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Geschäftsmann und Kulturliebhaber: Dr. Volker Schäferbarthold mit 85 Jahren gestorben Henning Wandel Minden. Der Einstieg in das Familienunternehmen war für Dr. Volker Schäferbarthold alles andere als selbstverständlich. Neben der Betriebswirtschaftslehre hatte er in Hamburg auch Gesang studiert und eine Karriere als Musiker ernsthaft in Erwägung gezogen. Schließlich aber war es seine Frau, die den entscheidenden Impuls gab: „Als mittelmäßiger Sänger tingelst Du durch die Lande, als mittelmäßiger Kaufmann kannst Du eine Familie ernähren.“ Nach der Promotion in Wien kam Volker Schäferbarthold also zurück nach Minden und gemeinsam mit seinem neun Jahre älteren Bruder in das Unternehmen. Der Start war für den jungen Kaufmann schwierig, das Verhältnis zum Vater angespannt. Der hätte den Betrieb lieber dem älteren Sohn übergeben, doch die Brüder hätten sich darauf geeinigt, die Aufgabe gemeinsam zu übernehmen, erinnert sich Dr. Christian Schäferbarthold. Zu der Zeit war die Firma in der Krise, doch unter der Voraussetzung, dass die Söhne weitermachen würden, waren die Banken zur Unterstützung bereit. In den 1970er Jahren wurde das Familienunternehmen in der dritten Generation dann kontinuierlich neu aufgebaut, schon 1978 war der Standort an der Ringstraße zu klein geworden und es folgte der Umzug nach Barkhausen. Zunächst 1980 mit dem Lager, ein Jahr später dann auch mit der Verwaltung. Bis heute ist die Firma Schäferbarthold dort zu Hause und über die Jahre immer weiter gewachsen. Anfang der 1980er Jahre setzte Volker Schäferbarthold einen Schwerpunkt im internationalen Vertrieb, zunächst in Westeuropa, dann auch in den USA. Hintergrund waren nicht nur unternehmerische Überlegungen, der kalte Krieg machte eine starke transatlantische Bindung attraktiv. Etwa zehn Jahre lang war das Unternehmen Schäferbarthold in den USA sehr aktiv, ehe ein ungünstiger Wechselkurs zum Dollar dafür sorgte, dass die Geschäfte zurückgefahren wurden. Dr. Volker Schäferbarthold führte das Unternehmen bis zum Tod des Bruders 1999 mit ihm gemeinsam und blieb noch bis 2004 an der Spitze des Unternehmens, ehe mit seinen Söhnen Wolfgang und Dr. Christian Schäferbarthold die vierte Generation Verantwortung übernahm. Ihr Vater blieb zwar Geschäftsführer, zog sich aber in die zweite Reihe zurück – auch mit der Erinnerung an die eigenen Probleme mit dem Vater. Auch das starke Engagement in den USA war der Versuch, sich in das Unternehmen einzubringen, aber gleichzeitig Abstand zu gewinnen. Die Liebe zur Musik, die während seiner Zeit am altsprachlichen Gymnasium – dem heutigen Rats – geweckt und im Gesangsstudium vertieft wurden, blieb bestehen, wenngleich Volker Schäferbarthold kaum noch gesungen hat. Nur einmal hat er mit der Musik Geld verdient: Als Sieger eines Gesangswettbewerbs in einem Restaurant in den USA. Geblieben ist die Freude am Zuhören. Während Geschäftsreisen nach New York gehörten abendliche Besuche in der Metropolitan Opera unbedingt dazu. In Minden engagierte sich Schäferbarthold auch als vielfacher Unterstützer der Musikszene, vor allem für die OWL-Kammerphilhamonie, aber auch die Nordwestdeutsche Philharmonie und die Mindener Wagner-Inszenierungen lagen ihm am Herzen. Und während der eigene Gesang kaum noch eine Rolle spielte, hatte er große Freude am Vortrag von Gedichten, insbesondere von Goethe. Da seine Mutter unter anderem Sprechunterricht für Schauspieler gab, war dieses Fach ebenfalls in der Familie präsent. Dem Mindener Museum war Dr. Volker Schäferbarthold als Vorstandsmitglied der Günter-Cassel-Stiftung verbunden, die seit Ende der 1990er Jahre Kunst ankauft, um die Bestände zu ergänzen. 2018 hatte er in dieser Rolle den Ankauf zweier Busch-Gemälde realisiert, bevor er den Posten niederlegte, den er seit Gründung der Stiftung inne hatte. Und auch die Malerei zog sich durch sein Leben, wie er damals bei der Vorstellung der Bilder sagte. Sein erstes Kunstwerk habe er noch als Student in Wien erworben. Die Darstellung eines Orientalen im benachbarten Antiquitätengeschäft hatte es ihm angetan, weil er nach seinem Abitur drei Monate durch den Nahen Osten gereist war. Schäferbarthold bezahlte das Gemälde in Raten, bat den Händler aber, es weiterhin im Schaufenster zu präsentieren, damit er es jeden Tag betrachten kann, bis er den Betrag abgestottert hat. Schließlich war Volker Schäferbarthold auch als Stadtverordneter der CDU im Mindener Rat aktiv und gründete gemeinsam mit anderen Unternehmern den „Bund junger Unternehmer“, der später in der „Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer“ aufging. Von 1968 bis 1976 war er zudem Presbyter in der Petri-Gemeinde. Gerne hätte er im übernächsten Jahr noch das 100-jährige Firmenjubiläum erlebt. Doch schon seit etwa 20 Jahren hatte Volker Schäferbarthold Probleme mit dem Herzen, die sich über die Zeit verschlimmerten. Nach einer Knie-Operation und einer anschließenden Reha hörte es auf zu schlagen. Dr. Volker Schäferbarthold verstarb am 29. Juli 2022 im Alter von 85 Jahren.
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Geschäftsmann und Kulturliebhaber: Dr. Volker Schäferbarthold mit 85 Jahren gestorben

Bis vor wenigen Jahren kümmerte sich Dr. Volker Schäferbarthold für die Cassel-Stiftung noch um Ankäufe von Bildern für das Mindener Museum. Der Unternehmer und Kulturförderer verstarb am 29. Juli. MT-Archivfoto: Lehn Alexander

Minden. Der Einstieg in das Familienunternehmen war für Dr. Volker Schäferbarthold alles andere als selbstverständlich. Neben der Betriebswirtschaftslehre hatte er in Hamburg auch Gesang studiert und eine Karriere als Musiker ernsthaft in Erwägung gezogen. Schließlich aber war es seine Frau, die den entscheidenden Impuls gab: „Als mittelmäßiger Sänger tingelst Du durch die Lande, als mittelmäßiger Kaufmann kannst Du eine Familie ernähren.“ Nach der Promotion in Wien kam Volker Schäferbarthold also zurück nach Minden und gemeinsam mit seinem neun Jahre älteren Bruder in das Unternehmen.

Der Start war für den jungen Kaufmann schwierig, das Verhältnis zum Vater angespannt. Der hätte den Betrieb lieber dem älteren Sohn übergeben, doch die Brüder hätten sich darauf geeinigt, die Aufgabe gemeinsam zu übernehmen, erinnert sich Dr. Christian Schäferbarthold. Zu der Zeit war die Firma in der Krise, doch unter der Voraussetzung, dass die Söhne weitermachen würden, waren die Banken zur Unterstützung bereit.

In den 1970er Jahren wurde das Familienunternehmen in der dritten Generation dann kontinuierlich neu aufgebaut, schon 1978 war der Standort an der Ringstraße zu klein geworden und es folgte der Umzug nach Barkhausen. Zunächst 1980 mit dem Lager, ein Jahr später dann auch mit der Verwaltung. Bis heute ist die Firma Schäferbarthold dort zu Hause und über die Jahre immer weiter gewachsen.

Benjamin Piel

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Jeden Donnerstag von unserem Chefredakteur Benjamin Piel

Anfang der 1980er Jahre setzte Volker Schäferbarthold einen Schwerpunkt im internationalen Vertrieb, zunächst in Westeuropa, dann auch in den USA. Hintergrund waren nicht nur unternehmerische Überlegungen, der kalte Krieg machte eine starke transatlantische Bindung attraktiv. Etwa zehn Jahre lang war das Unternehmen Schäferbarthold in den USA sehr aktiv, ehe ein ungünstiger Wechselkurs zum Dollar dafür sorgte, dass die Geschäfte zurückgefahren wurden.

Dr. Volker Schäferbarthold führte das Unternehmen bis zum Tod des Bruders 1999 mit ihm gemeinsam und blieb noch bis 2004 an der Spitze des Unternehmens, ehe mit seinen Söhnen Wolfgang und Dr. Christian Schäferbarthold die vierte Generation Verantwortung übernahm. Ihr Vater blieb zwar Geschäftsführer, zog sich aber in die zweite Reihe zurück – auch mit der Erinnerung an die eigenen Probleme mit dem Vater. Auch das starke Engagement in den USA war der Versuch, sich in das Unternehmen einzubringen, aber gleichzeitig Abstand zu gewinnen.

Die Liebe zur Musik, die während seiner Zeit am altsprachlichen Gymnasium – dem heutigen Rats – geweckt und im Gesangsstudium vertieft wurden, blieb bestehen, wenngleich Volker Schäferbarthold kaum noch gesungen hat. Nur einmal hat er mit der Musik Geld verdient: Als Sieger eines Gesangswettbewerbs in einem Restaurant in den USA. Geblieben ist die Freude am Zuhören. Während Geschäftsreisen nach New York gehörten abendliche Besuche in der Metropolitan Opera unbedingt dazu.

In Minden engagierte sich Schäferbarthold auch als vielfacher Unterstützer der Musikszene, vor allem für die OWL-Kammerphilhamonie, aber auch die Nordwestdeutsche Philharmonie und die Mindener Wagner-Inszenierungen lagen ihm am Herzen. Und während der eigene Gesang kaum noch eine Rolle spielte, hatte er große Freude am Vortrag von Gedichten, insbesondere von Goethe. Da seine Mutter unter anderem Sprechunterricht für Schauspieler gab, war dieses Fach ebenfalls in der Familie präsent.

Dem Mindener Museum war Dr. Volker Schäferbarthold als Vorstandsmitglied der Günter-Cassel-Stiftung verbunden, die seit Ende der 1990er Jahre Kunst ankauft, um die Bestände zu ergänzen. 2018 hatte er in dieser Rolle den Ankauf zweier Busch-Gemälde realisiert, bevor er den Posten niederlegte, den er seit Gründung der Stiftung inne hatte. Und auch die Malerei zog sich durch sein Leben, wie er damals bei der Vorstellung der Bilder sagte. Sein erstes Kunstwerk habe er noch als Student in Wien erworben. Die Darstellung eines Orientalen im benachbarten Antiquitätengeschäft hatte es ihm angetan, weil er nach seinem Abitur drei Monate durch den Nahen Osten gereist war. Schäferbarthold bezahlte das Gemälde in Raten, bat den Händler aber, es weiterhin im Schaufenster zu präsentieren, damit er es jeden Tag betrachten kann, bis er den Betrag abgestottert hat.

Schließlich war Volker Schäferbarthold auch als Stadtverordneter der CDU im Mindener Rat aktiv und gründete gemeinsam mit anderen Unternehmern den „Bund junger Unternehmer“, der später in der „Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer“ aufging. Von 1968 bis 1976 war er zudem Presbyter in der Petri-Gemeinde.

Gerne hätte er im übernächsten Jahr noch das 100-jährige Firmenjubiläum erlebt. Doch schon seit etwa 20 Jahren hatte Volker Schäferbarthold Probleme mit dem Herzen, die sich über die Zeit verschlimmerten. Nach einer Knie-Operation und einer anschließenden Reha hörte es auf zu schlagen. Dr. Volker Schäferbarthold verstarb am 29. Juli 2022 im Alter von 85 Jahren.

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