Geht uns im Winter das Gas aus? So schätzen regionale Versorger die Situation ein Stefan Koch Minden. Die Engpässe beim Erdgas verunsichern Verbraucher. Sie befürchten, dass auch in der Region einzelne Anbieter die Lieferungen einstellen können und demnächst Schreiben mit Preiserhöhungen ins Haus flattern. Während die Verbraucherberatung Tipps gibt, wie sich die Gaskunden im Notfall verhalten sollen, weisen Energieversorger auf MT-Anfrage darauf hin, dass auch in den kommenden Monaten die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. „In der Beratungsstelle Minden kommen zahlreiche Anfragen rund um das Thema Energie und Energierecht an“, teilen Cornelia Franke-Röthemeyer und Kernstin Pahnke von der Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale NRW mit. Verbraucher ließen ihre Abrechnungen prüfen, ob es beispielsweise möglich sei, noch etwas Energie einzusparen, in neue Technik zu investieren oder sie dächten über einen Anbieterwechsel nach oder haben ein Preiserhöhungsanschreiben erhalten. „Neu sind auch die Anfragen, wo der Gasanbieter kurzfristig die Belieferung eingestellt hat.“ Für vom Ausfall der Gaslieferung Betroffene hält die Verbraucherzentrale NRW Informationen im Internet bereit. Sollte der Anbieter die Belieferung stoppen, übernimmt der örtliche Grundversorger die Strom- oder Gaslieferung, teilen die Verbraucherschützer mit. Dann gelten die Bedingungen der Grundversorgungsordnung was unter anderem bedeute, dass der Verbraucher eine durch den Grundversorger vorgenommene Belieferung in der Ersatzversorgung fristlos kündigen und zügig in einen günstigeren Tarif wechseln könne. Der Grundversorger ist immer das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert. Die Stadtwerke Porta Westfalica erklären auf MT-Anfrage, dass in der kommenden Heizperiode die Versorgungssicherheit gewährleistet sei. Sie beliefern im Kreis Minden-Lübbecke rund 3.800 Haushalte mit Erdgas. Wie Geschäftsführer Randulph Noack mitteilt, müssen wegen des Engpasses die Kunden Anfang bis Mitte November mit Preiserhöhungsschreiben rechnen. Nach derzeitiger Einschätzung erhöhe sich der Preis für die Kilowattstunde um einen Cent. Nach Auskunft der Portaner Stadtwerke beziehen sie das Erdgas auf Basis unterschiedlicher Standardhandelsprodukte und Residualverträge – also solcher Verträge, die Schwankungen des Marktes berücksichtigen. Dass die vertraglichen Lieferverpflichtungen gegenüber den Stadtwerken nicht eingehalten werden könnten, sei bislang noch nicht signalisiert worden. Dem gegenüber seien die Kunden wegen steigender Kosten und der Versorgungssicherheit besorgt, teilt Noack mit. Grundsätzliche Fragen zur Preisentwicklung von Gas und Strom würden gestellt. Auch der Wechsel und die Kündigungen durch andere Billiganbieter seien ein Thema. 15.000 Gebäude versorgt die Westfalica GmbH im Kreis Minden-Lübbecke mit Erdgas. Auf die Frage, wann sie mit den Preiserhöhungsschreiben rechnen müssen, teilt das Unternehmen keinen Zeitraum mit. Geschäftsführer Kay-Uwe Schneider: „Bevor die Verträge auslaufen erhalten unsere Kunden in der Regel ein neues Angebot für die Folgezeit. Das passiert rolliert und kontinuierlich über das Jahr. Viele der Kunden hätten bereits weitere Verträge für ein oder zwei Jahre abgeschlossen. Auch bei Westfalica klingeln derzeit die Telefone, weil Kunden wissen wollen, wie es mit den Vertragskonditionen weitergeht. „Tendenziell werden die Preise steigen“, teilt der Geschäftsführer mit. Bestandteil seien unter anderem die von der Bundesregierung eingeführten CO2-Kosten, die nun jährlich stiegen. Hinzu kämen Durchleitungskosten für das Netz. Die Energiepreise auf dem Großhandelsmarkt seien ebenfalls gestiegen aber Westfalica habe einen Großteil der Energie bereits früher beschafft. Die zukünftigen Gaspreise seien auch von der Laufzeit der Verträge abhängig. „Derzeit sind eher länger laufende Verträge günstig.“ Schneider weist darauf hin, dass sein Unternehmen bei der Auswahl seiner Lieferanten unter anderem auf Liefersicherheit und gute Bonität achte. „Aufgrund der aktuelle stark schwankenden Preise am Großhandelsmarkt ist eine belastbare Prognose der zukünftigen Preisentwicklung derzeit nicht möglich.“ Die Versorgungssicherheit sei für die Westfalica-Kunden auf jeden Fall gewährleistet. Das ist aber nicht für jeden Erdgaskunden gegeben. Schneider hat beobachtet, dass verschiedene Versorger Verträge fristlos gekündigt haben. „Diese Kunden brauchen sich in der Regel keine Sorgen zu machen, weil der Grundversorger übernimmt.“ In großen Teilen des Kreises wäre das dann auch die Westfalica. Die Stadtwerke Minden versorgen rund 5.000 Gaszähler in ihrem Gebiet. Auch ihre Kunden erhalten Mitte November Post, wenn die Preise zum Januar 2022 erhöht werden müssen. Wie viel das sein wird teilen sie bislang nicht. „Da unsere Beschaffung aber langfristig angelegt ist und nicht auf risikoreiche, kurzfristige Spotmarktgeschäfte abzielt, werden wir auf Basis der aktuellen Vertriebsplanung und aller vorliegenden Preiskomponenten wie jedes Jahr unseren Abgabepreis kalkulieren und anschließend gemäß den gesetzlichen Regelungen kommunizieren“, erklärt Alina Gödeke, Leiterin Vertrieb und Marketing, zur Preisbildung. Laut Gödeke erleben die Mindener Stadtwerke zurzeit, dass viele Kunden von Discountanbietern bei ihnen Versorgungsverträge nachfragen. Sie führt das darauf zurück, dass die Stadtwerke als „regional verankertes Unternehmen“ als vertrauenswürdig wahrgenommen werden, mit Beratung durch persönliche Ansprechpartner und Kommunikation ohne Callcenter. Die Mindener Stadtwerke beziehen ihr Erdgas über börsennotierte Vertragspartner. Es stammt aus den Niederlanden, Russland, Norwegen und wird auch aus Nahost auf den europäischen Markt gebracht. „Aktuell müssen wir uns keine Sorgen um Versorgungseinschränkungen machen“, teilt Gödeke mit. „Die Versorgung ist jederzeit gewährleistet – zu transparenten Preisen und flexiblen Vertragskonditionen.“

Geht uns im Winter das Gas aus? So schätzen regionale Versorger die Situation ein

In den vergangen Wochen wurde vielen Verbrauchern bewusst, dass das Gas nicht einfach aus dem Zähler kommt. Die Verknappung führt zu höheren Preise. Foto: MT-Archiv © Otto

Minden. Die Engpässe beim Erdgas verunsichern Verbraucher. Sie befürchten, dass auch in der Region einzelne Anbieter die Lieferungen einstellen können und demnächst Schreiben mit Preiserhöhungen ins Haus flattern. Während die Verbraucherberatung Tipps gibt, wie sich die Gaskunden im Notfall verhalten sollen, weisen Energieversorger auf MT-Anfrage darauf hin, dass auch in den kommenden Monaten die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.

„In der Beratungsstelle Minden kommen zahlreiche Anfragen rund um das Thema Energie und Energierecht an“, teilen Cornelia Franke-Röthemeyer und Kernstin Pahnke von der Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale NRW mit. Verbraucher ließen ihre Abrechnungen prüfen, ob es beispielsweise möglich sei, noch etwas Energie einzusparen, in neue Technik zu investieren oder sie dächten über einen Anbieterwechsel nach oder haben ein Preiserhöhungsanschreiben erhalten. „Neu sind auch die Anfragen, wo der Gasanbieter kurzfristig die Belieferung eingestellt hat.“

Für vom Ausfall der Gaslieferung Betroffene hält die Verbraucherzentrale NRW Informationen im Internet bereit. Sollte der Anbieter die Belieferung stoppen, übernimmt der örtliche Grundversorger die Strom- oder Gaslieferung, teilen die Verbraucherschützer mit. Dann gelten die Bedingungen der Grundversorgungsordnung was unter anderem bedeute, dass der Verbraucher eine durch den Grundversorger vorgenommene Belieferung in der Ersatzversorgung fristlos kündigen und zügig in einen günstigeren Tarif wechseln könne. Der Grundversorger ist immer das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert.


Die Stadtwerke Porta Westfalica erklären auf MT-Anfrage, dass in der kommenden Heizperiode die Versorgungssicherheit gewährleistet sei. Sie beliefern im Kreis Minden-Lübbecke rund 3.800 Haushalte mit Erdgas. Wie Geschäftsführer Randulph Noack mitteilt, müssen wegen des Engpasses die Kunden Anfang bis Mitte November mit Preiserhöhungsschreiben rechnen. Nach derzeitiger Einschätzung erhöhe sich der Preis für die Kilowattstunde um einen Cent.

Nach Auskunft der Portaner Stadtwerke beziehen sie das Erdgas auf Basis unterschiedlicher Standardhandelsprodukte und Residualverträge – also solcher Verträge, die Schwankungen des Marktes berücksichtigen. Dass die vertraglichen Lieferverpflichtungen gegenüber den Stadtwerken nicht eingehalten werden könnten, sei bislang noch nicht signalisiert worden. Dem gegenüber seien die Kunden wegen steigender Kosten und der Versorgungssicherheit besorgt, teilt Noack mit. Grundsätzliche Fragen zur Preisentwicklung von Gas und Strom würden gestellt. Auch der Wechsel und die Kündigungen durch andere Billiganbieter seien ein Thema.

15.000 Gebäude versorgt die Westfalica GmbH im Kreis Minden-Lübbecke mit Erdgas. Auf die Frage, wann sie mit den Preiserhöhungsschreiben rechnen müssen, teilt das Unternehmen keinen Zeitraum mit. Geschäftsführer Kay-Uwe Schneider: „Bevor die Verträge auslaufen erhalten unsere Kunden in der Regel ein neues Angebot für die Folgezeit. Das passiert rolliert und kontinuierlich über das Jahr. Viele der Kunden hätten bereits weitere Verträge für ein oder zwei Jahre abgeschlossen.

Auch bei Westfalica klingeln derzeit die Telefone, weil Kunden wissen wollen, wie es mit den Vertragskonditionen weitergeht. „Tendenziell werden die Preise steigen“, teilt der Geschäftsführer mit. Bestandteil seien unter anderem die von der Bundesregierung eingeführten CO2-Kosten, die nun jährlich stiegen. Hinzu kämen Durchleitungskosten für das Netz. Die Energiepreise auf dem Großhandelsmarkt seien ebenfalls gestiegen aber Westfalica habe einen Großteil der Energie bereits früher beschafft. Die zukünftigen Gaspreise seien auch von der Laufzeit der Verträge abhängig. „Derzeit sind eher länger laufende Verträge günstig.“

Schneider weist darauf hin, dass sein Unternehmen bei der Auswahl seiner Lieferanten unter anderem auf Liefersicherheit und gute Bonität achte. „Aufgrund der aktuelle stark schwankenden Preise am Großhandelsmarkt ist eine belastbare Prognose der zukünftigen Preisentwicklung derzeit nicht möglich.“ Die Versorgungssicherheit sei für die Westfalica-Kunden auf jeden Fall gewährleistet.

Das ist aber nicht für jeden Erdgaskunden gegeben. Schneider hat beobachtet, dass verschiedene Versorger Verträge fristlos gekündigt haben. „Diese Kunden brauchen sich in der Regel keine Sorgen zu machen, weil der Grundversorger übernimmt.“ In großen Teilen des Kreises wäre das dann auch die Westfalica.

Die Stadtwerke Minden versorgen rund 5.000 Gaszähler in ihrem Gebiet. Auch ihre Kunden erhalten Mitte November Post, wenn die Preise zum Januar 2022 erhöht werden müssen. Wie viel das sein wird teilen sie bislang nicht. „Da unsere Beschaffung aber langfristig angelegt ist und nicht auf risikoreiche, kurzfristige Spotmarktgeschäfte abzielt, werden wir auf Basis der aktuellen Vertriebsplanung und aller vorliegenden Preiskomponenten wie jedes Jahr unseren Abgabepreis kalkulieren und anschließend gemäß den gesetzlichen Regelungen kommunizieren“, erklärt Alina Gödeke, Leiterin Vertrieb und Marketing, zur Preisbildung.

Laut Gödeke erleben die Mindener Stadtwerke zurzeit, dass viele Kunden von Discountanbietern bei ihnen Versorgungsverträge nachfragen. Sie führt das darauf zurück, dass die Stadtwerke als „regional verankertes Unternehmen“ als vertrauenswürdig wahrgenommen werden, mit Beratung durch persönliche Ansprechpartner und Kommunikation ohne Callcenter.

Die Mindener Stadtwerke beziehen ihr Erdgas über börsennotierte Vertragspartner. Es stammt aus den Niederlanden, Russland, Norwegen und wird auch aus Nahost auf den europäischen Markt gebracht. „Aktuell müssen wir uns keine Sorgen um Versorgungseinschränkungen machen“, teilt Gödeke mit. „Die Versorgung ist jederzeit gewährleistet – zu transparenten Preisen und flexiblen Vertragskonditionen.“

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