„Geblieben sind mir nur zwei Bullis“: Dachdecker sieht Betrieb abbrennen Christian Bendig,Patrick Schwemling,Claudia Hyna Minden-Dützen. Der Löschschaum hält sich hartnäckig auf dem Gelände an der Lübbecker Straße. Aus dem Dachstuhl des Wohnhauses auf dem vorderen Teil des Grundstücks qualmt es gelegentlich. Die Berufsfeuerwehr bekämpft die Glutnester. Ein Bild der Verwüstung bietet sich dem Betrachter am Morgen nach dem verheerenden Brand in einem Gewerbekomplex in Dützen. Anders als zunächst berichtet, brannten in der Nacht zu Dienstag nicht die Zimmerei, sondern die von dem Dachdeckerbetrieb da Silva genutzten Lagerhallen samt Büro komplett nieder. Während es gelang, die Zimmerei vor den Flammen zu schützen, griff das Feuer auf das Wohnhaus und den Firmensitz der Inhaber über, der nun unbewohnbar ist. Der Dachstuhl brannte im Lauf der Nacht. Personen kamen nicht zu Schaden, die fünf Bewohner konnten sich unverletzt ins Freie retten. Die verkohlten Gebäudeteile türmen sich zu Trümmerhaufen. Anscheinend wurden sie bei ersten Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät aufeinander geschoben. Die von einem Dachdeckerbetrieb genutzten Lagerhallen liegen in Schutt und Asche. Am Tag nach dem Großbrand melden sich zahlreiche Kunden bei Fabio da Silva. Nicht alle hatten von dem Feuer gehört. Viele bekunden ihr Mitgefühl, einige fragen, wieso er nicht zu ihnen kommt. Erst im Januar war der Meisterbetrieb von der Mindener an die Lübbecker Straße gezogen. Da Silva war zuhause, als der Brand ausbrach, fuhr dann zur Unglücksstelle, wo er bis nachts um 1 Uhr blieb. Wie es weitergeht, weiß er nicht, auch den Schaden kann er noch nicht beziffern. Alle Unterlagen, Werkzeug, Maschinen und Material seien zerstört. „Geblieben sind mir nur zwei Firmenbullis", sagt der 30-Jährige. Er hofft, dass es für ihn und seine fünf Mitarbeiter in der kommenden Woche weitergeht. Der Betrieb läuft gut. „Ich habe Arbeit bis zum nächsten Jahr." Ausdrücklich lobt der Dachdecker die gute Arbeit der von einer Anwohnerin alarmierten Feuerwehr. Augenzeugen berichteten, es habe Probleme mit der Wasserversorgung und infolge dessen bei den Löscharbeiten gegeben. Immer wieder sei die Zufuhr unterbrochen worden, die Feuerwehr habe Wasser aus Rothenuffeln und Hahlen holen müssen. Ein Zeuge meint, ohne diese Komplikationen hätte es nicht soweit kommen müssen, dass die Gebäude komplett abbrennen. Insgesamt waren mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz Die Berufsfeuerwehr war gestern vor Ort, um die Glutnester zwischen Holzplanken und Dämmung im vor wenigen Jahren komplett neu gebauten Dachstuhl in Schach zu halten. Ein Dachfenster mit massiven Eisenrahmen liegt nur noch auf dem Gerippe des Dachstuhls auf und droht abzurutschen. Das Betreten des Wohnhauses ist zu gefährlich. „Die Decken sind aus Lehm und der hat sich durch die Löscharbeiten mit Wasser vollgesogen. Das kann ohne Vorwarnung einstürzen. Da schicke ich niemanden rein", erläutert Einsatzleiter Mario Daucks, der am Morgen von Thorsten Kohlmeier übernommen hatte und den Einsatz beaufsichtigte. Die von Augenzeugen wahrgenommene und von der Feuerwehr kommunizierten Schwierigkeiten mit der Löschwasserversorgung bestätigen sich. Feuerwehrchef Heino Nordmeyer ließ den Großeinsatz Revue passieren. „Wir hatten nicht so viel Wasser, wie wir benötigt hätten. Das Problem ist, dass die parallel zur Lübbecker Straße verlegte Hauptleitung für solche Ereignisse nicht ausgelegt ist." Beim Eintreffen der Feuerwehr standen die Lagerhallen in Vollbrand. „Es war sofort klar, dass da nichts mehr zu machen ist", erklärte Nordmeyer. Die Priorität lag darauf, mit den verfügbaren Wassermengen das Wohnhaus sowie die Gebäude der ebenfalls auf dem Gelände ansässigen Firma Classatti mit einem Wasserschleier zu schützen. Die Löschwassersituation entspannte sich nach Aussage der Feuerwehr erst, nachdem ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet wurde. Außerdem wurde von der rund einen Kilometer entfernten Pumpstation des Wasser-Beschaffungswerks in Rothenuffeln eine Zwei-Schlauch-Leitung hin zum Brandort verlegt. „Aufgrund der Strahlungshitze des Feuers fing der Lieferwagen Feuer", verdeutlichte Nordmeyer. Das Feuer sprang vom brennenden Mercedes-Transporter jedoch nicht auf den Classatti-Firmensitz über. „Auch wegen dieser Strahlungshitze war der Einsatz für die Feuerwehrleute extrem belastend". So tauschte die Feuerwehr die Kräfte um 2.30 Uhr in der Nacht aus, ebenso um sieben Uhr morgens und noch einmal um 13 Uhr. Zudem wurden fast 100 Atemschutzmasken benötigt. Für die Zeit der Brandwache, von der die Feuerwehr noch nicht absehen kann, wie lange diese andauern würde, war die Lübbecker Straße weiterhin zwischen der Zechenstraße und Wickenbrede gesperrt. Der Verkehr wurde umgeleitet. Die Brandexperten der Polizei haben die Einsatzstelle für Untersuchungen zur Brandursache beschlagnahmt. Die Ermittlungen konnten gestern noch nicht aufgenommen werden. Wann das geschehen wird, klärt sich heute nach den Einsatzbesprechungen, teilte Polizei Pressesprecher Thomas Bensch mit. Im Einsatz waren : Löschzug der Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr mit den Einheiten Stadtmitte, Hahlen, Bölhorst, Häverstädt, Dützen, Haddenhausen, Stemmer, Kutenhausen, Leteln, Aminghausen, Päpinghausen, dem Rettungsdienst und der Pressegruppe. Aus der Feuerwehr Hille die Löschgruppen Oberlübbe, Unterlübbe und Rothenuffeln. Aus der Feuerwehren Bad Oeynhausen und Porta Westfalica mehrere Tanklöschfahrzeuge sowie aus Porta Westfalica der Gerätewagen Atemschutz.

„Geblieben sind mir nur zwei Bullis“: Dachdecker sieht Betrieb abbrennen

In Schutt und Asche: Die Trümmer sind schon auf einen Haufen zusammengeschoben, im Hintergrund löschen die Feuerwehrmänner die Glutnester. © Fotos: Christian Bendig

Minden-Dützen. Der Löschschaum hält sich hartnäckig auf dem Gelände an der Lübbecker Straße. Aus dem Dachstuhl des Wohnhauses auf dem vorderen Teil des Grundstücks qualmt es gelegentlich. Die Berufsfeuerwehr bekämpft die Glutnester. Ein Bild der Verwüstung bietet sich dem Betrachter am Morgen nach dem verheerenden Brand in einem Gewerbekomplex in Dützen.

Anders als zunächst berichtet, brannten in der Nacht zu Dienstag nicht die Zimmerei, sondern die von dem Dachdeckerbetrieb da Silva genutzten Lagerhallen samt Büro komplett nieder. Während es gelang, die Zimmerei vor den Flammen zu schützen, griff das Feuer auf das Wohnhaus und den Firmensitz der Inhaber über, der nun unbewohnbar ist. Der Dachstuhl brannte im Lauf der Nacht. Personen kamen nicht zu Schaden, die fünf Bewohner konnten sich unverletzt ins Freie retten. Die verkohlten Gebäudeteile türmen sich zu Trümmerhaufen. Anscheinend wurden sie bei ersten Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät aufeinander geschoben.

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Die von einem Dachdeckerbetrieb genutzten Lagerhallen liegen in Schutt und Asche. Am Tag nach dem Großbrand melden sich zahlreiche Kunden bei Fabio da Silva. Nicht alle hatten von dem Feuer gehört. Viele bekunden ihr Mitgefühl, einige fragen, wieso er nicht zu ihnen kommt. Erst im Januar war der Meisterbetrieb von der Mindener an die Lübbecker Straße gezogen. Da Silva war zuhause, als der Brand ausbrach, fuhr dann zur Unglücksstelle, wo er bis nachts um 1 Uhr blieb. Wie es weitergeht, weiß er nicht, auch den Schaden kann er noch nicht beziffern. Alle Unterlagen, Werkzeug, Maschinen und Material seien zerstört. „Geblieben sind mir nur zwei Firmenbullis", sagt der 30-Jährige. Er hofft, dass es für ihn und seine fünf Mitarbeiter in der kommenden Woche weitergeht. Der Betrieb läuft gut. „Ich habe Arbeit bis zum nächsten Jahr."

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Ausdrücklich lobt der Dachdecker die gute Arbeit der von einer Anwohnerin alarmierten Feuerwehr. Augenzeugen berichteten, es habe Probleme mit der Wasserversorgung und infolge dessen bei den Löscharbeiten gegeben. Immer wieder sei die Zufuhr unterbrochen worden, die Feuerwehr habe Wasser aus Rothenuffeln und Hahlen holen müssen. Ein Zeuge meint, ohne diese Komplikationen hätte es nicht soweit kommen müssen, dass die Gebäude komplett abbrennen. Insgesamt waren mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz

Im Dachstuhl fanden die Feuerwehrkräfte noch Glutnester zwischen Holzbalken und Dämmung.
Im Dachstuhl fanden die Feuerwehrkräfte noch Glutnester zwischen Holzbalken und Dämmung.

Die Berufsfeuerwehr war gestern vor Ort, um die Glutnester zwischen Holzplanken und Dämmung im vor wenigen Jahren komplett neu gebauten Dachstuhl in Schach zu halten. Ein Dachfenster mit massiven Eisenrahmen liegt nur noch auf dem Gerippe des Dachstuhls auf und droht abzurutschen. Das Betreten des Wohnhauses ist zu gefährlich. „Die Decken sind aus Lehm und der hat sich durch die Löscharbeiten mit Wasser vollgesogen. Das kann ohne Vorwarnung einstürzen. Da schicke ich niemanden rein", erläutert Einsatzleiter Mario Daucks, der am Morgen von Thorsten Kohlmeier übernommen hatte und den Einsatz beaufsichtigte.

Trotz der enormen Hitzeentwicklung des Feuers mussten die Kräfte ganz nah ran. Fotos (4): Bendig
Trotz der enormen Hitzeentwicklung des Feuers mussten die Kräfte ganz nah ran. Fotos (4): Bendig

Die von Augenzeugen wahrgenommene und von der Feuerwehr kommunizierten Schwierigkeiten mit der Löschwasserversorgung bestätigen sich. Feuerwehrchef Heino Nordmeyer ließ den Großeinsatz Revue passieren. „Wir hatten nicht so viel Wasser, wie wir benötigt hätten. Das Problem ist, dass die parallel zur Lübbecker Straße verlegte Hauptleitung für solche Ereignisse nicht ausgelegt ist."

Bis an die körperlichen Grenzen: Der Einsatz war für die eingesetzten Kräfte sehr belastend.
Bis an die körperlichen Grenzen: Der Einsatz war für die eingesetzten Kräfte sehr belastend.

Beim Eintreffen der Feuerwehr standen die Lagerhallen in Vollbrand. „Es war sofort klar, dass da nichts mehr zu machen ist", erklärte Nordmeyer. Die Priorität lag darauf, mit den verfügbaren Wassermengen das Wohnhaus sowie die Gebäude der ebenfalls auf dem Gelände ansässigen Firma Classatti mit einem Wasserschleier zu schützen.

Ein großer Löschschaum-Teppich lag gestern Mittag noch auf Teilen des Grundstücks.
Ein großer Löschschaum-Teppich lag gestern Mittag noch auf Teilen des Grundstücks.

Die Löschwassersituation entspannte sich nach Aussage der Feuerwehr erst, nachdem ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet wurde. Außerdem wurde von der rund einen Kilometer entfernten Pumpstation des Wasser-Beschaffungswerks in Rothenuffeln eine Zwei-Schlauch-Leitung hin zum Brandort verlegt.

Aus der Luft sind die Ausmaße des Großeinsatzes an der Lübbecker Straße zu erkennen. Die Rauchsäule war bis weit nach Dützen zu erkennen. - © Foto: Jonatan Esau/privat
Aus der Luft sind die Ausmaße des Großeinsatzes an der Lübbecker Straße zu erkennen. Die Rauchsäule war bis weit nach Dützen zu erkennen. - © Foto: Jonatan Esau/privat

„Aufgrund der Strahlungshitze des Feuers fing der Lieferwagen Feuer", verdeutlichte Nordmeyer. Das Feuer sprang vom brennenden Mercedes-Transporter jedoch nicht auf den Classatti-Firmensitz über. „Auch wegen dieser Strahlungshitze war der Einsatz für die Feuerwehrleute extrem belastend". So tauschte die Feuerwehr die Kräfte um 2.30 Uhr in der Nacht aus, ebenso um sieben Uhr morgens und noch einmal um 13 Uhr. Zudem wurden fast 100 Atemschutzmasken benötigt.

Für die Zeit der Brandwache, von der die Feuerwehr noch nicht absehen kann, wie lange diese andauern würde, war die Lübbecker Straße weiterhin zwischen der Zechenstraße und Wickenbrede gesperrt. Der Verkehr wurde umgeleitet.

Die Brandexperten der Polizei haben die Einsatzstelle für Untersuchungen zur Brandursache beschlagnahmt. Die Ermittlungen konnten gestern noch nicht aufgenommen werden. Wann das geschehen wird, klärt sich heute nach den Einsatzbesprechungen, teilte Polizei Pressesprecher Thomas Bensch mit.

Im Einsatz waren : Löschzug der Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr mit den Einheiten Stadtmitte, Hahlen, Bölhorst, Häverstädt, Dützen, Haddenhausen, Stemmer, Kutenhausen, Leteln, Aminghausen, Päpinghausen, dem Rettungsdienst und der Pressegruppe. Aus der Feuerwehr Hille die Löschgruppen Oberlübbe, Unterlübbe und Rothenuffeln. Aus der Feuerwehren Bad Oeynhausen und Porta Westfalica mehrere Tanklöschfahrzeuge sowie aus Porta Westfalica der Gerätewagen Atemschutz.

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