Hüterin der Erinnerungen: Heike Hergert ist Kutenhausens neue Ortsheimatpflegerin Doris Christoph Minden-Kutenhausen. Das Gedächtnis des Dorfes lagert im ehemaligen Gendarmenhaus, der Eisenring zum Anbinden des Pferdes prangt noch immer neben dem Eingang. In dem kleinen, sanierten Gebäude hat der Heimatverein Kutenhausen seine Akten untergebracht, auch einige andere Vereine nutzen das Dorfarchiv. Manchmal haben die Vorsitzenden allerdings nur lose Zettel hinterlassen, wie Ortsbürgermeister Dieter Böttger (SPD) berichtet. Um die Zettelwirtschaft und die gut sortierten Unterlagen soll sich künftig Heike Hergert kümmern. Die 62-Jährige ist Kutenhausens neue Ortsheimatpflegerin. Zehn Jahre war das Amt nicht vergeben, der Vorsitzende des Heimatvereins übernahm die Aufgabe kommissarisch. Böttger ist sichtlich froh, dass wieder jemand für den Posten gefunden wurde. Es müsse doch für die Nachwelt festgehalten werden, was im Dorf passiere, findet er. Immerhin: „Wir waren Kulturmusterdorf und haben den Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft‘ gewonnen.“ Was auf sie zukommt, das weiß „Albers Heike“, wie sie in Kutenhausen genannt wird, noch gar nicht so richtig. Sie hat trotzdem spontan „Ja“ gesagt, als Böttger vor ein paar Wochen vorbeischaute und ihr den Posten anbot. Ein konkretes Aufgabenfeld für Ortsheimatpfleger gibt es laut Dieter Böttger auch nicht. „Das muss auf den Ort zugeschnitten sein.“ Für Kutenhausen könnte man sagen, Hergert soll die Erinnerungen hegen und pflegen, sie zusammentragen und bei Nachfragen helfen. „Sie kennt alle, fast alle kennen sie. Und Heike kennt das Ortsgeschehen“, berichtet Böttger, wie er auf die 62-Jährige kam. „Und sie ist fleißig und gewissenhaft“, ergänzt Birgitt Keil, ehemalige Ortsvorsteherin und wie Böttger und das Ehepaar Hergert Mitglied im Heimatverein Kutenhausen. Hergert ist ein Kutenhauser Urgestein. Noch heute wohnt sie auf dem elterlichen Gehöft im Westerort – einem Ortsteil von Kutenhausen. Früher hatte der Hof die Hausnummer 18. Hier ist sie mit einer Schwester aufgewachsen, hat später mit Ehemann Dieter die beiden Kinder großgezogen. „Ich kann schlecht weg von zuhause“, sagt die gelernte Industriekauffrau, die zurzeit arbeitslos ist. „Ich habe dann Heimweh.“ Als Kind sollte sie einmal Urlaub in Stemmer machen. „Ich bin nicht aus dem Auto gestiegen“, erinnert sie sich. Ihr Vater nahm sie wieder mit nach Hause, nach Kutenhausen. Bis 1996 betrieb die Familie Landwirtschaft im Nebenerwerb. Dann gaben die Hergerts sie auf, Scheune und Stall hat das Ehepaar vor etwa drei Jahren zur Wohnstätte umgebaut, das alte 450 Quadratmeter große Wohnhaus abgerissen. Im Alter ist das weniger Arbeit, leicht ist ihr das aber nicht gefallen. Die Veränderung ihres Zuhauses steht stellvertretend für den Wandel des Dorfes, das laut Homepage der Stadt Minden rund 1.800 Einwohner hat und eine Fläche von 481 Hektar umfasst. „Das Höfesterben ist ein Zeichen der Zeit“, sagt Birgitt Keil. „Es gibt nur noch einen einzigen Betrieb, der Landwirtschaft als Haupterwerb betreibt“, fügt Dieter Hergert hinzu. Dafür wird gegenüber vom Hof fleißig gebaut: Neue Eigenheime entstehen, junge Familien ziehen her. „Die Infrastruktur ist gut hier“, sagt der 65-Jährige. Die Grundschule ist in der Nähe, es gibt noch Geschäfte. Schnell sind die Kutenhauser mit dem Auto in der Stadt. In Zeiten des Wandels das Verlorengehende festhalten, Baustellen, Feste und die Arbeit der Vereine dokumentieren, das kommt auf Heike Hergert zu, die sich neben dem Heimatverein auch im Besuchskreis ihrer Kirchengemeinde engagiert. Sie will sich jetzt ins Archiv einarbeiten. Mit dem Ortsheimatpfleger von Todtenhausen hatte sie schon Kontakt. Bei den Vereinen soll sie sich auch noch vorstellen, so Birgitt Keil. Und die Arbeit der Plattdeutschen Arbeitsgemeinschaft müsse auch noch archiviert werden. Da kommen doch eine ganze Menge Aufgaben zusammen. „Ich schaffe das schon“, zeigt sich Heike Hergert zuversichtlich, die selber Platt versteht, aber nicht spricht. Und sollte ihr mal etwas in Sütterlin unterkommen, kann sie auf ihren Mann zählen. Der war früher Vermessungstechniker im Katasteramt des Kreises, und da musste man bis 1979 in Sütterlin schreiben. Die Stadt will sie noch beim Heimatbund anmelden, der seine Mitglieder dabei unterstützt, die Geschichte Westfalens zu bewahren. Und beim Heimatverein, der die Dachorganisation aller Kutenhauser Vereine ist, soll sie demnächst zur Beisitzerin gewählt werden, kündigt Böttger an. Und wenn dann mal Zeit ist, will die neue Ortsheimatpflegerin recherchieren, woher denn eigentlich der Beiname „Albers“ kommt. Ihr Geburtsname ist nämlich Kanning.

Hüterin der Erinnerungen: Heike Hergert ist Kutenhausens neue Ortsheimatpflegerin

Heike Hergert ist neue Ortsheimatpflegerin von Kutenhausen. Zu ihren Aufgaben zählt es, sich um das Dorfarchiv zu kümmern. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden-Kutenhausen. Das Gedächtnis des Dorfes lagert im ehemaligen Gendarmenhaus, der Eisenring zum Anbinden des Pferdes prangt noch immer neben dem Eingang. In dem kleinen, sanierten Gebäude hat der Heimatverein Kutenhausen seine Akten untergebracht, auch einige andere Vereine nutzen das Dorfarchiv. Manchmal haben die Vorsitzenden allerdings nur lose Zettel hinterlassen, wie Ortsbürgermeister Dieter Böttger (SPD) berichtet.

Um die Zettelwirtschaft und die gut sortierten Unterlagen soll sich künftig Heike Hergert kümmern. Die 62-Jährige ist Kutenhausens neue Ortsheimatpflegerin. Zehn Jahre war das Amt nicht vergeben, der Vorsitzende des Heimatvereins übernahm die Aufgabe kommissarisch. Böttger ist sichtlich froh, dass wieder jemand für den Posten gefunden wurde. Es müsse doch für die Nachwelt festgehalten werden, was im Dorf passiere, findet er. Immerhin: „Wir waren Kulturmusterdorf und haben den Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunftgewonnen.“

Was auf sie zukommt, das weiß „Albers Heike“, wie sie in Kutenhausen genannt wird, noch gar nicht so richtig. Sie hat trotzdem spontan „Ja“ gesagt, als Böttger vor ein paar Wochen vorbeischaute und ihr den Posten anbot. Ein konkretes Aufgabenfeld für Ortsheimatpfleger gibt es laut Dieter Böttger auch nicht. „Das muss auf den Ort zugeschnitten sein.“ Für Kutenhausen könnte man sagen, Hergert soll die Erinnerungen hegen und pflegen, sie zusammentragen und bei Nachfragen helfen.

„Sie kennt alle, fast alle kennen sie. Und Heike kennt das Ortsgeschehen“, berichtet Böttger, wie er auf die 62-Jährige kam. „Und sie ist fleißig und gewissenhaft“, ergänzt Birgitt Keil, ehemalige Ortsvorsteherin und wie Böttger und das Ehepaar Hergert Mitglied im Heimatverein Kutenhausen.

Hergert ist ein Kutenhauser Urgestein. Noch heute wohnt sie auf dem elterlichen Gehöft im Westerort – einem Ortsteil von Kutenhausen. Früher hatte der Hof die Hausnummer 18. Hier ist sie mit einer Schwester aufgewachsen, hat später mit Ehemann Dieter die beiden Kinder großgezogen. „Ich kann schlecht weg von zuhause“, sagt die gelernte Industriekauffrau, die zurzeit arbeitslos ist. „Ich habe dann Heimweh.“ Als Kind sollte sie einmal Urlaub in Stemmer machen. „Ich bin nicht aus dem Auto gestiegen“, erinnert sie sich. Ihr Vater nahm sie wieder mit nach Hause, nach Kutenhausen.

Bis 1996 betrieb die Familie Landwirtschaft im Nebenerwerb. Dann gaben die Hergerts sie auf, Scheune und Stall hat das Ehepaar vor etwa drei Jahren zur Wohnstätte umgebaut, das alte 450 Quadratmeter große Wohnhaus abgerissen. Im Alter ist das weniger Arbeit, leicht ist ihr das aber nicht gefallen.

Die Veränderung ihres Zuhauses steht stellvertretend für den Wandel des Dorfes, das laut Homepage der Stadt Minden rund 1.800 Einwohner hat und eine Fläche von 481 Hektar umfasst. „Das Höfesterben ist ein Zeichen der Zeit“, sagt Birgitt Keil. „Es gibt nur noch einen einzigen Betrieb, der Landwirtschaft als Haupterwerb betreibt“, fügt Dieter Hergert hinzu. Dafür wird gegenüber vom Hof fleißig gebaut: Neue Eigenheime entstehen, junge Familien ziehen her. „Die Infrastruktur ist gut hier“, sagt der 65-Jährige. Die Grundschule ist in der Nähe, es gibt noch Geschäfte. Schnell sind die Kutenhauser mit dem Auto in der Stadt. In Zeiten des Wandels das Verlorengehende festhalten, Baustellen, Feste und die Arbeit der Vereine dokumentieren, das kommt auf Heike Hergert zu, die sich neben dem Heimatverein auch im Besuchskreis ihrer Kirchengemeinde engagiert. Sie will sich jetzt ins Archiv einarbeiten. Mit dem Ortsheimatpfleger von Todtenhausen hatte sie schon Kontakt. Bei den Vereinen soll sie sich auch noch vorstellen, so Birgitt Keil. Und die Arbeit der Plattdeutschen Arbeitsgemeinschaft müsse auch noch archiviert werden. Da kommen doch eine ganze Menge Aufgaben zusammen. „Ich schaffe das schon“, zeigt sich Heike Hergert zuversichtlich, die selber Platt versteht, aber nicht spricht. Und sollte ihr mal etwas in Sütterlin unterkommen, kann sie auf ihren Mann zählen. Der war früher Vermessungstechniker im Katasteramt des Kreises, und da musste man bis 1979 in Sütterlin schreiben.

Die Stadt will sie noch beim Heimatbund anmelden, der seine Mitglieder dabei unterstützt, die Geschichte Westfalens zu bewahren. Und beim Heimatverein, der die Dachorganisation aller Kutenhauser Vereine ist, soll sie demnächst zur Beisitzerin gewählt werden, kündigt Böttger an. Und wenn dann mal Zeit ist, will die neue Ortsheimatpflegerin recherchieren, woher denn eigentlich der Beiname „Albers“ kommt. Ihr Geburtsname ist nämlich Kanning.

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