Graffiti-Schmiererei in Mindener Altstadt: Die Kosten tragen die Hauseigentümer Stefan Koch Minden. Erst vor einigen Wochen hatte wieder eine Serie von Graffiti-Schmierereien an Hauswänden in der oberen Altstadt zu drei Anzeigen bei der Mindener Polizei geführt. Die offenbar in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober aktiven Täter hatten unter anderem die Eingangstür des Karoline-Dettmer-Kinderhorts mit Farbe besprüht und zwei Fassaden in der Hohen Straßen verunstaltet. Auf Hauseigentümer kommen mit derartigen Sprühattacken mitunter hohe Kosten zu – vor allem wenn historische Bausubstanz betroffen ist. Und wer derartige Schäden über eine Gebäudeversicherung abdeckt, muss bei Wiederholungstätern damit rechnen, dass er höhergestuft wird. „Wir empfehlen Hauseigentümern, innerhalb von 24 Stunden derartige Schmierereien zu entfernen“, sagt Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden. Nach seiner Erfahrung locke eine beschmierte Wand die Sprayer-Szene schon nach kurzer Zeit wieder an, um noch mehr Farbe an den betroffenen Fassaden zu hinterlassen. Als Haus und Grund noch die Geschäftsstelle an der Pöttcherstraße hatte, so Post, seien sie selbst von einer derartigen Attacke betroffen gewesen und hätten umgehend reagiert. „Nachbarn, die das nicht getan hatten, mussten feststellen, dass sich an ihren Wänden eine wachsende Zahl an Graffiti einstellte.“ Post empfiehlt, sich bei der Entfernung der Schmierereien alteingesessener Mindener Malerbetriebe zu bedienen und keine windigen Offerten im Internet anzunehmen. Auch bei der Gebäudeversicherung sei sicherzustellen, dass diese derartige Schäden übernehme. Mitunter reiche die abgedeckt Summe nicht aus. Hier sei es zu empfehlen, sich nach einer Zusatzversicherung zu erkundigen.Wie der Versicherungskaufmann Ulrich Klapdor erklärt, gelten bei Gebäudeversicherungen innerhalb der meisten etwas gehobenen Deckungskonzepte die Kosten der Beseitigung von Graffiti als mitversichert. Allerdings seien die Kosten vertraglich oftmals in der Höhe begrenzt. „Es beginnt bei einigen Versicherern mit einer Begrenzung zum Beispiel auf 500 Euro. In vielen Deckungskonzepten ist die Leistung zum Beispiel auf 3.000 Euro gedeckelt.“ Es gebe aber auch Versicherer, die bedingungsgemäß noch einen deutlich höheren Schadensersatz leisten würden. Klapdor weist darauf hin, dass einige Versicherer für die Position auch Selbstbeteiligen vorgesehen hätten, so dass der betroffene Versicherungsnehmer gegebenenfalls einen Teil der Kosten selbst tragen müsse. „Das wirklich Ärgerliche für die Betroffenen ist, dass oftmals die gleichen Gebäude immer wieder betroffen sind und die Versicherer dann mit höheren Selbstbeteiligungen, einem Leistungsausschluss oder sogar mit der Kündigung des Vertrages reagieren.“ Wichtig für den Erhalt des Versicherungsschutzes sei, dass der betroffene Hauseigentümer den Schaden vor der Beseitigung durch Fotos dokumentiere und bei der Polizei anzeige.Auch die öffentliche Verwaltung muss sich immer wieder an Fachbetriebe wenden, wenn Sprayer ihr Unwesen getrieben haben. Auch hier ist die Mindener Altstadt ein Brennpunkt. „Wir machen dort sehr viele Aufträge für die Stadt“, teilt Joachim d’ Arragon mit, der Inhaber eines Malerbetriebes ist. Vor allem wenn es um die Beseitigung verfassungswidriger oder obszöner Zeichen in der Nähe von Schulen gehe, sei Eile geboten. Seiner Meinung nach habe das Graffiti-Unwesen in den vergangenen Jahren zugenommen. Einfach sei es, die Farbe auf gestrichenen Flächen zu entfernen, so d’Arragon. Hier werde der betroffene Bereich abgelöst, mit Isolierfarbe versehen und neu überstrichen. Bei Sandstein- und Klinkerflächen benutze er dagegen ein kleines Sandstrahlgerät, um die oberste Schicht schonend zu beseitigen. Die Kosten für die Entfernung seien sehr unterschiedlich. In der vergangenen Woche habe er ein Graffito am Mindener Museum entfernen müssen, was mit 120 bis 150 Euro netto zu buche geschlagen sei. Bei der Hafenschule sei aber früher einmal eine ganze Mauer beschmiert gewesen, was einen dreitägigen Einsatz erfordert habe. Bei so etwas könnten die Kosten schon mehrere Tausend Euro betragen.Ein anderer Malerbetrieb aus Minden weist auf die vorsorgliche Imprägnierung von Flächen mit einem Schutzanstrich auf Klarlackbasis hin. Das habe den Vorteil, dass sich die Farbe einfach wieder abwischen ließe. Derartige Aufträge hatte er in der Mindener Innenstadt bereits ausgeführt. Der Nachteil des Verfahrens sei jedoch, dass die Fassade glänze, was nicht jeder als ästhetisch empfinde.Bei der Beseitigung von Sprayer-Schäden ist übrigens Haus nicht gleich Haus. Karsten Geier, der ein saniertes Fachwerkhaus in der oberen Altstadt bewohnt, stellt dazu fest, dass bei derartigen Gebäuden Kalk und Holz einen Verbund eingehen. „Bei derart diffusionsoffenen Fassaden ist die Beseitigung von Farbe aufwendiger als bei einer Zementwand.“ Hier müssten besondere Materialien wie Sumpfkalk verwendet werden. „Immer wieder sehe ich an Fachwerkfassaden anderer Städte, dass dort bei der Beseitigung von Graffiti die falsche Farbe verwendet wurde.“ Laut Polizeistatistik waren im vergangenen Jahr kreisweit 1.570 Sachbeschädigungen gemeldet worden, darunter viele von Graffiti-Sprayern begangen. „Die Aufklärungsquote lag aber nur bei 24 Prozent, so Ralf Steinmeyer. Bei den in der Nacht unbemerkt verübten Sprühattacken gebe es für die Polizei kaum Ermittlungsansätze. „Es kommt nur selten vor, dass die Sprayer auf frischer Tat ertappt werden.“

Graffiti-Schmiererei in Mindener Altstadt: Die Kosten tragen die Hauseigentümer

Dieses Graffiti am Petrikirchweg wurde neulich im Rahmen eines Ferienprojektes übermalt. Foto:

Minden. Erst vor einigen Wochen hatte wieder eine Serie von Graffiti-Schmierereien an Hauswänden in der oberen Altstadt zu drei Anzeigen bei der Mindener Polizei geführt. Die offenbar in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober aktiven Täter hatten unter anderem die Eingangstür des Karoline-Dettmer-Kinderhorts mit Farbe besprüht und zwei Fassaden in der Hohen Straßen verunstaltet. Auf Hauseigentümer kommen mit derartigen Sprühattacken mitunter hohe Kosten zu – vor allem wenn historische Bausubstanz betroffen ist. Und wer derartige Schäden über eine Gebäudeversicherung abdeckt, muss bei Wiederholungstätern damit rechnen, dass er höhergestuft wird.

„Wir empfehlen Hauseigentümern, innerhalb von 24 Stunden derartige Schmierereien zu entfernen“, sagt Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden. Nach seiner Erfahrung locke eine beschmierte Wand die Sprayer-Szene schon nach kurzer Zeit wieder an, um noch mehr Farbe an den betroffenen Fassaden zu hinterlassen. Als Haus und Grund noch die Geschäftsstelle an der Pöttcherstraße hatte, so Post, seien sie selbst von einer derartigen Attacke betroffen gewesen und hätten umgehend reagiert. „Nachbarn, die das nicht getan hatten, mussten feststellen, dass sich an ihren Wänden eine wachsende Zahl an Graffiti einstellte.“

Post empfiehlt, sich bei der Entfernung der Schmierereien alteingesessener Mindener Malerbetriebe zu bedienen und keine windigen Offerten im Internet anzunehmen. Auch bei der Gebäudeversicherung sei sicherzustellen, dass diese derartige Schäden übernehme. Mitunter reiche die abgedeckt Summe nicht aus. Hier sei es zu empfehlen, sich nach einer Zusatzversicherung zu erkundigen.

Wie der Versicherungskaufmann Ulrich Klapdor erklärt, gelten bei Gebäudeversicherungen innerhalb der meisten etwas gehobenen Deckungskonzepte die Kosten der Beseitigung von Graffiti als mitversichert. Allerdings seien die Kosten vertraglich oftmals in der Höhe begrenzt. „Es beginnt bei einigen Versicherern mit einer Begrenzung zum Beispiel auf 500 Euro. In vielen Deckungskonzepten ist die Leistung zum Beispiel auf 3.000 Euro gedeckelt.“ Es gebe aber auch Versicherer, die bedingungsgemäß noch einen deutlich höheren Schadensersatz leisten würden.


Klapdor weist darauf hin, dass einige Versicherer für die Position auch Selbstbeteiligen vorgesehen hätten, so dass der betroffene Versicherungsnehmer gegebenenfalls einen Teil der Kosten selbst tragen müsse. „Das wirklich Ärgerliche für die Betroffenen ist, dass oftmals die gleichen Gebäude immer wieder betroffen sind und die Versicherer dann mit höheren Selbstbeteiligungen, einem Leistungsausschluss oder sogar mit der Kündigung des Vertrages reagieren.“ Wichtig für den Erhalt des Versicherungsschutzes sei, dass der betroffene Hauseigentümer den Schaden vor der Beseitigung durch Fotos dokumentiere und bei der Polizei anzeige.

Auch die öffentliche Verwaltung muss sich immer wieder an Fachbetriebe wenden, wenn Sprayer ihr Unwesen getrieben haben. Auch hier ist die Mindener Altstadt ein Brennpunkt. „Wir machen dort sehr viele Aufträge für die Stadt“, teilt Joachim d’ Arragon mit, der Inhaber eines Malerbetriebes ist. Vor allem wenn es um die Beseitigung verfassungswidriger oder obszöner Zeichen in der Nähe von Schulen gehe, sei Eile geboten. Seiner Meinung nach habe das Graffiti-Unwesen in den vergangenen Jahren zugenommen.

Auch dieses Graffiti war in der Altstadt zu sehen. Foto: - © pr
Auch dieses Graffiti war in der Altstadt zu sehen. Foto: - © pr

Einfach sei es, die Farbe auf gestrichenen Flächen zu entfernen, so d’Arragon. Hier werde der betroffene Bereich abgelöst, mit Isolierfarbe versehen und neu überstrichen. Bei Sandstein- und Klinkerflächen benutze er dagegen ein kleines Sandstrahlgerät, um die oberste Schicht schonend zu beseitigen. Die Kosten für die Entfernung seien sehr unterschiedlich. In der vergangenen Woche habe er ein Graffito am Mindener Museum entfernen müssen, was mit 120 bis 150 Euro netto zu buche geschlagen sei. Bei der Hafenschule sei aber früher einmal eine ganze Mauer beschmiert gewesen, was einen dreitägigen Einsatz erfordert habe. Bei so etwas könnten die Kosten schon mehrere Tausend Euro betragen.

Ein anderer Malerbetrieb aus Minden weist auf die vorsorgliche Imprägnierung von Flächen mit einem Schutzanstrich auf Klarlackbasis hin. Das habe den Vorteil, dass sich die Farbe einfach wieder abwischen ließe. Derartige Aufträge hatte er in der Mindener Innenstadt bereits ausgeführt. Der Nachteil des Verfahrens sei jedoch, dass die Fassade glänze, was nicht jeder als ästhetisch empfinde.

Bei der Beseitigung von Sprayer-Schäden ist übrigens Haus nicht gleich Haus. Karsten Geier, der ein saniertes Fachwerkhaus in der oberen Altstadt bewohnt, stellt dazu fest, dass bei derartigen Gebäuden Kalk und Holz einen Verbund eingehen. „Bei derart diffusionsoffenen Fassaden ist die Beseitigung von Farbe aufwendiger als bei einer Zementwand.“ Hier müssten besondere Materialien wie Sumpfkalk verwendet werden. „Immer wieder sehe ich an Fachwerkfassaden anderer Städte, dass dort bei der Beseitigung von Graffiti die falsche Farbe verwendet wurde.“

Laut Polizeistatistik waren im vergangenen Jahr kreisweit 1.570 Sachbeschädigungen gemeldet worden, darunter viele von Graffiti-Sprayern begangen. „Die Aufklärungsquote lag aber nur bei 24 Prozent, so Ralf Steinmeyer. Bei den in der Nacht unbemerkt verübten Sprühattacken gebe es für die Polizei kaum Ermittlungsansätze. „Es kommt nur selten vor, dass die Sprayer auf frischer Tat ertappt werden.“

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