Hängepartie um den Mindener Weihnachtsmarkt: Die Buden stehen schon - doch öffnen sie auch? Christine Riechmann,Stefan Koch Minden. Die weißen Schwäne hängen einsam und trostlos am Kettenkarussell, die übrigen Sitze müssen nur losgebunden werden, dann kann es losgehen. Auch die meisten anderen Weihnachtsmarktbuden in der Mindener Innenstadt sind bereits aufgebaut, nur hier und dort fehlen noch einzelne Elemente. An der Glühweinbude von Simone Brandt in der Obermarktstraße ist auch fast alles fertig, sogar die Weihnachtsbäume stehen schon bereit. „Die muss ich noch schmücken", sagt die Schaustellerin, die seit ihrer Kindheit auf dem Mindener Weihnachtsmarkt steht. Seit vielen Jahrzehnten betreibt ihre Familie dort mehrere Buden und Karussells. Mit so einem schlechten Gefühl wie in diesem Jahr, hätten sie allerdings noch nie aufgebaut. Denn noch ist nicht endgültig geklärt, ob der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden kann und wirklich am 23. November eröffnet wird. Freitagmorgen soll ein Termin stattfinden, bei dem die Minden Marketing GmbH, Schausteller und die Ordnungsbehörde der Stadt Minden die Lage anhand der Rahmenbedingungen besprechen. „Uns fehlt der Elan", beschreibt Simone Brandt die aktuelle Situation der Schausteller, besonders die Ungewissheit sei sehr schwer zu ertragen. Im Aufbau stecke bereits viel Arbeit und die Ware sei bestellt. Was sie mit der macht, wenn sich herausstellt, dass der Markt nicht stattfinden kann, wisse sie auch nicht. „Einfrieren oder verschenken", antwortet sie zynisch. Auch Karl-Heinz Osthold hat seine Glühweinbude auf dem Marktplatz fast vollständig aufgebaut, drei Tage Arbeit stecken da schon drin. „Es nützt ja nichts", sagt er frustriert beim Gedanken daran, das alles am Freitag wieder abbauen zu müssen. „Wir haben alle einen ordentlichen Druck im Magen", beschreibt er die Stimmung unter seinen Schausteller-Kollegen. Einen möglichen Abbau sehe er als letzte Option. Er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und könne sich vorstellen, dass die geplante 2-G-Regel mit einem Armbandsystem umgesetzt werden könnte. Die Ordnungsbehörde würde die Bändchen ausgeben und die Schausteller würden diese kontrollieren. Den Weihnachtsmarkt auf einen seperaten Platz auszulagern, ist für Osthold keine Alternative. „Das will keiner von uns." Viel zu groß sei die Angst, dass man außerhalb der Innenstadt zu wenig Leute erreiche. „Wir brauchen das Geschäft", sagt der Schausteller mit deutlichen Worten. „Das ist unser Hauptgeschäft und macht 70 Prozent unserer jährlichen Einnahmen aus." Carlo Mönnig, der einen Crepes-Stand betreibt, gibt sich optimistisch. „Wir hoffen das beste und bereiten uns darauf vor, dass es losgeht." Er denkt, dass es keine Probleme gebe, wenn die Gäste des Weihnachtsmarktes ihren 2-G-Status vorlegen müssten und dann mit den Armbänden unterwegs seien. Im vergangen Corona-Winter hatte er sich noch vor einem Kaufhaus platzieren müssen, um wenigstens einen Teil seiner Einnahmen zu erhalten. Auch Jürgen Blume vom Kinderkarussell Kolodziej hat das Fahrgeschäft am Montag aufgebaut. Nur noch der Schmuck fehlt. Nachdem er vor einem Jahr nicht starten konnte, hat er auch jetzt Sorgen. „Man kann nachts nicht schlafen – wir wissen ja nicht, was morgen passiert." Mit dem Standgeld sei der Betrieb bereits in Vorkasse gegangen. „Ich will schon gar keine Nachrichten mehr von der Coronakrise hören." Und sein Mitarbeiter Ewald Hoves fügt hinzu: „Man lebt mit Bauchschmerzen und weiß nicht, was morgen ist." „Auch wir betrachten die Entwicklung mit Sorge", äußert sich Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing GmbH – und verweist auf die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag. Von der erhofft sich Sander erste Signale, wohin die Reise gehen kann. „Natürlich führen wir den Weihnachtsmarkt nur durch, wenn es verantwortbar ist und die Rahmenbedingungen praktikabel und durchführbar sind", so der Minden-Marketing-Geschäftsführer. Ihm sei sehr daran gelegen, die Situation anhand der pandemischen Lage nüchtern und objektiv zu bewerten. „Wir erkundigen uns zum Beispiel auch, wie andere Städte und Gemeinden mit der Situation umgehen, orientieren uns breit und schauen innerhalb der Rahmenbedingungen nach der besten Lösung für uns." Klar ist, um Menschenaufläufe zu vermeiden, dass auf ein begleitendes Bühnenprogramm in diesem Jahr verzichtet werde. Trotz aller Sorge sieht Sander auch den großen Stellenwert, den der Weihnachtsmarkt für die Schausteller, den Einzelhandel, die Gastronomie und auch die Bevölkerung hat. „Das Bedürfnis der Menschen nach Begegnungen und solchen Veranstaltungen ist groß, sie haben Sehnsucht." Nicht nur der Mindener Weihnachtsmarkt, sondern auch die vielen kleinen Veranstaltungen der Vereine im Stadtgebiet stehen derzeit unter Druck. In Kutenhausen plant der Heimatverein derzeit seinen Adventszauber. Die Veranstaltung soll vom 1. bis 19. Dezember laufen. Laut Birgit Keil, Beisitzerin im Vorstand, seien die Vereine angesprochen worden und bislang habe es sechs Zusagen für eine Beteiligung gegeben. Über die weiteren Entwicklungen lassen sich derzeit in Kutenhausen keine Aussagen treffen. In Stemmer ist ein Weihnachtsmarkt am Bürgerzentrum am Samstag, 4. Dezember, geplant. Es wollen sich der Kultverein, die Feuerwehr, der Kindergarten, der Förderverein des Schwimmbades und der TV Stemmer beteiligen. Vorgesehen ist das Ganze als ein gemütliches Beisammensein mit Musik und Glühwein. Unter welchen Bedingungen das dann realisiert werden kann, wollen die Organisatoren nach Bekanntgabe der neuen Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen klären. „Wir warten ab und entscheiden kurzfristig", teilt Manuel Krietemeier vom Kultverein mit. Und wie Florian Brinkmann vom TV Stemmer erklärt, sei noch am Freitag vorher eine 100-Jahr-Feier des TV geplant. Bislang habe man sich auf eine 2-G-Regelung verständigt. Der Verein Pro Meißen hatte für Dienstag, 14. Dezember, eine Weihnachtsfeier in der Aula der ehemaligen Grundschule geplant. „Das mussten wir leider aus Rücksicht auf unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ausfallen lassen", teilt Klaudia Schukowski vom Pro Meißen mit. Ein anderer Verein habe bereits entschieden, sein Treffen auf die Boule-Bahn im Außenbereich zu verlagern. „Alles ist unübersichtlich, man muss jetzt von Tag zu Tag abwarten." Schon bei seiner Jahreshauptversammlung in der vergangenen Woche hatte der Heimatverein Meißen das vor einigen Jahren eingeführte Fest „Meißen erleuchtet" am Samstag, 27. November, abgesagt. In der Vergangenheit trafen sich die Einwohner vor dem ersten Advent, um das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung an den öffentlichen Straßen zu feiern. „Der Aufwand und die gleichzeitigen gesetzlichen Auflagen erschienen uns als kleinem Verein diesmal viel zu groß", sagt der Vorsitzende Dirk Friedrichs. In einem Veranstaltungskalender im Internet weist ein Eintrag darauf hin, dass am Samstag, 4. Dezember, in der Zeit von 11 bis 17.30 Uhr, auf dem Hof und im Gemeinschaftsraum der Kuhlenkampschule ein Weihnachtsmarkt stattfinden soll. Doch dabei handelt es sich um einen Geistertermin. „Wir hatten schon Anfang des Jahres beschlossen, dass die Veranstaltung ausfallen soll", sagt Peter Landwehr vom Kleintierzuchtverein KTZV W 800 Kuhlenkamp. Als Veranstalter meldet sein Verein im Herbst die Termine des kommenden Jahres vorsorglich an. Erst danach habe sich dann gezeigt, dass er die Verantwortung wegen möglicher Folgen in der Pandemie nicht übernehmen könne. Ob er auch im kommenden Jahr wieder einen Weihnachtsmarkt in Erwägung zieht? „Selbstverständlich werde ich für 2022 einen Weihnachtsmarkt anmelden." Markt oder kein Markt? Ein Kommentar von Benjamin Piel Nein, es ist nicht alles wie immer. Und nein, es bringt auch nichts, so zu tun, als ob. Und doch: Das Leben muss irgendwie weitergehen. Dafür braucht es Lösungen mehr als Absagen. Es ist natürlich argumentierbar, den Mindener Weihnachtsmarkt das zweite Jahr in Folge abzusagen. Die Corona-Infektionszahlen steigen, die Lage auf den Intensivstationen ist angespannt. Doch soll das nun immer so weitergehen? Wollen wir von einem Absage-Rundumschlag in den nächsten fallen? Zumal bei Veranstaltungen, die draußen stattfinden, wo das Infektionsrisiko gering ist? Besser wäre es, Lösungen zu finden, die verantwortbar sind, aber auch Aktivitäten zulassen statt zu verunmöglichen. Wie wäre es, den Markt auseinanderzuziehen und größere Abstände zwischen den Buden zu schaffen? Oder ohne Alkoholausschank auszukommen, damit nichts außer Kontrolle gerät? Das alles hatten wir heute eigentlich in einem „Pro und Contra" verhandeln und Ihnen präsentieren wollen, samt eines Überblicks, welche Weihnachtsmärkte stattfinden und welche schon wieder abgesagt wurden. Dann aber kam die 2G-Regelung des Landes und nun müssen sich alle Veranstalter zunächst einmal überlegen, was das für sie bedeutet. Mein Bauchgefühl sagt, dass der Mindener Weihnachtsmarkt zwar gerade aufgebaut, aber nicht stattfinden wird. Leider. Denn wenn es so kommen sollte, wird es eine verpasste Chance gewesen sein.

Hängepartie um den Mindener Weihnachtsmarkt: Die Buden stehen schon - doch öffnen sie auch?

Das Schwanenkarussell ist bereits aufgebaut. Unter welchen Bedingungen es sich drehen wird, zeigen die kommenden Tage. © Stefan Koch

Minden. Die weißen Schwäne hängen einsam und trostlos am Kettenkarussell, die übrigen Sitze müssen nur losgebunden werden, dann kann es losgehen. Auch die meisten anderen Weihnachtsmarktbuden in der Mindener Innenstadt sind bereits aufgebaut, nur hier und dort fehlen noch einzelne Elemente. An der Glühweinbude von Simone Brandt in der Obermarktstraße ist auch fast alles fertig, sogar die Weihnachtsbäume stehen schon bereit. „Die muss ich noch schmücken", sagt die Schaustellerin, die seit ihrer Kindheit auf dem Mindener Weihnachtsmarkt steht.

Seit vielen Jahrzehnten betreibt ihre Familie dort mehrere Buden und Karussells. Mit so einem schlechten Gefühl wie in diesem Jahr, hätten sie allerdings noch nie aufgebaut. Denn noch ist nicht endgültig geklärt, ob der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden kann und wirklich am 23. November eröffnet wird. Freitagmorgen soll ein Termin stattfinden, bei dem die Minden Marketing GmbH, Schausteller und die Ordnungsbehörde der Stadt Minden die Lage anhand der Rahmenbedingungen besprechen.

Carlo Mönning (rechts) baut derzeit seinen Crepes-Stand auf. Er ist noch optimistisch, was den Markt angeht. Simone Brandt hofft genauso, dass alles glatt geht.  - © Stefan Koch
Carlo Mönning (rechts) baut derzeit seinen Crepes-Stand auf. Er ist noch optimistisch, was den Markt angeht. Simone Brandt hofft genauso, dass alles glatt geht.  - © Stefan Koch

„Uns fehlt der Elan", beschreibt Simone Brandt die aktuelle Situation der Schausteller, besonders die Ungewissheit sei sehr schwer zu ertragen. Im Aufbau stecke bereits viel Arbeit und die Ware sei bestellt. Was sie mit der macht, wenn sich herausstellt, dass der Markt nicht stattfinden kann, wisse sie auch nicht. „Einfrieren oder verschenken", antwortet sie zynisch.

Malina Reckordt

Gendern bei MT - überflüssig oder überfällig?

Nehmen Sie jetzt an der Umfrage zum Thema Gendern teil

Auch Karl-Heinz Osthold hat seine Glühweinbude auf dem Marktplatz fast vollständig aufgebaut, drei Tage Arbeit stecken da schon drin. „Es nützt ja nichts", sagt er frustriert beim Gedanken daran, das alles am Freitag wieder abbauen zu müssen. „Wir haben alle einen ordentlichen Druck im Magen", beschreibt er die Stimmung unter seinen Schausteller-Kollegen. Einen möglichen Abbau sehe er als letzte Option. Er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und könne sich vorstellen, dass die geplante 2-G-Regel mit einem Armbandsystem umgesetzt werden könnte. Die Ordnungsbehörde würde die Bändchen ausgeben und die Schausteller würden diese kontrollieren.

Umfrage

Sollte der Mindener Weihnachtsmarkt stattfinden?

Ergebnisse
"Wir haben alle einen ordentlichen Druck im Magen", beschreibt Schausteller Karl-Heinz Osthold die aktuelle Situation.  - © Stefan Koch
"Wir haben alle einen ordentlichen Druck im Magen", beschreibt Schausteller Karl-Heinz Osthold die aktuelle Situation.  - © Stefan Koch

Den Weihnachtsmarkt auf einen seperaten Platz auszulagern, ist für Osthold keine Alternative. „Das will keiner von uns." Viel zu groß sei die Angst, dass man außerhalb der Innenstadt zu wenig Leute erreiche. „Wir brauchen das Geschäft", sagt der Schausteller mit deutlichen Worten. „Das ist unser Hauptgeschäft und macht 70 Prozent unserer jährlichen Einnahmen aus."

Carlo Mönnig, der einen Crepes-Stand betreibt, gibt sich optimistisch. „Wir hoffen das beste und bereiten uns darauf vor, dass es losgeht." Er denkt, dass es keine Probleme gebe, wenn die Gäste des Weihnachtsmarktes ihren 2-G-Status vorlegen müssten und dann mit den Armbänden unterwegs seien. Im vergangen Corona-Winter hatte er sich noch vor einem Kaufhaus platzieren müssen, um wenigstens einen Teil seiner Einnahmen zu erhalten.

Jürgen Blume (rechts) mit seinem Mitarbeiter Ewald Hoves.  - © Stefan Koch
Jürgen Blume (rechts) mit seinem Mitarbeiter Ewald Hoves.  - © Stefan Koch

Auch Jürgen Blume vom Kinderkarussell Kolodziej hat das Fahrgeschäft am Montag aufgebaut. Nur noch der Schmuck fehlt. Nachdem er vor einem Jahr nicht starten konnte, hat er auch jetzt Sorgen. „Man kann nachts nicht schlafen – wir wissen ja nicht, was morgen passiert." Mit dem Standgeld sei der Betrieb bereits in Vorkasse gegangen. „Ich will schon gar keine Nachrichten mehr von der Coronakrise hören." Und sein Mitarbeiter Ewald Hoves fügt hinzu: „Man lebt mit Bauchschmerzen und weiß nicht, was morgen ist."

„Auch wir betrachten die Entwicklung mit Sorge", äußert sich Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing GmbH – und verweist auf die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag. Von der erhofft sich Sander erste Signale, wohin die Reise gehen kann. „Natürlich führen wir den Weihnachtsmarkt nur durch, wenn es verantwortbar ist und die Rahmenbedingungen praktikabel und durchführbar sind", so der Minden-Marketing-Geschäftsführer. Ihm sei sehr daran gelegen, die Situation anhand der pandemischen Lage nüchtern und objektiv zu bewerten. „Wir erkundigen uns zum Beispiel auch, wie andere Städte und Gemeinden mit der Situation umgehen, orientieren uns breit und schauen innerhalb der Rahmenbedingungen nach der besten Lösung für uns."

Klar ist, um Menschenaufläufe zu vermeiden, dass auf ein begleitendes Bühnenprogramm in diesem Jahr verzichtet werde. Trotz aller Sorge sieht Sander auch den großen Stellenwert, den der Weihnachtsmarkt für die Schausteller, den Einzelhandel, die Gastronomie und auch die Bevölkerung hat. „Das Bedürfnis der Menschen nach Begegnungen und solchen Veranstaltungen ist groß, sie haben Sehnsucht."

Nicht nur der Mindener Weihnachtsmarkt, sondern auch die vielen kleinen Veranstaltungen der Vereine im Stadtgebiet stehen derzeit unter Druck. In Kutenhausen plant der Heimatverein derzeit seinen Adventszauber. Die Veranstaltung soll vom 1. bis 19. Dezember laufen. Laut Birgit Keil, Beisitzerin im Vorstand, seien die Vereine angesprochen worden und bislang habe es sechs Zusagen für eine Beteiligung gegeben. Über die weiteren Entwicklungen lassen sich derzeit in Kutenhausen keine Aussagen treffen.

In Stemmer ist ein Weihnachtsmarkt am Bürgerzentrum am Samstag, 4. Dezember, geplant. Es wollen sich der Kultverein, die Feuerwehr, der Kindergarten, der Förderverein des Schwimmbades und der TV Stemmer beteiligen. Vorgesehen ist das Ganze als ein gemütliches Beisammensein mit Musik und Glühwein. Unter welchen Bedingungen das dann realisiert werden kann, wollen die Organisatoren nach Bekanntgabe der neuen Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen klären. „Wir warten ab und entscheiden kurzfristig", teilt Manuel Krietemeier vom Kultverein mit. Und wie Florian Brinkmann vom TV Stemmer erklärt, sei noch am Freitag vorher eine 100-Jahr-Feier des TV geplant. Bislang habe man sich auf eine 2-G-Regelung verständigt.

Der Verein Pro Meißen hatte für Dienstag, 14. Dezember, eine Weihnachtsfeier in der Aula der ehemaligen Grundschule geplant. „Das mussten wir leider aus Rücksicht auf unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ausfallen lassen", teilt Klaudia Schukowski vom Pro Meißen mit. Ein anderer Verein habe bereits entschieden, sein Treffen auf die Boule-Bahn im Außenbereich zu verlagern. „Alles ist unübersichtlich, man muss jetzt von Tag zu Tag abwarten."

Schon bei seiner Jahreshauptversammlung in der vergangenen Woche hatte der Heimatverein Meißen das vor einigen Jahren eingeführte Fest „Meißen erleuchtet" am Samstag, 27. November, abgesagt. In der Vergangenheit trafen sich die Einwohner vor dem ersten Advent, um das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung an den öffentlichen Straßen zu feiern. „Der Aufwand und die gleichzeitigen gesetzlichen Auflagen erschienen uns als kleinem Verein diesmal viel zu groß", sagt der Vorsitzende Dirk Friedrichs.

In einem Veranstaltungskalender im Internet weist ein Eintrag darauf hin, dass am Samstag, 4. Dezember, in der Zeit von 11 bis 17.30 Uhr, auf dem Hof und im Gemeinschaftsraum der Kuhlenkampschule ein Weihnachtsmarkt stattfinden soll. Doch dabei handelt es sich um einen Geistertermin. „Wir hatten schon Anfang des Jahres beschlossen, dass die Veranstaltung ausfallen soll", sagt Peter Landwehr vom Kleintierzuchtverein KTZV W 800 Kuhlenkamp. Als Veranstalter meldet sein Verein im Herbst die Termine des kommenden Jahres vorsorglich an. Erst danach habe sich dann gezeigt, dass er die Verantwortung wegen möglicher Folgen in der Pandemie nicht übernehmen könne. Ob er auch im kommenden Jahr wieder einen Weihnachtsmarkt in Erwägung zieht? „Selbstverständlich werde ich für 2022 einen Weihnachtsmarkt anmelden."

Markt oder kein Markt?

Ein Kommentar von Benjamin Piel

Nein, es ist nicht alles wie immer. Und nein, es bringt auch nichts, so zu tun, als ob. Und doch: Das Leben muss irgendwie weitergehen. Dafür braucht es Lösungen mehr als Absagen.

Es ist natürlich argumentierbar, den Mindener Weihnachtsmarkt das zweite Jahr in Folge abzusagen. Die Corona-Infektionszahlen steigen, die Lage auf den Intensivstationen ist angespannt. Doch soll das nun immer so weitergehen? Wollen wir von einem Absage-Rundumschlag in den nächsten fallen? Zumal bei Veranstaltungen, die draußen stattfinden, wo das Infektionsrisiko gering ist? Besser wäre es, Lösungen zu finden, die verantwortbar sind, aber auch Aktivitäten zulassen statt zu verunmöglichen. Wie wäre es, den Markt auseinanderzuziehen und größere Abstände zwischen den Buden zu schaffen? Oder ohne Alkoholausschank auszukommen, damit nichts außer Kontrolle gerät?

Das alles hatten wir heute eigentlich in einem „Pro und Contra" verhandeln und Ihnen präsentieren wollen, samt eines Überblicks, welche Weihnachtsmärkte stattfinden und welche schon wieder abgesagt wurden. Dann aber kam die 2G-Regelung des Landes und nun müssen sich alle Veranstalter zunächst einmal überlegen, was das für sie bedeutet. Mein Bauchgefühl sagt, dass der Mindener Weihnachtsmarkt zwar gerade aufgebaut, aber nicht stattfinden wird. Leider. Denn wenn es so kommen sollte, wird es eine verpasste Chance gewesen sein.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden