Geldsegen: Simeonsherberge bekommt 100.000 Euro von Landeskirche Doris Christoph Minden. Keine Übernachtungsgäste, keine Besucher, keine Veranstaltungen – auch in der Simeonsherberge herrschen derzeit trübe Zeiten. Da kommt die Nachricht von einer kräftige Finanzspritze für das ehrenamtliche Projekt gerade richtig: Die Simeonsherberge in der oberen Altstadt erhält 100.000 Euro aus dem Innovationsfonds „TeamGeist“ der Evangelischen Landeskirche von Westfalen. Mit ihm werden Projekte gefördert, die neue Formen des christlichen Glaubens entwickeln. Das Geld ist ein Lichtblick auch für die nächsten Jahre, wie Friedrich Kasten vom Vorstand des Trägervereins „Weitere Wege“ berichtet. Denn bislang finanziert sich die Simeonsherberge rein über Spenden. Der Trägerverein ist vor fünf Jahren aus „Juenger unterwegs“ hervorgegangen – so heißt die Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Minden, bei dem Kasten und seine Vorstandskollegin Renate Sierig arbeiten. Der Verein will neue Wege in Sachen Glauben gehen, inspiriert wurden seine Mitglieder von der aus Großbritannien stammenden Bewegung „fresh X“. Das steht für „Fresh Expressions of Church“ (zu Deutsch: „Frische/neue Ausdrucksformen von Kirche“). So entwickelten die Mindener die Idee, ein Haus für Begegnungen und Austausch zu schaffen: die „Simeonsherberge“. Der Evangelische Kirchenkreis Minden stellte dem Verein das alte Pfarrhaus von St. Simeonis in der oberen Altstadt zur Verfügung und die Mitglieder begannen mit der Renovierung. 2017 öffnete die Herberge ihre Türen: Übernachtungsgästen stehen hier 18 Betten zur Verfügung, es gibt Gemeinschaftsräume und eine für alle offenstehende Küche. Aber auch Bewohner des Stadtteils sind willkommen. Um all das kümmert sich das Ehepaar Jonathan und Kerstin Löchelt. Die beiden teilen sich eine hauptamtliche Stelle. Die Förderung sorgt auch dafür, dass die „Herbergseltern“ weitermachen können. „Erstmal gab es nur eine Perspektive bis Ende des Jahres“, sagt Kerstin Löchelt, die 25 Prozent der Stelle inne hat. Nun gebe es eine Perspektive für weitere drei Jahre. Friedrich Kasten lässt durchblicken, dass er schon mit der Förderung gerechnet hat. Der Verein hatte unter anderem ein Bewerbungsvideo und eine Kalkulation eingereicht, wie der Betrag in den kommenden fünf Jahren verwendet wird. Zum Beispiel müssten im ersten Obergeschoss die Fenster ausgetauscht werden. 100.000 Euro sind eine Menge Geld, doch ohne Spenden wird es auch weiter nicht gehen. Auf rund 75.000 Euro schätzt der Vereinsvorstand die jährlichen Kosten. Die Finanzierung setzt sich dabei aus vier Bausteinen zusammen: Geld vom Verein und aus Projektspenden. Zehn Prozent machen die Einnahmen aus dem Herbergsbetrieb aus. „Das deckt die Nebenkosten ab“, sagt Kerstin Löchelt. Doch die Einnahmen fallen zurzeit weg, die Herberge ist im Moment wegen Corona geschlossen. Dann gibt es noch Patenschaften, die jeweils mit monatlichen Zahlungen von 100 Euro verbunden sind. Sie sollen künftig den Hauptteil der Finanzierung ausmachen, während der Anteil aus der Förderung zunehmend weniger für den Unterhalt eingerechnet wird. Zurzeit gibt es 16 Paten, 40 brauche es für die Finanzierung, schätzt Kasten. Zum Projekt gehört nicht nur der Herbergsbetrieb, sondern auch, im Stadtteil zu arbeiten, Kontakte zu knüpfen, Veranstaltungen im Haus und im Viertel auf die Beine zu stellen. „Wir sind ein Herein- und Heraus-Haus. Jeder ist bei uns willkommen. Wir wollen aber auch in den Stadtteil gehen, über Lebens- und Glaubensfragen sprechen“, sagt Jonathan Löchelt, der sich auch als Streetworker sieht. Die Löchelts haben Treffen und Kurse auf die Beine gestellt. Vor Corona gab es das gemeinsame Abendessen – den „Feierabend“ – im Viertel. Nun findet das Stadtteilgebet über Zoom statt. „Als Ehrenamtliche wäre das nicht zu wuppen“, sagt Friedrich Kasten über die Arbeit der Herbergseltern. Darum hat der Verein die Stelle geschaffen. „Es ist etwas anderes, ob man Zeit hat, den Leuten zu begegnen und Kontakte aufzubauen.“ – „Man merkt: Das ist eure Leidenschaft“, sagt Renate Sierig in Richtung des Ehepaars. Die Vereinsmitglieder agierten mittlerweile mehr im Hintergrund. Jonathan und Kerstin Löchelt haben zwar Theologie studiert, sind aber keine Pfarrer: Er war Lehrer, sie im Bereich internationale und interkulturelle Arbeit unterwegs. Für das Projekt Simeonsherberge gaben sie ihre sicheren Jobs auf. „Wir wollen alternative Wege gehen, wie man christliche Gemeinschaft sehen kann“, erklärt Jonathan Löchelt. „Die typische Kirchengemeinde ist ja sehr starr.“ Die Herberge hingegen ist auch ein Experiment, was in Sachen Glauben und Ökumene geht. Das ermöglicht mehr Freiheit – birgt aber eben auch finanzielle Unsicherheit. „Wir haben uns aber nie finanzielle Sorgen gemacht“, sagt Jonathan Löchelt dazu. Wenn es nicht klappt, würde er halt wieder als Lehrer arbeiten. „Aber es wäre schade ums Projekt.“ Das sei mittlerweile fester Bestandteil der oberen Altstadt, wie die Ehrenamtliche Wiebke Brade findet. Am Anfang sei es wenig wahrgenommen worden. „Mittlerweile hat es das Vertrauen des Stadtteils.“

Geldsegen: Simeonsherberge bekommt 100.000 Euro von Landeskirche

Die Simeonsherberge hat 100.000 Euro von der evangelischen Landeskirche erhalten. Darüber freuen sich (v.l.): Wiebke Brade, Friedrich Kasten und Renate Sierig vom Trägerverein „Teamgeist“ sowie die „Herbergseltern“ Jonathan und Kerstin Löchelt MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Keine Übernachtungsgäste, keine Besucher, keine Veranstaltungen – auch in der Simeonsherberge herrschen derzeit trübe Zeiten. Da kommt die Nachricht von einer kräftige Finanzspritze für das ehrenamtliche Projekt gerade richtig: Die Simeonsherberge in der oberen Altstadt erhält 100.000 Euro aus dem Innovationsfonds „TeamGeist“ der Evangelischen Landeskirche von Westfalen. Mit ihm werden Projekte gefördert, die neue Formen des christlichen Glaubens entwickeln. Das Geld ist ein Lichtblick auch für die nächsten Jahre, wie Friedrich Kasten vom Vorstand des Trägervereins „Weitere Wege“ berichtet. Denn bislang finanziert sich die Simeonsherberge rein über Spenden.

Der Trägerverein ist vor fünf Jahren aus „Juenger unterwegs“ hervorgegangen – so heißt die Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Minden, bei dem Kasten und seine Vorstandskollegin Renate Sierig arbeiten. Der Verein will neue Wege in Sachen Glauben gehen, inspiriert wurden seine Mitglieder von der aus Großbritannien stammenden Bewegung „fresh X“. Das steht für „Fresh Expressions of Church“ (zu Deutsch: „Frische/neue Ausdrucksformen von Kirche“). So entwickelten die Mindener die Idee, ein Haus für Begegnungen und Austausch zu schaffen: die „Simeonsherberge“.

Der Evangelische Kirchenkreis Minden stellte dem Verein das alte Pfarrhaus von St. Simeonis in der oberen Altstadt zur Verfügung und die Mitglieder begannen mit der Renovierung. 2017 öffnete die Herberge ihre Türen: Übernachtungsgästen stehen hier 18 Betten zur Verfügung, es gibt Gemeinschaftsräume und eine für alle offenstehende Küche. Aber auch Bewohner des Stadtteils sind willkommen. Um all das kümmert sich das Ehepaar Jonathan und Kerstin Löchelt. Die beiden teilen sich eine hauptamtliche Stelle.

Die Förderung sorgt auch dafür, dass die „Herbergseltern“ weitermachen können. „Erstmal gab es nur eine Perspektive bis Ende des Jahres“, sagt Kerstin Löchelt, die 25 Prozent der Stelle inne hat. Nun gebe es eine Perspektive für weitere drei Jahre.

Friedrich Kasten lässt durchblicken, dass er schon mit der Förderung gerechnet hat. Der Verein hatte unter anderem ein Bewerbungsvideo und eine Kalkulation eingereicht, wie der Betrag in den kommenden fünf Jahren verwendet wird. Zum Beispiel müssten im ersten Obergeschoss die Fenster ausgetauscht werden.

100.000 Euro sind eine Menge Geld, doch ohne Spenden wird es auch weiter nicht gehen. Auf rund 75.000 Euro schätzt der Vereinsvorstand die jährlichen Kosten. Die Finanzierung setzt sich dabei aus vier Bausteinen zusammen: Geld vom Verein und aus Projektspenden. Zehn Prozent machen die Einnahmen aus dem Herbergsbetrieb aus. „Das deckt die Nebenkosten ab“, sagt Kerstin Löchelt. Doch die Einnahmen fallen zurzeit weg, die Herberge ist im Moment wegen Corona geschlossen. Dann gibt es noch Patenschaften, die jeweils mit monatlichen Zahlungen von 100 Euro verbunden sind.

Sie sollen künftig den Hauptteil der Finanzierung ausmachen, während der Anteil aus der Förderung zunehmend weniger für den Unterhalt eingerechnet wird. Zurzeit gibt es 16 Paten, 40 brauche es für die Finanzierung, schätzt Kasten.

Zum Projekt gehört nicht nur der Herbergsbetrieb, sondern auch, im Stadtteil zu arbeiten, Kontakte zu knüpfen, Veranstaltungen im Haus und im Viertel auf die Beine zu stellen. „Wir sind ein Herein- und Heraus-Haus. Jeder ist bei uns willkommen. Wir wollen aber auch in den Stadtteil gehen, über Lebens- und Glaubensfragen sprechen“, sagt Jonathan Löchelt, der sich auch als Streetworker sieht. Die Löchelts haben Treffen und Kurse auf die Beine gestellt. Vor Corona gab es das gemeinsame Abendessen – den „Feierabend“ – im Viertel. Nun findet das Stadtteilgebet über Zoom statt.

„Als Ehrenamtliche wäre das nicht zu wuppen“, sagt Friedrich Kasten über die Arbeit der Herbergseltern. Darum hat der Verein die Stelle geschaffen. „Es ist etwas anderes, ob man Zeit hat, den Leuten zu begegnen und Kontakte aufzubauen.“ – „Man merkt: Das ist eure Leidenschaft“, sagt Renate Sierig in Richtung des Ehepaars. Die Vereinsmitglieder agierten mittlerweile mehr im Hintergrund.

Jonathan und Kerstin Löchelt haben zwar Theologie studiert, sind aber keine Pfarrer: Er war Lehrer, sie im Bereich internationale und interkulturelle Arbeit unterwegs. Für das Projekt Simeonsherberge gaben sie ihre sicheren Jobs auf. „Wir wollen alternative Wege gehen, wie man christliche Gemeinschaft sehen kann“, erklärt Jonathan Löchelt. „Die typische Kirchengemeinde ist ja sehr starr.“ Die Herberge hingegen ist auch ein Experiment, was in Sachen Glauben und Ökumene geht. Das ermöglicht mehr Freiheit – birgt aber eben auch finanzielle Unsicherheit.

„Wir haben uns aber nie finanzielle Sorgen gemacht“, sagt Jonathan Löchelt dazu. Wenn es nicht klappt, würde er halt wieder als Lehrer arbeiten. „Aber es wäre schade ums Projekt.“ Das sei mittlerweile fester Bestandteil der oberen Altstadt, wie die Ehrenamtliche Wiebke Brade findet. Am Anfang sei es wenig wahrgenommen worden. „Mittlerweile hat es das Vertrauen des Stadtteils.“

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