Gaszähler verwechselt: Mieterin soll falsche Rechnung bezahlen und erhält keine Hilfe Stefan Koch Minden. Im Kampf einer Mindenerin um eine korrekte Abrechnung ihres Gasverbrauchs ist kein Ende in Sicht. Das MT berichtete am 27. Juni von der Frau, die in ein Mietshaus eingezogen war und später feststellte, dass der Gaszähler ihrer Wohnung mit dem eines anderen Bewohners verwechselt wurde. Weil sie dessen Rechnung nicht übernehmen wollte und sich weder der Gaslieferant noch der Vermieter um eine Regulierung des Schadens bemüht hatten, schaltete sie zuletzt einen Anwalt ein. Doch der erhielt auf seine Schreiben bislang keine Antwort, um den Streit beilegen zu können. Offenbar wurde auch die irrtümliche Verwechslung der beiden Gaszähler nach dem Auszug der Frau nicht korrigiert. Ginge es nach den beteiligten Parteien, würde sie einfach eine falsche Rechnung bezahlen und sich damit abfinden. Denn die Regulierung des Fehlers ist offenbar zu unbequem. Die Mieterin wohnte vom September 2019 bis Februar dieses Jahres in einem Gebäude der Wohnhaus Minden GmbH an der Lessingstraße. Ein Mitarbeiter der Immobiliengesellschaft trug bei ihrer Umzugsmeldung eine Zählernummer ein, die dann an die Eon Energie Deutschland weitergeleitet wurde. „Dieser Versorger hatte die günstigsten Konditionen“, sagt die Frau zur Wahl des Unternehmens. Als sie aber ein Jahr später für den Verbrauch in ihrer 60 Quadratmeter großen Wohnung trotz sparsamen Heizens 1.350 Euro bezahlen sollte, kamen ihr Zweifel. Eine Überprüfung ergab, dass der ihr zugeordnete Zähler zu einer Wohnung im Erdgeschoss gehörte, während sie im zweiten Obergeschoss lebte und für den anderen Mieter nun die Rechnung bezahlen sollte. Mit dem Versuch, Eon über die Verwechslung zu informieren, um nachträglich eine korrekte Abrechnung zu erhalten, begann für die Betroffene eine monatelange Auseinandersetzung am Servicetelefon des Gaslieferanten. Die Mindener Stadtwerke als Betreiber des Gasnetzes bestätigten ihm zwar, dass die Zähler verwechselt worden waren, dennoch beharrte Eon auf seinen Forderungen und drohte Mahnverfahren an. Im Mai scheiterte dann auch ein Verfahren der Schlichtungsstelle Energie (Berlin), an die sich die Mieterin gewandt hatte. Die Instanz kam zu dem Ergebnis, dass es keinen rechtlichen Grundsatz gebe, wonach Kunden von Energielieferanten nur für den eigenen Verbrauch bezahlen müssten. Der Mieterin wurde empfohlen, erst einmal die Eon-Rechnung zu begleichen und dann die Wohnhaus Minden für den entstanden Schaden haftbar zu machen. Damit wollte sich die Betroffene dann nicht abfinden. Seit Juni liegt der Fall beim Anwalt. Er teilte Eon mit, dass die Mieterin gegenüber der Hausverwaltung Schadenersatz geltend machen will und bat um einen Aufschub der Forderungen bis zur Klärung der Angelegenheit. Doch der Energieversorger reagierte nicht. Auch die Wohnhaus Minden bekamt Post vom Anwalt. Er schrieb, dass seine Mandantin den Differenzbetrag durch die verwechselten Zähler erstattet haben will. Dazu forderte er Auskunft darüber, an wen die andere Wohnung vermietet worden ist, damit die Rechnungen abgeglichen werden können. Doch auch hier ließ man die gesetzte Frist ohne eine Antwort oder Stellungnahme verstreichen. Lediglich die Mindener Stadtwerke reagierten auf das Schreiben des Anwaltes. Er wollte von dem Gasnetzbetreiber wissen, welche Stände die beiden verwechselten Zähler in dem Zeitraum hatten, als seine Mandantin an der Lessingstraße wohnte. Doch dazu gaben die Stadtwerke nur eine eingeschränkte Auskunft. Bislang hätten sie auch keine neue Zuordnung der Zähler zu den Wohnungen erhalten, hieß es. Zudem ließe sich aus Gründen des Datenschutzes der Verbrauch in der anderen Wohnung nicht mitteilten. Die Klärung könne nur durch den Gebäudeeigentümer herbeigeführt werden. Das bedeutet, dass die Mindenerin nicht einmal erfahren darf, wie viel Gas sie tatsächlich in der von ihr damals angemieteten Wohnung verbraucht hatte. „Es wird Mittel und Wege geben, um hier doch noch eine Auskunft zu erhalten“, sagt der Freund der Betroffenen, der sie in dem Streit um die richtige Gasabrechnung unterstützt. „Wir werden uns keinesfalls damit abfinden, eine Rechnung eines Fremden zu bezahlen.“

Gaszähler verwechselt: Mieterin soll falsche Rechnung bezahlen und erhält keine Hilfe

Dieser Gaszähler wurde der falschen Wohnung zugeordnet. Foto: privat © stkoch

Minden. Im Kampf einer Mindenerin um eine korrekte Abrechnung ihres Gasverbrauchs ist kein Ende in Sicht. Das MT berichtete am 27. Juni von der Frau, die in ein Mietshaus eingezogen war und später feststellte, dass der Gaszähler ihrer Wohnung mit dem eines anderen Bewohners verwechselt wurde. Weil sie dessen Rechnung nicht übernehmen wollte und sich weder der Gaslieferant noch der Vermieter um eine Regulierung des Schadens bemüht hatten, schaltete sie zuletzt einen Anwalt ein. Doch der erhielt auf seine Schreiben bislang keine Antwort, um den Streit beilegen zu können. Offenbar wurde auch die irrtümliche Verwechslung der beiden Gaszähler nach dem Auszug der Frau nicht korrigiert. Ginge es nach den beteiligten Parteien, würde sie einfach eine falsche Rechnung bezahlen und sich damit abfinden. Denn die Regulierung des Fehlers ist offenbar zu unbequem.

Die Mieterin wohnte vom September 2019 bis Februar dieses Jahres in einem Gebäude der Wohnhaus Minden GmbH an der Lessingstraße. Ein Mitarbeiter der Immobiliengesellschaft trug bei ihrer Umzugsmeldung eine Zählernummer ein, die dann an die Eon Energie Deutschland weitergeleitet wurde. „Dieser Versorger hatte die günstigsten Konditionen“, sagt die Frau zur Wahl des Unternehmens. Als sie aber ein Jahr später für den Verbrauch in ihrer 60 Quadratmeter großen Wohnung trotz sparsamen Heizens 1.350 Euro bezahlen sollte, kamen ihr Zweifel. Eine Überprüfung ergab, dass der ihr zugeordnete Zähler zu einer Wohnung im Erdgeschoss gehörte, während sie im zweiten Obergeschoss lebte und für den anderen Mieter nun die Rechnung bezahlen sollte.

Mit dem Versuch, Eon über die Verwechslung zu informieren, um nachträglich eine korrekte Abrechnung zu erhalten, begann für die Betroffene eine monatelange Auseinandersetzung am Servicetelefon des Gaslieferanten. Die Mindener Stadtwerke als Betreiber des Gasnetzes bestätigten ihm zwar, dass die Zähler verwechselt worden waren, dennoch beharrte Eon auf seinen Forderungen und drohte Mahnverfahren an. Im Mai scheiterte dann auch ein Verfahren der Schlichtungsstelle Energie (Berlin), an die sich die Mieterin gewandt hatte. Die Instanz kam zu dem Ergebnis, dass es keinen rechtlichen Grundsatz gebe, wonach Kunden von Energielieferanten nur für den eigenen Verbrauch bezahlen müssten. Der Mieterin wurde empfohlen, erst einmal die Eon-Rechnung zu begleichen und dann die Wohnhaus Minden für den entstanden Schaden haftbar zu machen. Damit wollte sich die Betroffene dann nicht abfinden.


Seit Juni liegt der Fall beim Anwalt. Er teilte Eon mit, dass die Mieterin gegenüber der Hausverwaltung Schadenersatz geltend machen will und bat um einen Aufschub der Forderungen bis zur Klärung der Angelegenheit. Doch der Energieversorger reagierte nicht.

Auch die Wohnhaus Minden bekamt Post vom Anwalt. Er schrieb, dass seine Mandantin den Differenzbetrag durch die verwechselten Zähler erstattet haben will. Dazu forderte er Auskunft darüber, an wen die andere Wohnung vermietet worden ist, damit die Rechnungen abgeglichen werden können. Doch auch hier ließ man die gesetzte Frist ohne eine Antwort oder Stellungnahme verstreichen.

Lediglich die Mindener Stadtwerke reagierten auf das Schreiben des Anwaltes. Er wollte von dem Gasnetzbetreiber wissen, welche Stände die beiden verwechselten Zähler in dem Zeitraum hatten, als seine Mandantin an der Lessingstraße wohnte. Doch dazu gaben die Stadtwerke nur eine eingeschränkte Auskunft. Bislang hätten sie auch keine neue Zuordnung der Zähler zu den Wohnungen erhalten, hieß es. Zudem ließe sich aus Gründen des Datenschutzes der Verbrauch in der anderen Wohnung nicht mitteilten. Die Klärung könne nur durch den Gebäudeeigentümer herbeigeführt werden. Das bedeutet, dass die Mindenerin nicht einmal erfahren darf, wie viel Gas sie tatsächlich in der von ihr damals angemieteten Wohnung verbraucht hatte.

„Es wird Mittel und Wege geben, um hier doch noch eine Auskunft zu erhalten“, sagt der Freund der Betroffenen, der sie in dem Streit um die richtige Gasabrechnung unterstützt. „Wir werden uns keinesfalls damit abfinden, eine Rechnung eines Fremden zu bezahlen.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden