Gedanken zur Krise: Klont Drosten! Monika Jäger Warum geht bei Corona, was beim Klima nie funktioniert hat? Ganz klar: Es gab keinen Klima-Drosten. Längst bekannt ist, dass die Welt gerade auf Selbstmordkurs ist. Nur verstehen das zu wenige, weil die Zusammenhänge komplex und die Verbindungen von Ursache und Wirkung nicht immer erkennbar sind. „Global 2000“ war Anfang der 80er Jahre ein bahnbrechendes Buch. 1.400 dünne und eng bedruckte Seiten im Pappeinband, ab 1980 beim Verlag Zweitausendeins zu bestellen. Ein zweites Heftchen mit rosa Seiten gehörte dazu: „Zeit zum Handeln“. Damals waren Umweltstudien gerade das Ding der Stunde. Der Club of Rome hatte Anfang der 70er „Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht, und in nächtlichen Diskussionen auf den Fluren von Studentenbuden ging es auch darum, ob die deutlich dunkleren Prognosen von „Global 2000“ oder die des Club of Rome eintreffen würden. Beide sagten zunehmende Umweltprobleme und starke Bevölkerungsentwicklung voraus. Der Club of Rome schaute dabei auf die Wirtschaft. Global 2000 war im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter entstanden (ja wirklich, und wurde sogar mit US-Steuergeldern finanziert) und sollte natürliche Ressourcen und Umwelt betrachten. Die Zukunft schien zutiefst bedroht. Denn das Fazit war: In 20 Jahren wird die Welt deutlich verschmutzter sein, es wird viel mehr Menschen und weniger Ressourcen geben. Die Erde würde sich erwärmen. Die Polkappen würden schmelzen, Arten sterben. Ozon war der Atmosphärenkiller. Der Regen war sauer. Die Wälder starben. Heute ist klar: Die Prognostiker hatten recht. Damals wurden Menschen aktiv. Es gab Umweltdemos. Friedensdemos. Anti-Atomkraftwerk-Demos. Die Grünen wurden 1980 gegründet – eine ganze Partei, die nur dafür da schien, die vorausgesehenen Entwicklungen aufzuhalten. 1986 explodierte Tschernobyl. Solange der Fallout währte, mussten Wälder und Gärten gemieden werden. Vielleicht war das der Moment, in dem die jungen Protestierenden damals verstanden haben, dass durchdiskutierte Nächte und lautstarke Demos nicht gegen die Macht der Staaten helfen werden. Viele Klimagipfel nach „Global 2000“ ist klar: Veränderung über Grenzen hinweg ist schwer – die Auswirkungen der über Jahrzehnte konkret mit Zahlen nachweisbaren Veränderungen sind eben nicht zu spüren. Jedenfalls nicht sofort und nicht so schnell wie wirtschaftliche (und damit auch politische) Folgen von klimafreundlichen Beschlüssen. Denn Klimaschutz heißt auch Verzicht. Erklärer hatten da nur wenig Chancen. Während zu Beginn der Corona-Pandemie die Virologen gefragt waren, weil sie neben brillanten (und Social-Media-affinen) Erklärungen auch Orientierung boten, erschienen Klima-Mahner von jeher wie eine nervige und leicht verrückte Kassandra. Die weltweiten Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus haben inzwischen gezeigt: Wenn Leidensdruck und Angst groß genug sind, geht eine Menge. Auch Verzicht. Und darum brauchen wir mindestens so dringend wie öffentlichen Klima-Protest nun mehr Experten, die klar und nachvollziehbar über unsichtbare Folgen und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klima reden und auf diese Weise die Welt in Richtung von Veränderungen stupsen können. Der Virologe Drosten oder die Wissenschaftsvloggerin Mai Thi Nguyen-Kim haben gezeigt, wie das geht.

Gedanken zur Krise: Klont Drosten!

Warum geht bei Corona, was beim Klima nie funktioniert hat? Ganz klar: Es gab keinen Klima-Drosten. Längst bekannt ist, dass die Welt gerade auf Selbstmordkurs ist. Nur verstehen das zu wenige, weil die Zusammenhänge komplex und die Verbindungen von Ursache und Wirkung nicht immer erkennbar sind.

„Global 2000“ war Anfang der 80er Jahre ein bahnbrechendes Buch. 1.400 dünne und eng bedruckte Seiten im Pappeinband, ab 1980 beim Verlag Zweitausendeins zu bestellen. Ein zweites Heftchen mit rosa Seiten gehörte dazu: „Zeit zum Handeln“.

Damals waren Umweltstudien gerade das Ding der Stunde. Der Club of Rome hatte Anfang der 70er „Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht, und in nächtlichen Diskussionen auf den Fluren von Studentenbuden ging es auch darum, ob die deutlich dunkleren Prognosen von „Global 2000“ oder die des Club of Rome eintreffen würden. Beide sagten zunehmende Umweltprobleme und starke Bevölkerungsentwicklung voraus. Der Club of Rome schaute dabei auf die Wirtschaft. Global 2000 war im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter entstanden (ja wirklich, und wurde sogar mit US-Steuergeldern finanziert) und sollte natürliche Ressourcen und Umwelt betrachten.

Die Zukunft schien zutiefst bedroht. Denn das Fazit war: In 20 Jahren wird die Welt deutlich verschmutzter sein, es wird viel mehr Menschen und weniger Ressourcen geben. Die Erde würde sich erwärmen. Die Polkappen würden schmelzen, Arten sterben. Ozon war der Atmosphärenkiller. Der Regen war sauer. Die Wälder starben. Heute ist klar: Die Prognostiker hatten recht.

Damals wurden Menschen aktiv. Es gab Umweltdemos. Friedensdemos. Anti-Atomkraftwerk-Demos. Die Grünen wurden 1980 gegründet – eine ganze Partei, die nur dafür da schien, die vorausgesehenen Entwicklungen aufzuhalten. 1986 explodierte Tschernobyl. Solange der Fallout währte, mussten Wälder und Gärten gemieden werden. Vielleicht war das der Moment, in dem die jungen Protestierenden damals verstanden haben, dass durchdiskutierte Nächte und lautstarke Demos nicht gegen die Macht der Staaten helfen werden.

Viele Klimagipfel nach „Global 2000“ ist klar: Veränderung über Grenzen hinweg ist schwer – die Auswirkungen der über Jahrzehnte konkret mit Zahlen nachweisbaren Veränderungen sind eben nicht zu spüren. Jedenfalls nicht sofort und nicht so schnell wie wirtschaftliche (und damit auch politische) Folgen von klimafreundlichen Beschlüssen. Denn Klimaschutz heißt auch Verzicht.

Erklärer hatten da nur wenig Chancen. Während zu Beginn der Corona-Pandemie die Virologen gefragt waren, weil sie neben brillanten (und Social-Media-affinen) Erklärungen auch Orientierung boten, erschienen Klima-Mahner von jeher wie eine nervige und leicht verrückte Kassandra.

Die weltweiten Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus haben inzwischen gezeigt: Wenn Leidensdruck und Angst groß genug sind, geht eine Menge. Auch Verzicht. Und darum brauchen wir mindestens so dringend wie öffentlichen Klima-Protest nun mehr Experten, die klar und nachvollziehbar über unsichtbare Folgen und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klima reden und auf diese Weise die Welt in Richtung von Veränderungen stupsen können. Der Virologe Drosten oder die Wissenschaftsvloggerin Mai Thi Nguyen-Kim haben gezeigt, wie das geht.

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