„Good Bye, Frau Fleary": Erzieherin der Kita Goebenstraße ist nach 45 Jahren jetzt in Ruhestand Anja Peper Minden/Petershagen. Gaby Fleary liebt ihren Garten. Die geschmackvolle Gartendeko aus Stein, aus Metall oder im Vintage-Look: Das alles verrät Liebe zum Detail. Und es finden sich auch einige Erinnerungsstücke an „ihre“ Kinder aus der Kita Goebenstraße. Zum Abschied haben sie Briefe geschrieben und viele bunte Engelsfiguren auf Steine gemalt. Kein Engel ist wie der andere. „Es war ein sehr schöner Abschied“, sagt die 63-Jährige. Die Holzstele mit den Steinen hat nun einen Ehrenplatz auf der Terrasse: Eine bleibende Erinnerung an die Kita Goebenstraße, wo sie seit der Eröffnung 1983 gearbeitet hat. Insgesamt war sie 45 Jahre Erzieherin. Das Motto der Tageseinrichtung – Lernen mit Hand, Herz und Kopf – war für sie immer auch ein ganz persönliches Erziehungskonzept. Ich wollte Kindern Erfahrungsräume bieten. Dafür hat die Kita-Leiterin über die Jahre zahllose Projekte angestoßen. Von der Verkehrserziehung bis zur Englisch-Sprachförderung. Die Sprache liegt ihr am Herzen. Manche Kinder haben sie morgens mit den Worten „Good Morning, Frau Fleary“ begrüßt. Vor allem aber vermittelte sie den Kindern Geborgenheit, die teilweise über Generationen nachwirkt: „Es ist einfach schön, wenn Menschen, die schon als Kind hier waren, als Eltern wiederkommen.“ Knapp die Hälfte der 66 Kinder kommt aus Familien mit Migrationshintergrund. „Für sie müssen wir uns Zeit nehmen“, findet Gaby Fleary. Nicht selten standen hilfesuchende Mütter vor ihr mit den Worten: „Gaby, ich habe hier einen Brief bekommen, aber verstehe nicht, worum es geht.“ Meist konnte die Leiterin, die freigestellt war und daher keine eigenen Gruppen betreuen musste, auf dem ein oder anderen Wege weiterhelfen. „Wenn es den Eltern gut geht, geht es ja meistens auch den Kindern gut.“ Die Hilfsbereitschaft sprach sich herum, die Eltern fassten Vertrauen. „Das hatte dann den Vorteil, dass sie ich auch mal unangenehme Themen direkt ansprechen konnte.“ Gleichzeitig betont die 63-Jährige, wie enorm wichtig es ist, den Kindern klare Grenzen zu setzen. „Ein klares Nein ist das Wichtigste überhaupt.“ Ein ganz klares Nein gilt an der Goebenstraße zum Beispiel beim Thema Handys. „Kinder sollen doch bitte erstmal Basis-Erfahrungen machen, die brauchen kein Smartphone.“ Damit meint sie Dinge wie: Auf einen Baum klettern, in Pfützen springen, eine Kuh sehen. Hinter dieser Linie stecken nicht nur pädagogische, sondern auch ganz praktische Erwägungen. „Ein Handy kann plötzlich weg sein, kaputt oder zertreten. Den Ärger wollen wir hier nicht“, war ihr Standpunkt. Frühere Stationen ihrer beruflichen Laufbahn waren unter anderem der Kindergarten „Am Schäferfeld“ und am Fischerglacis. Anfang der achtziger Jahre leitete sie die damalige Spielstube in der Bahnhofskaserne. Als 1983 die Kita Goebenstraße eröffnet wurde, war sie von Anfang an dabei. „Die 45 Jahre haben mich bereichert, aber auch an die Grenzen gebracht.“ Das war besonders in der Corona-Zeit der Fall. „Die Politik mit ihren tausend Regeln, die ganzen Papiere, die gelesen werden mussten – das war schon eine Herausforderung.“ Unterstützung fand sie bei ihrem innovativen Team, konnte sich darüber hinaus aber auch auf ein gutes Netzwerk verlassen. Die St. Mariengemeinde und die Diakonie Stiftung Salem als Trägerin standen ihr zur Seite. Seit dem 1. Oktober hat Vanessa Brümmelhörster (31) die Leitung der Kita Goebenstraße übernehmen. Dafür wünscht ihr Gaby Fleary viel Kraft: „Es geht nicht darum, in Fußstapfen zu treten, sondern darum, neue Wege zu gehen.“

„Good Bye, Frau Fleary": Erzieherin der Kita Goebenstraße ist nach 45 Jahren jetzt in Ruhestand

Im Garten von Gaby Fleary hat auch die siebenjährige Australian Shepherd-Hündin Ziva genügend Platz, um sich auszutoben. Die Hütehunde haben einen großen Bewegungsdrang. MT-Fotos: Anja Peper © Anja Peper

Minden/Petershagen. Gaby Fleary liebt ihren Garten. Die geschmackvolle Gartendeko aus Stein, aus Metall oder im Vintage-Look: Das alles verrät Liebe zum Detail. Und es finden sich auch einige Erinnerungsstücke an „ihre“ Kinder aus der Kita Goebenstraße. Zum Abschied haben sie Briefe geschrieben und viele bunte Engelsfiguren auf Steine gemalt. Kein Engel ist wie der andere. „Es war ein sehr schöner Abschied“, sagt die 63-Jährige. Die Holzstele mit den Steinen hat nun einen Ehrenplatz auf der Terrasse: Eine bleibende Erinnerung an die Kita Goebenstraße, wo sie seit der Eröffnung 1983 gearbeitet hat. Insgesamt war sie 45 Jahre Erzieherin.

Das Motto der Tageseinrichtung – Lernen mit Hand, Herz und Kopf – war für sie immer auch ein ganz persönliches Erziehungskonzept. Ich wollte Kindern Erfahrungsräume bieten. Dafür hat die Kita-Leiterin über die Jahre zahllose Projekte angestoßen. Von der Verkehrserziehung bis zur Englisch-Sprachförderung. Die Sprache liegt ihr am Herzen. Manche Kinder haben sie morgens mit den Worten „Good Morning, Frau Fleary“ begrüßt. Vor allem aber vermittelte sie den Kindern Geborgenheit, die teilweise über Generationen nachwirkt: „Es ist einfach schön, wenn Menschen, die schon als Kind hier waren, als Eltern wiederkommen.“

Knapp die Hälfte der 66 Kinder kommt aus Familien mit Migrationshintergrund. „Für sie müssen wir uns Zeit nehmen“, findet Gaby Fleary. Nicht selten standen hilfesuchende Mütter vor ihr mit den Worten: „Gaby, ich habe hier einen Brief bekommen, aber verstehe nicht, worum es geht.“ Meist konnte die Leiterin, die freigestellt war und daher keine eigenen Gruppen betreuen musste, auf dem ein oder anderen Wege weiterhelfen. „Wenn es den Eltern gut geht, geht es ja meistens auch den Kindern gut.“ Die Hilfsbereitschaft sprach sich herum, die Eltern fassten Vertrauen. „Das hatte dann den Vorteil, dass sie ich auch mal unangenehme Themen direkt ansprechen konnte.“


Gleichzeitig betont die 63-Jährige, wie enorm wichtig es ist, den Kindern klare Grenzen zu setzen. „Ein klares Nein ist das Wichtigste überhaupt.“ Ein ganz klares Nein gilt an der Goebenstraße zum Beispiel beim Thema Handys. „Kinder sollen doch bitte erstmal Basis-Erfahrungen machen, die brauchen kein Smartphone.“ Damit meint sie Dinge wie: Auf einen Baum klettern, in Pfützen springen, eine Kuh sehen. Hinter dieser Linie stecken nicht nur pädagogische, sondern auch ganz praktische Erwägungen. „Ein Handy kann plötzlich weg sein, kaputt oder zertreten. Den Ärger wollen wir hier nicht“, war ihr Standpunkt.

Zum Abschied haben die Kinder aus der Kita Goebenstraße Engelsfiguren auf Steine gemalt – eine bleibende Erinnerung. - © Anja Peper
Zum Abschied haben die Kinder aus der Kita Goebenstraße Engelsfiguren auf Steine gemalt – eine bleibende Erinnerung. - © Anja Peper

Frühere Stationen ihrer beruflichen Laufbahn waren unter anderem der Kindergarten „Am Schäferfeld“ und am Fischerglacis. Anfang der achtziger Jahre leitete sie die damalige Spielstube in der Bahnhofskaserne. Als 1983 die Kita Goebenstraße eröffnet wurde, war sie von Anfang an dabei.

„Die 45 Jahre haben mich bereichert, aber auch an die Grenzen gebracht.“ Das war besonders in der Corona-Zeit der Fall. „Die Politik mit ihren tausend Regeln, die ganzen Papiere, die gelesen werden mussten – das war schon eine Herausforderung.“ Unterstützung fand sie bei ihrem innovativen Team, konnte sich darüber hinaus aber auch auf ein gutes Netzwerk verlassen. Die St. Mariengemeinde und die Diakonie Stiftung Salem als Trägerin standen ihr zur Seite.

Seit dem 1. Oktober hat Vanessa Brümmelhörster (31) die Leitung der Kita Goebenstraße übernehmen. Dafür wünscht ihr Gaby Fleary viel Kraft: „Es geht nicht darum, in Fußstapfen zu treten, sondern darum, neue Wege zu gehen.“

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