Heimische Chöre verstummt: Corona schnürt Sängern die Kehlen zu Kerstin Rickert Minden. Singen hebt die Stimmung. Es setzt Endorphine frei, die sogenannten Glückshormone, sorgt für einen Adrenalin-Kick und hilft, Stress abzubauen. Singen fördert die Gesundheit. Es stärkt die Abwehrkräfte, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und ist gut für den Kreislauf. Vor allem beim Singen in Gemeinschaft sind die Effekte spürbar. Genau das aber ist in Zeiten von Corona kaum möglich. Beim Singen ist das Infektionsrisiko besonders groß, die Vorschriften für Chöre sind entsprechend streng und für Freizeitchöre schwer umzusetzen. Manchem geht nach Monaten des Stillstands langsam die Puste aus. Das Virus hat ihnen die Kehlen zugeschnürt. Singen im Chor findet seit Monaten de facto nicht statt. Seit Beginn der Corona-Pandemie ruht bei vielen Chören die Probenarbeit, sämtliche Auftritte sind abgesagt, und kaum einer weiß, ob und wie es weitergeht. Kreiskantor Nils Fricke befürchtet, dass die lange Pause für einige Chöre das Aus bedeuten könnte. Er sagt: „Corona ist für manche Chöre der Todesstoß.“ Einer, der schon länger ums Überleben kämpft, ist der Männergesangverein (MGV) Porta Westfalica Neesen-Lerbeck. Schon seit Jahren schrumpft die Zahl der Mitglieder, mehrmals drohte bereits das Aus, zuletzt im vergangenen Jahr. Doch dann ging es – wie schon so oft zuvor – noch einmal bergauf. Mit einem veränderten Konzept wollte Portas letzter traditioneller Männerchor weitermachen. Corona hat ihn ausgebremst. „Letztes Jahr haben wir noch unser 100-jähriges Bestehen gefeiert, aber da kommt jetzt wohl nichts mehr nach“, sagt Vorsitzender Horst Gründel. Proben finden seit Monaten nicht statt. „Die erforderlichen Abstände sind für uns nicht einzuhalten, und wir gehören ja auch alle zur Risikogruppe.“ Ein Großteil der Mitglieder ist über 80 Jahre alt. Von einigen weiß Horst Gründel, dass sie nicht mehr wiederkommen. „Auf dem Papier sind wir noch 21 Aktive, darunter viele 85- und 86-Jährige und einige Kranke“, schildert er die Situation. Für Anfang September will er eine Versammlung einberufen. Möglich, dass es die letzte sein wird und der Chor sich auflöst. Große Hoffnung, dass es mit dem Traditionschor doch noch irgendwie weitergehen könnte, hat Horst Gründel im Moment nicht. „Es steht nicht zum Besten“, sagt er. Sorgen um zu wenige Mitglieder hat der Projektchor für Senioren und Menschen mit Demenz in der Paritätischen Begegnungsstätte Küster-Kümpers in Minden zwar nicht. „Aber das gemeinsame Singen fehlt“, sagt die Leiterin der Tagespflege, Gabi Buck. Der Verzicht auf die wöchentlichen Proben sei für einige schon bitter und schwer zu verstehen. „Auch, weil sich um uns herum immer mehr lockert. Aber die Vorstellung, zu singen und das auf kleinem Raum, ist im Moment noch ganz weit weg.“ Alternativen für eine Einrichtung der Tagespflege zu finden, sei eine besondere Herausforderung. „Vorstellbar wäre, nach draußen zu gehen. Erstmal ist wichtig, Struktur in die Abläufe unter den aktuellen Bedingungen zu bringen. Dann versuchen wir, kreative Lösungen zu finden“, so Buck. Auch Michael Hoogma vom Gesangsverein „Sangeslust“ Nordhemmern-Detzkamp macht sich so seine Gedanken, ob und wie es mit dem Chorleben in Zukunft weitergeht. „Am 12. März haben wir das letzte Mal geprobt“, sagt der Vorsitzende des 1924 gegründeten Vereins, der vor 40 Jahren schon einmal vor dem Aus stand. Um weiterbestehen zu können, wurde damals aus dem Männerchor ein gemischter Chor, dem aktuell 29 Mitglieder angehören. Ob sie alle bleiben? Da ist Hoogma sich nicht sicher: „Ich würde nicht ausschließen wollen, dass der eine oder andere abspringt.“ Dann hätte der Chor ein Problem. „Kompensieren werden wir das nicht können“, sagt der Vorsitzende. Berichte über Ansteckungen in Chören sorgen für Verunsicherung. „Wie werden Aerosole beim Singen ausgestoßen? Wie verteilt sich das?“, sind Fragen, die auch Michael Hoogma sich stellt. „Man muss schon vorsichtig sein, lieber warten wir noch.“ Mindestens bis Anfang September sollen die Aktivitäten noch ruhen, dann will er versuchen, langsam wieder mit dem Chorleben zu starten. „Vielleicht treffen wir uns dann bei einem von uns im Garten.“ Eine Rückkehr in den Probenraum in der ehemaligen Gaststätte Wullbrandt in Nordhemmern ist für den Vereinsvorsitzenden noch undenkbar. „Das geben die Räumlichkeiten nicht her“, sagt er und verweist auf die Vorschriften nach der Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die derzeit gültige Fassung sieht Mindestabstände von drei Metern zwischen Personen und von vier Metern in Ausstoßrichtung beim Singen vor, außerdem mindestens sieben Quadratmeter Platz pro Person. Das gilt zunächst einmal drinnen wie draußen und sowohl für Proben als auch für Konzerte. Für Chöre gelten also weitaus strengere Abstandsregeln als die üblichen 1,50 Meter. Das wiederum hat mit den von Michael Hoogma erwähnten Aerosolen zu tun: winzige Schwebeteilchen, die mit der Atemluft in die Umgebung gelangen und sich dort verbreiten können. Durch sie können sich auch Menschen über größere Entfernungen mit dem Virus infizieren. Aktuellen Studien zufolge wird beim Singen das bis zu 30-Fache an Aerosolen ausgestoßen wie beim Sprechen. In einer wissenschaftlichen Untersuchung mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks haben Forscher zudem herausgefunden, dass diese Kleinstpartikel sich sowohl nach vorne als auch seitlich verteilen. Wie weit und wie lange sie sich dort halten, hängt unter anderem von der Belüftung des Raumes ab. Im Freien ist das Infektionsrisiko geringer, da die Aerosole sich dort schneller verflüchtigen. Beim längeren gemeinsamen Singen in einem geschlossenen Raum kann es allerdings zu hohen Infektionsraten kommen. Dagegen hilft auch Mund-Nasen-Schutz nicht wirklich. Der hält zwar die größeren Speicheltröpfchen ab, nicht aber die wesentlich kleineren Aerosole – sie entweichen an den Rändern der Maske. Auch wenn es schmerzt, findet Nils Fricke die verschärften Abstandsregeln für Chöre sinnvoll. Eines ist ihm aber sehr wichtig: „Es darf sich nicht verbreiten, dass Singen gefährlich ist.“ Auch wenn ein Infektionsrisiko natürlich gegeben sei und es gelte, dieses immer im Blick zu behalten. Die aktuelle Situation sei für alle Chöre eine besondere Herausforderung, auch für ihn selbst und seine Arbeit als Kreiskantor. „Die Schwerpunkte haben sich sehr verschoben“, sagt der 25-Jährige, der erst im Oktober vergangenen Jahres die Nachfolge von Thomas Wirtz angetreten hat. Die meiste Zeit verbringe er mit Telefonaten, dem Schreiben von E-Mails und Beantworten von Anfragen hauptsächlich von Vokal- und Bläserensembles, die wissen wollen, wie es weitergeht. Ständig wechselnde Verordnungen machten es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Auch habe er den Eindruck, dass der Musik in der Politik zu wenig Bedeutung beigemessen werde. Dabei bräuchten die Menschen doch auch jetzt einen Ausgleich zu ihrem oft fordernden Berufsleben. „Chöre sind auch soziale Gruppen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel kaputt machen. Und wir müssen Acht geben, dass uns die Älteren, die nur den Chor haben, nicht durch die Hände gehen. Es muss verhältnismäßig bleiben, und darum brauchen wir kreative Lösungen und neue Konzepte“, sagt Fricke. Online-Proben gehören dazu in seinen Augen nicht. „Das funktioniert nicht“ und widerspreche auch dem Chorcharakter. Beim Chorsingen geht es schließlich darum, einen gemeinsamen Klang zu erzeugen. Dazu muss man sich gegenseitig hören können. In einer Videokonferenz mit 60 Teilnehmern – so viele Mitglieder hat die von Fricke geleitete Kantorei der Christuskirche – sei das ein Ding der Unmöglichkeit. „Wir haben uns dagegen entschieden, diese Möglichkeit aber genutzt, um in Kontakt zu bleiben und uns regelmäßig auszutauschen.“ Inzwischen wird an der Christuskirche auch wieder vorsichtig gesungen. Alle zwei Wochen bei einer offenen Probe, draußen und auf Abstand. Richtige Chorproben seien das zwar nicht, aber ein Angebot für die, die wollen. Das ist ungefähr die Hälfte. Wer ein mulmiges Gefühl habe, bleibe eben weg. Dafür habe er vollstes Verständnis, sagt Nils Fricke. „Richtig los geht es erst wieder, wenn alle sich dabei wohlfühlen. Singen soll ja auch Spaß machen.“

Heimische Chöre verstummt: Corona schnürt Sängern die Kehlen zu

Keine Möglichkeit zu Auftritten: Das letzte Freundschaftssingen des Gemischten Chores Nordhemmern-Detzkamp liegt schon etwas zurück. Fotos: Kerstin Rickert (Archiv) © Kerstin Rickert

Minden. Singen hebt die Stimmung. Es setzt Endorphine frei, die sogenannten Glückshormone, sorgt für einen Adrenalin-Kick und hilft, Stress abzubauen. Singen fördert die Gesundheit. Es stärkt die Abwehrkräfte, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und ist gut für den Kreislauf. Vor allem beim Singen in Gemeinschaft sind die Effekte spürbar. Genau das aber ist in Zeiten von Corona kaum möglich. Beim Singen ist das Infektionsrisiko besonders groß, die Vorschriften für Chöre sind entsprechend streng und für Freizeitchöre schwer umzusetzen. Manchem geht nach Monaten des Stillstands langsam die Puste aus.

Das Virus hat ihnen die Kehlen zugeschnürt. Singen im Chor findet seit Monaten de facto nicht statt. Seit Beginn der Corona-Pandemie ruht bei vielen Chören die Probenarbeit, sämtliche Auftritte sind abgesagt, und kaum einer weiß, ob und wie es weitergeht. Kreiskantor Nils Fricke befürchtet, dass die lange Pause für einige Chöre das Aus bedeuten könnte. Er sagt: „Corona ist für manche Chöre der Todesstoß.“

Keine Möglichkeit zu Proben: Vor allem ältere Chormitglieder vermissen die regelmäßigen Treffen. - © Kerstin Rickert
Keine Möglichkeit zu Proben: Vor allem ältere Chormitglieder vermissen die regelmäßigen Treffen. - © Kerstin Rickert

Einer, der schon länger ums Überleben kämpft, ist der Männergesangverein (MGV) Porta Westfalica Neesen-Lerbeck. Schon seit Jahren schrumpft die Zahl der Mitglieder, mehrmals drohte bereits das Aus, zuletzt im vergangenen Jahr. Doch dann ging es – wie schon so oft zuvor – noch einmal bergauf. Mit einem veränderten Konzept wollte Portas letzter traditioneller Männerchor weitermachen. Corona hat ihn ausgebremst. „Letztes Jahr haben wir noch unser 100-jähriges Bestehen gefeiert, aber da kommt jetzt wohl nichts mehr nach“, sagt Vorsitzender Horst Gründel. Proben finden seit Monaten nicht statt. „Die erforderlichen Abstände sind für uns nicht einzuhalten, und wir gehören ja auch alle zur Risikogruppe.“ Ein Großteil der Mitglieder ist über 80 Jahre alt. Von einigen weiß Horst Gründel, dass sie nicht mehr wiederkommen. „Auf dem Papier sind wir noch 21 Aktive, darunter viele 85- und 86-Jährige und einige Kranke“, schildert er die Situation. Für Anfang September will er eine Versammlung einberufen. Möglich, dass es die letzte sein wird und der Chor sich auflöst. Große Hoffnung, dass es mit dem Traditionschor doch noch irgendwie weitergehen könnte, hat Horst Gründel im Moment nicht. „Es steht nicht zum Besten“, sagt er.

Keine Möglichkeit zu Abstand: Sänger müssten nicht 1,50 Meter auseinander stehen, sondern drei Meter. - © Kerstin Rickert
Keine Möglichkeit zu Abstand: Sänger müssten nicht 1,50 Meter auseinander stehen, sondern drei Meter. - © Kerstin Rickert

Sorgen um zu wenige Mitglieder hat der Projektchor für Senioren und Menschen mit Demenz in der Paritätischen Begegnungsstätte Küster-Kümpers in Minden zwar nicht. „Aber das gemeinsame Singen fehlt“, sagt die Leiterin der Tagespflege, Gabi Buck. Der Verzicht auf die wöchentlichen Proben sei für einige schon bitter und schwer zu verstehen. „Auch, weil sich um uns herum immer mehr lockert. Aber die Vorstellung, zu singen und das auf kleinem Raum, ist im Moment noch ganz weit weg.“ Alternativen für eine Einrichtung der Tagespflege zu finden, sei eine besondere Herausforderung. „Vorstellbar wäre, nach draußen zu gehen. Erstmal ist wichtig, Struktur in die Abläufe unter den aktuellen Bedingungen zu bringen. Dann versuchen wir, kreative Lösungen zu finden“, so Buck.

Auch Michael Hoogma vom Gesangsverein „Sangeslust“ Nordhemmern-Detzkamp macht sich so seine Gedanken, ob und wie es mit dem Chorleben in Zukunft weitergeht. „Am 12. März haben wir das letzte Mal geprobt“, sagt der Vorsitzende des 1924 gegründeten Vereins, der vor 40 Jahren schon einmal vor dem Aus stand. Um weiterbestehen zu können, wurde damals aus dem Männerchor ein gemischter Chor, dem aktuell 29 Mitglieder angehören. Ob sie alle bleiben? Da ist Hoogma sich nicht sicher: „Ich würde nicht ausschließen wollen, dass der eine oder andere abspringt.“ Dann hätte der Chor ein Problem. „Kompensieren werden wir das nicht können“, sagt der Vorsitzende.

Berichte über Ansteckungen in Chören sorgen für Verunsicherung. „Wie werden Aerosole beim Singen ausgestoßen? Wie verteilt sich das?“, sind Fragen, die auch Michael Hoogma sich stellt. „Man muss schon vorsichtig sein, lieber warten wir noch.“ Mindestens bis Anfang September sollen die Aktivitäten noch ruhen, dann will er versuchen, langsam wieder mit dem Chorleben zu starten. „Vielleicht treffen wir uns dann bei einem von uns im Garten.“ Eine Rückkehr in den Probenraum in der ehemaligen Gaststätte Wullbrandt in Nordhemmern ist für den Vereinsvorsitzenden noch undenkbar. „Das geben die Räumlichkeiten nicht her“, sagt er und verweist auf die Vorschriften nach der Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die derzeit gültige Fassung sieht Mindestabstände von drei Metern zwischen Personen und von vier Metern in Ausstoßrichtung beim Singen vor, außerdem mindestens sieben Quadratmeter Platz pro Person. Das gilt zunächst einmal drinnen wie draußen und sowohl für Proben als auch für Konzerte.

Für Chöre gelten also weitaus strengere Abstandsregeln als die üblichen 1,50 Meter. Das wiederum hat mit den von Michael Hoogma erwähnten Aerosolen zu tun: winzige Schwebeteilchen, die mit der Atemluft in die Umgebung gelangen und sich dort verbreiten können. Durch sie können sich auch Menschen über größere Entfernungen mit dem Virus infizieren. Aktuellen Studien zufolge wird beim Singen das bis zu 30-Fache an Aerosolen ausgestoßen wie beim Sprechen. In einer wissenschaftlichen Untersuchung mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks haben Forscher zudem herausgefunden, dass diese Kleinstpartikel sich sowohl nach vorne als auch seitlich verteilen. Wie weit und wie lange sie sich dort halten, hängt unter anderem von der Belüftung des Raumes ab. Im Freien ist das Infektionsrisiko geringer, da die Aerosole sich dort schneller verflüchtigen. Beim längeren gemeinsamen Singen in einem geschlossenen Raum kann es allerdings zu hohen Infektionsraten kommen. Dagegen hilft auch Mund-Nasen-Schutz nicht wirklich. Der hält zwar die größeren Speicheltröpfchen ab, nicht aber die wesentlich kleineren Aerosole – sie entweichen an den Rändern der Maske.

Auch wenn es schmerzt, findet Nils Fricke die verschärften Abstandsregeln für Chöre sinnvoll. Eines ist ihm aber sehr wichtig: „Es darf sich nicht verbreiten, dass Singen gefährlich ist.“ Auch wenn ein Infektionsrisiko natürlich gegeben sei und es gelte, dieses immer im Blick zu behalten. Die aktuelle Situation sei für alle Chöre eine besondere Herausforderung, auch für ihn selbst und seine Arbeit als Kreiskantor. „Die Schwerpunkte haben sich sehr verschoben“, sagt der 25-Jährige, der erst im Oktober vergangenen Jahres die Nachfolge von Thomas Wirtz angetreten hat. Die meiste Zeit verbringe er mit Telefonaten, dem Schreiben von E-Mails und Beantworten von Anfragen hauptsächlich von Vokal- und Bläserensembles, die wissen wollen, wie es weitergeht. Ständig wechselnde Verordnungen machten es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Auch habe er den Eindruck, dass der Musik in der Politik zu wenig Bedeutung beigemessen werde. Dabei bräuchten die Menschen doch auch jetzt einen Ausgleich zu ihrem oft fordernden Berufsleben. „Chöre sind auch soziale Gruppen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel kaputt machen. Und wir müssen Acht geben, dass uns die Älteren, die nur den Chor haben, nicht durch die Hände gehen. Es muss verhältnismäßig bleiben, und darum brauchen wir kreative Lösungen und neue Konzepte“, sagt Fricke.

Online-Proben gehören dazu in seinen Augen nicht. „Das funktioniert nicht“ und widerspreche auch dem Chorcharakter. Beim Chorsingen geht es schließlich darum, einen gemeinsamen Klang zu erzeugen. Dazu muss man sich gegenseitig hören können. In einer Videokonferenz mit 60 Teilnehmern – so viele Mitglieder hat die von Fricke geleitete Kantorei der Christuskirche – sei das ein Ding der Unmöglichkeit. „Wir haben uns dagegen entschieden, diese Möglichkeit aber genutzt, um in Kontakt zu bleiben und uns regelmäßig auszutauschen.“ Inzwischen wird an der Christuskirche auch wieder vorsichtig gesungen. Alle zwei Wochen bei einer offenen Probe, draußen und auf Abstand. Richtige Chorproben seien das zwar nicht, aber ein Angebot für die, die wollen. Das ist ungefähr die Hälfte. Wer ein mulmiges Gefühl habe, bleibe eben weg. Dafür habe er vollstes Verständnis, sagt Nils Fricke. „Richtig los geht es erst wieder, wenn alle sich dabei wohlfühlen. Singen soll ja auch Spaß machen.“

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