Grundlos vergnügt: Tucholsky-Bühne erweckt das Lebensgefühl der 30er Jahre Ursula Koch Minden. Zentrales Element des Bühnenbilds ist eine große Leinwand, auf die Bilder aus dem Leben Kalékos projiziert werden. Dafür hat die Amateur-Bühne extra eine so genannte Opera-Folie gekauft. Darauf können die Bilder von hinten projiziert werden, so dass die davor agierenden Schauspielerinnen keine Schatten werfen, erläutert der Regisseur. Außerdem habe er eine CD mit Aufnahmen von Kaléko gefunden. „Zwei Texte wird sie daher selber vortragen“, berichtet Schynol. Auf der Bühne lässt er Kalékos Texte von drei Darstellerinnen rezitieren: Jana Saxowski verkörpert die junge Mascha, Ella Osetinskaja die in mittleren Jahren und Heidi Kroencke die alte Dichterin. Sie treten überwiegend im Wechsel auf, nur in dem als Lied vorgetragenen „Sozusagen grundlos vergnügt“ singen und tanzen die drei gemeinsam ausgelassen. „Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit. (...) Ich freu mich, dass ich mich freu“, heißt es darin. Bettina Domin trägt die Passagen aus der Biografie vor. Alexander Osetinskij betreut die Technik. Auf der Abstimmung zwischen Einspielungen und Bühnengeschehen steht jetzt im Zentrum der Proben, denn mit der Textarbeit hatte die Gruppe bereits im vergangenen Jahr begonnen. Mascha Kaléko wurde in Galizien (Österreich-Ungarn) als Golda Malka Aufen geboren. Zu Beginn des ersten Weltkriegs übersiedelte die Mutter mit ihren Töchtern nach Deutschland, um Pogromen zu entgehen. Über Frankfurt und Marburg zog die Familie 1918 nach Berlin. Mascha machte eine Bürolehre und besuche Abendkurse in Philosophie und Psychologie. Sie heiratete den Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko, kam in Kontakt mit der Avantgarde Berlins, darunter Joachim Ringelnatz. Ihr „Lyrisches Stenogrammheft“ kam 1933 heraus und wurde ein Erfolg. 1938 aber verboten die Nationalsozialisten ihre Bücher. Im selben Jahr emigriert sie mit ihrem zweiten Ehemann in die USA. In der Nachkriegszeit landete sie mit ihren Büchern in Deutschland wieder auf den Bestsellerlisten. Sie kehrte für kurze Zeit zurück, zog aber 1960 ihrem Mann zuliebe mit ihm nach Israel. Sie starb 1975 auf einem Zwischenstopp in Zürich. Lebenskrisen, Eindrücke von ihrer Rückkehr nach Deutschland – all das findet sich in den Texten der Autorin. Das Programm feiert am Samstag, 3. Juli, um 20 Uhr im Fort A, Festungsstraße 20, Premiere. Weitere Vorstellungen folgen am 9. und 19. Juli sowie am 6. und 27. August. In diesem Jahr gibt es keinen Kartenvorverkauf, aber es sind Platzreservierungen möglich unter www.tucholsky-buehne.de.

Grundlos vergnügt: Tucholsky-Bühne erweckt das Lebensgefühl der 30er Jahre

Ausgelassen tanzen Jana Saxowski, Heidi Kroencke, Ella Osetinskaja und Bettina Domin (von links) zu Masche Kalékos Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“. MT-Foto: Ursula Koch © Ursula Koch

Minden.


Zentrales Element des Bühnenbilds ist eine große Leinwand, auf die Bilder aus dem Leben Kalékos projiziert werden. Dafür hat die Amateur-Bühne extra eine so genannte Opera-Folie gekauft. Darauf können die Bilder von hinten projiziert werden, so dass die davor agierenden Schauspielerinnen keine Schatten werfen, erläutert der Regisseur. Außerdem habe er eine CD mit Aufnahmen von Kaléko gefunden. „Zwei Texte wird sie daher selber vortragen“, berichtet Schynol.

Auf der Bühne lässt er Kalékos Texte von drei Darstellerinnen rezitieren: Jana Saxowski verkörpert die junge Mascha, Ella Osetinskaja die in mittleren Jahren und Heidi Kroencke die alte Dichterin. Sie treten überwiegend im Wechsel auf, nur in dem als Lied vorgetragenen „Sozusagen grundlos vergnügt“ singen und tanzen die drei gemeinsam ausgelassen. „Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit. (...) Ich freu mich, dass ich mich freu“, heißt es darin. Bettina Domin trägt die Passagen aus der Biografie vor. Alexander Osetinskij betreut die Technik. Auf der Abstimmung zwischen Einspielungen und Bühnengeschehen steht jetzt im Zentrum der Proben, denn mit der Textarbeit hatte die Gruppe bereits im vergangenen Jahr begonnen.

Mascha Kaléko wurde in Galizien (Österreich-Ungarn) als Golda Malka Aufen geboren. Zu Beginn des ersten Weltkriegs übersiedelte die Mutter mit ihren Töchtern nach Deutschland, um Pogromen zu entgehen. Über Frankfurt und Marburg zog die Familie 1918 nach Berlin. Mascha machte eine Bürolehre und besuche Abendkurse in Philosophie und Psychologie. Sie heiratete den Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko, kam in Kontakt mit der Avantgarde Berlins, darunter Joachim Ringelnatz. Ihr „Lyrisches Stenogrammheft“ kam 1933 heraus und wurde ein Erfolg. 1938 aber verboten die Nationalsozialisten ihre Bücher. Im selben Jahr emigriert sie mit ihrem zweiten Ehemann in die USA. In der Nachkriegszeit landete sie mit ihren Büchern in Deutschland wieder auf den Bestsellerlisten. Sie kehrte für kurze Zeit zurück, zog aber 1960 ihrem Mann zuliebe mit ihm nach Israel. Sie starb 1975 auf einem Zwischenstopp in Zürich. Lebenskrisen, Eindrücke von ihrer Rückkehr nach Deutschland – all das findet sich in den Texten der Autorin.

Das Programm feiert am Samstag, 3. Juli, um 20 Uhr im Fort A, Festungsstraße 20, Premiere. Weitere Vorstellungen folgen am 9. und 19. Juli sowie am 6. und 27. August. In diesem Jahr gibt es keinen Kartenvorverkauf, aber es sind Platzreservierungen möglich unter www.tucholsky-buehne.de.

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