Hilfe in schweren Lebenssituationen: Sozialdienst bietet Frauen ambulant betreutes Wohnen Vasco Stemmer Minden. Es sind nicht nur Gewalterfahrungen, Wohnungslosigkeit oder Diskriminierung: Verschiedenste Umstände können Menschen in eine schwierige Lebenssituationen bringen. Auch die Bewältigung alltäglicher Aufgaben kann dann zu einem ernsten Problem werden. Der Sozialdienst katholischer Frauen in Minden (SkF) hat ein Programm entwickelt, um speziell Frauen in solchen Situationen unterstützen zu können. Ein Angebot für Ambulant betreutes Wohnen (ABW) soll die Betroffenen wieder auf den Weg in Richtung Selbstständigkeit bringen. Das Besondere dabei: Neben der Betreuungsleistung stellt der SkF auch Wohnraum zur Verfügung. Die Planung läuft schon länger: Bereits im November 2019 hatte der SkF die Mittel für das Projekt beim Träger der Sozialhilfe, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), beantragt. Vor einigen Tagen erreichte Leiterin Susanne Leimbach dann endlich die Bewilligung für das neue Angebot. „Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass so etwas eigentlich schneller geht“, berichtet Leimbach. Wieso es diesmal länger gedauert hat, weiß sie nicht. Aufgrund der langen Wartezeit hatte Sozialarbeiterin Anita Kopp, die sich mit einer halben Stelle federführend um das Projekt kümmert, viel Zeit, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. Ihren künftigen Klientinnen kann sie nun für zwei bis drei Stunden in der Woche zur Seite stehen. Weitere Stellen sind für das ABW zunächst nicht geplant. „Ich starte erstmal allein“, erklärt Kopp. Die Mindenerin war zuvor schon für die Burghofklinik in Rinteln und den Club74 in Minden tätig. Etwa vier Frauen wird sie nun zeitgleich betreuen. „Die Beratungs- und Betreuungsleistung des ABW dient der Einübung und Sicherung einer weitgehenden eigenständigen Lebensführung in der Gemeinschaft“, beschreibt der SkF die Zielsetzung des Angebotes. Um das zu erreichen, definieren die Klientinnen gemeinsam mit Kopp große und kleine Ziele. Bei der Umsetzung berät die Sozialarbeiterin, hilft bei der Kommunikation mit den Behörden oder findet Angebote für die Freizeitgestaltung. Die Bandbreite sei groß, denn jede Klientin habe individuelle Probleme. Eine einfache Schablone lasse sich nicht anwenden, um die nötige Hilfe zu leisten. Die Arbeit erfordere zudem viel Fingerspitzengefühl. „Man muss schon Lust haben, sich auf andere Menschen einzulassen und muss auch immer schauen, wo der Mensch hin will“, erklärt Kopp. Bei aller Unterstützung wird den Klientinnen aber längst nicht alles abgenommen. Die Frauen sollen auf den Weg gebracht werden, um ihre Angelegenheiten wieder selbstständig erledigen zu können. „Das mag abgedroschen klingen, aber Hilfe zur Selbsthilfe ist das, was wir geben wollen“, berichtet Susanne Leimbach. Das gilt auch für das Wohnangebot, für das die Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Bad Oeynhausen ein Haus an den SkF vermietet. Dort steht bisher eine frisch renovierte Wohnung zur Verfügung, in der auch Frauen mit Kind untergebracht werden können. Zwei Frauen sollen dort eine Wohngemeinschaft bilden. Der SkF bietet den Klientinnen dafür einen Untermietvertrag an, der über die Sozialleistungen finanziert wird. Die Mitbewohnerinnen sollen sich in der Wohngemeinschaft nach Möglichkeit gegenseitig unterstützen. „Vielleicht fällt der einen das Kochen schwerer, dafür kann sie besser mit Behörden umgehen als die andere“, nennt Leimbach ein Beispiel. So könnten die Frauen voneinander profitieren und merken, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. In Zukunft können nach und nach noch drei weitere Wohnungen in dem Gebäude bezugsfertig gemacht werden. Je nach Schnitt können zwei bis drei Frauen in den Wohneinheiten unterkommen. Die Nachfrage dafür dürfte gegeben sein, denn besonders für Menschen, die bereits ohne Bleibe sind, sei es besonders schwierig eine Wohnung zu finden. „Meist schreien die Vermieter da nicht Hurra“, weiß Leimbach. Um die Immobile für das Projekt zu bekommen, musste Susanne Leimbach in der Gemeinde Überzeugungsarbeit leisten. Das Haus befindet sich in bester Lage und hätte durch die Kirchengemeinde auch einträglicher genutzt können. So war auch ein betreutes Wohnen für Senioren im Gespräch. „Ich bin dafür zweimal in der Sitzung des Kirchenvorstandes vorstellig geworden“, berichtet Leimbach. Auch ein Frauenhaus sei kurzzeitig als Nutzung im Gespräch gewesen. Doch trotz des Mangels an Plätzen im Kreis stimmt die Versorgungslage – zumindest auf dem Papier. „Da war leider nichts zu machen“, sagt Susanne Leimbach. Zur Zielgruppe für das ABW gehören zum Beispiel Frauen, die wohnungslos sind oder in ungesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben, die Gewalterfahrungen machen mussten, selber Gewaltbereitschaft zeigen oder aus anderen Gründen Probleme damit haben auf angemessene Weise am gesellschaftlichen leben teilzunehmen. Grundvoraussetzung für die Betreuung ist in allen fällen Freiwilligkeit. Es gibt aber auch Ausschlusskriterien: Wer zum Beispiel unter einer Suchterkrankung leidet oder mit einer akuten psychischen Erkrankung zu kämpfen hat, kann nicht durch im ABW betreut werden. „Das heißt aber nicht, das wir Frauen die mal mit einer Depression oder einer Suchterkrankung zu tun hatten ausschließen. Es darf nur nicht bei gegenwärtigen Problemen im Vordergrund stehen“, erklärt Anita Kopp.

Hilfe in schweren Lebenssituationen: Sozialdienst bietet Frauen ambulant betreutes Wohnen

Das Ambulant betreute Wohnen des Sozialverbandes katholischer Frauen soll Frauen unter die Arme greifen. Symbolfoto: Schoening / Imago © imago images / Schöning

Minden. Es sind nicht nur Gewalterfahrungen, Wohnungslosigkeit oder Diskriminierung: Verschiedenste Umstände können Menschen in eine schwierige Lebenssituationen bringen. Auch die Bewältigung alltäglicher Aufgaben kann dann zu einem ernsten Problem werden. Der Sozialdienst katholischer Frauen in Minden (SkF) hat ein Programm entwickelt, um speziell Frauen in solchen Situationen unterstützen zu können. Ein Angebot für Ambulant betreutes Wohnen (ABW) soll die Betroffenen wieder auf den Weg in Richtung Selbstständigkeit bringen. Das Besondere dabei: Neben der Betreuungsleistung stellt der SkF auch Wohnraum zur Verfügung.

Die Planung läuft schon länger: Bereits im November 2019 hatte der SkF die Mittel für das Projekt beim Träger der Sozialhilfe, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), beantragt. Vor einigen Tagen erreichte Leiterin Susanne Leimbach dann endlich die Bewilligung für das neue Angebot. „Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass so etwas eigentlich schneller geht“, berichtet Leimbach. Wieso es diesmal länger gedauert hat, weiß sie nicht.

Aufgrund der langen Wartezeit hatte Sozialarbeiterin Anita Kopp, die sich mit einer halben Stelle federführend um das Projekt kümmert, viel Zeit, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten.

Ihren künftigen Klientinnen kann sie nun für zwei bis drei Stunden in der Woche zur Seite stehen. Weitere Stellen sind für das ABW zunächst nicht geplant. „Ich starte erstmal allein“, erklärt Kopp. Die Mindenerin war zuvor schon für die Burghofklinik in Rinteln und den Club74 in Minden tätig. Etwa vier Frauen wird sie nun zeitgleich betreuen.

„Die Beratungs- und Betreuungsleistung des ABW dient der Einübung und Sicherung einer weitgehenden eigenständigen Lebensführung in der Gemeinschaft“, beschreibt der SkF die Zielsetzung des Angebotes.

Um das zu erreichen, definieren die Klientinnen gemeinsam mit Kopp große und kleine Ziele. Bei der Umsetzung berät die Sozialarbeiterin, hilft bei der Kommunikation mit den Behörden oder findet Angebote für die Freizeitgestaltung.

Die Bandbreite sei groß, denn jede Klientin habe individuelle Probleme. Eine einfache Schablone lasse sich nicht anwenden, um die nötige Hilfe zu leisten.

Die Arbeit erfordere zudem viel Fingerspitzengefühl. „Man muss schon Lust haben, sich auf andere Menschen einzulassen und muss auch immer schauen, wo der Mensch hin will“, erklärt Kopp.

Bei aller Unterstützung wird den Klientinnen aber längst nicht alles abgenommen. Die Frauen sollen auf den Weg gebracht werden, um ihre Angelegenheiten wieder selbstständig erledigen zu können. „Das mag abgedroschen klingen, aber Hilfe zur Selbsthilfe ist das, was wir geben wollen“, berichtet Susanne Leimbach.

Das gilt auch für das Wohnangebot, für das die Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Bad Oeynhausen ein Haus an den SkF vermietet. Dort steht bisher eine frisch renovierte Wohnung zur Verfügung, in der auch Frauen mit Kind untergebracht werden können. Zwei Frauen sollen dort eine Wohngemeinschaft bilden. Der SkF bietet den Klientinnen dafür einen Untermietvertrag an, der über die Sozialleistungen finanziert wird.

Die Mitbewohnerinnen sollen sich in der Wohngemeinschaft nach Möglichkeit gegenseitig unterstützen. „Vielleicht fällt der einen das Kochen schwerer, dafür kann sie besser mit Behörden umgehen als die andere“, nennt Leimbach ein Beispiel. So könnten die Frauen voneinander profitieren und merken, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.

In Zukunft können nach und nach noch drei weitere Wohnungen in dem Gebäude bezugsfertig gemacht werden. Je nach Schnitt können zwei bis drei Frauen in den Wohneinheiten unterkommen. Die Nachfrage dafür dürfte gegeben sein, denn besonders für Menschen, die bereits ohne Bleibe sind, sei es besonders schwierig eine Wohnung zu finden. „Meist schreien die Vermieter da nicht Hurra“, weiß Leimbach.

Um die Immobile für das Projekt zu bekommen, musste Susanne Leimbach in der Gemeinde Überzeugungsarbeit leisten. Das Haus befindet sich in bester Lage und hätte durch die Kirchengemeinde auch einträglicher genutzt können. So war auch ein betreutes Wohnen für Senioren im Gespräch. „Ich bin dafür zweimal in der Sitzung des Kirchenvorstandes vorstellig geworden“, berichtet Leimbach.

Auch ein Frauenhaus sei kurzzeitig als Nutzung im Gespräch gewesen. Doch trotz des Mangels an Plätzen im Kreis stimmt die Versorgungslage – zumindest auf dem Papier. „Da war leider nichts zu machen“, sagt Susanne Leimbach.

Zur Zielgruppe für das ABW gehören zum Beispiel Frauen, die wohnungslos sind oder in ungesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben, die Gewalterfahrungen machen mussten, selber Gewaltbereitschaft zeigen oder aus anderen Gründen Probleme damit haben auf angemessene Weise am gesellschaftlichen leben teilzunehmen. Grundvoraussetzung für die Betreuung ist in allen fällen Freiwilligkeit.

Es gibt aber auch Ausschlusskriterien: Wer zum Beispiel unter einer Suchterkrankung leidet oder mit einer akuten psychischen Erkrankung zu kämpfen hat, kann nicht durch im ABW betreut werden. „Das heißt aber nicht, das wir Frauen die mal mit einer Depression oder einer Suchterkrankung zu tun hatten ausschließen. Es darf nur nicht bei gegenwärtigen Problemen im Vordergrund stehen“, erklärt Anita Kopp.

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