Gemeinsam Grenzen testen: Wie das Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg das Wir-Gefühl an die Schule zurückholt Anja Peper Minden. Kinder und Jugendliche haben besonders stark unter der Corona-Krise gelitten. Lockdown, Wechselunterricht, psychische Belastungen. Besonders die Freunde nicht treffen zu dürfen, hat viele belastet. Nachdem der Präsenzunterricht wieder gestartet ist, fragen sich viele Lehrer: Wie sind die Schüler jetzt zu motivieren? Wie wird aus der über Monate getrennten Klasse wieder ein Team? Was stärkt den Zusammenhalt? Viele Pädagogen sind sich einig: Es darf nicht vorrangig um versäumten Lernstoff gehen, sondern um das Miteinander. Das Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg hat sich auf neue Wege begeben – im wahrsten Sinne des Wortes. Raus aus der Schule, rein in den Kletterpark. Die beiden Klassen der Höheren Handelsschule (HH22A und HH22C) haben einen herausfordernden Tag im Sea Tree-Abenteuerpark am Steinhuder Meer verbracht. Ziel war es, den Zusammenhalt der Klasse zu fördern. Dazu wurden Teamspiele und Abenteueraufgaben mit Klettern im Hochseilgarten kombiniert. Die Schülerinnen und Schüler wurden vor Aufgaben gestellt, die sie nur gemeinsam lösen konnten. Spaß und Action in der Gruppe: Das haben viele Kinder und Jugendliche über Monate schmerzlich vermisst. Alles passierte an der frischen Luft und unter Einhaltung der Corona-Regeln. Aus der Klasse HH22A waren Xenia Klassen und Fredi Lemke dabei. „Manche von uns hatten schon etwas Höhenangst“, sagt Xenia. Aber weil alle vom Boden aus gut gesichert sind, trauten sich die meisten dann doch, die eigenen Grenzen auszutesten. Im Kletterpark sind die Schüler auf gute Zusammenarbeit und Vertrauen angewiesen. Als Einzelkämpfer kommt man im Seilgarten nicht weit. Eine spannende Übung ist auch das gemeinsame Seilspringen. Das Timing muss so perfekt abgestimmt sein, dass alle im gleichen Moment springen. Für BWL-Lehrerin Katja Weber war dieses Teamevent eine tolle Erfahrung. „Wir im Kollegium haben uns die Frage gestellt: Wo holen wir die Schüler ab nach der Pandemie?“ Der Auftrag der Schule bestehe nicht nur darin, Lernrückstände aufzuholen, sondern auch das Wir-Gefühl zu stärken. Weil sich nicht alle Schüler einen ganztägigen Ausflug in einen Erlebnispark leisten können, hat sich die Schule an die Osthushenrich-Stiftung (Gütersloh) gewandt. Die hat das Projekt für gut befunden und mit 1.300 Euro unterstützt. So blieb für die Schüler nur noch ein überschaubarer Eigenanteil von acht Euro. Drei Stunden Klettern, drei Stunden Teamspiele und dazu das „Urlaubsfeeling“ am Steinhuder Meer: Das war ein Tag, an dem alle Beteiligten mal komplett vergessen konnten, dass sie vom alten Leben vor Corona nach weit entfernt sind. Im Hochseilgarten haben sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig unterstützt und angefeuert („Du schaffst das!“). Die gute Zusammenarbeit zwischen den Schwindelfreien und den Grenzentestern soll sich jetzt auf den Alltag und das gemeinsame Lernen übertragen, das ist das Ziel: Mehr Teamgeist, weniger Grüppchenbildung. Jeder soll jeden alles fragen können. Katja Weber und ihre Kollegen sind überzeugt: „Man kann nur gut zusammen lernen, wenn man gut zusammen funktioniert. Gerade jetzt, wo es auf Prüfungen zugeht, ist das wichtig.“ Es ist ein kurzes Schuljahr. Gerade bei den Klassenfahrten gebe es zurzeit noch Probleme, berichtet Carsten Mittelberg, Schuleiter am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg. In vielen Fällen haben die Vorgaben der Schulbehörde, beispielsweise was die Maskenpflicht betrifft, zu Verunsicherung geführt. „Darum setzen wir eher auf solche Tagesausflüge.“

Gemeinsam Grenzen testen: Wie das Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg das Wir-Gefühl an die Schule zurückholt

Schwindelfreie und Grenzentester im Hochseilgarten. Hier haben Schüler die Möglichkeit, gemeinsam Ängste zu überwinden und Vertrauen in die Gruppe und in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Foto: privat

Minden. Kinder und Jugendliche haben besonders stark unter der Corona-Krise gelitten. Lockdown, Wechselunterricht, psychische Belastungen. Besonders die Freunde nicht treffen zu dürfen, hat viele belastet. Nachdem der Präsenzunterricht wieder gestartet ist, fragen sich viele Lehrer: Wie sind die Schüler jetzt zu motivieren? Wie wird aus der über Monate getrennten Klasse wieder ein Team? Was stärkt den Zusammenhalt? Viele Pädagogen sind sich einig: Es darf nicht vorrangig um versäumten Lernstoff gehen, sondern um das Miteinander. Das Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg hat sich auf neue Wege begeben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Raus aus der Schule, rein in den Kletterpark. Die beiden Klassen der Höheren Handelsschule (HH22A und HH22C) haben einen herausfordernden Tag im Sea Tree-Abenteuerpark am Steinhuder Meer verbracht. Ziel war es, den Zusammenhalt der Klasse zu fördern. Dazu wurden Teamspiele und Abenteueraufgaben mit Klettern im Hochseilgarten kombiniert. Die Schülerinnen und Schüler wurden vor Aufgaben gestellt, die sie nur gemeinsam lösen konnten. Spaß und Action in der Gruppe: Das haben viele Kinder und Jugendliche über Monate schmerzlich vermisst. Alles passierte an der frischen Luft und unter Einhaltung der Corona-Regeln.

Aus der Klasse HH22A waren Xenia Klassen und Fredi Lemke dabei. „Manche von uns hatten schon etwas Höhenangst“, sagt Xenia. Aber weil alle vom Boden aus gut gesichert sind, trauten sich die meisten dann doch, die eigenen Grenzen auszutesten. Im Kletterpark sind die Schüler auf gute Zusammenarbeit und Vertrauen angewiesen. Als Einzelkämpfer kommt man im Seilgarten nicht weit. Eine spannende Übung ist auch das gemeinsame Seilspringen. Das Timing muss so perfekt abgestimmt sein, dass alle im gleichen Moment springen.

Malina Reckordt

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Für BWL-Lehrerin Katja Weber war dieses Teamevent eine tolle Erfahrung. „Wir im Kollegium haben uns die Frage gestellt: Wo holen wir die Schüler ab nach der Pandemie?“ Der Auftrag der Schule bestehe nicht nur darin, Lernrückstände aufzuholen, sondern auch das Wir-Gefühl zu stärken. Weil sich nicht alle Schüler einen ganztägigen Ausflug in einen Erlebnispark leisten können, hat sich die Schule an die Osthushenrich-Stiftung (Gütersloh) gewandt. Die hat das Projekt für gut befunden und mit 1.300 Euro unterstützt. So blieb für die Schüler nur noch ein überschaubarer Eigenanteil von acht Euro. Drei Stunden Klettern, drei Stunden Teamspiele und dazu das „Urlaubsfeeling“ am Steinhuder Meer: Das war ein Tag, an dem alle Beteiligten mal komplett vergessen konnten, dass sie vom alten Leben vor Corona nach weit entfernt sind.

Im Hochseilgarten haben sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig unterstützt und angefeuert („Du schaffst das!“). Die gute Zusammenarbeit zwischen den Schwindelfreien und den Grenzentestern soll sich jetzt auf den Alltag und das gemeinsame Lernen übertragen, das ist das Ziel: Mehr Teamgeist, weniger Grüppchenbildung. Jeder soll jeden alles fragen können. Katja Weber und ihre Kollegen sind überzeugt: „Man kann nur gut zusammen lernen, wenn man gut zusammen funktioniert. Gerade jetzt, wo es auf Prüfungen zugeht, ist das wichtig.“ Es ist ein kurzes Schuljahr. Gerade bei den Klassenfahrten gebe es zurzeit noch Probleme, berichtet Carsten Mittelberg, Schuleiter am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg. In vielen Fällen haben die Vorgaben der Schulbehörde, beispielsweise was die Maskenpflicht betrifft, zu Verunsicherung geführt. „Darum setzen wir eher auf solche Tagesausflüge.“

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