Geklaute Freude im Advent: Wenn die Weihnachtsbeleuchtung plötzlich weg ist Carsten Korfesmeyer Über den LED-Strahler vor unserem Haus hat sich mein achtjähriger Sohn riesig gefreut. Denn das Gerät kann tanzende weiße Schneeflöckchen an der Wand abbilden und je dunkler es draußen ist, umso imposanter wirkt dieses kleine vorweihnachtliche Schauspiel. Samstag vor dem ersten Advent haben wir den Strahler für 11,50 Euro gekauft, aufgestellt und bestaunt. Abends ist mein Sohn noch ein paar Mal rausgegangen, um sich die Lichter anzusehen. Die übrige Adventsdeko aus Kerzen, Keramiknikoläusen und Holzengeln spielt für ihn eine eher untergeordnete Rolle. Vergangenen Dienstag haben die weißen Schneeflöckchen vor dem Hause Korfesmeyer plötzlich ausgetanzt. Als ich abends von einem halbstündigen Spaziergang zurückkehre, ist der LED-Strahler weg. Nur das Verlängerungskabel liegt noch im Kiesbett. Unglaublich. Es gibt tatsächlich Menschen, die klauen Weihnachtsbeleuchtung. Wie ticken solche Leute? Auf jeden Fall anders als diejenigen, die ich in meinem Umfeld habe. Mehr Fragen als Antworten gehen mir durch den Kopf, als ich mir nach meiner anfänglichen Wut über diese Tat darüber Gedanken mache, was solche Diebe wohl empfinden? Ging es ihnen darum, sich zu bereichern? Für 11,50 Euro ist das eher unwahrscheinlich. Bleibt nur das Motiv, dass sie selbst keinen LED-Strahler hatten und uns um unseren so sehr beneideten, dass sie dafür sogar eine Straftat begehen. Mir gehen Bilder durch den Kopf, die mich erschrecken: Da stimmen sich Menschen auf die Weihnachtszeit ein und freuen sich über tanzende weiße Schneeflöckchen an ihrer Hauswand, die der von ihnen gestohlene LED-Strahler liefert. Empfinden die dabei wirklich so etwas wie Besinnlichkeit? Oder liegt bei denen an Heiligabend womöglich auch noch gestohlenes Spielzeug in Geschenkpapier verpackt unter dem Baum? Offensichtlich ist das Gefühl für Weihnachten in unserer Gesellschaft doch recht unterschiedlich ausgeprägt. Und in einigen Gesprächen habe ich in diesen Tagen noch von einigen anderen Taten im Zusammenhang mit gestohlener Weihnachtsdeko erfahren. Leuchtende Elche, blinkende Lichterketten und funkelnde Tannen: Nichts davon war beziehungsweise ist den Übeltätern heilig. Der Gipfel ist allerdings das, was mir ein Freund erzählte: Seinem aufblasbaren Weihnachtsmann hatte vor Jahren doch tatsächlich jemand mit einem Luftgewehr die Luft herausgelassen. Ich müsste jetzt wütend auf den Dieb unseres LED-Strahlers sein und ich bin es tatsächlich auch – allerdings gehen meine Gedanken in eine andere Richtung. Mir tun solche Leute eher leid, weil sie mit dem Fest der Liebe nicht das Richtige anzufangen wissen. Das habe ich auch meinem Sohn so erklärt, mit dem ich dann zur Polizei gefahren bin, um den Fall anzuzeigen. Und die Beamten sagten klar: Diebstahl bleibt Diebstahl, auch wenn der Schaden mit 11,50 Euro vergleichsweise niedrig ist. Wir hoffen jetzt fest darauf, dass die Polizisten den Täter schnappt. Das ist zumindest möglich. Noch schöner wäre es jedoch, wenn sich die Übeltäter besinnen und ihre Tat bereuen. Es ist nie zu spät, einen anderen Weg einzuschlagen und zu versuchen, etwas Falsches zu korrigieren. Besonders an Weihnachten. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, das Verlängerungskabel mit der Steckdose noch ein paar Tage im Vorgarten liegen zu lassen. Sozusagen als eine Art Einladung, das Geschehene wieder gut zu machen. Vielleicht bringen die Täter den LED-Strahler ja genau so unbemerkt zurück, wie sie ihn geklaut haben? Mein Sohn würde sich darüber riesig freuen, wenn die weißen Schneeflöckchen plötzlich wieder an unserer Hauswand herumtanzen.

Geklaute Freude im Advent: Wenn die Weihnachtsbeleuchtung plötzlich weg ist

© Alex Lehn

Über den LED-Strahler vor unserem Haus hat sich mein achtjähriger Sohn riesig gefreut. Denn das Gerät kann tanzende weiße Schneeflöckchen an der Wand abbilden und je dunkler es draußen ist, umso imposanter wirkt dieses kleine vorweihnachtliche Schauspiel. Samstag vor dem ersten Advent haben wir den Strahler für 11,50 Euro gekauft, aufgestellt und bestaunt. Abends ist mein Sohn noch ein paar Mal rausgegangen, um sich die Lichter anzusehen. Die übrige Adventsdeko aus Kerzen, Keramiknikoläusen und Holzengeln spielt für ihn eine eher untergeordnete Rolle.

Vergangenen Dienstag haben die weißen Schneeflöckchen vor dem Hause Korfesmeyer plötzlich ausgetanzt. Als ich abends von einem halbstündigen Spaziergang zurückkehre, ist der LED-Strahler weg. Nur das Verlängerungskabel liegt noch im Kiesbett. Unglaublich. Es gibt tatsächlich Menschen, die klauen Weihnachtsbeleuchtung.

Wie ticken solche Leute? Auf jeden Fall anders als diejenigen, die ich in meinem Umfeld habe. Mehr Fragen als Antworten gehen mir durch den Kopf, als ich mir nach meiner anfänglichen Wut über diese Tat darüber Gedanken mache, was solche Diebe wohl empfinden? Ging es ihnen darum, sich zu bereichern? Für 11,50 Euro ist das eher unwahrscheinlich. Bleibt nur das Motiv, dass sie selbst keinen LED-Strahler hatten und uns um unseren so sehr beneideten, dass sie dafür sogar eine Straftat begehen. Mir gehen Bilder durch den Kopf, die mich erschrecken: Da stimmen sich Menschen auf die Weihnachtszeit ein und freuen sich über tanzende weiße Schneeflöckchen an ihrer Hauswand, die der von ihnen gestohlene LED-Strahler liefert. Empfinden die dabei wirklich so etwas wie Besinnlichkeit? Oder liegt bei denen an Heiligabend womöglich auch noch gestohlenes Spielzeug in Geschenkpapier verpackt unter dem Baum?

Offensichtlich ist das Gefühl für Weihnachten in unserer Gesellschaft doch recht unterschiedlich ausgeprägt. Und in einigen Gesprächen habe ich in diesen Tagen noch von einigen anderen Taten im Zusammenhang mit gestohlener Weihnachtsdeko erfahren. Leuchtende Elche, blinkende Lichterketten und funkelnde Tannen: Nichts davon war beziehungsweise ist den Übeltätern heilig. Der Gipfel ist allerdings das, was mir ein Freund erzählte: Seinem aufblasbaren Weihnachtsmann hatte vor Jahren doch tatsächlich jemand mit einem Luftgewehr die Luft herausgelassen.

Ich müsste jetzt wütend auf den Dieb unseres LED-Strahlers sein und ich bin es tatsächlich auch – allerdings gehen meine Gedanken in eine andere Richtung. Mir tun solche Leute eher leid, weil sie mit dem Fest der Liebe nicht das Richtige anzufangen wissen. Das habe ich auch meinem Sohn so erklärt, mit dem ich dann zur Polizei gefahren bin, um den Fall anzuzeigen. Und die Beamten sagten klar: Diebstahl bleibt Diebstahl, auch wenn der Schaden mit 11,50 Euro vergleichsweise niedrig ist. Wir hoffen jetzt fest darauf, dass die Polizisten den Täter schnappt.

Das ist zumindest möglich. Noch schöner wäre es jedoch, wenn sich die Übeltäter besinnen und ihre Tat bereuen. Es ist nie zu spät, einen anderen Weg einzuschlagen und zu versuchen, etwas Falsches zu korrigieren. Besonders an Weihnachten. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, das Verlängerungskabel mit der Steckdose noch ein paar Tage im Vorgarten liegen zu lassen. Sozusagen als eine Art Einladung, das Geschehene wieder gut zu machen. Vielleicht bringen die Täter den LED-Strahler ja genau so unbemerkt zurück, wie sie ihn geklaut haben? Mein Sohn würde sich darüber riesig freuen, wenn die weißen Schneeflöckchen plötzlich wieder an unserer Hauswand herumtanzen.

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