Fünf Minuten voller Liebe Ursula Koch Minden (mt). Zwischen 8000 und 12 000 Bilder werden es am Ende sein, wenn „Liebe“ als fünfminütiger Trickfilm fertig ist. Jessica Koppe tüftelt daran in ihrem Atelier am Schwarzen Weg, rechnet damit, die Produktion im Frühjahr 2017 abschließen zu können.Soweit ist das alles nichts Ungewöhnliches. Die 34-Jährige macht bereits seit gut zehn Jahren Trickfilme, zeigt in Workshops und Seminaren anderen, wie es geht. Was sie bislang komplett ohne Geld realisiert hat, will sie jetzt aber auf professionelle Beine stellen. Die Texte sollen von einem Profi-Schauspieler gesprochen, die Bilder mit eigens komponierter Musik unterlegt werden. Den Entstehungsprozess möchte sie gerne dokumentieren lassen. Das kostet Geld. 11 260 Euro, um genau zu sein.Die Summe will sie per Crowdfunding bis zum 6. April zusammenbekommen. Sie ist gedacht als Gage für die Musiker Joel Köhn und Nils Rabente, den Schauspieler Christian Knäpper und Philipp Dobczyk, der das Projekt dokumentieren soll. Gerechnet hat sie auch die Miete für das Atelier sowie ihre Sozialversicherung für sechs Monate, Kosten für Technik und Material, für die Produktion der „Perks“, den Dank an die Spender und schließlich die Gebühren für die Nutzung der Internet-Plattform. Ihre eigene Arbeit berechnet die Künstlerin nicht.Für fünf Euro Spende gibt es eine handgeschriebene Postkarte mit einem Motiv aus dem Film, ab 20 Euro wird der Name im Abspann erwähnt. In weiteren Abstufungen dankt sie mit signierten DVDs, Original-Zeichnungen aus dem Film - und für 3000 Euro kann sich eine Person als Co-Produzent in den Abspann einschreiben, inklusive VIP-Einladung zur Premiere. 23 Unterstützer hat sie bereits, einen Co-Produzenten noch nicht. „Da sind tatsächlich Menschen dabei, die ich überhaupt nicht kenne“, freut sie sich.Der Posten ist übrigens noch frei, obwohl das Crowdfunding-Projekt bereits am 29. Februar gestartet ist. In den ersten vier Tagen sind 870 Euro eingegangen. Jessica Koppe hat sich nach langem Überlegen für die Plattform Indiegogo entschieden, weil die das Geld auch dann auszahlt, wenn die angegebene Summe nicht erreicht wird, erläutert die Künstlerin. „Ich mache den Film so oder so.“ Die Summe entscheide dann, wie aufwendig sie ihr Projekt umsetzen könne. Zu gerne hätte sie die Musik mit Cello, Akkordeon und Klavier eingespielt. Nimmt sie weniger Geld ein, muss sie Abstriche machen.„In der Theorie habe ich schon fünf Crowdfunding-Projekte gemacht“, scherzt die Künstlerin. Sie hat Leute beobachtet, die Projekte realisiert haben und weiß, dass sie in den kommenden Wochen in erster Linie E-Mails schreibt, die Werbetrommel für ihr Projekt rührt.Das Storyboard liegt bereits fertig im Atelier - noch überwiegend in zartem Bleistift gezeichnet. Das ist der Schritt, der nach dem Drehbuch folgt und jede einzelne Kameraeinstellung plant. „Trickfilm ist ein total durchgeplantes Medium“, sagt die Künstlerin, die nach der Akademie in Münster auch an der Bristol School of Animation und in Wien im Studiengang experimentelle Animation studiert hat. Zum dritten Mal ist sie in der Ferne Jurorin beim North-West-Animation-Festival in Portland (USA).Auch der Inhalt ihres Films ist über einen Aufruf im Internet entstanden. Letzten Herbst hatte die Künstlerin Menschen dazu aufgefordert, ihr persönliche Geschichten von Liebe zu erzählen. „Ich wollte ganz allgemein wissen, was Liebe in unserem Leben bewirken kann.“ Die Menschen haben ihr sehr häufig von der Liebe zwischen Eltern und Kindern erzählt, aber auch von unglücklicher oder spiritueller Liebe. Fünf der Geschichten hat sie ausgewählt, die sie in ihrem Film miteinander verknüpft.Der Film soll später in Ausstellungen und bei Festivals gezeigt werden. Ein Jahr Zeit hat die Künstlerin auch darum eingeplant, weil sie ihr zweites Kind erwartet. „Liebe“ liegt darum als Thema ganz nah. www.jessica-koppe.de

Fünf Minuten voller Liebe

Das Storyboard für ihren fünfminütigen Trickfilm „Liebe“ arbeitet Jessica Koppe derzeit in ihrem Atelier am Schwarzen Weg aus. MT-Fotos: Alex Lehn

Minden (mt). Zwischen 8000 und 12 000 Bilder werden es am Ende sein, wenn „Liebe“ als fünfminütiger Trickfilm fertig ist. Jessica Koppe tüftelt daran in ihrem Atelier am Schwarzen Weg, rechnet damit, die Produktion im Frühjahr 2017 abschließen zu können.

Soweit ist das alles nichts Ungewöhnliches. Die 34-Jährige macht bereits seit gut zehn Jahren Trickfilme, zeigt in Workshops und Seminaren anderen, wie es geht. Was sie bislang komplett ohne Geld realisiert hat, will sie jetzt aber auf professionelle Beine stellen. Die Texte sollen von einem Profi-Schauspieler gesprochen, die Bilder mit eigens komponierter Musik unterlegt werden. Den Entstehungsprozess möchte sie gerne dokumentieren lassen. Das kostet Geld. 11 260 Euro, um genau zu sein.

Papercuts, Malerei und Zeichnung ordnet Jessica Koppe auf drei Ebenen an, um sie abzufotografieren.
Papercuts, Malerei und Zeichnung ordnet Jessica Koppe auf drei Ebenen an, um sie abzufotografieren.

Die Summe will sie per Crowdfunding bis zum 6. April zusammenbekommen. Sie ist gedacht als Gage für die Musiker Joel Köhn und Nils Rabente, den Schauspieler Christian Knäpper und Philipp Dobczyk, der das Projekt dokumentieren soll. Gerechnet hat sie auch die Miete für das Atelier sowie ihre Sozialversicherung für sechs Monate, Kosten für Technik und Material, für die Produktion der „Perks“, den Dank an die Spender und schließlich die Gebühren für die Nutzung der Internet-Plattform. Ihre eigene Arbeit berechnet die Künstlerin nicht.

Auch der Hintergrund muss gestaltet werden. Dafür hat Jessica Koppe verschiedene Studien gezeichnet.
Auch der Hintergrund muss gestaltet werden. Dafür hat Jessica Koppe verschiedene Studien gezeichnet.

Für fünf Euro Spende gibt es eine handgeschriebene Postkarte mit einem Motiv aus dem Film, ab 20 Euro wird der Name im Abspann erwähnt. In weiteren Abstufungen dankt sie mit signierten DVDs, Original-Zeichnungen aus dem Film - und für 3000 Euro kann sich eine Person als Co-Produzent in den Abspann einschreiben, inklusive VIP-Einladung zur Premiere. 23 Unterstützer hat sie bereits, einen Co-Produzenten noch nicht. „Da sind tatsächlich Menschen dabei, die ich überhaupt nicht kenne“, freut sie sich.

Liebe zwischen Eltern und Kindern behandelt eine der insgesamt fünf Filmsequenzen.
Liebe zwischen Eltern und Kindern behandelt eine der insgesamt fünf Filmsequenzen.

Der Posten ist übrigens noch frei, obwohl das Crowdfunding-Projekt bereits am 29. Februar gestartet ist. In den ersten vier Tagen sind 870 Euro eingegangen. Jessica Koppe hat sich nach langem Überlegen für die Plattform Indiegogo entschieden, weil die das Geld auch dann auszahlt, wenn die angegebene Summe nicht erreicht wird, erläutert die Künstlerin. „Ich mache den Film so oder so.“ Die Summe entscheide dann, wie aufwendig sie ihr Projekt umsetzen könne. Zu gerne hätte sie die Musik mit Cello, Akkordeon und Klavier eingespielt. Nimmt sie weniger Geld ein, muss sie Abstriche machen.

„In der Theorie habe ich schon fünf Crowdfunding-Projekte gemacht“, scherzt die Künstlerin. Sie hat Leute beobachtet, die Projekte realisiert haben und weiß, dass sie in den kommenden Wochen in erster Linie E-Mails schreibt, die Werbetrommel für ihr Projekt rührt.

Das Storyboard liegt bereits fertig im Atelier - noch überwiegend in zartem Bleistift gezeichnet. Das ist der Schritt, der nach dem Drehbuch folgt und jede einzelne Kameraeinstellung plant. „Trickfilm ist ein total durchgeplantes Medium“, sagt die Künstlerin, die nach der Akademie in Münster auch an der Bristol School of Animation und in Wien im Studiengang experimentelle Animation studiert hat. Zum dritten Mal ist sie in der Ferne Jurorin beim North-West-Animation-Festival in Portland (USA).

Auch der Inhalt ihres Films ist über einen Aufruf im Internet entstanden. Letzten Herbst hatte die Künstlerin Menschen dazu aufgefordert, ihr persönliche Geschichten von Liebe zu erzählen. „Ich wollte ganz allgemein wissen, was Liebe in unserem Leben bewirken kann.“ Die Menschen haben ihr sehr häufig von der Liebe zwischen Eltern und Kindern erzählt, aber auch von unglücklicher oder spiritueller Liebe. Fünf der Geschichten hat sie ausgewählt, die sie in ihrem Film miteinander verknüpft.

Der Film soll später in Ausstellungen und bei Festivals gezeigt werden. Ein Jahr Zeit hat die Künstlerin auch darum eingeplant, weil sie ihr zweites Kind erwartet. „Liebe“ liegt darum als Thema ganz nah.

www.jessica-koppe.de

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