Frauen in Herrenvereinen? Daran scheiden sich in Minden die Geister Doris Christoph,Stefan Koch Minden. Justitia – die Göttin der Gerechtigkeit – setzt Männervereine zunehmend unter Druck. Gleich mehrfach fällten deutsche Gerichte zuletzt Entscheidungen, die in Herrenrunden eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen einfordern. Und nicht erst seit dem Memminger Fischertags-Urteil, wo sich ein weibliches Mitglied der Gilde das Recht auf aktive Teilhabe am traditionellen Forellenfang erstritt, müssen sich gleichgeschlechtliche Vereinigungen um ihre Zukunft Gedanken machen. So hatte der Bundesfinanzhof 2017 einer Freimaurerloge die Gemeinnützigkeit aberkannt, weil sie ohne zwingende sachliche Gründe Frauen ausschließt – was sich auch auf Schützenbruderschaften, Gesangsvereine und viele andere auswirken könnte. Wie wird im Mindener Land auf diese Perspektive reagiert? Und wie halten es Traditionsvereine mit der Aufnahme des anderen Geschlechts? Bereits Anfang Juli hatte Stadtmajor Heinz Joachim Pecher erklärt, dass das Mindener Bürgerbataillon die Öffnung für Frauen grundsätzlich auf der Agenda habe. Allerdings gebe es keine Mehrheit, um dafür die Satzung zu ändern. Auch eine Umfrage zur Relevanz des Themas war unterschiedlich verlaufen: Externe Teilnehmer erachteten die Frauen-Frage überwiegend als wichtig, im Bataillon selbst sah das anders aus. Laut Pecher will man sich weiterhin mit dem Thema beschäftigen. Allerdings sei noch keine Frau wegen einer Mitgliedschaft an ihn heran getreten. Das Mindener Bürgerbataillon erklärt seine geschlechtliche Exklusivität damit, dass in der Vergangenheit nur Männer Aufgaben des Festungsdienstes und der Feuerwehr ausgeübt hatten. Sollten Frauen in Zukunft eine Rolle spielen, wäre laut Pecher eine neue Frauenkompanie eine Option. Im Gegensatz zum Memminger Fischertagsverein, in dem Männer und Frauen gleichermaßen Mitglied werden können, sei das aber im Bürgerbataillon bislang nicht möglich. Bei einer Umfrage auf MT.de, ob Frauen auch ins Bürgerbataillon aufgenommen werden sollten, antworteten übrigens 67,5 Prozent von 618 Personen mit ja.Zur Frauenfrage bei der heimischen Johannisloge „Wittekind zur Westfälischen Pforte“ will sich Logenmeister Martin Gottschalk auf MT-Anfrage derzeit nicht äußern. Er räumt aber ein, dass die Loge schon öfter auf das Thema angesprochen worden sei. Und in der Tat ist es ein alter Hut. Unter dem Titel „Freimaurer sind keine Chauvinisten“ berichtete das MT schon am 19. April 2002 über die Abwesenheit von Frauen in der Loge.Der damalige Logenmeister begründete das damit, dass sich die Herren bei ihren Treffen um Tugenden wie Duldsamkeit, Nächstenliebe oder Toleranz bemühen müssten, während derartige Eigenschaften bei den Damen von vornherein vorhanden seien. Ihre Teilnahme sei somit überflüssig. Zudem gebe es viele gemeinsame Aktivitäten der männlichen Mitglieder und ihrer Ehefrauen wie Theaterbesuche.Auch heute noch weist die Freimaurerloge auf ihrer Homepage unmissverständlich darauf hin, dass Mann unter sich sein möchte: „Wir in Minden sind der Meinung, dass die Loge ein Raum nur für Männer bleiben sollte.“ Die meisten Logen seien im 18. und 19. Jahrhundert gegründet worden – dem Zeitgeist entsprechend als reine Männergesellschaften. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts seien dann die ersten Frauenlogen gegründet worden. Gemischte Logen gebe es kaum. Mit dem Ende des Lockdowns setzten bei den Mindener Freimaurern wieder die Aktivitäten in ihrem Logenhaus an der Pöttcherstraße ein.Dort ist auch ein anderer gemeinnütziger Traditionsverein untergebracht, dessen Aktivitäten sich ausschließlich auf männliche Mitglieder beschränken: Die Schlaraffia Porta Westfalica. Schlaraffen sind ein Männerbund, dessen Mitglieder sich nicht nur zu humorvollen Treffen in deutschen Städten, sondern auch im Ausland zusammenfinden. Die als „Sippungen“ bezeichneten ritualisierten Zusammenkünfte lehnen an die Zeit des Mittelalters an. Im Oktober fanden an der Pöttcherstraße zwei Ehrungen für langjährige, als „Ritter“ bezeichnete Mitglieder statt.Ob die Tafelrunde der Pöttcherstaße schon einmal über Frauen nachgedacht hat? Dazu gibt es auf Nachfrage per E-Mail keine Antwort. Im Internet lässt der Dachverband zu dem Thema verlauten: „Die Schlaraffen spielen ihr Spiel im Winterhalbjahr – bis auf wenige Abende – nur unter Männern. Wir sind davon überzeugt, dass dies eines der Erfolgsrezepte der Schlaraffia war und ist – unsere (gespielte) Rivalität bleibt so garantiert testosteronfrei.“ Eine frauenfreie Zone sind bislang auch die Pferderücken im Wettkampf bei den Hahler Kranzreitern geblieben. Bei dem traditionellen Wettkampf müssen Männer auf Pferden im Galopp stehend mit der Hand einen Kranz aus einer Aufhängung reißen. Wer die am höchsten hängende Trophäe erhascht, wird Präsident. Der darf sich dann seine Präsidentin wählen und das Paar regiert für ein Jahr die Hahler Reiterschar.Wer sich dem Wettkampf stellen will, muss Mitglied im Verein sein. Dessen Vorstand besteht ausschließlich aus Männern. Wie Vorsitzender Frank Weber erklärt, habe bislang keine Frau den Wunsch geäußert, beim Hahler Kranzreiten selbst auf dem galoppierenden Pferd zu stehen. „Unsere Satzung schließt grundsätzlich niemanden vom Erwerb einer Mitgliedschaft aus“, sagt Weber. Der Verein mache aber auch keine offensive Werbung, um an Mitreitende zu gelangen. Das regele sich über den familiären Bezug, den jeder zum Dorf habe. „Auch wenn Frauen nicht auf dem Sattel stehen, spielen sie im Vereinsleben der Kranzreiter eine wichtige Rolle.“ Nicht nur, dass sich der Präsident seine Präsidentin wähle. Frauen seien auch für das Kränzebinden zuständig oder nähmen an vielen anderen Aktivitäten teil. Die weltweite Vereinigung Rotary International setzt sich nach eigenen Angaben für Frieden und Völkerverständigung ein und unterstützt Hilfsprojekte. Gestartet ist der erste Club 1905 nur für Männer, mittlerweile können auch Frauen Mitglied werden. Im Rotary Club Minden-Porta Westfalica sind mittlerweile von den 72 Mitgliedern fünf weiblich, wie Sprecher Jürgen Brentze berichtet. „Wir machen bei unseren Mitgliedern keine Unterscheidung nach Religion, Herkunft, Beruf – oder nach Geschlecht“, erklärt Brentzke. Die Clubs suchen sich übrigens ihre Mitglieder selber aus, in dem sie interessante Personen ansprechen. Der Rotary Club Bad Oeynhausen-Minden befindet sich bei der Frauen-Frage nach eigenen Angaben derzeit in einem „Transformationsprozess“. Präsident Tilo Kohley teilt mit: „Rotary soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein, daraus ergibt sich für unseren Club klar die Aufgabe zur Aufnahme von weiblichen Mitgliedern.“ Auch weil weltweit deren Zahl steige. Der Club sei auf der Suche nach geeigneten Kandidatinnen. Die weltweit zu findenden Lions Clubs haben als Ziel, sich gesellschaftlich zu engagieren. Auch sie sind mal als reine Herrenrunden gestartet, mittlerweile sind auch Frauen erlaubt. Potenzielle Mitglieder werden angesprochen oder sie brauchen einen Leumund und werden den anderen zur Abstimmung vorgeschlagen.Bei den heimischen Ablegern wird noch daran gearbeitet, weibliche Mitglieder aufzunehmen. „Für unseren Lions Club Minden ist es selbstverständlich, Frauen die Möglichkeit zu geben, bei uns mitzumachen“, teilt Clubpräsident Ulf Plath mit. Die Beschlüsse seien bereits vor geraumer Zeit auf den Weg gebracht worden, so dass die Aufnahme weiblicher Clubmitglieder bereits liefe. In der Terminübersicht wird allerdings noch zwischen Veranstaltungen mit und ohne Damen unterschieden. Im Lions Club Porta Westfalica gibt es derzeit „intensive Diskussionen“ darüber, auch Frauen aufzunehmen, wie Präsident Rolf Nottmeier mitteilt. Seit vielen Jahren seien zudem die Ehefrauen der Clubmitglieder bei allen Veranstaltungen dabei. „Sie sind tief in unsere internen Diskussionen und Planungen, auch zu unseren vielfältigen sozialen Aktivitäten mit einbezogen, viele auch als Mitglieder unserer Fördergesellschaft.“Und wie sieht es bei den Organisationen in weiblicher Hand aus? Der Inner Wheel Club Bad Oeynhausen-Minden wurde 1982 von Ehefrauen gegründet, deren Männer im Rotary Club Bad Oeynhausen-Minden waren. Allerdings nicht, weil sie dort keine Mitglieder sein durften, wie Präsidentin Bettina Bittmann betont. Sondern weil sich die Möglichkeit geboten habe, sich der weltweiten Frauen-Organisation anzuschließen. Auch wenn nun weibliche Mitglieder bei den Rotariern aufgenommen würden, würden sich die Frauen dem Club nicht anschließen wollen, so Bittmann. „Wir sind ein Frauenservice und machen unser Ding.“ Ebenso wollten sie keine Männer bei sich aufnehmen.Im Verein Netzwerk Mindener Frauen – Nachfolger des 2019 aufgelösten Deutschen Hausfrauenbunds (DHB) Minden – sind Damen zwar unter sich. Aber: „Wir nehmen natürlich Männer auf“, sagt Vorsitzende Mariele Lohmeyer. In der Satzung stehe ausdrücklich: „Mitglieder können alle interessierten Männer und Frauen werden.“ Das war auch beim DHB schon so. Es habe aber noch keiner eine Mitgliedschaft beantragt. Wahrscheinlich würden Männer denken, es handele sich um eine Domäne für Hausfrauen und sich etwas anderes suchen, überlegt Lohmeyer.Bei den Landfrauen Minden-Lübbecke können Männer Fördermitglied werden, die ehemaligen Landräte seien das beispielsweise immer gewesen, berichtet Sprecherin Iris Niermeyer. Unter den 3.600 Mitgliedern findet sich so auch eine Handvoll Männer. „Sie dürfen alles mitmachen, sind aber nicht stimmberechtigt bei Wahlen und können auch nicht in den Vorstand gewählt werden.“ Das Miteinander sei den Landfrauen wichtig, betont sie. „Es gibt keine Veranstaltungen, zu denen Männer nicht zugelassen sind.“ So seien bei Arbeitstagungen auch immer die Vorsitzenden des Landwirtschaftsverbandes Mitglied. „Ebenso ist immer eine Landfrau in deren Gremien vertreten.“Dass es dennoch Einschränkung für männliche Mitglieder gibt, begründet sie mit dem Unterschied zwischen Verein und Verband. „Wir vertreten als Verband die Interessen von Frauen auf dem Lande.“ Ist dieser Fokus auf nur ein Geschlecht nicht mittlerweile überholt? „Nein“, findet Iris Niermeyer. „So lange Männer und Frauen in der Gesellschaft nicht gleichberechtigt sind, ist das weiter notwendig.“

Frauen in Herrenvereinen? Daran scheiden sich in Minden die Geister

Paradetag zum Freischießen: Mit seiner langen Tradition ist das Bürgerbataillon ein Verein nur für Männer. Doch die Debatte um eine Öffnung solcher Vereine erreicht auch Minden. © MT-Archiv: Alex Lehn

Minden. Justitia – die Göttin der Gerechtigkeit – setzt Männervereine zunehmend unter Druck. Gleich mehrfach fällten deutsche Gerichte zuletzt Entscheidungen, die in Herrenrunden eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen einfordern. Und nicht erst seit dem Memminger Fischertags-Urteil, wo sich ein weibliches Mitglied der Gilde das Recht auf aktive Teilhabe am traditionellen Forellenfang erstritt, müssen sich gleichgeschlechtliche Vereinigungen um ihre Zukunft Gedanken machen.

So hatte der Bundesfinanzhof 2017 einer Freimaurerloge die Gemeinnützigkeit aberkannt, weil sie ohne zwingende sachliche Gründe Frauen ausschließt – was sich auch auf Schützenbruderschaften, Gesangsvereine und viele andere auswirken könnte. Wie wird im Mindener Land auf diese Perspektive reagiert? Und wie halten es Traditionsvereine mit der Aufnahme des anderen Geschlechts?

Bereits Anfang Juli hatte Stadtmajor Heinz Joachim Pecher erklärt, dass das Mindener Bürgerbataillon die Öffnung für Frauen grundsätzlich auf der Agenda habe. Allerdings gebe es keine Mehrheit, um dafür die Satzung zu ändern. Auch eine Umfrage zur Relevanz des Themas war unterschiedlich verlaufen: Externe Teilnehmer erachteten die Frauen-Frage überwiegend als wichtig, im Bataillon selbst sah das anders aus. Laut Pecher will man sich weiterhin mit dem Thema beschäftigen. Allerdings sei noch keine Frau wegen einer Mitgliedschaft an ihn heran getreten.

Malina Reckordt

Gendern bei MT - überflüssig oder überfällig?

Nehmen Sie jetzt an der Umfrage zum Thema Gendern teil

Das Mindener Bürgerbataillon erklärt seine geschlechtliche Exklusivität damit, dass in der Vergangenheit nur Männer Aufgaben des Festungsdienstes und der Feuerwehr ausgeübt hatten. Sollten Frauen in Zukunft eine Rolle spielen, wäre laut Pecher eine neue Frauenkompanie eine Option. Im Gegensatz zum Memminger Fischertagsverein, in dem Männer und Frauen gleichermaßen Mitglied werden können, sei das aber im Bürgerbataillon bislang nicht möglich. Bei einer Umfrage auf MT.de, ob Frauen auch ins Bürgerbataillon aufgenommen werden sollten, antworteten übrigens 67,5 Prozent von 618 Personen mit ja.

Zur Frauenfrage bei der heimischen Johannisloge „Wittekind zur Westfälischen Pforte“ will sich Logenmeister Martin Gottschalk auf MT-Anfrage derzeit nicht äußern. Er räumt aber ein, dass die Loge schon öfter auf das Thema angesprochen worden sei. Und in der Tat ist es ein alter Hut. Unter dem Titel „Freimaurer sind keine Chauvinisten“ berichtete das MT schon am 19. April 2002 über die Abwesenheit von Frauen in der Loge.

Der damalige Logenmeister begründete das damit, dass sich die Herren bei ihren Treffen um Tugenden wie Duldsamkeit, Nächstenliebe oder Toleranz bemühen müssten, während derartige Eigenschaften bei den Damen von vornherein vorhanden seien. Ihre Teilnahme sei somit überflüssig. Zudem gebe es viele gemeinsame Aktivitäten der männlichen Mitglieder und ihrer Ehefrauen wie Theaterbesuche.

Auch heute noch weist die Freimaurerloge auf ihrer Homepage unmissverständlich darauf hin, dass Mann unter sich sein möchte: „Wir in Minden sind der Meinung, dass die Loge ein Raum nur für Männer bleiben sollte.“ Die meisten Logen seien im 18. und 19. Jahrhundert gegründet worden – dem Zeitgeist entsprechend als reine Männergesellschaften. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts seien dann die ersten Frauenlogen gegründet worden. Gemischte Logen gebe es kaum.

Mit dem Ende des Lockdowns setzten bei den Mindener Freimaurern wieder die Aktivitäten in ihrem Logenhaus an der Pöttcherstraße ein.

Dort ist auch ein anderer gemeinnütziger Traditionsverein untergebracht, dessen Aktivitäten sich ausschließlich auf männliche Mitglieder beschränken: Die Schlaraffia Porta Westfalica. Schlaraffen sind ein Männerbund, dessen Mitglieder sich nicht nur zu humorvollen Treffen in deutschen Städten, sondern auch im Ausland zusammenfinden. Die als „Sippungen“ bezeichneten ritualisierten Zusammenkünfte lehnen an die Zeit des Mittelalters an. Im Oktober fanden an der Pöttcherstraße zwei Ehrungen für langjährige, als „Ritter“ bezeichnete Mitglieder statt.

Ob die Tafelrunde der Pöttcherstaße schon einmal über Frauen nachgedacht hat? Dazu gibt es auf Nachfrage per E-Mail keine Antwort. Im Internet lässt der Dachverband zu dem Thema verlauten: „Die Schlaraffen spielen ihr Spiel im Winterhalbjahr – bis auf wenige Abende – nur unter Männern. Wir sind davon überzeugt, dass dies eines der Erfolgsrezepte der Schlaraffia war und ist – unsere (gespielte) Rivalität bleibt so garantiert testosteronfrei.“

Eine frauenfreie Zone sind bislang auch die Pferderücken im Wettkampf bei den Hahler Kranzreitern geblieben. Bei dem traditionellen Wettkampf müssen Männer auf Pferden im Galopp stehend mit der Hand einen Kranz aus einer Aufhängung reißen. Wer die am höchsten hängende Trophäe erhascht, wird Präsident. Der darf sich dann seine Präsidentin wählen und das Paar regiert für ein Jahr die Hahler Reiterschar.

Wer sich dem Wettkampf stellen will, muss Mitglied im Verein sein. Dessen Vorstand besteht ausschließlich aus Männern. Wie Vorsitzender Frank Weber erklärt, habe bislang keine Frau den Wunsch geäußert, beim Hahler Kranzreiten selbst auf dem galoppierenden Pferd zu stehen. „Unsere Satzung schließt grundsätzlich niemanden vom Erwerb einer Mitgliedschaft aus“, sagt Weber. Der Verein mache aber auch keine offensive Werbung, um an Mitreitende zu gelangen. Das regele sich über den familiären Bezug, den jeder zum Dorf habe. „Auch wenn Frauen nicht auf dem Sattel stehen, spielen sie im Vereinsleben der Kranzreiter eine wichtige Rolle.“ Nicht nur, dass sich der Präsident seine Präsidentin wähle. Frauen seien auch für das Kränzebinden zuständig oder nähmen an vielen anderen Aktivitäten teil.

Die weltweite Vereinigung Rotary International setzt sich nach eigenen Angaben für Frieden und Völkerverständigung ein und unterstützt Hilfsprojekte. Gestartet ist der erste Club 1905 nur für Männer, mittlerweile können auch Frauen Mitglied werden. Im Rotary Club Minden-Porta Westfalica sind mittlerweile von den 72 Mitgliedern fünf weiblich, wie Sprecher Jürgen Brentze berichtet. „Wir machen bei unseren Mitgliedern keine Unterscheidung nach Religion, Herkunft, Beruf – oder nach Geschlecht“, erklärt Brentzke. Die Clubs suchen sich übrigens ihre Mitglieder selber aus, in dem sie interessante Personen ansprechen.

Der Rotary Club Bad Oeynhausen-Minden befindet sich bei der Frauen-Frage nach eigenen Angaben derzeit in einem „Transformationsprozess“. Präsident Tilo Kohley teilt mit: „Rotary soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein, daraus ergibt sich für unseren Club klar die Aufgabe zur Aufnahme von weiblichen Mitgliedern.“ Auch weil weltweit deren Zahl steige. Der Club sei auf der Suche nach geeigneten Kandidatinnen.

Die weltweit zu findenden Lions Clubs haben als Ziel, sich gesellschaftlich zu engagieren. Auch sie sind mal als reine Herrenrunden gestartet, mittlerweile sind auch Frauen erlaubt. Potenzielle Mitglieder werden angesprochen oder sie brauchen einen Leumund und werden den anderen zur Abstimmung vorgeschlagen.

Bei den heimischen Ablegern wird noch daran gearbeitet, weibliche Mitglieder aufzunehmen. „Für unseren Lions Club Minden ist es selbstverständlich, Frauen die Möglichkeit zu geben, bei uns mitzumachen“, teilt Clubpräsident Ulf Plath mit. Die Beschlüsse seien bereits vor geraumer Zeit auf den Weg gebracht worden, so dass die Aufnahme weiblicher Clubmitglieder bereits liefe. In der Terminübersicht wird allerdings noch zwischen Veranstaltungen mit und ohne Damen unterschieden.

Im Lions Club Porta Westfalica gibt es derzeit „intensive Diskussionen“ darüber, auch Frauen aufzunehmen, wie Präsident Rolf Nottmeier mitteilt. Seit vielen Jahren seien zudem die Ehefrauen der Clubmitglieder bei allen Veranstaltungen dabei. „Sie sind tief in unsere internen Diskussionen und Planungen, auch zu unseren vielfältigen sozialen Aktivitäten mit einbezogen, viele auch als Mitglieder unserer Fördergesellschaft.“

Und wie sieht es bei den Organisationen in weiblicher Hand aus? Der Inner Wheel Club Bad Oeynhausen-Minden wurde 1982 von Ehefrauen gegründet, deren Männer im Rotary Club Bad Oeynhausen-Minden waren. Allerdings nicht, weil sie dort keine Mitglieder sein durften, wie Präsidentin Bettina Bittmann betont. Sondern weil sich die Möglichkeit geboten habe, sich der weltweiten Frauen-Organisation anzuschließen. Auch wenn nun weibliche Mitglieder bei den Rotariern aufgenommen würden, würden sich die Frauen dem Club nicht anschließen wollen, so Bittmann. „Wir sind ein Frauenservice und machen unser Ding.“ Ebenso wollten sie keine Männer bei sich aufnehmen.

Im Verein Netzwerk Mindener Frauen – Nachfolger des 2019 aufgelösten Deutschen Hausfrauenbunds (DHB) Minden – sind Damen zwar unter sich. Aber: „Wir nehmen natürlich Männer auf“, sagt Vorsitzende Mariele Lohmeyer. In der Satzung stehe ausdrücklich: „Mitglieder können alle interessierten Männer und Frauen werden.“ Das war auch beim DHB schon so. Es habe aber noch keiner eine Mitgliedschaft beantragt. Wahrscheinlich würden Männer denken, es handele sich um eine Domäne für Hausfrauen und sich etwas anderes suchen, überlegt Lohmeyer.

Bei den Landfrauen Minden-Lübbecke können Männer Fördermitglied werden, die ehemaligen Landräte seien das beispielsweise immer gewesen, berichtet Sprecherin Iris Niermeyer. Unter den 3.600 Mitgliedern findet sich so auch eine Handvoll Männer. „Sie dürfen alles mitmachen, sind aber nicht stimmberechtigt bei Wahlen und können auch nicht in den Vorstand gewählt werden.“

Das Miteinander sei den Landfrauen wichtig, betont sie. „Es gibt keine Veranstaltungen, zu denen Männer nicht zugelassen sind.“ So seien bei Arbeitstagungen auch immer die Vorsitzenden des Landwirtschaftsverbandes Mitglied. „Ebenso ist immer eine Landfrau in deren Gremien vertreten.“

Dass es dennoch Einschränkung für männliche Mitglieder gibt, begründet sie mit dem Unterschied zwischen Verein und Verband. „Wir vertreten als Verband die Interessen von Frauen auf dem Lande.“ Ist dieser Fokus auf nur ein Geschlecht nicht mittlerweile überholt? „Nein“, findet Iris Niermeyer. „So lange Männer und Frauen in der Gesellschaft nicht gleichberechtigt sind, ist das weiter notwendig.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden