Freiheitsstrafe für Lübbecker Ex-Anwalt Mandantengelder in Höhe von rund 127000 Euro veruntreut Von Christine Potter Minden/Lübbecke (cpt). Ein Lübbecker Rechtsanwalt, dem von der Anwaltskammer Hamm wegen Veruntreuung von Mandantengeldern ein Berufsverbot erteilt wurde, ist vom Mindener Schöffengericht zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm Untreue in 18 Fällen. Der Angeklagte zeigte sich geständig, gab zu, Mandantengelder in Höhe von rund 127000 Euro veruntreut zu haben. Auslöser sei der Tod seines Vaters gewesen, in dessen Kanzlei er ebenfalls tätig war. "Ich war wie paralysiert und vollkommen überfordert, habe nur noch funktioniert", gab der 45-Jährige vor Gericht an.Eines Tages habe er ein Mandat in einer Mietangelegenheit übernommen, habe jedoch wichtige Fristen verstreichen lassen, sodass er in Regress genommen wurde. Titel über 200 000 Euro seien im Laufe der Zeit immer wieder in Teilbeträgen vollstreckt worden. So sei er in eine prekäre finanzielle Situation geraten und habe versucht, Löcher in der Kasse mit Mandantengeldern zu stopfen.Zwischen 2008 und 2011 veruntreute der Angeklagte Beträge zwischen 1000 und 64 000 Euro. Er flog auf, als Mandanten sich bei der Anwaltskammer Hamm beschwerten. Geld auf sein eigenes Konto habe er sich nicht überwiesen, erklärte der ehemalige Jurist. Die Schulden seien immer höher geworden, die Mitarbeiter hätten auch von den Unregelmäßigkeiten Wind bekommen, er habe versucht, bis zum Schluss das Schiff zu retten.Als besonders perfide bezeichnete Staatsanwalt Rempe in seinem Plädoyer eine der 18 Taten. Ein achtjähriges Mädchen wurde von der Eurobahn erfasst, deren Eltern sich den Angeklagten als Anwalt nahmen und von der Unfallversicherung 64 000 Euro erstritten. Auch dieses Geld unterschlug der Anwalt. Da er inzwischen in Insolvenz gegangen ist, werden, so der Staatsanwalt, die Eltern des verunglückten Kindes kaum oder gar nichts von der Summe erhalten.Dennoch wollte der Staatsanwalt "nicht die ganz große Keule ausfahren", da der Angeklagte Reue und Einsicht gezeigt habe. Der Staatsanwalt plädierte auf zwei Jahre und sechs Monate ohne Bewährung.Dass sich sein Mandant strafbar gemacht habe, gab Rechtsanwalt Henning Schmalz zu. Nach den Schadensersatzforderungen kamen Teilvollstreckungen, "die für ihn eine Katastrophe waren". Vorgeworfen werden könne seinem Mandanten, dass er nicht frühzeitig die Reißleine gezogen habe.Rechtsanwalt Schmalz beantragte eine bewährungsfähige Strafe, dem sich das Gerichte jedoch nicht anschloss.

Freiheitsstrafe für Lübbecker Ex-Anwalt

Minden/Lübbecke (cpt). Ein Lübbecker Rechtsanwalt, dem von der Anwaltskammer Hamm wegen Veruntreuung von Mandantengeldern ein Berufsverbot erteilt wurde, ist vom Mindener Schöffengericht zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Vorgeworfen wurde ihm Untreue in 18 Fällen. Der Angeklagte zeigte sich geständig, gab zu, Mandantengelder in Höhe von rund 127000 Euro veruntreut zu haben. Auslöser sei der Tod seines Vaters gewesen, in dessen Kanzlei er ebenfalls tätig war. "Ich war wie paralysiert und vollkommen überfordert, habe nur noch funktioniert", gab der 45-Jährige vor Gericht an.

Eines Tages habe er ein Mandat in einer Mietangelegenheit übernommen, habe jedoch wichtige Fristen verstreichen lassen, sodass er in Regress genommen wurde. Titel über 200 000 Euro seien im Laufe der Zeit immer wieder in Teilbeträgen vollstreckt worden. So sei er in eine prekäre finanzielle Situation geraten und habe versucht, Löcher in der Kasse mit Mandantengeldern zu stopfen.

Zwischen 2008 und 2011 veruntreute der Angeklagte Beträge zwischen 1000 und 64 000 Euro. Er flog auf, als Mandanten sich bei der Anwaltskammer Hamm beschwerten. Geld auf sein eigenes Konto habe er sich nicht überwiesen, erklärte der ehemalige Jurist. Die Schulden seien immer höher geworden, die Mitarbeiter hätten auch von den Unregelmäßigkeiten Wind bekommen, er habe versucht, bis zum Schluss das Schiff zu retten.

Als besonders perfide bezeichnete Staatsanwalt Rempe in seinem Plädoyer eine der 18 Taten. Ein achtjähriges Mädchen wurde von der Eurobahn erfasst, deren Eltern sich den Angeklagten als Anwalt nahmen und von der Unfallversicherung 64 000 Euro erstritten. Auch dieses Geld unterschlug der Anwalt. Da er inzwischen in Insolvenz gegangen ist, werden, so der Staatsanwalt, die Eltern des verunglückten Kindes kaum oder gar nichts von der Summe erhalten.

Dennoch wollte der Staatsanwalt "nicht die ganz große Keule ausfahren", da der Angeklagte Reue und Einsicht gezeigt habe. Der Staatsanwalt plädierte auf zwei Jahre und sechs Monate ohne Bewährung.

Dass sich sein Mandant strafbar gemacht habe, gab Rechtsanwalt Henning Schmalz zu. Nach den Schadensersatzforderungen kamen Teilvollstreckungen, "die für ihn eine Katastrophe waren". Vorgeworfen werden könne seinem Mandanten, dass er nicht frühzeitig die Reißleine gezogen habe.

Rechtsanwalt Schmalz beantragte eine bewährungsfähige Strafe, dem sich das Gerichte jedoch nicht anschloss.

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