Gaszähler vertauscht: Mieterin soll trotzdem für den Verbrauch fremder Leute bezahlen Stefan Koch Minden. Wie viele Mieter zahlen in Deutschland nichtsahnden die Gasrechrechnung von anderen Leuten? Eine Mindenerin meint, dass es sich um eine erhebliche Dunkelziffern handeln muss, nachdem sie feststellte, dass der Zähler für ihre Wohnung vertauscht worden war. Wie das geschehen konnte, ließ sich bis heute nicht aufklären. Und bei der Regulierung des Schadens gab es weder vom Vermieter, Versorger, von der Verbraucherberatung oder anderen Stellen eine wirkliche Hilfe. Jetzt liegt der Fall beim Anwalt. Die Geschichte: Im September 2019 zog die Frau in eine Wohnung der Wohnhaus Minden GmbH an der Lessingstraße ein. Ein Mitarbeiter der Immobiliengesellschaft trug bei der Umzugsmeldung für die Wohnung im zweiten Obergeschoss eine Zählernummer in das Formular ein, das dann an die Eon Energie Deutschland GmbH als Versorger weitergeleitet wurde. Als ein Jahr später die Rechnung kam, musste die Frau stark schlucken. Sie sollte 1.350 Euro für Heizung und warmes Wasser zahlen. Dabei hatte sie in der 60 Quadratmeter großen Wohnung allein gelebt, war als Berufstätige den ganzen Tag weg und musste deshalb nicht heizen. Außerdem war sie oft bei ihrem Freund. „Das konnten wir nicht glauben“, sagt sie gegenüber dem MT zu der Rechnung. Zusammen mit ihrem Freund testete sie im vergangenen Jahr an einem kalten Novembertag den Gaszähler, stellte dazu die Therme in der Wohnung ab – aber trotzdem lief die Ziffernanzeige in dem ihr zugeordneten Gerät im Keller munter weiter. Dagegen tat sich auf einem der Zähler nebenan gar nichts mehr. Ein Mitarbeiter der Wohnhaus nahm erneut diesen Verbrauchstest vor und bestätigte ebenfalls, dass der Zähler falsch zugeordnet war. Damit war für die Wohnhaus der Fall dann aber erst einmal erledigt. Die Frau musste sich nun selbst an Eon wenden, um die Rechnung zu revidieren. Sie legte dazu auch die Bestätigung der Wohnhaus über die Verwechslung vor. Das war dann der Beginn eines Marathons mit Erklärversuchen bei wechselnden Ansprechpartnern am Eon-Servicetelefon. „Oft verstanden die das Problem überhaupt nicht“, bestätigt auch der Freund. „Anscheinend werden da keine Akten geführt, man wird immer wieder aufgefordert, E-Mails zu schreiben, ohne dass es eine sinnvolle Antwort gibt. Die Frau musste erneut Fotos der vertauschen Zähler an Eon schicken und trotzdem passierte nichts. Dann erhielt sie von einer Servicekraft den Tipp, dass sie sich an die Mindener Stadtwerke wenden möge, weil diese schließlich die Betreiber des Gasnetzes seien. Doch das war nicht die Lösung des Problems. „Immerhin waren die Stadtwerke bereit uns zu helfen und bestätigten ebenfalls die Verwechslung der Zähler“, erinnert sich der Freund. Aber der Ball in der Angelegenheit lag weiter bei Eon. Von dort erhielt die Frau im März eine Zahlungserinnerung und im April eine Mahnung mit Inkassoandrohung – so als habe es die vielen Gespräche und E-Mails mit der Bitte um eine korrekte Rechnung nie gegeben. Als die Mieterin bei der Verbraucherberatung in Minden vorstellig wurde, gab es nur den Hinweis, dass in ihrem Fall die Schlichtungsstelle Energie (Berlin) zuständig sein könnte. Dort setzte sich dann ein Schlichterin mit Eon in Verbindung und es begann erneut eine langwierige Korrespondenz, in der sich alle Parteien zum Sachverhalt äußerten. Ende Mai stellte die Schlichtungsstelle fest, dass eine rückwirkende Korrektur der Zählerzuordnung sehr problematisch sei. Weder ließen sich andere Mieter und Anschlussnutzer zum Schlichtungsverfahren hinzuziehen, noch sei ein Verfahren mit zu vielen Lieferanten händelbar. „Grundsätzlich ist es leider so, dass weder Netzbetreiber – hier die Mindener Stadtwerke GmbH – noch Gaslieferanten wissen können, in welche Wohnung mit welchem Zähler ein Mieter einzieht“, urteilte die Schlichtungsstelle zur Überraschung der Frau. „Lieferverträge können auch für fremde Zähler wirksam abgeschlossen werden“, lautete die weitere Begründung. Ein rechtlicher Grundsatz, dass immer nur der Verbrauch der eigenen Wohnung bezahlt werden müsse, existiere so nicht. Schon im Februar dieses Jahres zog die Frau aus der Wohnung mit dem falsch zugeordnete Gaszähler aus. Die Entscheidung der Schlichtungsstelle, wonach sie die komplette Eon-Rechnung begleichen soll und hinterher die Wohnhaus Minden GmbH für den entstandenen Schaden haftbar machen möge, akzeptierte sie nicht. Seit einigen Tagen nämlich liegt der Fall beim Anwalt. Auf MT-Anfrage äußerte sich das Immobilienunternehmen bislang nicht zu dem Gaszählerdrama. So bleibt es bei vielen offenen Fragen: zum Beispiel, zu welcher Wohnung der andere der beiden vertauschten Zähler gehört, wer dort das Gas bezog und von wem, wer hier kontrollierte und Rechnungen verschickte, ob nach Um- und Auszügen die vertauschten Zähler weiterhin unverändert in Betrieb geblieben sind. Die Geschichte geht deshalb weiter ...

Gaszähler vertauscht: Mieterin soll trotzdem für den Verbrauch fremder Leute bezahlen

Dieser Zähler war einer falschen Wohnung zugeordnet. Das konnte die Mieterin beim Einzug nicht wissen. Foto: privat © privat

Minden. Wie viele Mieter zahlen in Deutschland nichtsahnden die Gasrechrechnung von anderen Leuten? Eine Mindenerin meint, dass es sich um eine erhebliche Dunkelziffern handeln muss, nachdem sie feststellte, dass der Zähler für ihre Wohnung vertauscht worden war. Wie das geschehen konnte, ließ sich bis heute nicht aufklären. Und bei der Regulierung des Schadens gab es weder vom Vermieter, Versorger, von der Verbraucherberatung oder anderen Stellen eine wirkliche Hilfe. Jetzt liegt der Fall beim Anwalt.

Die Geschichte: Im September 2019 zog die Frau in eine Wohnung der Wohnhaus Minden GmbH an der Lessingstraße ein. Ein Mitarbeiter der Immobiliengesellschaft trug bei der Umzugsmeldung für die Wohnung im zweiten Obergeschoss eine Zählernummer in das Formular ein, das dann an die Eon Energie Deutschland GmbH als Versorger weitergeleitet wurde. Als ein Jahr später die Rechnung kam, musste die Frau stark schlucken. Sie sollte 1.350 Euro für Heizung und warmes Wasser zahlen. Dabei hatte sie in der 60 Quadratmeter großen Wohnung allein gelebt, war als Berufstätige den ganzen Tag weg und musste deshalb nicht heizen. Außerdem war sie oft bei ihrem Freund.

„Das konnten wir nicht glauben“, sagt sie gegenüber dem MT zu der Rechnung. Zusammen mit ihrem Freund testete sie im vergangenen Jahr an einem kalten Novembertag den Gaszähler, stellte dazu die Therme in der Wohnung ab – aber trotzdem lief die Ziffernanzeige in dem ihr zugeordneten Gerät im Keller munter weiter. Dagegen tat sich auf einem der Zähler nebenan gar nichts mehr. Ein Mitarbeiter der Wohnhaus nahm erneut diesen Verbrauchstest vor und bestätigte ebenfalls, dass der Zähler falsch zugeordnet war. Damit war für die Wohnhaus der Fall dann aber erst einmal erledigt.


Die Frau musste sich nun selbst an Eon wenden, um die Rechnung zu revidieren. Sie legte dazu auch die Bestätigung der Wohnhaus über die Verwechslung vor. Das war dann der Beginn eines Marathons mit Erklärversuchen bei wechselnden Ansprechpartnern am Eon-Servicetelefon. „Oft verstanden die das Problem überhaupt nicht“, bestätigt auch der Freund. „Anscheinend werden da keine Akten geführt, man wird immer wieder aufgefordert, E-Mails zu schreiben, ohne dass es eine sinnvolle Antwort gibt. Die Frau musste erneut Fotos der vertauschen Zähler an Eon schicken und trotzdem passierte nichts. Dann erhielt sie von einer Servicekraft den Tipp, dass sie sich an die Mindener Stadtwerke wenden möge, weil diese schließlich die Betreiber des Gasnetzes seien. Doch das war nicht die Lösung des Problems. „Immerhin waren die Stadtwerke bereit uns zu helfen und bestätigten ebenfalls die Verwechslung der Zähler“, erinnert sich der Freund. Aber der Ball in der Angelegenheit lag weiter bei Eon.

Von dort erhielt die Frau im März eine Zahlungserinnerung und im April eine Mahnung mit Inkassoandrohung – so als habe es die vielen Gespräche und E-Mails mit der Bitte um eine korrekte Rechnung nie gegeben. Als die Mieterin bei der Verbraucherberatung in Minden vorstellig wurde, gab es nur den Hinweis, dass in ihrem Fall die Schlichtungsstelle Energie (Berlin) zuständig sein könnte. Dort setzte sich dann ein Schlichterin mit Eon in Verbindung und es begann erneut eine langwierige Korrespondenz, in der sich alle Parteien zum Sachverhalt äußerten.

Ende Mai stellte die Schlichtungsstelle fest, dass eine rückwirkende Korrektur der Zählerzuordnung sehr problematisch sei. Weder ließen sich andere Mieter und Anschlussnutzer zum Schlichtungsverfahren hinzuziehen, noch sei ein Verfahren mit zu vielen Lieferanten händelbar. „Grundsätzlich ist es leider so, dass weder Netzbetreiber – hier die Mindener Stadtwerke GmbH – noch Gaslieferanten wissen können, in welche Wohnung mit welchem Zähler ein Mieter einzieht“, urteilte die Schlichtungsstelle zur Überraschung der Frau. „Lieferverträge können auch für fremde Zähler wirksam abgeschlossen werden“, lautete die weitere Begründung. Ein rechtlicher Grundsatz, dass immer nur der Verbrauch der eigenen Wohnung bezahlt werden müsse, existiere so nicht.

Schon im Februar dieses Jahres zog die Frau aus der Wohnung mit dem falsch zugeordnete Gaszähler aus. Die Entscheidung der Schlichtungsstelle, wonach sie die komplette Eon-Rechnung begleichen soll und hinterher die Wohnhaus Minden GmbH für den entstandenen Schaden haftbar machen möge, akzeptierte sie nicht. Seit einigen Tagen nämlich liegt der Fall beim Anwalt. Auf MT-Anfrage äußerte sich das Immobilienunternehmen bislang nicht zu dem Gaszählerdrama.

So bleibt es bei vielen offenen Fragen: zum Beispiel, zu welcher Wohnung der andere der beiden vertauschten Zähler gehört, wer dort das Gas bezog und von wem, wer hier kontrollierte und Rechnungen verschickte, ob nach Um- und Auszügen die vertauschten Zähler weiterhin unverändert in Betrieb geblieben sind. Die Geschichte geht deshalb weiter ...

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