Gutachten zur Hochschulmedizin: Deutliche Kritik am "Bochumer Modell" Zu viele Kooperationskliniken, zu wenig Zusammenarbeit – der Wissenschaftsrat kritisiert
 die mangelnde Qualität in Forschung und Lehre. Lothar Schmalen Herford/Minden. Das Bochumer Modell bei der Mediziner-Ausbildung, an dem auch mehrere Kliniken in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford beteiligt sind, hat im Gutachten des Wissenschaftsrates (WR) zur Hochschulmedizin in NRW nicht gut abgeschnitten. In der Kritik steht vor allem die große Anzahl der Kooperationskliniken. Die Medizin-Fakultät der Ruhr-Universität Bochum habe kaum Einfluss auf die Kliniken. Auch die Zusammenarbeit der Kliniken selbst sei nicht ausreichend. Zurzeit arbeitet die Bochumer Fakultät mit insgesamt zwölf Kliniken von acht Trägern zusammen. Zu diesen zwölf gehören auch das Johannes-Wesling-Klinikum Minden, das Krankenhaus Lübbecke-Rahden, das Klinikum Herford, die Auguste-Viktoria-Klinik Bad Oeynhausen und die Herz- und Diabetes-Klinik in Bad Oeynhausen. Die Kritik des WR ist umfassend. Die strukturellen Schwächen des Bochumer Modells wirkten sich „erkennbar negativ aus auf Studium und Studierbarkeit, Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und eine innovative Krankenversorgung", urteilt WR-Vorsitzende Martina Brockmeier. Die konkreten Einwände: Koordination und Qualitätssicherung der dezentralen Lehre in den Kliniken können nur mit großem Aufwand erfolgen. Außerdem seien Lehrveranstaltungen für die Studenten räumlich weit entfernt. Auch Innovationen bei der Patientenversorgung seien kaum möglich, weil die Voraussetzungen fehlten, sich für bestimmte Zentren der Krankenversorgung zu bewerben. Potenziale der umfangreichen Patientendaten könnten nicht ausgeschöpft werden, weil sich die Kliniken teilweise im Wettbewerb befänden, der die Kooperation hemme. Außerdem fehle ein einheitliches IT-Konzept. Die Mängelliste geht aber noch weiter: die eigentlich notwendige Beteiligung von Land, Universität oder Medizinfakultät an Vorstand oder Aufsichtsrat der Klinken sei nicht vorgesehen. Es fehle an einer gemeinsamen Entwicklungs- und Wirtschaftsplanung. Lediglich Berufungen von Chefärzten würden im Einvernehmen mit der Fakultät erfolgen. Offenbar gibt es aber auch Probleme mit der Ausbildungsqualität. Beim Vergleich der Prüfungsergebnisse belege Bochum seit Jahren konstant einen der letzten Plätze, heißt es in der Stellungnahme des WR. Der WR hält eine Reduzierung der Kooperationskliniken auf zwei bis drei Einrichtungen für „zwingend erforderlich". Vor allem die Erweiterung der Kooperation auf OWL müsse noch einmal überprüft werden. Die Ruhr-Universität Bochum wies allerdings darauf hin, dass die vertraglichen Bindungen an die Kliniken in Ostwestfalen-Lippe sehr langfristig angelegt seien. Der gültige Zehn-Jahres-Vertrag läuft bis zum Wintersemester 2025/26. Danach folge eine fünfjährige Kündigungsfrist, sodass das Land frühestens 2030/31 aus den Kooperationen aussteigen könne, erläuterte Uni-Sprecher Jens Wylkop. Wie der Rektor der Ruhr-Universität, Axel Schölmerich, erklärte, habe seine Hochschule Hinweise und Vorschläge des WR bereits unmittelbar nach der Begutachtung 2018 aufgegriffen. So arbeite man bereits an einer Verbesserung des Kooperationsmanagements. Seit Oktober 2016 würden an den fünf Kliniken in OWL in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) 180 Studenten ausgebildet, sagte die Sprecherin des Klinikums Herford, Monika Bax, in einer Stellungnahme am Abend. Dass die Zusammenarbeit in Lehre und Forschung mit der RUB funktioniere, machten vor allem die Bewertungen der Studierenden deutlich. "Aus regelmäßigen Evaluationen zur Lehrqualität durch die Studierenden gehen Bestnoten hervor", so Bax. Die ersten Studierenden hätten ihre Ausbildung abgeschlossen, seien ins Praktische Jahr oder in die Facharztausbildung gewechselt und hätten sich dabei vielfach bewusst für eine am Campus OWL beteiligte Klinik entschieden.

Gutachten zur Hochschulmedizin: Deutliche Kritik am "Bochumer Modell"

© Foto: MT-Archiv

Herford/Minden. Das Bochumer Modell bei der Mediziner-Ausbildung, an dem auch mehrere Kliniken in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford beteiligt sind, hat im Gutachten des Wissenschaftsrates (WR) zur Hochschulmedizin in NRW nicht gut abgeschnitten. In der Kritik steht vor allem die große Anzahl der Kooperationskliniken.

Die Medizin-Fakultät der Ruhr-Universität Bochum habe kaum Einfluss auf die Kliniken. Auch die Zusammenarbeit der Kliniken selbst sei nicht ausreichend. Zurzeit arbeitet die Bochumer Fakultät mit insgesamt zwölf Kliniken von acht Trägern zusammen.

Zu diesen zwölf gehören auch das Johannes-Wesling-Klinikum Minden, das Krankenhaus Lübbecke-Rahden, das Klinikum Herford, die Auguste-Viktoria-Klinik Bad Oeynhausen und die Herz- und Diabetes-Klinik in Bad Oeynhausen.

Die Kritik des WR ist umfassend. Die strukturellen Schwächen des Bochumer Modells wirkten sich „erkennbar negativ aus auf Studium und Studierbarkeit, Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und eine innovative Krankenversorgung", urteilt WR-Vorsitzende Martina Brockmeier.

Die konkreten Einwände: Koordination und Qualitätssicherung der dezentralen Lehre in den Kliniken können nur mit großem Aufwand erfolgen. Außerdem seien Lehrveranstaltungen für die Studenten räumlich weit entfernt.

Auch Innovationen bei der Patientenversorgung seien kaum möglich, weil die Voraussetzungen fehlten, sich für bestimmte Zentren der Krankenversorgung zu bewerben. Potenziale der umfangreichen Patientendaten könnten nicht ausgeschöpft werden, weil sich die Kliniken teilweise im Wettbewerb befänden, der die Kooperation hemme. Außerdem fehle ein einheitliches IT-Konzept.

Die Mängelliste geht aber noch weiter: die eigentlich notwendige Beteiligung von Land, Universität oder Medizinfakultät an Vorstand oder Aufsichtsrat der Klinken sei nicht vorgesehen. Es fehle an einer gemeinsamen Entwicklungs- und Wirtschaftsplanung.

Lediglich Berufungen von Chefärzten würden im Einvernehmen mit der Fakultät erfolgen. Offenbar gibt es aber auch Probleme mit der Ausbildungsqualität. Beim Vergleich der Prüfungsergebnisse belege Bochum seit Jahren konstant einen der letzten Plätze, heißt es in der Stellungnahme des WR.

Der WR hält eine Reduzierung der Kooperationskliniken auf zwei bis drei Einrichtungen für „zwingend erforderlich". Vor allem die Erweiterung der Kooperation auf OWL müsse noch einmal überprüft werden.

Die Ruhr-Universität Bochum wies allerdings darauf hin, dass die vertraglichen Bindungen an die Kliniken in Ostwestfalen-Lippe sehr langfristig angelegt seien. Der gültige Zehn-Jahres-Vertrag läuft bis zum Wintersemester 2025/26. Danach folge eine fünfjährige Kündigungsfrist, sodass das Land frühestens 2030/31 aus den Kooperationen aussteigen könne, erläuterte Uni-Sprecher Jens Wylkop.

Wie der Rektor der Ruhr-Universität, Axel Schölmerich, erklärte, habe seine Hochschule Hinweise und Vorschläge des WR bereits unmittelbar nach der Begutachtung 2018 aufgegriffen. So arbeite man bereits an einer Verbesserung des Kooperationsmanagements.

Seit Oktober 2016 würden an den fünf Kliniken in OWL in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) 180 Studenten ausgebildet, sagte die Sprecherin des Klinikums Herford, Monika Bax, in einer Stellungnahme am Abend. Dass die Zusammenarbeit in Lehre und Forschung mit der RUB funktioniere, machten vor allem die Bewertungen der Studierenden deutlich. "Aus regelmäßigen Evaluationen zur Lehrqualität durch die Studierenden gehen Bestnoten hervor", so Bax. Die ersten Studierenden hätten ihre Ausbildung abgeschlossen, seien ins Praktische Jahr oder in die Facharztausbildung gewechselt und hätten sich dabei vielfach bewusst für eine am Campus OWL beteiligte Klinik entschieden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden