Freispruch im Vergewaltigungsprozess Schöffengericht: Keine rechtliche Handhabe gegen sexuelle Übergriffe oder Beleidigung Minden (cpt). Vergewaltigung oder mögliche sexuelle Nötigung oder gar nur Beleidigung? Diese Fragen musste das Schöffengericht in einer Verhandlung gegen einen 27-jährigen Mindener klären. Nach dreieinhalb Stunden endete die Hauptverhandlung mit der Einstellung des Verfahrens und der Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 600 Euro. Was war geschehen? Laut Anklageschrift hatte Matthias B. (Name geändert) im September 2008 in den späten Abendstunden die damals 19-jährige Michelle S. belästigt. Beide waren mit mehreren Personen auf einer Party in einer Halle im Grillepark. Als Michelle S. kurz nach draußen ging, folgte ihr der Angeklagte. Nach seinen Angaben habe er das junge Mädchen geküsst, eine Hand um ihre Taille gehabt und sie mit der anderen Hand unsittlich berührt. Michelle S. habe keine Anstalten gemacht, sich zu wehren. Vielmehr sei er der Überzeugung gewesen, dass "sie es auch wollte".Dem widersprach das Opfer, das als Nebenklägerin und Zeugin auftrat in ihrer nicht öffentlichen Vernehmung. Matthias B. gab zu, erst von ihr abgelassen zu haben, als seine Verlobte seinen Namen rief und er zu ihr ging, worauf beide den Heimweg antraten.Nach mehreren Zwischenberatungen kamen Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Böhme und Staatsanwalt Polakowski überein, dass rechtlich gesehen eine Straftat der Vergewaltigung auszuschließen sei. Ob der Angeklagte, wie Michelle S. erklärte, sie mit seiner Hand gegen einen auf dem Gelände abgestellten Anhänger gedrückt und somit festgehalten habe, könne nicht nachgewiesen werden, so der Vorsitzende Richter. Somit war auch der Tatbestand der sexuellen Nötigung nicht mehr haltbar. Im Raum stand noch der Vorwurf der "Herabwürdigung des Opfers", also einer Beleidigung, wofür Verteidiger Jahn, Staatsanwalt und Gericht auch keinen Tatbestand sahen.Rechtsanwalt Jahn, der auf Einstellung des Verfahrens plädierte, und sein Mandant gaben sich mit dem anschließenden Beschluss des Gerichts zufrieden, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 600 Euro, zahlbar an die Geschädigte, vorläufig einzustellen.

Freispruch im Vergewaltigungsprozess

Minden (cpt). Vergewaltigung oder mögliche sexuelle Nötigung oder gar nur Beleidigung? Diese Fragen musste das Schöffengericht in einer Verhandlung gegen einen 27-jährigen Mindener klären. Nach dreieinhalb Stunden endete die Hauptverhandlung mit der Einstellung des Verfahrens und der Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 600 Euro.

Was war geschehen? Laut Anklageschrift hatte Matthias B. (Name geändert) im September 2008 in den späten Abendstunden die damals 19-jährige Michelle S. belästigt. Beide waren mit mehreren Personen auf einer Party in einer Halle im Grillepark. Als Michelle S. kurz nach draußen ging, folgte ihr der Angeklagte. Nach seinen Angaben habe er das junge Mädchen geküsst, eine Hand um ihre Taille gehabt und sie mit der anderen Hand unsittlich berührt. Michelle S. habe keine Anstalten gemacht, sich zu wehren. Vielmehr sei er der Überzeugung gewesen, dass "sie es auch wollte".

Dem widersprach das Opfer, das als Nebenklägerin und Zeugin auftrat in ihrer nicht öffentlichen Vernehmung. Matthias B. gab zu, erst von ihr abgelassen zu haben, als seine Verlobte seinen Namen rief und er zu ihr ging, worauf beide den Heimweg antraten.

Nach mehreren Zwischenberatungen kamen Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Böhme und Staatsanwalt Polakowski überein, dass rechtlich gesehen eine Straftat der Vergewaltigung auszuschließen sei. Ob der Angeklagte, wie Michelle S. erklärte, sie mit seiner Hand gegen einen auf dem Gelände abgestellten Anhänger gedrückt und somit festgehalten habe, könne nicht nachgewiesen werden, so der Vorsitzende Richter. Somit war auch der Tatbestand der sexuellen Nötigung nicht mehr haltbar. Im Raum stand noch der Vorwurf der "Herabwürdigung des Opfers", also einer Beleidigung, wofür Verteidiger Jahn, Staatsanwalt und Gericht auch keinen Tatbestand sahen.

Rechtsanwalt Jahn, der auf Einstellung des Verfahrens plädierte, und sein Mandant gaben sich mit dem anschließenden Beschluss des Gerichts zufrieden, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 600 Euro, zahlbar an die Geschädigte, vorläufig einzustellen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden