Halbzeit in der Birne: Ein Blick hinter die Kulissen von Mindens Großbaustelle Patrick Schwemling Minden. Es hupt, es kracht, es ist laut an diesem Donnerstag. Dort, wo sonst mindestens 30.000 Fahrzeuge pro Tag für Lärm sorgen, sind es jetzt aber nur ein Bruchteil davon. Etliche Lastwagen, große und kleine Bagger und zwei Asphaltfräsen sind im Herzen des Mindener Straßennetzes im Einsatz. Seit Mittwochnachmittag läuft die zweite Bauphase der Birnen-Sanierung, die im Optimalfall Anfang August beendet sein wird. „Ich bin derzeit mehr als zufrieden", sagt Projektleiter Florian Forwack von Straßen NRW zum bisherigen Fortschritt – und hofft, dass sich daran nichts ändert. Dem MT hat er einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der aufwendigen Baustelle gegeben und erklärt, was im Moment alles passiert, im Vorfeld beachtet werden musste, und sich zukünftig ändern wird. „Die Bauarbeiten sind gleich aus mehreren Gründen notwendig", sagt Forwack, während er über die frisch abgetragene Fahrbahndecke Richtung Weserauentunnel geht. So hat die Birne wegen zahlreicher Unfälle in den vergangenen Monaten und Jahren den Status einer Unfallhäufungsstelle erlangt, dazu war die Griffigkeit des Asphalts nicht mehr gegeben, und zusätzlich machten sich bereits die ersten Fahrbahnschäden bemerkbar. „Da gab es oft Fragen nach der Notwendigkeit, weil die Schäden noch nicht deutlich sichtbar sind. Ist das der Fall, muss noch mehr Fahrbahn abgetragen werden. Das kostet einerseits mehr, andererseits würden die Bauarbeiten auch deutlich länger dauern", erklärt der Bauingenieur. Da sich die bisherigen Schäden im Rahmen halten, müssen für die Erneuerung der Fahrbahn zunächst insgesamt zwölf Zentimeter abgetragen werden, ehe dann zwei neue Schichtenaufgetragen werden. „Das passiert für die zweite Bauphase voraussichtlich in der nächsten Woche, beim ersten Abschnitt ist das schon geschehen", sagt Forwack. Dabei wird zuerst eine 8,5 Zentimeter dicke, sogenannte Binderschicht aufgetragen, welche nur aus Bindersteinen besteht. Sie ist vor allem dafür zuständig, dass es keine Verformungen der Fahrbahn gibt. Danach folgt die mit 3,5 Zentimetern deutlich dünnere Deckschicht, die für die Griffigkeit des Asphalts zuständig ist. Diese soll den Verkehr dauerhaft sicherer machen und schirmt zudem die unteren Schichten gegen unmittelbare Einwirkungen von Verkehr und Witterung ab. Ob dadurch perspektivisch das Tempolimit in der Birne wieder von 30 auf 50 Stundenkilometer erhöht werde, liege nicht in der Hand von Straßen NRW, wie Forwack betont. Neben dem Sichtschutz bei der Einfahrt von der Lübbecker Straße und weiteren Maßnahmen wie beispielsweise dem Sperrstreifen zwischen der Ausfahrt zum Weserauentunnel und der Einmündung aus Richtung Tunnel, war die niedrige Geschwindigkeit seinerzeit eingeführt worden, um die Unfallgefahr zu reduzieren. Apropos Sperrstreifen: den wird es künftig nicht mehr geben, da dieser der Vergrößerung der dortigen Verkehrsinsel Platz macht. „Früher gab es noch zwei Fahrspuren, von denen eine mit der Zeit aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Allerdings kann das weiter irritierend sein, weswegen wir diese Spur nun verschwinden lassen", erklärt der Projektleiter diese Maßnahme, in dessen unmittelbarer Nähe bereits eine weitere Änderung zu sehen ist. „Die Leitplanke an der Innenseite ist nicht notwendig und wurde deswegen abgebaut", sagt Forwack. Stattdessen sind dort vor einer freien Fläche nun die klassischen, schwarz-weißen Leitpfosten eingebaut worden. „Bei Ausweichmanövern vor Unfällen sind dort Autos in die Leitplanke gefahren, was hohe Kosten für den Autofahrer, aber auch für die Instandsetzung bedeutet haben. So könnte man bei Gefahr nun einfach auf eine freie Fläche fahren, wenn es zu einer solchen Situation kommen sollte", sagt der Bauingenieur, der jedoch auf eine deutliche Verringerung der Unfallzahlen aufgrund der aktuellen Baumaßnahmen hofft. Dazu gehören auch diverse kleinere Reparaturen an den Brücken sowie neue Markierungen im Bereich der Einfahrt aus der Portastraße zur eindeutigeren Verkehrsführung. Gerade hier ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen gekommen. Doch nicht nur die Verkehrsteilnehmer auf der Straße, sondern auch daneben können sich auf Verbesserungen so freuen: so habe man an der Brücke auf dem Rad- und Fußgängerweg in Richtung der Weserwiesen diverse Ausbesserungen vorgenommen, um dort für ein angenehmeres Fahrgefühl zu sorgen. Insgesamt 600.000 Euro werden all diese Arbeiten voraussichtlich kosten, wie Forwack erklärt. „Wenn in der zweiten Bauphase alles so reibungslos läuft wie bei der Ersten, dann wird das auch so bleiben." Bei dem Rundgang über die Baustelle ist der Bauingenieur derweil hoch konzentriert. Ein kurzes Gespräch mit dem Polier, ein prüfender Blick auf den Asphalt der seit Mittwoch fertiggestellten Fahrbahn stadteinwärts. Florian Forwack ist rundum zufrieden und voll des Lobes für die zahlreichen Bauarbeiter. „Man sieht, dass hier richtig leistungsstark gearbeitet wird, es geht alles Hand in Hand", sagt der Mann von Straßen NRW. Er befindet sich gerade mitten auf einer Baustelle, die genau nach seinem Geschmack läuft. Was soll da noch schiefgehen und für Verzögerungen sorgen? „Wenn es nächste Woche tagelang schüttet, dann können die neuen Asphaltschichten nicht aufgebracht werden", skizziert Forwack eine mögliche Verlängerung der Maßnahmen. Zwar sei immer ein Puffer eingeplant, der erste Bauabschnitt dauerte etwa keine zwei vollen Wochen, doch gibt es ein klares Ziel für den Projektleiter: „Die Baustelle muss bis zum Ende der Sommerferien fertig sein." Dem jungen Mann ist nämlich auch bewusst, dass die Umleitungsstrecken eine Belastung für die Verkehrsteilnehmer darstellen. „Aber es geht nicht anders", schiebt er schnell hinterher und verweist darauf, dass die Fahrbahnbreite in der Birne nicht vollständig ausreicht, um neben der Baustelle Durchgangsverkehr entlangzuführen. Außerdem würden Straßen eben vor allem durch die Belastung von Autos, Lkws und weiteren Fahrzeugen in relativ schnellem Zeitraum in sanierungsbedürftige Zustände versetzt. „Deswegen bin ich mir sicher, dass wir mit der Vollsperrung in zwei Abschnitten die beste Lösung gefunden haben", sagt Forwack und fügt an: „Aus Bausicht wäre eine komplette Sperrung am Besten gewesen. Aber das konnte man niemandem zumuten."

Halbzeit in der Birne: Ein Blick hinter die Kulissen von Mindens Großbaustelle

„Leistungsstarke Arbeit“: Auf der Birnen-Baustelle greift aktuell ein Rädchen in das Nächste, damit die Arbeiten möglichst im Zeitplan bis Anfang August beendet werden. MT-Foto: © Alex Lehn

Minden. Es hupt, es kracht, es ist laut an diesem Donnerstag. Dort, wo sonst mindestens 30.000 Fahrzeuge pro Tag für Lärm sorgen, sind es jetzt aber nur ein Bruchteil davon. Etliche Lastwagen, große und kleine Bagger und zwei Asphaltfräsen sind im Herzen des Mindener Straßennetzes im Einsatz. Seit Mittwochnachmittag läuft die zweite Bauphase der Birnen-Sanierung, die im Optimalfall Anfang August beendet sein wird. „Ich bin derzeit mehr als zufrieden", sagt Projektleiter Florian Forwack von Straßen NRW zum bisherigen Fortschritt – und hofft, dass sich daran nichts ändert. Dem MT hat er einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der aufwendigen Baustelle gegeben und erklärt, was im Moment alles passiert, im Vorfeld beachtet werden musste, und sich zukünftig ändern wird.

MT-Foto: - © Alex Lehn
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„Die Bauarbeiten sind gleich aus mehreren Gründen notwendig", sagt Forwack, während er über die frisch abgetragene Fahrbahndecke Richtung Weserauentunnel geht. So hat die Birne wegen zahlreicher Unfälle in den vergangenen Monaten und Jahren den Status einer Unfallhäufungsstelle erlangt, dazu war die Griffigkeit des Asphalts nicht mehr gegeben, und zusätzlich machten sich bereits die ersten Fahrbahnschäden bemerkbar. „Da gab es oft Fragen nach der Notwendigkeit, weil die Schäden noch nicht deutlich sichtbar sind. Ist das der Fall, muss noch mehr Fahrbahn abgetragen werden. Das kostet einerseits mehr, andererseits würden die Bauarbeiten auch deutlich länger dauern", erklärt der Bauingenieur.

Da sich die bisherigen Schäden im Rahmen halten, müssen für die Erneuerung der Fahrbahn zunächst insgesamt zwölf Zentimeter abgetragen werden, ehe dann zwei neue Schichtenaufgetragen werden. „Das passiert für die zweite Bauphase voraussichtlich in der nächsten Woche, beim ersten Abschnitt ist das schon geschehen", sagt Forwack.


MT-Foto: - © Alex Lehn
MT-Foto: - © Alex Lehn

Dabei wird zuerst eine 8,5 Zentimeter dicke, sogenannte Binderschicht aufgetragen, welche nur aus Bindersteinen besteht. Sie ist vor allem dafür zuständig, dass es keine Verformungen der Fahrbahn gibt. Danach folgt die mit 3,5 Zentimetern deutlich dünnere Deckschicht, die für die Griffigkeit des Asphalts zuständig ist. Diese soll den Verkehr dauerhaft sicherer machen und schirmt zudem die unteren Schichten gegen unmittelbare Einwirkungen von Verkehr und Witterung ab.

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Ob dadurch perspektivisch das Tempolimit in der Birne wieder von 30 auf 50 Stundenkilometer erhöht werde, liege nicht in der Hand von Straßen NRW, wie Forwack betont. Neben dem Sichtschutz bei der Einfahrt von der Lübbecker Straße und weiteren Maßnahmen wie beispielsweise dem Sperrstreifen zwischen der Ausfahrt zum Weserauentunnel und der Einmündung aus Richtung Tunnel, war die niedrige Geschwindigkeit seinerzeit eingeführt worden, um die Unfallgefahr zu reduzieren.

Apropos Sperrstreifen: den wird es künftig nicht mehr geben, da dieser der Vergrößerung der dortigen Verkehrsinsel Platz macht. „Früher gab es noch zwei Fahrspuren, von denen eine mit der Zeit aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Allerdings kann das weiter irritierend sein, weswegen wir diese Spur nun verschwinden lassen", erklärt der Projektleiter diese Maßnahme, in dessen unmittelbarer Nähe bereits eine weitere Änderung zu sehen ist.

MT-Foto: - © Alex Lehn
MT-Foto: - © Alex Lehn

„Die Leitplanke an der Innenseite ist nicht notwendig und wurde deswegen abgebaut", sagt Forwack. Stattdessen sind dort vor einer freien Fläche nun die klassischen, schwarz-weißen Leitpfosten eingebaut worden. „Bei Ausweichmanövern vor Unfällen sind dort Autos in die Leitplanke gefahren, was hohe Kosten für den Autofahrer, aber auch für die Instandsetzung bedeutet haben. So könnte man bei Gefahr nun einfach auf eine freie Fläche fahren, wenn es zu einer solchen Situation kommen sollte", sagt der Bauingenieur, der jedoch auf eine deutliche Verringerung der Unfallzahlen aufgrund der aktuellen Baumaßnahmen hofft.

Dazu gehören auch diverse kleinere Reparaturen an den Brücken sowie neue Markierungen im Bereich der Einfahrt aus der Portastraße zur eindeutigeren Verkehrsführung. Gerade hier ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen gekommen. Doch nicht nur die Verkehrsteilnehmer auf der Straße, sondern auch daneben können sich auf Verbesserungen so freuen: so habe man an der Brücke auf dem Rad- und Fußgängerweg in Richtung der Weserwiesen diverse Ausbesserungen vorgenommen, um dort für ein angenehmeres Fahrgefühl zu sorgen. Insgesamt 600.000 Euro werden all diese Arbeiten voraussichtlich kosten, wie Forwack erklärt. „Wenn in der zweiten Bauphase alles so reibungslos läuft wie bei der Ersten, dann wird das auch so bleiben."

MT-Foto: - © Alex Lehn
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Bei dem Rundgang über die Baustelle ist der Bauingenieur derweil hoch konzentriert. Ein kurzes Gespräch mit dem Polier, ein prüfender Blick auf den Asphalt der seit Mittwoch fertiggestellten Fahrbahn stadteinwärts. Florian Forwack ist rundum zufrieden und voll des Lobes für die zahlreichen Bauarbeiter. „Man sieht, dass hier richtig leistungsstark gearbeitet wird, es geht alles Hand in Hand", sagt der Mann von Straßen NRW. Er befindet sich gerade mitten auf einer Baustelle, die genau nach seinem Geschmack läuft. Was soll da noch schiefgehen und für Verzögerungen sorgen?

„Wenn es nächste Woche tagelang schüttet, dann können die neuen Asphaltschichten nicht aufgebracht werden", skizziert Forwack eine mögliche Verlängerung der Maßnahmen. Zwar sei immer ein Puffer eingeplant, der erste Bauabschnitt dauerte etwa keine zwei vollen Wochen, doch gibt es ein klares Ziel für den Projektleiter: „Die Baustelle muss bis zum Ende der Sommerferien fertig sein."

Dem jungen Mann ist nämlich auch bewusst, dass die Umleitungsstrecken eine Belastung für die Verkehrsteilnehmer darstellen. „Aber es geht nicht anders", schiebt er schnell hinterher und verweist darauf, dass die Fahrbahnbreite in der Birne nicht vollständig ausreicht, um neben der Baustelle Durchgangsverkehr entlangzuführen. Außerdem würden Straßen eben vor allem durch die Belastung von Autos, Lkws und weiteren Fahrzeugen in relativ schnellem Zeitraum in sanierungsbedürftige Zustände versetzt.

„Deswegen bin ich mir sicher, dass wir mit der Vollsperrung in zwei Abschnitten die beste Lösung gefunden haben", sagt Forwack und fügt an: „Aus Bausicht wäre eine komplette Sperrung am Besten gewesen. Aber das konnte man niemandem zumuten."

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