ausschuss. Denkbar sei beispielsweise, an einem Tag eine kostenlose Nutzung anzubieten. Dazu habe es bereits Gespräche mit OWL Verkehr gegeben, so Bursian. Zuletzt hatte er im Ausschuss auch vorgeschlagen, am vierten Advent mit einem Info-Mobil in der Innenstadt präsent zu sein. An diesem Tag seien erfahrungsgemäß viele Mindener in der Stadt unterwegs, so Bursian. Autoverzicht in der Fastenzeit? Die CDU-Fraktion im Mindener Rat hatte dazu einen noch weitergehenden Vorschlag im Gepäck. In seiner Begründung bezog sich der Vorsitzende Ulrich Stadtmann auf den Erfolg des „Stadtradelns“ in diesem Sommer. Viele Mindener hätte feststellen könne, dass ein Umstieg auf das Fahrrad möglich sei. Mit vergünstigten Fahrten zwischen Aschermittwoch und Karfreitag sei ein ähnliches Ergebnis auch für den Personennahverkehr vorstellbar. Im Antrag schlägt die CDU vor, Busfahrten für einen Euro beziehungsweise für zehn Euro pro Woche oder 50 Euro für den gesamten Zeitraum anzubieten. Zudem sollten die Busse wochentags bis 23 Uhr und an Wochenenden bis 1 Uhr halbstündlich fahren, um auch Kino- oder Theaterbesuchern die Nutzung zu ermöglichen. Der Rat konnte sich für dieses „Autofasten“ noch nicht erwärmen, verwies den Antrag aber in den Verkehrsausschuss, der sich demnächst damit auseinandersetzen wird. Wann der Antrag dort auf die Tagesordnung kommt, steht noch nicht fest. Wäre eigentlich auch ein Anrufsammeltaxi möglich? Einen Alternativvorschlag für den ÖPNV hatte schon zu Beginn der jüngsten Ratssitzung Andreas Möhring aufgeworfen. Er hatte sich im Rahmen der Einwohnerfragestunde an der Rat gewandt und wollte wissen, warum das System der Anrufsammeltaxen in Minden eingestellt worden ist.

Im Advent kommt ein neuer Busfahrplan für Minden

Die roten Busse der Bahntochter BVO werden am 1. Dezember verschwinden. Dann übernimmt Transdev den öffentlichen Nahverkehr in Minden. MT-Archivfoto: Alex Lehn © Lehn,Alexander

Minden (mt). Vom Bahnhof zu Wago, über die Ringstraße zum Campus, weiter in Richtung ZOB und zurück zum Bahnhof – oder andersherum. Und das in einem verlässlichen Rhythmus von 30 Minuten: Der neue Ringbus ist der zentrale Bestandteil des neuen Nahverkehrskonzeptes für Minden, das am 1. Dezember an den Start gehen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was soll sich mit dem neuen Konzept ändern?

Der öffentliche Personennahverkehr soll sich spürbar verbessern, wie aus einer Präsentation für den Mindener Haupt- und Finanzausschuss hervorgeht. Unter anderem werde das sogenannte „Freizeitnetz“ abgeschafft. Bisher sind die Busse außerhalb der Kernzeiten nur noch stark eingeschränkt unterwegs.

Schon ab 18.15 Uhr gibt es ein verändertes Liniennetz, das für die Nutzer weniger Verbindungen und zum Teil deutlich längere Fahrzeiten bedeutet. Künftig sollen die Betriebszeiten an Werktagen, also montags bis samstags, regulär bis 20.15 Uhr ausgeweitet werden, an Sonn- und Feiertagen bis 19.15 Uhr. Zu diesen Zeiten würde die jeweils letzte Abfahrt am ZOB erfolgen.

Für Nachtschwärmer dürften die neuen Zeiten auch nach der Umstellung auf den neuen Fahrplan keine große Hilfe sein. Im Ausschuss wurde daher die Frage laut, ob nicht auch eine weitere Ausweitung der Fahrzeiten denkbar sei.

Der zuständige Beigeordnete für Bauen, Umwelt und Verkehr, Lars Bursian, zeigte sich dafür grundsätzlich offen, allerdings müsse zunächst der Start des neuen Konzeptes abgewartet werden.

Warum investiert die Stadt in den Nahverkehr?

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) spielt in Minden bisher eine untergeordnete Rolle. Nur sechs Prozent der Wege werden hier im Bus zurückgelegt – auf Autos oder Motorräder entfallen hingegen 49 Prozent.

Das geht aus einer Analyse hervor, die im Rahmen des Masterplans nachhaltige Mobilität Minden erstellt worden ist. In vergleichbaren Städten liegen diese Werte bei acht beziehungsweise 44 Prozent.

Dafür liegt Minden beim Thema Radfahren mit 23 Prozent deutlich über dem Vergleichswert von 13 Prozent. Den ÖPNV zu stärken war in dem Masterplan einer der Vorschläge im Bereich Mobilität

Wie wird die Ausweitung der Zeiten finanziert?

Öffentlicher Nahverkehr ist immer ein Zuschussgeschäft – auch in Minden. Doch mit der Gründung einer eigenen Verkehrsgesellschaft im Querverbund mit der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW) hat die Stadt einen Weg gefunden, die steigenden Kosten abzufedern. Unter dem Strich handelt es sich dabei um ein Steuersparmodell. Operativ kalkulieren die Mindener Verkehrsbetriebe dabei mit einem Defizit von etwa 775.000 Euro. Weil bei der Berechnung der Steuer aber noch Gesellschaftereinlagen eingerechnet werden, summiert sich das zu versteuernde Ergebnis auf insgesamt gut 1,22 Millionen. Unter dem Strich soll sich dann der tatsächliche Zuschussbedarf für den Betrieb des ÖPNV auf 390.000 Euro reduzieren. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 musste die Stadt für ein deutlich schmaleres Angebot 311.000 Euro aufwenden.

Wer fährt künftig die Busse durch die Stadt?

Als sogenannter Betriebsführer tritt die neu gegründete städtische Verkehrsgesellschaft auf, die den Verkehr aber an einen Subunternehmer abgibt. Über eigene Fahrzeuge verfügt die MEW-Tochter nicht. Den tatsächlichen Betrieb übernimmt Transdev, ein Tochterunternehmen des gleichnamigen französischen Bahnkonzerns, der in der Vergangenheit auch unter den Namen Connex und Veolis firmierte. Vor Ort tritt Transdev unter regionalen Markennamen auf, zur Gruppe gehört unter anderem auch die Nordwestbahn. In Minden wird Transdev als Teutoburger Wald Verkehr (TWV) auftreten, in der Nachbarschaft gibt es bereits die Schwesterunternehmen Mittelweser-Bus und die Schaumburger Verkehrsgesellschaft. Rund um Transdev gab es im Ausschuss auch kritische Stimmen. Grund waren besonders die Probleme im Bahnbetrieb, die Transdev in der Vergangenheit immer wieder gehabt hatte. So gab es unter anderem Abmahnungen gegen die Nordwest-Bahn, weil Züge zu oft verspätet fuhren oder Verbindungen sogar ganz ausgefallen waren. Auch in Bad Oeynhausen soll es Probleme mit dem Busverkehr gegeben haben. Das habe aber zumindest zum Teil auch strukturelle Gründe, erwiderte Bursian. Die Branche leide insgesamt unter dem Fachkräftemangel. Die Eurobahn, die auch den Mindener Bahnhof bedient, war ebenfalls aus ähnlichen Gründen abgemahnt worden. Auch sie gehört zu einem französischen Bahnkonzern: Keolis ist eine Tochter der staatlichen SNCF. Von Seiten der Minden-Herforder Verkehrsbetriebe habe es mit Blick auf Transdev aber keine Warnungen gegeben.

Aufmerksamkeit in der Startphase

Ob der neue Nahverkehrsplan schon zum Start am 1. Dezember vollständig greife, sei noch nicht klar. Bursian bezeichnete die Planung als „ambitioniert“. Möglicherweise werde es eine Übergangsphase geben, so der Beigeordnete. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass bis dahin noch nicht alle Fahrzeuge ausgeliefert würden. Unter anderem sollen im Mindener Nahverkehr auch Hybrid-Busse zum Einsatz kommen, die über eine Rückgewinnung von Bremsenergie mit zusätzlichem Strom versorgt werden. Trotz dieser denkbaren Startschwierigkeiten soll das neue Konzept intensiv beworben werden, hieß es im Ausschuss. Denkbar sei beispielsweise, an einem Tag eine kostenlose Nutzung anzubieten. Dazu habe es bereits Gespräche mit OWL Verkehr gegeben, so Bursian. Zuletzt hatte er im Ausschuss auch vorgeschlagen, am vierten Advent mit einem Info-Mobil in der Innenstadt präsent zu sein. An diesem Tag seien erfahrungsgemäß viele Mindener in der Stadt unterwegs, so Bursian.

Autoverzicht in der Fastenzeit?

Die CDU-Fraktion im Mindener Rat hatte dazu einen noch weitergehenden Vorschlag im Gepäck. In seiner Begründung bezog sich der Vorsitzende Ulrich Stadtmann auf den Erfolg des „Stadtradelns“ in diesem Sommer. Viele Mindener hätte feststellen könne, dass ein Umstieg auf das Fahrrad möglich sei. Mit vergünstigten Fahrten zwischen Aschermittwoch und Karfreitag sei ein ähnliches Ergebnis auch für den Personennahverkehr vorstellbar.

Im Antrag schlägt die CDU vor, Busfahrten für einen Euro beziehungsweise für zehn Euro pro Woche oder 50 Euro für den gesamten Zeitraum anzubieten. Zudem sollten die Busse wochentags bis 23 Uhr und an Wochenenden bis 1 Uhr halbstündlich fahren, um auch Kino- oder Theaterbesuchern die Nutzung zu ermöglichen.

Der Rat konnte sich für dieses „Autofasten“ noch nicht erwärmen, verwies den Antrag aber in den Verkehrsausschuss, der sich demnächst damit auseinandersetzen wird. Wann der Antrag dort auf die Tagesordnung kommt, steht noch nicht fest.

Wäre eigentlich auch ein Anrufsammeltaxi möglich?

Einen Alternativvorschlag für den ÖPNV hatte schon zu Beginn der jüngsten Ratssitzung Andreas Möhring aufgeworfen. Er hatte sich im Rahmen der Einwohnerfragestunde an der Rat gewandt und wollte wissen, warum das System der Anrufsammeltaxen in Minden eingestellt worden ist.

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