Großeinsatz in Minden - Warum kommt in solchen Fällen das SEK? Monika Jäger,Jan Henning Rogge,Alexander Lehn Minden (mt). Ein Hubschrauber kreist langsam mit lautem Rotorendröhnen über dem Glacis. Schwer bewaffnete SEK-Einsatzkräfte mit Schutzwesten und Titanhelmen sowie heimische Polizisten rennen zwischen Bäumen hindurch; ein Stück entfernt steht ein Sanitäter bereit. Es ist noch dunkel, wird nur langsam hell. Viele Berufspendler und Schüler, die mit ihren Fahrrädern auf dem Weg zur Schule sind, wundern sich über den Großeinsatz im Glacis.Viele bekommen ihn mit: Der Verkehr auf der Ringstraße wird für über die Straße rennende Polizisten angehalten, die Beschäftigten des Kreishauses können an diesem Morgen nur den Haupteingang benutzen - alle anderen Wege in das Gebäude hinein sind versperrt. Auch einige andere glacisnahe Gebäude werden vorübergehend gesperrt.Die Polizei sucht einen 21-Jährigen geistig Verwirrten. In einer Reha-Einrichtung in der Mindener Innenstadt hatte dieser sich in der Nacht selbst verletzt - Sanitäter sollten ihn deswegen eigentlich ins Krankenhaus bringen. Aber der 21-Jährige will sich nicht helfen lassen, will nicht ins Klinikum. Die Sanitäter rufen die Polizei zu Hilfe. Doch als die Beamten eintreffen, ist der Verletzte fortgelaufen, irgendwo im Glacis verschwunden.Als ihn die Polizei wenig später entdeckt, hat er eine kleine klappbare Astsäge dabei. Die hält er mal gegen sich, fuchtelt damit aber auch in Richtung der Beamten, um sie von sich fern zu halten.Ein geistig verwirrter Mann mit einer Stichwaffe, im Glacis zwischen Weser und Ringstraße - da, wo jeden Tag ab sieben Uhr Schülerhorden radeln, Menschen joggen, ihre Hunde ausführen, spazierengehen: Eine potientell gefährliche Situation.Wie der Mann reagieren wird, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt - unklar. Die Polizei ist angesichts der vorhergehenden Ereignisse sicher, dass es zumindest eine „hohe Eigengefährdung“ gibt. Alle verfügbaren Einsatzkräfte werden angefordert. Darunter auch das SEK Bielefeld und der Polizeihubschrauber aus Dortmund. Der kann mit der Wärmebildkamera im Dunkeln und der Dämmerung bei der Fahndung helfen.Minden zieht alle verfügbaren Kräfte zusammen, auch die Beamten der Wasserschutzpolizei helfen mit, das Areal abzuriegeln. Insgesamt 50 Kräfte sind an diesem Morgen im Einsatz. Das SEK anzufordern, sei bei solchen Fällen üblich, sagt Polizeisprecher Thomas Bentsch später. Nur so könne jemand mit einer Stichwaffe ohne Gefährdung des jeweiligen Polizisten überwältigt werden. Das SEK kommt mit Distanzstangen und Schilden - „sechs Meter sind in solchen Fällen mit einer Stichwaffe sehr schnell überwunden“, erläutert Bentsch.Allerdings wird das SEK etwas später bei der Festnahme dann doch nicht gebraucht. Hiesige Polizisten nehmen den 21-Jährigen gegen 8 Uhr nach kurzer Verfolgung zu Fuß am Kreishaus fest. Eine Gefährdung für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit bestanden, heißt es später im Polizeibericht; die Areale, in denen sich der Gesuchte aufhielt, wurden jeweils weiträumig abgesperrt. Das Ordnungsamt der Stadt Minden und ein Arzt sprachen im Laufe des Tages gegen den Mann eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie aus.In den sozialen Netzwerken wird der Einsatz heftig diskutiert. Unter anderem machen angesichts der schwer bewaffneten und geschützten SEK-Männer schnell falsche Gerüchte die Runde, es laufe ein Anti-Terror-Einsatz oder gar einer gegen eine geplante Amok-Tat, die SEK-Beamten werden außerdem mit Bundeswehr-Soldaten verwechselt.

Großeinsatz in Minden - Warum kommt in solchen Fällen das SEK?

Auch Beamte in Zivil waren an der morgendlichen Suche beteiligt.

Minden (mt). Ein Hubschrauber kreist langsam mit lautem Rotorendröhnen über dem Glacis. Schwer bewaffnete SEK-Einsatzkräfte mit Schutzwesten und Titanhelmen sowie heimische Polizisten rennen zwischen Bäumen hindurch; ein Stück entfernt steht ein Sanitäter bereit. Es ist noch dunkel, wird nur langsam hell. Viele Berufspendler und Schüler, die mit ihren Fahrrädern auf dem Weg zur Schule sind, wundern sich über den Großeinsatz im Glacis.

Viele bekommen ihn mit: Der Verkehr auf der Ringstraße wird für über die Straße rennende Polizisten angehalten, die Beschäftigten des Kreishauses können an diesem Morgen nur den Haupteingang benutzen - alle anderen Wege in das Gebäude hinein sind versperrt. Auch einige andere glacisnahe Gebäude werden vorübergehend gesperrt.

Schwer bewaffnete SEK-Einsatzkräfte mit Schutzwesten und Titanhelmen: Insgesamt 50 Kräfte waren gestern Morgen im Einsatz. MT-Fotos (4): Alex Lehn
Schwer bewaffnete SEK-Einsatzkräfte mit Schutzwesten und Titanhelmen: Insgesamt 50 Kräfte waren gestern Morgen im Einsatz. MT-Fotos (4): Alex Lehn

Die Polizei sucht einen 21-Jährigen geistig Verwirrten. In einer Reha-Einrichtung in der Mindener Innenstadt hatte dieser sich in der Nacht selbst verletzt - Sanitäter sollten ihn deswegen eigentlich ins Krankenhaus bringen. Aber der 21-Jährige will sich nicht helfen lassen, will nicht ins Klinikum. Die Sanitäter rufen die Polizei zu Hilfe. Doch als die Beamten eintreffen, ist der Verletzte fortgelaufen, irgendwo im Glacis verschwunden.

SEK-Kräfte überqueren die Ringstraße, ausgerüstet mit Distanzstangen und Schilden.
SEK-Kräfte überqueren die Ringstraße, ausgerüstet mit Distanzstangen und Schilden.

Als ihn die Polizei wenig später entdeckt, hat er eine kleine klappbare Astsäge dabei. Die hält er mal gegen sich, fuchtelt damit aber auch in Richtung der Beamten, um sie von sich fern zu halten.

Ein geistig verwirrter Mann mit einer Stichwaffe, im Glacis zwischen Weser und Ringstraße - da, wo jeden Tag ab sieben Uhr Schülerhorden radeln, Menschen joggen, ihre Hunde ausführen, spazierengehen: Eine potientell gefährliche Situation.

Dramatische Szenen spielten sich auch nahe der Bastau ab.
Dramatische Szenen spielten sich auch nahe der Bastau ab.

Wie der Mann reagieren wird, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt - unklar. Die Polizei ist angesichts der vorhergehenden Ereignisse sicher, dass es zumindest eine „hohe Eigengefährdung“ gibt. Alle verfügbaren Einsatzkräfte werden angefordert. Darunter auch das SEK Bielefeld und der Polizeihubschrauber aus Dortmund. Der kann mit der Wärmebildkamera im Dunkeln und der Dämmerung bei der Fahndung helfen.

Der Polizeihubschrauber ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. - © Foto: Christian Bendig
Der Polizeihubschrauber ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. - © Foto: Christian Bendig

Minden zieht alle verfügbaren Kräfte zusammen, auch die Beamten der Wasserschutzpolizei helfen mit, das Areal abzuriegeln. Insgesamt 50 Kräfte sind an diesem Morgen im Einsatz. Das SEK anzufordern, sei bei solchen Fällen üblich, sagt Polizeisprecher Thomas Bentsch später. Nur so könne jemand mit einer Stichwaffe ohne Gefährdung des jeweiligen Polizisten überwältigt werden. Das SEK kommt mit Distanzstangen und Schilden - „sechs Meter sind in solchen Fällen mit einer Stichwaffe sehr schnell überwunden“, erläutert Bentsch.

Allerdings wird das SEK etwas später bei der Festnahme dann doch nicht gebraucht. Hiesige Polizisten nehmen den 21-Jährigen gegen 8 Uhr nach kurzer Verfolgung zu Fuß am Kreishaus fest. Eine Gefährdung für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit bestanden, heißt es später im Polizeibericht; die Areale, in denen sich der Gesuchte aufhielt, wurden jeweils weiträumig abgesperrt. Das Ordnungsamt der Stadt Minden und ein Arzt sprachen im Laufe des Tages gegen den Mann eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie aus.

In den sozialen Netzwerken wird der Einsatz heftig diskutiert. Unter anderem machen angesichts der schwer bewaffneten und geschützten SEK-Männer schnell falsche Gerüchte die Runde, es laufe ein Anti-Terror-Einsatz oder gar einer gegen eine geplante Amok-Tat, die SEK-Beamten werden außerdem mit Bundeswehr-Soldaten verwechselt.

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