Hoch hinaus: Mindener Alpenverein hat ein besonderes Ziel für 2030 Sebastian Radermacher Minden. Die Pandemie hat vielen Vereinen in Minden und Umgebung enorm zugesetzt: Hallen geschlossen, Aktivitäten verboten, Veranstaltungen abgesagt – und das in einer Zeit, in der viele sowieso schon mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben. Auch die Sektion Minden des Deutschen Alpenvereins (DAV) musste in den vergangenen eineinhalb Jahren mit pandemiebedingten Einschränkungen klarkommen, doch von einem Mitgliederschwund ist nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Wir wachsen seit einigen Jahren kontinuierlich“, berichten die Sektionsvorsitzende Beate Forth und ihre Stellvertreterin Erika Steinisch im MT-Gespräch. Zum Vergleich: Hatte die Sektion im Jahr 2015 noch 930 Mitglieder, so ist die Zahl auf aktuell 1.122 angestiegen. Die Mindener Abteilung des Alpenvereins zählt damit zu den größten Vereinen im Kreis Minden-Lübbecke. Im Vergleich zum Jahr 2019 (1.047 Mitglieder) registrierte die Sektion einen Zuwachs von rund sieben Prozent. „Der Drang nach Bewegung im Freien ist größer geworden“, sagt Beate Fort mit Blick auf die Entwicklung in der Corona-Pandemie. Zudem gebe es allgemein ein großes Interesse am Klettersport – „vor allem bei jungen Leuten und Familien mit Kindern spüren wir einen starken Zulauf.“ Die Mitglieder der Sektion stammen aus dem gesamten Mühlenkreis Wer sich der Mindener Abteilung anschließt, ist auch automatisch Mitglied im Deutschen Alpenverein, erläutert Forth. Das bringt einige Vorteile mit sich, etwa günstige Gastmitgliedschaften in anderen Sektionen, Vergünstigungen bei Übernachtungen auf Alpenvereinshütten oder auch einen umfangreichen Versicherungsschutz. Letzterer gilt weltweit bei Bergnot, bei Unfällen, zum Beispiel beim Bergsteigen oder Alpinsport und bei Veranstaltungen des Alpenvereins und den dazugehörigen Trainingseinheiten. Die Mindener Sektion verfügt aktuell über 14 aktive Trainer/Übungsleiter und bietet ihren Mitgliedern eine breite Palette an sportlichen Aktivitäten. Es gibt verschiedene Fitnessangebote, sportliche Wandergruppen, geführte Sommer-Touren in den Alpen, Aktivitäten für Senioren, Klettern für Jung und Alt, zum Beispiel in der Pötcherhalle in Minden oder im Steinbruch am Jakobsberg, außerdem Ausflüge mit dem Rennrad oder Mountainbike. Und wer es richtig abenteuerlich mag, kann in Österreich auf 2.428 Metern Höhe in der Mindener Hütte des Alpenvereins Rast machen und auch übernachten. Darauf sind Beate Forth und Erika Steinisch besonders stolz. Die Hütte liegt in Hohen Tauern, einer Hochgebirgsregion der Zentralalpen, und ist ein direkter Stützpunkt des Tauernhöhenweges. Der Talort ist Mallnitz in Kärnten. Es handelt sich um eine Selbstversorgerhütte, die über zwölf Schlafplätze verfügt. Geöffnet ist die Mindener Hütte je nach Witterungsverhältnissen von Ende Mai bis etwa Mitte Oktober. Ein Schlüssel ist nicht erforderlich, eine Anmeldung nicht möglich. Wer die Unterkunft nutzt, trägt sich in ein Hüttenbuch ein. Eine Übernachtung kostet fünf Euro, wer tagsüber Pause macht und dort kocht, soll drei Euro zahlen. In den vergangenen Jahren verzeichnete die Sektion stets zwischen 130 und 200 Übernachtungen jährlich – 2021 waren es 146. Diese Zahlen seien abhängig von der Ehrlichkeit der Wanderer, erklärt Beate Forth. Denn wer sich nicht ins Buch einträgt, wird in der Statistik nicht erfasst. Was die Aktiven des Alpenvereins bedauern: „Leider gibt es immer wieder unerwünschte Beschädigungen. Dies passiert meist im Zeitraum, wenn die Hütte im ,Winterschlaf’ ist“, berichtet die Vorsitzende. Immer wieder werde versucht, die Unterkunft aufzubrechen. Zum Glück seien damit meist nur kleine Schäden verbunden. Im Frühjahr sei die Plexiglasscheibe auf einem Solarpanel zerschlagen worden. Forth: „Ärgerlich, aber ersetzbar.“ Als sie im März neu an die Spitze des Vorstands gewählt wurden, hatten Beate Forth und Erika Steinisch bereits einige Ideen und Ziele. Sie wollten zum Beispiel die Internetseite der Sektion aktualisieren und etwas „aufhübschen“. Doch dann folgte die Jahreshauptversammlung des Dachverbandes – und plötzlich stand ein ganz anderes Ziel im Mittelpunkt: Der Deutsche Alpenverein möchte bis 2030 klimaneutral werden. „Wir sind gespannt, was auf uns zukommt und wie wir dieses Ziel in der Sektion erreichen können“, sagt Erika Steinisch. Für die Aktiven in Minden sei dies eine große Herausforderung: „Wir müssen ja alles mit Ehrenamtlichen stemmen.“ Die Diskussion auf der Versammlung sei emotional und durchaus kontrovers gewesen, es habe Argumente dafür und dagegen gegeben, berichtet Beate Forth. Sie begrüßt es sehr, den Weg zur Klimaneutralität jetzt einzuschlagen. „Wir sehen in den Bergen mit unseren eigenen Augen, wie sich das Klima verändert. Viele Wege sind nicht mehr begehbar.“Welche Maßnahmen und Ideen konkret die Sektion Minden umsetzen kann, das möchte der Vorstand gemeinsam mit den Mitgliedern besprechen und erörtern. Im Januar soll es eine Informationsveranstaltung geben, im März steht die Mitgliederversammlung an. Fest stehe: „Wir brauchen auf jeden Fall Klimaschutzkoordinatoren, die den Prozess begleiten“, betont Forth. Mit einem speziell programmierten Computerprogramm sollen die DAV-Gruppen ihre jeweiligen CO2-Bilanzen erstellen und dann ermitteln, wo die Einsparpotenziale liegen. Für Forth und Steinisch sind dabei auch kleine Dinge wichtig. Sie denken an den Stromverbrauch in der Geschäftsstelle zum Beispiel, an den Verzicht auf Plastikflaschen bei Veranstaltungen, den Umstieg auf LED-Beleuchtung, mehr Fahrgemeinschaften zu Ausflügen oder auch Reisen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Marschroute beim CO2-Verbrauch für die Zukunft sei klar formuliert, so Forth: „Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren.“ Bild: Abseilen Der Alpenverein Der Deutsche Alpenverein (DAV) ist die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt und mit fast 1,4 Millionen Mitgliedern einer der größten Sportfachverbände Deutschlands. Im DAV sind 357 rechtlich selbstständige Sektionen organisiert. Der Deutsche Alpenverein verfügt über 323 öffentlich zugängliche Berg- und Schutzhütten. Die Sektion Minden des Alpenvereins wurde im Februar 1884 von 13 Bergfreunden aus Minden und Umgebung gegründet. Mit fast 1.200 Mitgliedern ist die Sektion einer der größten Vereine im Kreis Minden-Lübbecke.Die Mindener Abteilung des DAV hat seit März eine neue Vorstandsspitze: Beate Forth wurde von den Mitgliedern zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die 55-jährige Mindenerin ist seit 2006 Mitglied im Alpenverein. Ihre Stellvertreterin ist Erika Steinisch. Auch die 58-Jährige aus Bad Oeynhausen ist seit 15 Jahren Mitglied im Alpenverein. Beide wurden für drei Jahre gewählt.Geschäftsstelle und Sektionsbücherei befinden an der Stiftstraße 2b in Minden, im ersten Stock des Marienstifts der Mariengemeinde. Die Bücherei hält Karten, Kletter- und Wanderführer zur Anregung und Planung für Bergurlaube bereit. Kontakt: Tel. (0571) 8 29 37 03, E-Mail info@dav-minden.de, www.dav-minden.de

Hoch hinaus: Mindener Alpenverein hat ein besonderes Ziel für 2030

Die Mindener Hütte liegt in Hohen Tauern, einer Hochgebirgsregion der Zentralalpen. Das Haus hat zwölf Schlafplätze und ist in den Sommermonaten frei zugänglich. Foto: privat
In der Pöttcherhalle in Minden organisiert der Alpenverein regelmäßiges Klettertraining. Foto: privat - © privat
In der Pöttcherhalle in Minden organisiert der Alpenverein regelmäßiges Klettertraining. Foto: privat - © privat

Minden. Die Pandemie hat vielen Vereinen in Minden und Umgebung enorm zugesetzt: Hallen geschlossen, Aktivitäten verboten, Veranstaltungen abgesagt – und das in einer Zeit, in der viele sowieso schon mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben.

Auch die Sektion Minden des Deutschen Alpenvereins (DAV) musste in den vergangenen eineinhalb Jahren mit pandemiebedingten Einschränkungen klarkommen, doch von einem Mitgliederschwund ist nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Wir wachsen seit einigen Jahren kontinuierlich“, berichten die Sektionsvorsitzende Beate Forth und ihre Stellvertreterin Erika Steinisch im MT-Gespräch. Zum Vergleich: Hatte die Sektion im Jahr 2015 noch 930 Mitglieder, so ist die Zahl auf aktuell 1.122 angestiegen. Die Mindener Abteilung des Alpenvereins zählt damit zu den größten Vereinen im Kreis Minden-Lübbecke.

Im Vergleich zum Jahr 2019 (1.047 Mitglieder) registrierte die Sektion einen Zuwachs von rund sieben Prozent. „Der Drang nach Bewegung im Freien ist größer geworden“, sagt Beate Fort mit Blick auf die Entwicklung in der Corona-Pandemie. Zudem gebe es allgemein ein großes Interesse am Klettersport – „vor allem bei jungen Leuten und Familien mit Kindern spüren wir einen starken Zulauf.“ Die Mitglieder der Sektion stammen aus dem gesamten Mühlenkreis

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Wer sich der Mindener Abteilung anschließt, ist auch automatisch Mitglied im Deutschen Alpenverein, erläutert Forth. Das bringt einige Vorteile mit sich, etwa günstige Gastmitgliedschaften in anderen Sektionen, Vergünstigungen bei Übernachtungen auf Alpenvereinshütten oder auch einen umfangreichen Versicherungsschutz. Letzterer gilt weltweit bei Bergnot, bei Unfällen, zum Beispiel beim Bergsteigen oder Alpinsport und bei Veranstaltungen des Alpenvereins und den dazugehörigen Trainingseinheiten.

Was für eine Aussicht: Klettern und Abseilen bei Sonnenuntergang im Ith in Niedersachsen – auch das bietet der Alpenverein an. Foto: privat - © pr
Was für eine Aussicht: Klettern und Abseilen bei Sonnenuntergang im Ith in Niedersachsen – auch das bietet der Alpenverein an. Foto: privat - © pr

Die Mindener Sektion verfügt aktuell über 14 aktive Trainer/Übungsleiter und bietet ihren Mitgliedern eine breite Palette an sportlichen Aktivitäten. Es gibt verschiedene Fitnessangebote, sportliche Wandergruppen, geführte Sommer-Touren in den Alpen, Aktivitäten für Senioren, Klettern für Jung und Alt, zum Beispiel in der Pötcherhalle in Minden oder im Steinbruch am Jakobsberg, außerdem Ausflüge mit dem Rennrad oder Mountainbike. Und wer es richtig abenteuerlich mag, kann in Österreich auf 2.428 Metern Höhe in der Mindener Hütte des Alpenvereins Rast machen und auch übernachten. Darauf sind Beate Forth und Erika Steinisch besonders stolz. Die Hütte liegt in Hohen Tauern, einer Hochgebirgsregion der Zentralalpen, und ist ein direkter Stützpunkt des Tauernhöhenweges. Der Talort ist Mallnitz in Kärnten.

Es handelt sich um eine Selbstversorgerhütte, die über zwölf Schlafplätze verfügt. Geöffnet ist die Mindener Hütte je nach Witterungsverhältnissen von Ende Mai bis etwa Mitte Oktober. Ein Schlüssel ist nicht erforderlich, eine Anmeldung nicht möglich. Wer die Unterkunft nutzt, trägt sich in ein Hüttenbuch ein. Eine Übernachtung kostet fünf Euro, wer tagsüber Pause macht und dort kocht, soll drei Euro zahlen. In den vergangenen Jahren verzeichnete die Sektion stets zwischen 130 und 200 Übernachtungen jährlich – 2021 waren es 146. Diese Zahlen seien abhängig von der Ehrlichkeit der Wanderer, erklärt Beate Forth.

Denn wer sich nicht ins Buch einträgt, wird in der Statistik nicht erfasst. Was die Aktiven des Alpenvereins bedauern: „Leider gibt es immer wieder unerwünschte Beschädigungen. Dies passiert meist im Zeitraum, wenn die Hütte im ,Winterschlaf’ ist“, berichtet die Vorsitzende. Immer wieder werde versucht, die Unterkunft aufzubrechen. Zum Glück seien damit meist nur kleine Schäden verbunden. Im Frühjahr sei die Plexiglasscheibe auf einem Solarpanel zerschlagen worden. Forth: „Ärgerlich, aber ersetzbar.“

Vorsitzende Beate Forth (links) und ihre Stellvertreterin Erika Steinisch stehen an der Spitze der Sektion Minden des Alpenvereins. - © Sebastian Radermacher
Vorsitzende Beate Forth (links) und ihre Stellvertreterin Erika Steinisch stehen an der Spitze der Sektion Minden des Alpenvereins. - © Sebastian Radermacher

Als sie im März neu an die Spitze des Vorstands gewählt wurden, hatten Beate Forth und Erika Steinisch bereits einige Ideen und Ziele. Sie wollten zum Beispiel die Internetseite der Sektion aktualisieren und etwas „aufhübschen“. Doch dann folgte die Jahreshauptversammlung des Dachverbandes – und plötzlich stand ein ganz anderes Ziel im Mittelpunkt: Der Deutsche Alpenverein möchte bis 2030 klimaneutral werden.

„Wir sind gespannt, was auf uns zukommt und wie wir dieses Ziel in der Sektion erreichen können“, sagt Erika Steinisch. Für die Aktiven in Minden sei dies eine große Herausforderung: „Wir müssen ja alles mit Ehrenamtlichen stemmen.“ Die Diskussion auf der Versammlung sei emotional und durchaus kontrovers gewesen, es habe Argumente dafür und dagegen gegeben, berichtet Beate Forth. Sie begrüßt es sehr, den Weg zur Klimaneutralität jetzt einzuschlagen. „Wir sehen in den Bergen mit unseren eigenen Augen, wie sich das Klima verändert. Viele Wege sind nicht mehr begehbar.“

Welche Maßnahmen und Ideen konkret die Sektion Minden umsetzen kann, das möchte der Vorstand gemeinsam mit den Mitgliedern besprechen und erörtern. Im Januar soll es eine Informationsveranstaltung geben, im März steht die Mitgliederversammlung an. Fest stehe: „Wir brauchen auf jeden Fall Klimaschutzkoordinatoren, die den Prozess begleiten“, betont Forth.

Mit einem speziell programmierten Computerprogramm sollen die DAV-Gruppen ihre jeweiligen CO2-Bilanzen erstellen und dann ermitteln, wo die Einsparpotenziale liegen. Für Forth und Steinisch sind dabei auch kleine Dinge wichtig. Sie denken an den Stromverbrauch in der Geschäftsstelle zum Beispiel, an den Verzicht auf Plastikflaschen bei Veranstaltungen, den Umstieg auf LED-Beleuchtung, mehr Fahrgemeinschaften zu Ausflügen oder auch Reisen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Marschroute beim CO2-Verbrauch für die Zukunft sei klar formuliert, so Forth: „Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren.“

Bild: Abseilen

Der Alpenverein

Der Deutsche Alpenverein (DAV) ist die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt und mit fast 1,4 Millionen Mitgliedern einer der größten Sportfachverbände Deutschlands. Im DAV sind 357 rechtlich selbstständige Sektionen organisiert. Der Deutsche Alpenverein verfügt über 323 öffentlich zugängliche Berg- und Schutzhütten.

Die Sektion Minden des Alpenvereins wurde im Februar 1884 von 13 Bergfreunden aus Minden und Umgebung gegründet. Mit fast 1.200 Mitgliedern ist die Sektion einer der größten Vereine im Kreis Minden-Lübbecke.

Die Mindener Abteilung des DAV hat seit März eine neue Vorstandsspitze: Beate Forth wurde von den Mitgliedern zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die 55-jährige Mindenerin ist seit 2006 Mitglied im Alpenverein. Ihre Stellvertreterin ist Erika Steinisch. Auch die 58-Jährige aus Bad Oeynhausen ist seit 15 Jahren Mitglied im Alpenverein. Beide wurden für drei Jahre gewählt.

Geschäftsstelle und Sektionsbücherei befinden an der Stiftstraße 2b in Minden, im ersten Stock des Marienstifts der Mariengemeinde. Die Bücherei hält Karten, Kletter- und Wanderführer zur Anregung und Planung für Bergurlaube bereit. Kontakt: Tel. (0571) 8 29 37 03, E-Mail info@dav-minden.de, www.dav-minden.de

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