Haferflocken statt Superfood: Heimische Landwirte fordern Perspektiven für Familienbetriebe und auskömmliche Preise Minden/Lübbecke (mt). Um eine Perspektive für die heimischen Landwirte, die Erntebilanz und die Bedeutung regionaler Lebensmittel ging es jetzt bei einem Termin im Kreishaus. Dabei überreichten Vertreter aus dem Agrar- und Ernährungsbereich Landrätin Anna Katharina Bölling eine Erntekrone. Das Symbol für den Erntedank wurden vom Ortslandfrauenverband Hille-Hartum gebunden. Bölling bedankte sich „für die tolle Arbeit der Landfrauen und Landwirte, die – einmal mehr – zeigt, was für Powermenschen wir hier im Mühlenkreis haben“. Der Erntedank erinner sie daran, dass Lebensmittel nicht selbstverständlich am Marktstand oder im Regal lägen. „Wir leben in einem Land, wo es keinen Hunger mehr gibt“, sagte Iris Niermeyer, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Minden-Lübbecke. Volle Supermarktregale seien zur Selbstverständlichkeit geworden. Über frische Erdbeeren zu Weihnachten, exotische Früchte, Superfood aus Südamerika, Rindfleisch aus Argentinien und Kiwis aus Neuseeland wundere sich niemand. „Dabei sollten wir angesichts des Klimawandels doch erst einmal die langen Transportwege vermeiden“, gab die Landfrauenvorsitzende zu Bedenken. „Von den Bedingungen der Erzeugung in diesen Ländern ganz abgesehen.“ „Müssen wir den armen Menschen in Peru ihr karges Essen wegessen? Nur weil Chia hier als Superfood deklariert wird?“, fragte die Vertreterin der Landfrauen. Haferflocken würden es doch auch tun. „Wir brauchen eine vielseitige Ernährung und wir brauchen regionale Produkte.“ Eine regionale Versorgung funktioniere aber nur mit einer starken Landwirtschaft. Doch das Leben und Arbeiten der hiesigen Bauernfamilien werde ihnen immer schwerer gemacht. Derzeit gebe es einen großen Bruch und viele Höfe würden ihre Tore schließen. Kreisverbandsvorsitzender Rainer Meyer erklärte, dass die Krone aus Getreideähren Symbol einer vielfältigen Landwirtschaft im Kreis sei. Sie stehe für für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen und regionalen Lebensmitteln. Meyer schilderte die prekäre Lage der hiesigen Bauernfamilien. Klimawandel, Globalisierung, immer höhere Auflagen, Verordnungen und vor allem ökonomische Zwänge: Die Landwirtschaft sei mit vielen Anforderungen konfrontiert. Doch gerade die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die Versorgungssicherheit für ein Land sei, betonte Meyer. Wenn man die regionale Erzeugung wirklich wolle, dann müsse der bäuerliche Familienbetrieb Perspektiven haben. „Bei nicht auskömmlichen Preisen wissen die Landwirtsfamilien nicht, wie sie ihre Höfe für die Zukunft aufstellen sollen“, so Meyer. „Viele wollen mehr für das Wohl ihrer Tiere tun.“ Um die Ställe zu verändern, bräuchten sie jedoch einen klaren Weg für die Zukunft und das so schnell wie möglich. In seiner Erntebilanz resümierte Kreislandwirt Volker Schmale: „Wir haben in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte eingefahren.“ Nach drei Jahren mit Trockenheit und Hitze folgte 2021 ein feuchter und kühler Frühling und Sommer. Aufgrund der unbeständigen Witterung sei Ernte eine Hängepartie gewesen. Regen und niedrigere Temperaturen hätten dazu geführt, dass die Landwirte nur in kurzen Zeitfenstern ernten konnten. Ertraglich habe die Getreideernte nicht die Erwartungen erfüllt, so Schmale. Die gute Wasserversorgung im Mai und Juni und der optische Eindruck der Bestände hätten auf ein gutes Ergebnis hoffen lassen. „Außerdem litten die Qualitäten aufgrund der unbeständigen Witterung zur Haupterntezeit. „Von den verheerenden Unwettern blieben wir zum Glück verschont“, sagte Schmale. Es zeige aber, „dass wir doch nicht alles in der Hand haben“. Die Bilder von der Flutkatastrophe zwischen Kölner Bucht und Eifel hätten vor Augen geführt und gezeigt, wie sehr die Menschen auf Gottes Gnade angewiesen seien. „Das sollten wir alle nicht vergessen.“

Haferflocken statt Superfood: Heimische Landwirte fordern Perspektiven für Familienbetriebe und auskömmliche Preise

Stefan Schmidt (von links), Iris Niermeyer, Eva Rahe, Rainer Meyer und Volker Schmale überreichten Landrätin Anna Katharina Bölling (Vierte von links) eine Erntekrone. Foto: WLV

Minden/Lübbecke (mt). Um eine Perspektive für die heimischen Landwirte, die Erntebilanz und die Bedeutung regionaler Lebensmittel ging es jetzt bei einem Termin im Kreishaus. Dabei überreichten Vertreter aus dem Agrar- und Ernährungsbereich Landrätin Anna Katharina Bölling eine Erntekrone.

Das Symbol für den Erntedank wurden vom Ortslandfrauenverband Hille-Hartum gebunden. Bölling bedankte sich „für die tolle Arbeit der Landfrauen und Landwirte, die – einmal mehr – zeigt, was für Powermenschen wir hier im Mühlenkreis haben“. Der Erntedank erinner sie daran, dass Lebensmittel nicht selbstverständlich am Marktstand oder im Regal lägen.

„Wir leben in einem Land, wo es keinen Hunger mehr gibt“, sagte Iris Niermeyer, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Minden-Lübbecke. Volle Supermarktregale seien zur Selbstverständlichkeit geworden. Über frische Erdbeeren zu Weihnachten, exotische Früchte, Superfood aus Südamerika, Rindfleisch aus Argentinien und Kiwis aus Neuseeland wundere sich niemand. „Dabei sollten wir angesichts des Klimawandels doch erst einmal die langen Transportwege vermeiden“, gab die Landfrauenvorsitzende zu Bedenken. „Von den Bedingungen der Erzeugung in diesen Ländern ganz abgesehen.“

Malina Reckordt

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„Müssen wir den armen Menschen in Peru ihr karges Essen wegessen? Nur weil Chia hier als Superfood deklariert wird?“, fragte die Vertreterin der Landfrauen. Haferflocken würden es doch auch tun. „Wir brauchen eine vielseitige Ernährung und wir brauchen regionale Produkte.“ Eine regionale Versorgung funktioniere aber nur mit einer starken Landwirtschaft. Doch das Leben und Arbeiten der hiesigen Bauernfamilien werde ihnen immer schwerer gemacht. Derzeit gebe es einen großen Bruch und viele Höfe würden ihre Tore schließen.

Kreisverbandsvorsitzender Rainer Meyer erklärte, dass die Krone aus Getreideähren Symbol einer vielfältigen Landwirtschaft im Kreis sei. Sie stehe für für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen und regionalen Lebensmitteln. Meyer schilderte die prekäre Lage der hiesigen Bauernfamilien. Klimawandel, Globalisierung, immer höhere Auflagen, Verordnungen und vor allem ökonomische Zwänge: Die Landwirtschaft sei mit vielen Anforderungen konfrontiert. Doch gerade die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die Versorgungssicherheit für ein Land sei, betonte Meyer. Wenn man die regionale Erzeugung wirklich wolle, dann müsse der bäuerliche Familienbetrieb Perspektiven haben. „Bei nicht auskömmlichen Preisen wissen die Landwirtsfamilien nicht, wie sie ihre Höfe für die Zukunft aufstellen sollen“, so Meyer. „Viele wollen mehr für das Wohl ihrer Tiere tun.“ Um die Ställe zu verändern, bräuchten sie jedoch einen klaren Weg für die Zukunft und das so schnell wie möglich.

In seiner Erntebilanz resümierte Kreislandwirt Volker Schmale: „Wir haben in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte eingefahren.“ Nach drei Jahren mit Trockenheit und Hitze folgte 2021 ein feuchter und kühler Frühling und Sommer. Aufgrund der unbeständigen Witterung sei Ernte eine Hängepartie gewesen. Regen und niedrigere Temperaturen hätten dazu geführt, dass die Landwirte nur in kurzen Zeitfenstern ernten konnten. Ertraglich habe die Getreideernte nicht die Erwartungen erfüllt, so Schmale. Die gute Wasserversorgung im Mai und Juni und der optische Eindruck der Bestände hätten auf ein gutes Ergebnis hoffen lassen. „Außerdem litten die Qualitäten aufgrund der unbeständigen Witterung zur Haupterntezeit.

„Von den verheerenden Unwettern blieben wir zum Glück verschont“, sagte Schmale. Es zeige aber, „dass wir doch nicht alles in der Hand haben“. Die Bilder von der Flutkatastrophe zwischen Kölner Bucht und Eifel hätten vor Augen geführt und gezeigt, wie sehr die Menschen auf Gottes Gnade angewiesen seien. „Das sollten wir alle nicht vergessen.“

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