Hundehalter fürchten um Zufluchtsort: Was wird aus den Weserwiesen? Vasco Stemmer Minden. Grünes Gras, ein toller Blick auf die Weser und eine Menge Auslauf: Das Areal am rechten Weserufer, das sich zwischen Kaiserstraße und Gustav-Heinemann-Brücke erstreckt, lockt täglich eine Vielzahl von Gassigängern an. Die Fläche zu Fuß zu umrunden, dauert etwa eine Stunde und vor Ort herrscht keine Leinenpflicht. Eine im Raum stehende Umgestaltung des Geländes lässt die Hundehalter nun um ihren Zufluchtsort fernab von Verkehr und zahlreichen Spaziergängern, wie etwa im Glacis, fürchten. Allen voran die Mindenerin Katharina Thelen ist besorgt. Sie fürchtet, dass die Stadt Minden und der Verein „Weserfreunde“, der Freiheit von Hund und Halter bald ein Ende setzten könnten: „Wenn ein Gehweg auf die Wiese kommt, dann hätten unsere Hunde hier Leinenpflicht.“ Deshalb hat sie mit anderen Hundehaltern die „Interessengemeinschaft Hundewiese Weserwiese Minden rechtes Weserufer“ ins Leben gerufen. Sie fordern Klarheit darüber, was mit dem Areal passieren wird. Horst Spreckelmeyer ist Vorstandsmitglied der Weserfreunde. Konkrete Planungen für das Areal vonseiten des Vereins dementiert er auf MT-Anfrage, sagt aber auch: „Wenn, dann passiert dort sicher nichts in einer Hauruck-Aktion.“ Zudem würden die Weserfreunde nur in Absprache mit der Verwaltung und den Ortsbürgermeistern tätig werden. Die Menschen hinter der Interessengemeinschaft kenne er nicht. Er sei außerdem der Meinung, dass Hundebesitzer nicht über solche Planungen zu entscheiden hätten. „Dort gibt es sicher vielseitige Interessen“, erklärt Spreckelmeyer. Er wünsche sich aber, dass ein Ausgleich geschaffen wird, der alle Bürger zufrieden stelle. Auf MT-Anfrage bestätigt die Stadt Minden, dass das Areal Bestandteil der Planungen im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) mit dem Titel „Neues Leben am Kohlenufer“ ist. Für das Entwicklungskonzept läge der erste Förderbescheid vor und nun solle die Umsetzung einiger Projekte beginnen. Das ISEK formuliere eine Vielzahl an Maßnahmen, um das Quartier aufzuwerten und ganzheitlich zu entwickeln. „Die Weserwiesen stellen eine attraktive Fläche innerhalb des Gebietes dar, die derzeit nicht richtig erlebbar und nutzbar ist“, berichtet Stadtsprecherin Susann Lewerenz. Eine Maßnahme im Entwicklungskonzept sieht auch einen Wettbewerb für einen Landschaftspark „Weserauen“ vor. Doch der soll erst in etwa zwei Jahren beginnen. Der Charakter der Weserwiesen solle dabei erhalten bleiben. Aufgrund der wichtigen Funktion als Überschwemmungsbereich sei auch keine übermäßige Nutzung der Fläche möglich. „Die Belange des Hochwasserschutzes sind daher bei allen Überlegungen einer Aufwertung und Belebung der wassernahen Wiesen und Auen von großer Bedeutung“, erklärt die Stadtsprecherin. Ziel sei es lediglich, den Freiraum durch ein Wegenetz zu erschließen und für alle Mindener nutzbar und erlebbar zu machen. Der Fokus soll dabei auf Natur und Erholung liegen. Die gleichzeitige Fortführung der aktuellen landwirtschaftlichen Nutzung sei dabei zu berücksichtigen. „Zusätzlich ist die Renaturierung des Osterbachs für die ökologische und landschaftliche Aufwertung des Gebiets zentral“, erklärt die Stadtsprecherin. Dafür sei es nötig, dass die Stadt Minden einige Bereiche des Areals erwirbt. Der Flächenerwerb solle aber nicht über das Notwendige hinausgehen. An den Eigentümerverhältnissen soll sich so wenig wie möglich ändern. Obwohl der Bereich derzeit häufig zum Gassigehen genutzt wird, sei das Areal ein Landschaftsraum und eben keine reine Hundewiese. Bei Flächen, die sich im Privatbesitz befinden und auch dort verbleiben, habe jetzt und auch in Zukunft der Besitzer das Hoheitsrecht – und entscheide somit auch über eine Leinenpflicht. Die Planungen stehen nicht zeitnah an. Zurzeit stünden nur grobe Überlegungen im Raum. „Demzufolge können keine Aussagen oder Angaben über Details wie eine potenzielle Leinenpflicht, das Wegesystem oder Ähnliches getroffen werden.“ Katharina Thelen will die Entwicklungen weiter verfolgen und sich auch weiterhin um das Areal verdient machen. Die Interessengemeinschaft hat bereits Aufräumaktionen am Osterbach durchgeführt und Löcher auf dem Areal verfüllt. „Wir möchten auch eine bessere Lobby für Hundebesitzer in der Stadt schaffen“, berichtet Thelen. Hunde seien wichtig für die Gesellschaft und nicht nur die besten Freunde der Kinder. Sie ermöglichen es ihren Besitzern öfter herauszukommen und – wenn auch auf Abstand – Gemeinschaft zu erleben. „Das ist lebenswichtig in Zeiten von Corona“, ist sich Katharina Thelen sicher.

Hundehalter fürchten um Zufluchtsort: Was wird aus den Weserwiesen?

Die weite Fläche an der Weser ist ein Paradies für Hunde. Die Stadt möchte mehr Menschen den Zugang ermöglichen. MT-Foto: Schwemling © Mt-Foto: Patrick Schwemling

Minden. Grünes Gras, ein toller Blick auf die Weser und eine Menge Auslauf: Das Areal am rechten Weserufer, das sich zwischen Kaiserstraße und Gustav-Heinemann-Brücke erstreckt, lockt täglich eine Vielzahl von Gassigängern an. Die Fläche zu Fuß zu umrunden, dauert etwa eine Stunde und vor Ort herrscht keine Leinenpflicht. Eine im Raum stehende Umgestaltung des Geländes lässt die Hundehalter nun um ihren Zufluchtsort fernab von Verkehr und zahlreichen Spaziergängern, wie etwa im Glacis, fürchten.

Allen voran die Mindenerin Katharina Thelen ist besorgt. Sie fürchtet, dass die Stadt Minden und der Verein „Weserfreunde“, der Freiheit von Hund und Halter bald ein Ende setzten könnten: „Wenn ein Gehweg auf die Wiese kommt, dann hätten unsere Hunde hier Leinenpflicht.“ Deshalb hat sie mit anderen Hundehaltern die „Interessengemeinschaft Hundewiese Weserwiese Minden rechtes Weserufer“ ins Leben gerufen. Sie fordern Klarheit darüber, was mit dem Areal passieren wird.

Horst Spreckelmeyer ist Vorstandsmitglied der Weserfreunde. Konkrete Planungen für das Areal vonseiten des Vereins dementiert er auf MT-Anfrage, sagt aber auch: „Wenn, dann passiert dort sicher nichts in einer Hauruck-Aktion.“ Zudem würden die Weserfreunde nur in Absprache mit der Verwaltung und den Ortsbürgermeistern tätig werden. Die Menschen hinter der Interessengemeinschaft kenne er nicht. Er sei außerdem der Meinung, dass Hundebesitzer nicht über solche Planungen zu entscheiden hätten. „Dort gibt es sicher vielseitige Interessen“, erklärt Spreckelmeyer. Er wünsche sich aber, dass ein Ausgleich geschaffen wird, der alle Bürger zufrieden stelle.

Auf MT-Anfrage bestätigt die Stadt Minden, dass das Areal Bestandteil der Planungen im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) mit dem Titel „Neues Leben am Kohlenufer“ ist. Für das Entwicklungskonzept läge der erste Förderbescheid vor und nun solle die Umsetzung einiger Projekte beginnen.

Das ISEK formuliere eine Vielzahl an Maßnahmen, um das Quartier aufzuwerten und ganzheitlich zu entwickeln. „Die Weserwiesen stellen eine attraktive Fläche innerhalb des Gebietes dar, die derzeit nicht richtig erlebbar und nutzbar ist“, berichtet Stadtsprecherin Susann Lewerenz.

Eine Maßnahme im Entwicklungskonzept sieht auch einen Wettbewerb für einen Landschaftspark „Weserauen“ vor. Doch der soll erst in etwa zwei Jahren beginnen. Der Charakter der Weserwiesen solle dabei erhalten bleiben. Aufgrund der wichtigen Funktion als Überschwemmungsbereich sei auch keine übermäßige Nutzung der Fläche möglich. „Die Belange des Hochwasserschutzes sind daher bei allen Überlegungen einer Aufwertung und Belebung der wassernahen Wiesen und Auen von großer Bedeutung“, erklärt die Stadtsprecherin.

Ziel sei es lediglich, den Freiraum durch ein Wegenetz zu erschließen und für alle Mindener nutzbar und erlebbar zu machen. Der Fokus soll dabei auf Natur und Erholung liegen. Die gleichzeitige Fortführung der aktuellen landwirtschaftlichen Nutzung sei dabei zu berücksichtigen.

„Zusätzlich ist die Renaturierung des Osterbachs für die ökologische und landschaftliche Aufwertung des Gebiets zentral“, erklärt die Stadtsprecherin. Dafür sei es nötig, dass die Stadt Minden einige Bereiche des Areals erwirbt. Der Flächenerwerb solle aber nicht über das Notwendige hinausgehen. An den Eigentümerverhältnissen soll sich so wenig wie möglich ändern.

Obwohl der Bereich derzeit häufig zum Gassigehen genutzt wird, sei das Areal ein Landschaftsraum und eben keine reine Hundewiese. Bei Flächen, die sich im Privatbesitz befinden und auch dort verbleiben, habe jetzt und auch in Zukunft der Besitzer das Hoheitsrecht – und entscheide somit auch über eine Leinenpflicht.

Die Planungen stehen nicht zeitnah an. Zurzeit stünden nur grobe Überlegungen im Raum. „Demzufolge können keine Aussagen oder Angaben über Details wie eine potenzielle Leinenpflicht, das Wegesystem oder Ähnliches getroffen werden.“

Katharina Thelen will die Entwicklungen weiter verfolgen und sich auch weiterhin um das Areal verdient machen. Die Interessengemeinschaft hat bereits Aufräumaktionen am Osterbach durchgeführt und Löcher auf dem Areal verfüllt. „Wir möchten auch eine bessere Lobby für Hundebesitzer in der Stadt schaffen“, berichtet Thelen. Hunde seien wichtig für die Gesellschaft und nicht nur die besten Freunde der Kinder. Sie ermöglichen es ihren Besitzern öfter herauszukommen und – wenn auch auf Abstand – Gemeinschaft zu erleben. „Das ist lebenswichtig in Zeiten von Corona“, ist sich Katharina Thelen sicher.

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