Gedanken zur Krise: Mein Freund, der Baum Dorothee Meinhardt Eigentlich waren Waldspaziergänge ein bisschen „out“. Angestaubt und in Vergessenheit geraten, so eine Wanderung ganz ohne Ziel, Sehenswürdigkeit und Einkehrmöglichkeit. Die Wiederentdeckung des Waldes ist wohl eine der unerwartet überraschenden Folgen der Corona-Krise. In Zeiten von Reisebeschränkungen, Shutdown und allgemeiner Entschleunigung schaut man wieder vor die eigene Haustür. Natürlich wären ein Pinienwald, der auf dem Weg zum Meer durchquert werden muss, eine Wanderung durch den Schwarzwald oder die Lorbeerwälder auf Madeira aufregender. Nicht alleine deshalb, weil sie das Urlaubsgefühl transportieren. Aber es nützt ja nichts. Waldgebiete sind im Kreis Minden-Lübbecke und seinen angrenzenden Nachbarkommunen ausreichend vorhanden und schnell zu erreichen. Zahlreiche gekennzeichnete Wege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade führen durch den Heisterholzer Wald, das Wiehengebirge, den Schaumburger Wald oder den Mindenerwald. Also einfach losgehen, frische Luft atmen, das kreischige Grün der neuen Triebe bewundern, die Ruhe genießen und die Gedanken wandern lassen. Funktioniert ganz gut. Auf prominenten Wegen kommt es aktuell sogar mitunter zu zahlreichen Begegnungen mit weiteren Waldspaziergängern. Die Parkplätze an den Startpunkten für die Routen sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Seitdem Verabredungen mit Personen aus einem zweiten Haushalt wieder möglich sind, bieten sich auch hier ganz neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. In Japan gilt Waldbaden – in die Atmosphäre des Waldes eintauchen – übrigens als Medizin. „Der Wald kennt kein Corona“, sagt Peter Wohlleben, Förster und Autor des Bestsellers „Das geheime Leben der Bäume“. Im Wald herrsche Normalität. Vielleicht zieht es die Menschen auch aus diesem Grund ins Grüne. Er plädiert übrigens für eine Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes zum Schutz deutscher Wälder. Die Proteste um den Hambacher Forst und die „Fridays for Future“-Bewegung haben die Themen Klimawandel und Umweltschutz zuletzt wieder prominent auf die Tagesordnung gebracht. Waldsterben ist bereits seit den 80er-Jahren ein Thema in Deutschland. Damals setzten Industrieabgase den Bäumen zu. Heute sind es Dürreperioden, Hitze, Käferplagen und Waldbrände. Experten sind sich uneinig, ob die Wälder, wie wir sie kennen, noch zu retten sind oder ob eine grundlegende Veränderung dieser Gebiete unaufhaltbar ist. Es wäre also eine gute Gelegenheit, sich ein Bild des aktuellen Zustands zu machen – egal, ob Corona-Krise oder nicht.

Gedanken zur Krise: Mein Freund, der Baum

Illustration: Alex Lehn

Eigentlich waren Waldspaziergänge ein bisschen „out“. Angestaubt und in Vergessenheit geraten, so eine Wanderung ganz ohne Ziel, Sehenswürdigkeit und Einkehrmöglichkeit. Die Wiederentdeckung des Waldes ist wohl eine der unerwartet überraschenden Folgen der Corona-Krise. In Zeiten von Reisebeschränkungen, Shutdown und allgemeiner Entschleunigung schaut man wieder vor die eigene Haustür.

Natürlich wären ein Pinienwald, der auf dem Weg zum Meer durchquert werden muss, eine Wanderung durch den Schwarzwald oder die Lorbeerwälder auf Madeira aufregender. Nicht alleine deshalb, weil sie das Urlaubsgefühl transportieren.

Aber es nützt ja nichts. Waldgebiete sind im Kreis Minden-Lübbecke und seinen angrenzenden Nachbarkommunen ausreichend vorhanden und schnell zu erreichen. Zahlreiche gekennzeichnete Wege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade führen durch den Heisterholzer Wald, das Wiehengebirge, den Schaumburger Wald oder den Mindenerwald.

Also einfach losgehen, frische Luft atmen, das kreischige Grün der neuen Triebe bewundern, die Ruhe genießen und die Gedanken wandern lassen. Funktioniert ganz gut. Auf prominenten Wegen kommt es aktuell sogar mitunter zu zahlreichen Begegnungen mit weiteren Waldspaziergängern. Die Parkplätze an den Startpunkten für die Routen sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Seitdem Verabredungen mit Personen aus einem zweiten Haushalt wieder möglich sind, bieten sich auch hier ganz neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. In Japan gilt Waldbaden – in die Atmosphäre des Waldes eintauchen – übrigens als Medizin. „Der Wald kennt kein Corona“, sagt Peter Wohlleben, Förster und Autor des Bestsellers „Das geheime Leben der Bäume“. Im Wald herrsche Normalität. Vielleicht zieht es die Menschen auch aus diesem Grund ins Grüne. Er plädiert übrigens für eine Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes zum Schutz deutscher Wälder. Die Proteste um den Hambacher Forst und die „Fridays for Future“-Bewegung haben die Themen Klimawandel und Umweltschutz zuletzt wieder prominent auf die Tagesordnung gebracht.

Waldsterben ist bereits seit den 80er-Jahren ein Thema in Deutschland. Damals setzten Industrieabgase den Bäumen zu. Heute sind es Dürreperioden, Hitze, Käferplagen und Waldbrände. Experten sind sich uneinig, ob die Wälder, wie wir sie kennen, noch zu retten sind oder ob eine grundlegende Veränderung dieser Gebiete unaufhaltbar ist.

Es wäre also eine gute Gelegenheit, sich ein Bild des aktuellen Zustands zu machen – egal, ob Corona-Krise oder nicht.

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