Hospizkino im BÜZ: Filmemacher Stefan Sick präsentiert Demenz-Film „Das innere Leuchten“ Ursula Koch Minden. „Mit meinem Film wollte ich in eine Lebenswelt schauen, die einem sonst verborgen bleibt“, sagt Regisseur Stefan Sick über seinen Dokumentarfilm „Das innere Leuchten“, der 2019 auf der Berlinale gezeigt wurde. Hauptprotagonisten sind Menschen in einem Pflegeheim, die an Demenz erkrankt sind. Am Mittwoch, 20. Oktober, um 20 Uhr wird der Film im Kulturzentrum BÜZ gezeigt. Es ist der Auftakt zu der jährlichen kleinen Filmreihe des Hospizkreises und Stefan Sick reist zur Vorstellung und zum Gespräch mit dem Publikum an. „Wir haben für ein Studentenprojekt in einem Pflegeheim in Duisburg gedreht. Dabei ging es um Zufriedenheit im Alter. Das war meine erste Begegnung mit Demenz-Patienten“, erzählt Stefan Sick in einem Telefongespräch. „Diese Menschen haben keine Schutzschicht mehr. Sie sind einfach so, wie sie sich fühlen.“ Das hat den Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, dessen Schwerpunkt eigentlich Bildgestaltung und Kamera war, neugierig gemacht. So ist die Idee zu seinem eigenen Filmprojekt entstanden. Damit war für ihn zugleich klar, dass er auch als Regisseur die Zügel in der Hand behalten will. Die Kamera führt er außerdem. Nur ein Tonmann war bei den Aufnahmen an seiner Seite. „Ich wollte das Drehteam möglichst klein halten“, erläutert Sick. Ein Jahr lang hat der heute 40-Jährige die Bewohner und das Pflegepersonal gefilmt. „Die Patienten sind sehr offen auf uns zugegangen. Eine Frau hat mich sofort an der Hand genommen, um mir etwas zu zeigen“, berichtet Sick. Neben der Heimleitung habe er waber zunächst mit den Angehörigen gesprochen, weil alle Patienten unter Vormundschaft stehen. Die meisten hätten den Filmarbeiten zugestimmt. Erst danach habe er Kontakt zu den Bewohnern aufgenommen. Entstanden sind 90 Stunden Filmmaterial, die Sick zu 95 Minuten Dokumentarfilm verdichtet hat. Im Ergebnis lässt Sick die Bilder für sich sprechen. Er führt keine Interviews, unterlegt die Bilder nicht mit einem Kommentar. „Ich möchte meine Beobachtungen an den Zuschauer weitergeben“, erläutert Sick die Motivation. Den Titel habe er schon während der Planungen für sein Projekt festgelegt. Den habe er auf der Basis seiner ersten Erfahrungen formuliert und zum Glück habe er sich als passend erwiesen. Sein Filmmaterial habe er sich nach der Hälfte der Drehzeit mit einer Cutterin und dramaturgischen Beraterin angesehen. „Sie hat mich auf Manfred Volz hingewiesen. Durch sie ist er zu meinem Hauptdarsteller geworden“, berichtet Sick. Manfred Volz war Schreiner von Beruf. Er bewegt sich summend und tanzend durch das Pflegeheim. Die Kamera beobachtet ihn, wie er akribisch den Tresen im Speisesaal putzt. Aber putzt er wirklich? Erst mit dem Wissen um seinen Beruf bekommt der Betrachter eine Ahnung davon, dass es sich um über Jahrzehnte eingeübte Handgriffe handeln könnte. „Wiederholungen funktionieren mit Demenz-Patienten nicht. Das ist wirklich pure dokumentarische Arbeit“, betont Sick. Er habe zwar einige Dinge initiiert, etwa den Moment, in dem Manfred Volz mit seinem Sohn musiziert. Das machen beide häufiger, betont Sick. Er habe nur sichergestellt, dass er zu diesem Moment auch mit der Kamera vor Ort war. Die Atmosphäre in dem Pflegeheim sei wirklich so harmonisch, wie er sie darstelle. „Menschen mit Demenz leben in ihrer eigenen Welt“, erläutert der Filmemacher. Daher gehe das Personal auf die jeweilige Situation ein und gehe respektvoll mit dem Erleben der Patienten um. „Ich zeige einen positiven Blick, aber keinen geschönten Alltag“, bekräftigt Sick. Für den Besuch der Filmvorstellung und des Gesprächs am Mittwoch, 20. Oktober, um 20 Uhr im Kulturzentrum BÜZ, Johanniskirchhof, ist der 3G-Nachweis erforderlich. In der Filmreihe des Hospizkreises im BÜZ ist am 3. November der Dokumentarfilm „Brücke zwischen den Welten“ über Nahtod-Kontakte zu sehen und am 17. November „Zeige deine Wunde“ zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys. Der Regisseur Rüdiger Sünner steht ebenfalls zum Gespräch zur Verfügung.

Hospizkino im BÜZ: Filmemacher Stefan Sick präsentiert Demenz-Film „Das innere Leuchten“

Der Filmemacher Stefan Sick spricht mit Manfred Volz, der zur Hauptfigur seines Dokumentarfilms „Das innere Leuchten“ wurde. Foto: Ama Film/privat © x

Minden. „Mit meinem Film wollte ich in eine Lebenswelt schauen, die einem sonst verborgen bleibt“, sagt Regisseur Stefan Sick über seinen Dokumentarfilm „Das innere Leuchten“, der 2019 auf der Berlinale gezeigt wurde. Hauptprotagonisten sind Menschen in einem Pflegeheim, die an Demenz erkrankt sind. Am Mittwoch, 20. Oktober, um 20 Uhr wird der Film im Kulturzentrum BÜZ gezeigt. Es ist der Auftakt zu der jährlichen kleinen Filmreihe des Hospizkreises und Stefan Sick reist zur Vorstellung und zum Gespräch mit dem Publikum an.

„Wir haben für ein Studentenprojekt in einem Pflegeheim in Duisburg gedreht. Dabei ging es um Zufriedenheit im Alter. Das war meine erste Begegnung mit Demenz-Patienten“, erzählt Stefan Sick in einem Telefongespräch. „Diese Menschen haben keine Schutzschicht mehr. Sie sind einfach so, wie sie sich fühlen.“

Malina Reckordt

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Das hat den Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, dessen Schwerpunkt eigentlich Bildgestaltung und Kamera war, neugierig gemacht. So ist die Idee zu seinem eigenen Filmprojekt entstanden. Damit war für ihn zugleich klar, dass er auch als Regisseur die Zügel in der Hand behalten will. Die Kamera führt er außerdem. Nur ein Tonmann war bei den Aufnahmen an seiner Seite. „Ich wollte das Drehteam möglichst klein halten“, erläutert Sick.

Ein Jahr lang hat der heute 40-Jährige die Bewohner und das Pflegepersonal gefilmt. „Die Patienten sind sehr offen auf uns zugegangen. Eine Frau hat mich sofort an der Hand genommen, um mir etwas zu zeigen“, berichtet Sick. Neben der Heimleitung habe er waber zunächst mit den Angehörigen gesprochen, weil alle Patienten unter Vormundschaft stehen. Die meisten hätten den Filmarbeiten zugestimmt. Erst danach habe er Kontakt zu den Bewohnern aufgenommen.

Entstanden sind 90 Stunden Filmmaterial, die Sick zu 95 Minuten Dokumentarfilm verdichtet hat. Im Ergebnis lässt Sick die Bilder für sich sprechen. Er führt keine Interviews, unterlegt die Bilder nicht mit einem Kommentar. „Ich möchte meine Beobachtungen an den Zuschauer weitergeben“, erläutert Sick die Motivation.

Den Titel habe er schon während der Planungen für sein Projekt festgelegt. Den habe er auf der Basis seiner ersten Erfahrungen formuliert und zum Glück habe er sich als passend erwiesen. Sein Filmmaterial habe er sich nach der Hälfte der Drehzeit mit einer Cutterin und dramaturgischen Beraterin angesehen. „Sie hat mich auf Manfred Volz hingewiesen. Durch sie ist er zu meinem Hauptdarsteller geworden“, berichtet Sick.

Manfred Volz war Schreiner von Beruf. Er bewegt sich summend und tanzend durch das Pflegeheim. Die Kamera beobachtet ihn, wie er akribisch den Tresen im Speisesaal putzt. Aber putzt er wirklich? Erst mit dem Wissen um seinen Beruf bekommt der Betrachter eine Ahnung davon, dass es sich um über Jahrzehnte eingeübte Handgriffe handeln könnte. „Wiederholungen funktionieren mit Demenz-Patienten nicht. Das ist wirklich pure dokumentarische Arbeit“, betont Sick. Er habe zwar einige Dinge initiiert, etwa den Moment, in dem Manfred Volz mit seinem Sohn musiziert. Das machen beide häufiger, betont Sick. Er habe nur sichergestellt, dass er zu diesem Moment auch mit der Kamera vor Ort war.

Die Atmosphäre in dem Pflegeheim sei wirklich so harmonisch, wie er sie darstelle. „Menschen mit Demenz leben in ihrer eigenen Welt“, erläutert der Filmemacher. Daher gehe das Personal auf die jeweilige Situation ein und gehe respektvoll mit dem Erleben der Patienten um. „Ich zeige einen positiven Blick, aber keinen geschönten Alltag“, bekräftigt Sick.

Für den Besuch der Filmvorstellung und des Gesprächs am Mittwoch, 20. Oktober, um 20 Uhr im Kulturzentrum BÜZ, Johanniskirchhof, ist der 3G-Nachweis erforderlich.

In der Filmreihe des Hospizkreises im BÜZ ist am 3. November der Dokumentarfilm „Brücke zwischen den Welten“ über Nahtod-Kontakte zu sehen und am 17. November „Zeige deine Wunde“ zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys. Der Regisseur Rüdiger Sünner steht ebenfalls zum Gespräch zur Verfügung.

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