Fremdenverkehrsverein nach 120 Jahren liquidiert Jürgen Langenkämper Minden. Der Fremdenverkehrsverein Minden-Porta Westfalica ist Geschichte. Knapp 80 Jahre nach seiner Gründung kam der Vorstand vor dem Mindener Rathaus mit Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) aus Minden und Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) aus Porta Westfalica zu einer symbolträchtigen Auflösung zusammen. Und weil die Vorgänger gut gewirtschaftet hatten, war der Verein bei seiner Liquidation sehr liquide. „In den letzten vier bis fünf Jahren konnten wir gar nicht leisten, was dieser Verein früher erbracht hat“, begründete der Vorsitzende Philipp Pudenz (Hotel Bad Minden) den Schritt zur Auflösung. Denn der Vorstand und die Mitglieder wollten sich nicht auf das Verwalten eines Vereinsguthabens beschränken – immerhin in mittlerer fünfstelliger Höhe. Das ging vor Ostern satzungsgemäß je zur Hälfte an die beiden namengebenden Städte. Die Geschichte des Vereins reicht mehr als 120 Jahre zurück. 1899, drei Jahre nach Einweihung des überregional bedeutenden Kaiser-Wilhelm-Denkmals, wurde der „Verein zur Hebung des Fremdenzuzugs und des Fremdenverkehrs“ mit Sitz in Minden gegründet. 1924 wurde an der Porta Westfalica – eine Stadt des Namens war damals noch in weiter Ferne – ein eigenständiger Fremdenverkehrsverein gegründet. Am 19. April 1941 fusionierten beide Vereine zum Fremdenverkehrsverein Minden-Porta Westfalica e. V. Über viele Jahrzehnte kümmerte sich die Institution als einflussreiches Sprachrohr heimischer Gastronomen, Hoteliers und touristischer Dienstleister um touristische Belange in Minden und Porta Westfalica. In seinen Hochzeiten, etwa unter Leitung des Volksbankdirektors Ralf Knappe, beteiligten sich knapp 40 Mitglieder an den Aktivitäten. Einer der unvergessenen Höhepunkte war das Engagement des Fremdenverkehrsvereins bei der Ausrichtung der Fürstenhochzeit 1998 im Programm des 1.200-jährigen Stadtjubiläums. „Die damals durch den Verein mit großem Erfolg wahrgenommenen touristischen Aufgaben sind in den letzten Jahrzehnten auf professionelle Strukturen in Porta und Minden übergegangen“, stellte Pudenz eine Professionalisierung im Fremdenverkehr auf der einen Seite fest und ergänzte die Zwänge, vor denen ehrenamtliches Engagement steht: „Zudem wurde es in den vergangenen Jahren immer schwieriger, den ehrenamtlichen Vorstand überhaupt zu besetzen.“ Doch ihm und seinen Vorstandskollegen Elke Rusteberg (Hotel Exquisit), Heidi Schwengel (Nascherei) und Henrik Pott (Potts Park) sei sehr wichtig, dass einerseits die jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit des Fremdenverkehrsvereins für die Region entsprechend gewürdigt, andererseits Strukturen an die Zukunft angepasst würden.“ „Der Verein hat viel auf die Beine gestellt“, lobte Sonja Gerlach die jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit. Die auf den Tourismus in Porta Westfalica entfallende Hälfte des Vereinsvermögens solle helfen, „ein paar Projekte gezielter anzugehen“. Davon könnten Wanderwege und der immer bedeutungsvoller werdende Radtourismus profitieren. Auch eine Ruhebank für Wanderer mit einer Plakette, die auf den Fremdenverkehrsverein als Sponsor hinweist, stellte sie in Aussicht. Dass Tourismus im Jahr 2021 professioneller geworden ist, als dies in früheren Jahrzehnten möglich war, rief Michael Jäcke ins Bewusstsein. „Wir müssen den Blick nach vorn richten und auch auf die Regionale 2022 und den Erlebnisraum Weser schauen.“ Für einen Blick über die Landesgrenze sprach sich auch seine Portaner Amtskollegin aus. Geschäftsführer Dr. Jörg-Friedrich Sander, dessen Minden Marketing GmbH (MMG) Nutznießerin der Mindener Hälfte des Kuchens ist, hatte schon ein konkretes Projekt vor Augen: Das Geld soll helfen, E-Bikes für den Verleih an Tagestouristen anzuschaffen. Der Beschluss zur Auflösung des Fremdenverkehrsvereins war bereits vor der Corona-Krise gefallen, aber von der Pandemie eingeholt worden.

Fremdenverkehrsverein nach 120 Jahren liquidiert

Friedfertige Liquidation: Heidi Schwengel (von links), Philipp Pudenz, Elke Rusteberg, Dr. Jörg-Friedrich Sander, Dr. Sonja Gerlach, Michael Jäcke und Henrik Pott kamen zur symbolträchtigen Auflösung des Fremdenverkehrsvereins Minden-Porta Westfalica zusammen. MT-Foto: Langenkämper © Langenkämper

Minden. Der Fremdenverkehrsverein Minden-Porta Westfalica ist Geschichte. Knapp 80 Jahre nach seiner Gründung kam der Vorstand vor dem Mindener Rathaus mit Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) aus Minden und Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) aus Porta Westfalica zu einer symbolträchtigen Auflösung zusammen. Und weil die Vorgänger gut gewirtschaftet hatten, war der Verein bei seiner Liquidation sehr liquide.

„In den letzten vier bis fünf Jahren konnten wir gar nicht leisten, was dieser Verein früher erbracht hat“, begründete der Vorsitzende Philipp Pudenz (Hotel Bad Minden) den Schritt zur Auflösung. Denn der Vorstand und die Mitglieder wollten sich nicht auf das Verwalten eines Vereinsguthabens beschränken – immerhin in mittlerer fünfstelliger Höhe. Das ging vor Ostern satzungsgemäß je zur Hälfte an die beiden namengebenden Städte.

Die Geschichte des Vereins reicht mehr als 120 Jahre zurück. 1899, drei Jahre nach Einweihung des überregional bedeutenden Kaiser-Wilhelm-Denkmals, wurde der „Verein zur Hebung des Fremdenzuzugs und des Fremdenverkehrs“ mit Sitz in Minden gegründet. 1924 wurde an der Porta Westfalica – eine Stadt des Namens war damals noch in weiter Ferne – ein eigenständiger Fremdenverkehrsverein gegründet. Am 19. April 1941 fusionierten beide Vereine zum Fremdenverkehrsverein Minden-Porta Westfalica e. V. Über viele Jahrzehnte kümmerte sich die Institution als einflussreiches Sprachrohr heimischer Gastronomen, Hoteliers und touristischer Dienstleister um touristische Belange in Minden und Porta Westfalica. In seinen Hochzeiten, etwa unter Leitung des Volksbankdirektors Ralf Knappe, beteiligten sich knapp 40 Mitglieder an den Aktivitäten. Einer der unvergessenen Höhepunkte war das Engagement des Fremdenverkehrsvereins bei der Ausrichtung der Fürstenhochzeit 1998 im Programm des 1.200-jährigen Stadtjubiläums.

„Die damals durch den Verein mit großem Erfolg wahrgenommenen touristischen Aufgaben sind in den letzten Jahrzehnten auf professionelle Strukturen in Porta und Minden übergegangen“, stellte Pudenz eine Professionalisierung im Fremdenverkehr auf der einen Seite fest und ergänzte die Zwänge, vor denen ehrenamtliches Engagement steht: „Zudem wurde es in den vergangenen Jahren immer schwieriger, den ehrenamtlichen Vorstand überhaupt zu besetzen.“ Doch ihm und seinen Vorstandskollegen Elke Rusteberg (Hotel Exquisit), Heidi Schwengel (Nascherei) und Henrik Pott (Potts Park) sei sehr wichtig, dass einerseits die jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit des Fremdenverkehrsvereins für die Region entsprechend gewürdigt, andererseits Strukturen an die Zukunft angepasst würden.“

„Der Verein hat viel auf die Beine gestellt“, lobte Sonja Gerlach die jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit. Die auf den Tourismus in Porta Westfalica entfallende Hälfte des Vereinsvermögens solle helfen, „ein paar Projekte gezielter anzugehen“. Davon könnten Wanderwege und der immer bedeutungsvoller werdende Radtourismus profitieren. Auch eine Ruhebank für Wanderer mit einer Plakette, die auf den Fremdenverkehrsverein als Sponsor hinweist, stellte sie in Aussicht.

Dass Tourismus im Jahr 2021 professioneller geworden ist, als dies in früheren Jahrzehnten möglich war, rief Michael Jäcke ins Bewusstsein. „Wir müssen den Blick nach vorn richten und auch auf die Regionale 2022 und den Erlebnisraum Weser schauen.“ Für einen Blick über die Landesgrenze sprach sich auch seine Portaner Amtskollegin aus.

Geschäftsführer Dr. Jörg-Friedrich Sander, dessen Minden Marketing GmbH (MMG) Nutznießerin der Mindener Hälfte des Kuchens ist, hatte schon ein konkretes Projekt vor Augen: Das Geld soll helfen, E-Bikes für den Verleih an Tagestouristen anzuschaffen.

Der Beschluss zur Auflösung des Fremdenverkehrsvereins war bereits vor der Corona-Krise gefallen, aber von der Pandemie eingeholt worden.

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