Glückwunsch zum Staatsexamen: Die ersten beiden Allgemeinmediziner aus Minden sind fertig Anja Peper Minden (mt). Kahle Wände, Besprechungsräume, Arbeitsatmosphäre: Der Kernbereich 0 im Klinikum ist nicht gerade als Party-Hotspot bekannt. Da fallen Blumen, Luftschlangen und ein knallbunter Heliumballon sofort auf. Tatsächlich: Es gibt was zu feiern. Henrike Thalenhorst (31) und Michael Vahldieck (29) haben haben die erste Staatsexamen-Prüfung in der Allgemeinmedizin in Minden bestanden – mit guten Noten. Und nicht nur das: Beide können sich vorstellen, auf Dauer in der Region zu bleiben und hier als Ärzte zu praktizieren. Damit sind die beiden Absolventen ein Paradebeispiel für die Medizinerausbildung in OWL. Der gefürchtete Landärztemangel ist in den vergangenen Jahren zu einem geflügelten Wort im Gesundheitssystem geworden. Entsprechend gefragt sind die jungen Ärzte. Henrike Thalenhorst bleibt nach dem Prüfungsstress tatsächlich nur dieses eine Wochenende zum Durchatmen. Schon am Montag, 2. Dezember, beginnt sie in einer Hausarztpraxis in Kirchlengern (Kreis Herford) ihren ersten richtigen Job. Viele niedergelassene Ärzte rollen dem Nachwuchs gerne den sprichwörtlichen Roten Teppich aus. Von ihrer Famulatur her – dem Praktikum der Medizinstudenten – kennt Henrike Thalenhorst die Praxis in Kirchlengern schon, mag das Team und die längerfristige Arbeit mit den Patienten. Anders als beispielsweise im Klinikum begleiten Hausärzte ganze Familien oftmals über Jahre hinweg. Die Medizin wird weiblich: Zwei Drittel der Studienanfänger sind inzwischen Frauen. Damit sich der Ärztemangel nicht weiter verschärft, müssen die Rahmenbedingungen den Ärztinnen angepasst werden – da ist man sich im Gesundheitswesen weitgehend einig. So viele Überstunden zu leisten wie viele der älteren niedergelassenen Kollegen kann sich kaum jemand vorstellen. „Die Bürokratie schreckt viele junge Ärzte ab“, ist ihr Eindruck nach Gesprächen mit anderen Medizinern. Das sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) allerdings anders: Der Verwaltungsaufwand in deutschen Arztpraxen sei erstmals seit 2016 gesunken, heißt es in einer Mitteilung der KBV. Die Wahrnehmung ist also unterschiedlich. Michael Vahldieck kommt aus Minden und hat sein Abitur am Besselgymnasium gemacht. Sein Berufswunsch kristallisierte sich heraus, nachdem er seinen Zivildienst im Johannes Wesling Klinikum (Neurologie) absolviert hatte. Eine Ausbildung zum Krankenpfleger schloss sich an. Nachdem er jetzt sein Staatsexamen in der Tasche hat, plant er eine Doktorarbeit. Darin wird er sich mit Wundbehandlung nach Gesichtstumoren-Operation (Hautdeckung) beschäftigen. Auch er kann sich vorstellen, in Minden zu bleiben. Vielleicht noch ein Auslandssemester – mal sehen. Seit Herbst 2016 werden im JWK in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) Medizinstudenten ausgebildet. Die Nachwuchsmediziner absolvieren hier das siebte bis zehnte Semester der klinischen Ärzteausbildung und lernen vor Ort verschiedene medizinische Bereiche kennen. Das Studium wird in theoretische Abschnitte im Mindener Campusgebäude und in praktischen Unterricht am Krankenbett unterteilt. Jährlich werden etwa 60 Plätze für das Medizinstudium in OWL vergeben. Das Praktische Jahr (PJ) bildet den Abschluss des Medizinstudiums. Die Studierenden wählen die Klinik oder die Praxis, in der sie das PJ absolvieren möchten, selbst aus. Im JWK werden neben den Pflichtfächern Chirurgie und Innere Medizin etwa ein Dutzend weitere Wahlfächer angeboten. Im Praktischen Jahr begleiten die Studierenden zum Beispiel auch Bereitschaftsdienste und fahren im Notarztfahrzeug mit. Die Medizinerausbildung will vor Ort geplant und abgestimmt sein. Koordinatorin der Abteilung für Allgemeinmedizin für die Ruhr-Universität Bochum ist Dr. Beate Lubbe. Sie investiert viel Zeit und Herzblut in die Ausbildung und hat als eine der Ersten den beiden Absolventen gratuliert. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Jörg Radermacher, Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen (Nephrologie) gehörte sie zum vierköpfigen Prüfungsteam. In Minden fühlen sich die Bochumer Studenten offenbar gut betreut – das hört man immer wieder. „Hier gibt es ein sehr kompetentes Ärzteteam für die praktische Ausbildung“, sind sich die Absolventen einig. Die gute Vorbereitung, auch aufs Staatsexamen, wird geschätzt.

Glückwunsch zum Staatsexamen: Die ersten beiden Allgemeinmediziner aus Minden sind fertig

Wenn jemand eine Prüfung packt, ist Party angesagt: Als eine der Ersten gratulierte Dr. Beate Lubbe (Mitte) den beiden Absolventen: Henrike Thalenhorst und Michael Vahldieck haben ihr Staatsexamen in der Allgemeinmedizin in Minden bestanden. © Anja Peper

Minden (mt). Kahle Wände, Besprechungsräume, Arbeitsatmosphäre: Der Kernbereich 0 im Klinikum ist nicht gerade als Party-Hotspot bekannt. Da fallen Blumen, Luftschlangen und ein knallbunter Heliumballon sofort auf. Tatsächlich: Es gibt was zu feiern. Henrike Thalenhorst (31) und Michael Vahldieck (29) haben haben die erste Staatsexamen-Prüfung in der Allgemeinmedizin in Minden bestanden – mit guten Noten. Und nicht nur das: Beide können sich vorstellen, auf Dauer in der Region zu bleiben und hier als Ärzte zu praktizieren. Damit sind die beiden Absolventen ein Paradebeispiel für die Medizinerausbildung in OWL. Der gefürchtete Landärztemangel ist in den vergangenen Jahren zu einem geflügelten Wort im Gesundheitssystem geworden.

Entsprechend gefragt sind die jungen Ärzte. Henrike Thalenhorst bleibt nach dem Prüfungsstress tatsächlich nur dieses eine Wochenende zum Durchatmen. Schon am Montag, 2. Dezember, beginnt sie in einer Hausarztpraxis in Kirchlengern (Kreis Herford) ihren ersten richtigen Job. Viele niedergelassene Ärzte rollen dem Nachwuchs gerne den sprichwörtlichen Roten Teppich aus. Von ihrer Famulatur her – dem Praktikum der Medizinstudenten – kennt Henrike Thalenhorst die Praxis in Kirchlengern schon, mag das Team und die längerfristige Arbeit mit den Patienten. Anders als beispielsweise im Klinikum begleiten Hausärzte ganze Familien oftmals über Jahre hinweg.

Die Medizin wird weiblich: Zwei Drittel der Studienanfänger sind inzwischen Frauen. Damit sich der Ärztemangel nicht weiter verschärft, müssen die Rahmenbedingungen den Ärztinnen angepasst werden – da ist man sich im Gesundheitswesen weitgehend einig. So viele Überstunden zu leisten wie viele der älteren niedergelassenen Kollegen kann sich kaum jemand vorstellen. „Die Bürokratie schreckt viele junge Ärzte ab“, ist ihr Eindruck nach Gesprächen mit anderen Medizinern. Das sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) allerdings anders: Der Verwaltungsaufwand in deutschen Arztpraxen sei erstmals seit 2016 gesunken, heißt es in einer Mitteilung der KBV. Die Wahrnehmung ist also unterschiedlich.

Michael Vahldieck kommt aus Minden und hat sein Abitur am Besselgymnasium gemacht. Sein Berufswunsch kristallisierte sich heraus, nachdem er seinen Zivildienst im Johannes Wesling Klinikum (Neurologie) absolviert hatte. Eine Ausbildung zum Krankenpfleger schloss sich an. Nachdem er jetzt sein Staatsexamen in der Tasche hat, plant er eine Doktorarbeit. Darin wird er sich mit Wundbehandlung nach Gesichtstumoren-Operation (Hautdeckung) beschäftigen. Auch er kann sich vorstellen, in Minden zu bleiben. Vielleicht noch ein Auslandssemester – mal sehen.

Seit Herbst 2016 werden im JWK in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) Medizinstudenten ausgebildet. Die Nachwuchsmediziner absolvieren hier das siebte bis zehnte Semester der klinischen Ärzteausbildung und lernen vor Ort verschiedene medizinische Bereiche kennen. Das Studium wird in theoretische Abschnitte im Mindener Campusgebäude und in praktischen Unterricht am Krankenbett unterteilt. Jährlich werden etwa 60 Plätze für das Medizinstudium in OWL vergeben.

Das Praktische Jahr (PJ) bildet den Abschluss des Medizinstudiums. Die Studierenden wählen die Klinik oder die Praxis, in der sie das PJ absolvieren möchten, selbst aus. Im JWK werden neben den Pflichtfächern Chirurgie und Innere Medizin etwa ein Dutzend weitere Wahlfächer angeboten. Im Praktischen Jahr begleiten die Studierenden zum Beispiel auch Bereitschaftsdienste und fahren im Notarztfahrzeug mit.

Die Medizinerausbildung will vor Ort geplant und abgestimmt sein. Koordinatorin der Abteilung für Allgemeinmedizin für die Ruhr-Universität Bochum ist Dr. Beate Lubbe. Sie investiert viel Zeit und Herzblut in die Ausbildung und hat als eine der Ersten den beiden Absolventen gratuliert. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Jörg Radermacher, Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen (Nephrologie) gehörte sie zum vierköpfigen Prüfungsteam. In Minden fühlen sich die Bochumer Studenten offenbar gut betreut – das hört man immer wieder. „Hier gibt es ein sehr kompetentes Ärzteteam für die praktische Ausbildung“, sind sich die Absolventen einig. Die gute Vorbereitung, auch aufs Staatsexamen, wird geschätzt.

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