Ganz persönliche musikalische Reise: Im Jazz Club begeistert das Frank Chastenier Trio das Publikum Kerstin Rickert Minden. „Hello“ von Lionel Richie gehört nicht gerade zu den Standardwerken des Jazz. Frank Chastenier hat den Song für sein Konzert im Jazz Club Minden als Begrüßung gewählt: der stimmungsvolle Auftakt zu einer sehr persönlichen musikalischen Reise, die das Publikum mitnahm zu ausgewählten Lieblingsstücken des Pianisten. Von Beginn an ist klar: Frank Chastenier dominiert an diesem Abend das musikalische Geschehen. Der Flügel steht mitten auf der Bühne. Die erste Begegnung zwischen dem Pianisten und seinem Instrument ist sanft, wie ein zartes Streicheln schmeichelt sich die Pop-Ballade aus den Achtzigern in die Ohren der Zuhörer. Dicht an Chasteniers Seite: Kontrabassist Christian von Kaphengst. Mit ihm spielt sich der langjährige Pianist der WDR-Bigband die Bälle zu, während Schlagzeuger Peter Gall den beiden den Rücken frei hält. Die Atmosphäre auf der Bühne ist von großer Intimität geprägt. Das macht sich sowohl im Zusammenspiel als auch in der Auswahl der Stücke bemerkbar.Von den Achtzigern geht es in die Zwanziger. Im Jazz-Standard „Can’t we be friends“ wird der 54-jährige Magier an den Tasten zum kraftvoll-präzisen Power-Player. Der von Musikerkollegen hoch geschätzte Mann am Piano zeigt sich als routinierter und leidenschaftlicher Virtuose, der gemeinsam mit seinen beiden kongenialen Begleitern alles, was er anpackt, in einen musikalischen Hochgenuss verwandelt. Hier sind Meister am Werk, die aufs Schönste interagieren. Die sich nicht in ekstatischem Solo-Spiel verlieren, sondern in harmonischem Miteinander die Essenz aus einem Song herausholen und ihn mit mit viel Gefühl in intime Klangperlen verwandeln. Zu vielen der Stücke, die an diesem Abend auf dem Programm stehen, hat Frank Chastenier eine persönliche Beziehung. „Mornin’“ von Al Jarreau etwa habe er als Kassettenaufnahme in seinem ersten Auto „rauf und runter gehört“. „Bam Bam Bam“ ist seine Reminiszenz an den legendären Jazz-Bassisten Ray Brown, von dem Chastenier sagt: „Ich hatte das große Glück, mit ihm zu spielen.“ Er begegnet Jacques Brels „Me ne quitte pas“ mit großer emotionaler Tiefe, während er im nächsten Moment „Santa Clause is coming to town“ in einer funkig-swingenden Version präsentiert, die genauso unverwechselbar nach Chastenier klingt wie der vom Broadway-Gustus entstaubte Jazzstandard „On the sunny side of the street“. Herbert Grönemeyers „Mensch“, den er als „wichtigen Teil der Kapelle“ bezeichnet, gerät unter den Händen des Pianisten zu einem anrührend-melancholischen Fest berauschender Klangfarben. Durchsetzt von pulsierenden Bass-Akkorden und rhythmischem Besenspiel macht das Trio daraus mit viel Gespür für die emotionale Wirkung des Originals einen ganz eigenen Song. Nur einen Moment später katapultiert es sich mit „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ zurück in die Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts – eine Verbeugung vor „dem größten Komponisten, den Deutschland je hatte“, so Chastenier über Friedrich Hollaender, der das Lied schrieb, mit dem einst Marlene Dietrich weltberühmt wurde. Er selbst spielt sich nie in den Vordergrund und steht doch permanent im Mittelpunkt.Sein fernab halsbrecherischer Verrenkungen wohldosiertes swingendes Spiel von strahlender Brillanz und zwei Begleiter, die sich genau darauf fokussieren, machen das Konzert im Jazz Club zu einem großen Genuss. Zweimal holt das begeisterte Publikum das Frank Chastenier Trio für Zugaben zurück auf die Bühne.

Ganz persönliche musikalische Reise: Im Jazz Club begeistert das Frank Chastenier Trio das Publikum

Zweimal holt das begeisterte Publikum das Trio für Zugaben zurück auf die Bühne. Foto: Kerstin Rickert

Minden. „Hello“ von Lionel Richie gehört nicht gerade zu den Standardwerken des Jazz. Frank Chastenier hat den Song für sein Konzert im Jazz Club Minden als Begrüßung gewählt: der stimmungsvolle Auftakt zu einer sehr persönlichen musikalischen Reise, die das Publikum mitnahm zu ausgewählten Lieblingsstücken des Pianisten.

Von Beginn an ist klar: Frank Chastenier dominiert an diesem Abend das musikalische Geschehen. Der Flügel steht mitten auf der Bühne. Die erste Begegnung zwischen dem Pianisten und seinem Instrument ist sanft, wie ein zartes Streicheln schmeichelt sich die Pop-Ballade aus den Achtzigern in die Ohren der Zuhörer. Dicht an Chasteniers Seite: Kontrabassist Christian von Kaphengst. Mit ihm spielt sich der langjährige Pianist der WDR-Bigband die Bälle zu, während Schlagzeuger Peter Gall den beiden den Rücken frei hält. Die Atmosphäre auf der Bühne ist von großer Intimität geprägt. Das macht sich sowohl im Zusammenspiel als auch in der Auswahl der Stücke bemerkbar.

Von den Achtzigern geht es in die Zwanziger. Im Jazz-Standard „Cant we be friends“ wird der 54-jährige Magier an den Tasten zum kraftvoll-präzisen Power-Player. Der von Musikerkollegen hoch geschätzte Mann am Piano zeigt sich als routinierter und leidenschaftlicher Virtuose, der gemeinsam mit seinen beiden kongenialen Begleitern alles, was er anpackt, in einen musikalischen Hochgenuss verwandelt. Hier sind Meister am Werk, die aufs Schönste interagieren. Die sich nicht in ekstatischem Solo-Spiel verlieren, sondern in harmonischem Miteinander die Essenz aus einem Song herausholen und ihn mit mit viel Gefühl in intime Klangperlen verwandeln.

Zu vielen der Stücke, die an diesem Abend auf dem Programm stehen, hat Frank Chastenier eine persönliche Beziehung. „Mornin“ von Al Jarreau etwa habe er als Kassettenaufnahme in seinem ersten Auto „rauf und runter gehört“. „Bam Bam Bam“ ist seine Reminiszenz an den legendären Jazz-Bassisten Ray Brown, von dem Chastenier sagt: „Ich hatte das große Glück, mit ihm zu spielen.“ Er begegnet Jacques Brels „Me ne quitte pas“ mit großer emotionaler Tiefe, während er im nächsten Moment „Santa Clause is coming to town“ in einer funkig-swingenden Version präsentiert, die genauso unverwechselbar nach Chastenier klingt wie der vom Broadway-Gustus entstaubte Jazzstandard „On the sunny side of the street“.

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Patrick Schwemmling

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Herbert Grönemeyers „Mensch“, den er als „wichtigen Teil der Kapelle“ bezeichnet, gerät unter den Händen des Pianisten zu einem anrührend-melancholischen Fest berauschender Klangfarben. Durchsetzt von pulsierenden Bass-Akkorden und rhythmischem Besenspiel macht das Trio daraus mit viel Gespür für die emotionale Wirkung des Originals einen ganz eigenen Song. Nur einen Moment später katapultiert es sich mit „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ zurück in die Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts – eine Verbeugung vor „dem größten Komponisten, den Deutschland je hatte“, so Chastenier über Friedrich Hollaender, der das Lied schrieb, mit dem einst Marlene Dietrich weltberühmt wurde. Er selbst spielt sich nie in den Vordergrund und steht doch permanent im Mittelpunkt.

Sein fernab halsbrecherischer Verrenkungen wohldosiertes swingendes Spiel von strahlender Brillanz und zwei Begleiter, die sich genau darauf fokussieren, machen das Konzert im Jazz Club zu einem großen Genuss. Zweimal holt das begeisterte Publikum das Frank Chastenier Trio für Zugaben zurück auf die Bühne.

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