Geschichte der Peschke Flugzeugwerke und der Mindener Karosserie und Fahrzeugbau wird erforscht Nurflüglern und Luxuskarossen auf der Spur Von Jürgen Langenkämper Minden (mt). Was haben Nurflügler und luxuriöse Reisemobile gemeinsam? Sie wurden von denselben Fachleuten gebaut - und das in Minden. Einem weithin vergessenen Kapitel heimischer Wirtschafts- und Technikgeschichte sind Elmar Kuhlmann und Sonja Weichert auf der Spur. Kuhlmann, von Haus aus Architekt und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule, interessierte sich seit Längerem für die Karosseriebaufirma "Mikafa", Hersteller von Wohnwagen und Reisemobilen in den 1950er- und 1960er-Jahren. ",Mikafa´ steht für ,Mindener Karosserie und Fahrzeugbau GmbH´", erläutert Kuhlmann die Ableitung des Firmennamens. Auch heute noch hat dieser wegen der hochwertigen Ausstattung der in Minden in Handarbeit hergestellten Fahrzeuge einen guten Klang, auch wenn Mikafa-Wohnmobile wegen ihres Preises ein Luxusartikel mit geringen Stückzahlen blieben.Doch schnell stellte Kuhlmann fest: "Es gibt eine Geschichte vor der Geschichte." Richtig spannend wurden seine Recherchen, als er über den Firmengründer und Inhaber Otto Peschke auf die Vorgeschichte von Mikafa stieß. Peschke war nämlich Flieger im Ersten Weltkrieg gewesen und im Anschluss prominenter Fluglehrer. Nachdem er im Rheinland ein Flugzeugwerk gegründet hatte, das er erweitern wollte, bekam er Mitte der 1930er-Jahre ein Areal im Bereich des ehemaligen Exerzierplatzes in Minderheide zugewiesen. "Der Ausbau des bis dahin als Segelflugplatz genutzten Flugfeldes in Minderheide zur Ansiedlung der Firma Peschke wurde Quellen des örtlichen Kommunalarchivs zufolge direkt vom Berliner Reichluftfahrtministerium angeordnet", fand Kuhlmann inzwischen heraus. Später, während des Krieges, sei dort ein Sonderkommando eingerichtet worden.So baute Peschke von den Brüdern Reimar und Walter Horten aus Bonn konstruierte Nurflügler, die als eine der "Wunderwaffen" der NS-Militärmaschinerie gehandelt wurden und indirekte Vorläufer heutiger hochmoderner Tarnkappenbomber sind. In Serie gingen die Nurflügler jedoch während des Zweiten Weltkrieges nie, die Weiterentwicklung wurde sogar abrupt gestoppt.Die Niederlage haben die visionären Flieger nicht aufhalten können. Daneben reparierten die Peschke Flugzeugwerke die leichten Aufklärungsflugzeuge "Fieseler Storch". Nach Kriegsende war es erst einmal vorbei mit Fliegerei und Flugzeugbau. Otto Peschke musste umsatteln und verlegte sich auf den Bau von Wohnwagen und Reisemobilen. Die Verwendung leichter Materialien, wie sie im Flugzeugbau entwickelt worden waren, und die technisch-handwerklichen Qualitäten seiner Mitarbeiter kamen Peschke dabei zugute, wie Kuhlmann glaubt.Um tiefer in die Geschichte vor Ort einzudringen, wandte sich der Architekt an den Mindener Geschichtsverein und dessen Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur, die stets für Mitarbeit offen ist. "Unsere Projektgruppe war von seinem Vorhaben sehr angetan", sagt die Leiterin Gertraud Strohm-Katzer. Gemeinsam mit der historisch interessierten, pensionierten Lehrerin Sonja Weichert hofft er nun noch Zeitzeugen zu finden, die sich an die eine oder andere Firma erinnern und Auskunft geben können, im Idealfall in beiden gearbeitet haben und Produktionsabläufe kennen.Durch ihren Mann, den Pastor i. R. Otto Weichert, der mehr als 30 Jahre Pfarrer im Bezirk St. Lukas in Kuhlenkamp war, ist sie ohnehin mit den Menschen und der Geschichte der Minderheide vertraut.Blick ins digitale MT-ArchivWer Näheres über Otto Peschke und die beiden Unternehmen weiß, wird gebeten sich mit Elmar Kuhlmann, Telefon: (0571) 8290070 und E-Mail: e.kuhlmann@web.de, oder Sonja Weichert, Telefon (0571), 5043999 und E-Mail: sonjaweichert@web.de, in Verbindung zu setzen.Einen kleinen Erfolg hat ihr Schritt an die Öffentlichkeit schon ergeben: Ein Blick in das digitale Archiv des Mindener Tageblattes förderte eine Traueranzeige vom 22. Mai 1976 zutage. Demzufolge war Otto Peschke, geboren am 27. Juni 1898, am 21. Mai 1976 in Cuxhaven gestorben. Fünf Tage später wurde er auf dem Friedhof Brockeswalde beigesetzt.

Geschichte der Peschke Flugzeugwerke und der Mindener Karosserie und Fahrzeugbau wird erforscht

Minden (mt). Was haben Nurflügler und luxuriöse Reisemobile gemeinsam? Sie wurden von denselben Fachleuten gebaut - und das in Minden. Einem weithin vergessenen Kapitel heimischer Wirtschafts- und Technikgeschichte sind Elmar Kuhlmann und Sonja Weichert auf der Spur.

Kuhlmann, von Haus aus Architekt und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule, interessierte sich seit Längerem für die Karosseriebaufirma "Mikafa", Hersteller von Wohnwagen und Reisemobilen in den 1950er- und 1960er-Jahren. ",Mikafa´ steht für ,Mindener Karosserie und Fahrzeugbau GmbH´", erläutert Kuhlmann die Ableitung des Firmennamens. Auch heute noch hat dieser wegen der hochwertigen Ausstattung der in Minden in Handarbeit hergestellten Fahrzeuge einen guten Klang, auch wenn Mikafa-Wohnmobile wegen ihres Preises ein Luxusartikel mit geringen Stückzahlen blieben.

Doch schnell stellte Kuhlmann fest: "Es gibt eine Geschichte vor der Geschichte." Richtig spannend wurden seine Recherchen, als er über den Firmengründer und Inhaber Otto Peschke auf die Vorgeschichte von Mikafa stieß. Peschke war nämlich Flieger im Ersten Weltkrieg gewesen und im Anschluss prominenter Fluglehrer. Nachdem er im Rheinland ein Flugzeugwerk gegründet hatte, das er erweitern wollte, bekam er Mitte der 1930er-Jahre ein Areal im Bereich des ehemaligen Exerzierplatzes in Minderheide zugewiesen. "Der Ausbau des bis dahin als Segelflugplatz genutzten Flugfeldes in Minderheide zur Ansiedlung der Firma Peschke wurde Quellen des örtlichen Kommunalarchivs zufolge direkt vom Berliner Reichluftfahrtministerium angeordnet", fand Kuhlmann inzwischen heraus. Später, während des Krieges, sei dort ein Sonderkommando eingerichtet worden.

So baute Peschke von den Brüdern Reimar und Walter Horten aus Bonn konstruierte Nurflügler, die als eine der "Wunderwaffen" der NS-Militärmaschinerie gehandelt wurden und indirekte Vorläufer heutiger hochmoderner Tarnkappenbomber sind. In Serie gingen die Nurflügler jedoch während des Zweiten Weltkrieges nie, die Weiterentwicklung wurde sogar abrupt gestoppt.

Die Niederlage haben die visionären Flieger nicht aufhalten können. Daneben reparierten die Peschke Flugzeugwerke die leichten Aufklärungsflugzeuge "Fieseler Storch". Nach Kriegsende war es erst einmal vorbei mit Fliegerei und Flugzeugbau. Otto Peschke musste umsatteln und verlegte sich auf den Bau von Wohnwagen und Reisemobilen. Die Verwendung leichter Materialien, wie sie im Flugzeugbau entwickelt worden waren, und die technisch-handwerklichen Qualitäten seiner Mitarbeiter kamen Peschke dabei zugute, wie Kuhlmann glaubt.

Um tiefer in die Geschichte vor Ort einzudringen, wandte sich der Architekt an den Mindener Geschichtsverein und dessen Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur, die stets für Mitarbeit offen ist. "Unsere Projektgruppe war von seinem Vorhaben sehr angetan", sagt die Leiterin Gertraud Strohm-Katzer. Gemeinsam mit der historisch interessierten, pensionierten Lehrerin Sonja Weichert hofft er nun noch Zeitzeugen zu finden, die sich an die eine oder andere Firma erinnern und Auskunft geben können, im Idealfall in beiden gearbeitet haben und Produktionsabläufe kennen.

Durch ihren Mann, den Pastor i. R. Otto Weichert, der mehr als 30 Jahre Pfarrer im Bezirk St. Lukas in Kuhlenkamp war, ist sie ohnehin mit den Menschen und der Geschichte der Minderheide vertraut.

Blick ins digitale MT-Archiv

Wer Näheres über Otto Peschke und die beiden Unternehmen weiß, wird gebeten sich mit Elmar Kuhlmann, Telefon: (0571) 8290070 und E-Mail: e.kuhlmann@web.de, oder Sonja Weichert, Telefon (0571), 5043999 und E-Mail: sonjaweichert@web.de, in Verbindung zu setzen.

Einen kleinen Erfolg hat ihr Schritt an die Öffentlichkeit schon ergeben: Ein Blick in das digitale Archiv des Mindener Tageblattes förderte eine Traueranzeige vom 22. Mai 1976 zutage. Demzufolge war Otto Peschke, geboren am 27. Juni 1898, am 21. Mai 1976 in Cuxhaven gestorben. Fünf Tage später wurde er auf dem Friedhof Brockeswalde beigesetzt.

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