Foto Oehlmann scheint dauerhaft geschlossen zu sein: Eine Suche nach den Hintergründen Anja Peper Minden/Kirchlengern.Der Siegeszug der Smartphones hat die Branche verändert. Laien können den Unterschied zwischen dem Foto einer Spiegelreflexkamera und dem eines Smartphones kaum noch erkennen. Von den vielen Fotofachgeschäften, die mal in den Fußgängerzonen zu finden waren, sind nur wenige übrig geblieben. Eines der letzten seiner Art war das Fotofachgeschäft Oehlmann an der Obermarktstraße. Auch dies scheint jetzt dauerhaft geschlossen zu sein. Noch hängt eine Notiz hinter der Glasscheibe der Eingangstür: „Wegen Krankheit unseres Mitarbeiters geschlossen.“ Nachbarn aus Kirchlengern, wo der langjährige Inhaber wohnte und auch ein Lager hatte, berichten allerdings, er sei Anfang September überraschend verstorben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Trotz mehrerer Versuche laufen E-Mails und Telefonate seitens des MT ins Leere. Der Inhaber war Mitte 70. Trotz der schwierigen Situation der Branche hatte Oehlmann bis ins Rentenalter und darüber hinaus weiter gemacht. „Ich bin Kaufmann durch und durch. Wenn ich den Laden aufgebe, fehlt mir das Zwischenmenschliche ja auch“, sagte er im Juni in einem MT-Interview. Nebenher hatte er bereits seit einigen Jahren einen Internet-Handel etabliert. Laut Handelsregister war der Inhaber für die Foto Oehlmann GmbH & Co. KG als einziger Verantwortlicher eingetragen. MT-Informationen zufolge gibt es keinen Nachfolger für das Ladengeschäft in Minden. Der Hinweis „Wir schließen“ findet sich schon länger an den Scheiben des Geschäfts. Bei der Online-Suche findet sich unter dem Eintrag des Geschäfts der Hinweis „Dauerhaft geschlossen“. Der Mietvertrag scheint vor Wochen ausgelaufen zu sein. Ein Mindener Immobilienmakler sucht online nach einem Nachmieter für die Verkaufsräume im Erdgeschoss (ca. 115 Quadratmeter). Das prägnante dunkelrote Haus liegt an der Ecke Obermarktstraße/Leiterstraße und damit in unmittelbarer Nähe zum ZOB. Es eignet sich als Einzelhandelsimmobilie, könnte aber auch für andere Branchen ein attraktiver Standort sein. „Das Wohn- und Geschäftshaus befindet sich in einem soliden baulichen Zustand“, heißt es auf der Homepage des Immobilienmaklers. Die Kaltmiete ist mit 1.120 Euro angegeben. Allerdings können mögliche Interessenten aktuell noch nicht zur Besichtigung kommen. Denn noch ist der Laden vollgestellt mit Equipment.Vieles hat sich angesammelt über die Jahre: Stative und Fototaschen, dazu Zubehör wie Objektive, Blitze, Akkus, Filter und Speicherkarten aller Art füllen die Regale. Großformatige Bilderrahmen lehnen an den Wänden. Nicht so einfach, sich einen Überblick über das Inventar zu verschaffen. Vermutlich wird zunächst ein Nachlassverwalter kommen müssen, um die Dinge zu ordnen. Bis dahin herrscht Stillstand. Durchaus möglich, dass es noch laufende Aufträge gibt. Vielleicht haben Kunden ihre Kamera zur Reparatur gegeben oder warten noch auf Abzüge ihrer Bilder. Nachbarn in der Obermarktstraße haben in den vergangenen Wochen jedenfalls mehrfach beobachtet, dass Passanten Schreiben im Briefkasten hinterlassen haben, um Kontakt aufzunehmen. Offenbar ohne Erfolg.Wolfgang Oehlmann war fast 50 Jahre im Geschäft – eine aus heutiger Sicht unfassbar lange Zeit. Im MT-Interview vom Juni blickte er noch auf die Anfänge zurück: „1973 habe ich in Minden auf dem Domhof angefangen, da flossen noch Milch und Honig, da war die Stadt rappelvoll.“ Später ärgerte er sich oft darüber, dass die meisten Kunden nur noch zur Beratung kämen, die Ware dann aber schließlich beim günstigsten Anbieter im Internet bestellen würden. Durch den Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie ist zusätzlich das Drumherum-Geschäft weggebrochen. Früher kauften Kunden auch Filme, brachten sie zur Entwicklung, ließen nachträglich weitere Abzüge machen und nahmen vielleicht noch ein Album oder einen Rahmen mit. Heute reichen den meisten Menschen Urlaubsfotos auf dem Smartphone aus.

Foto Oehlmann scheint dauerhaft geschlossen zu sein: Eine Suche nach den Hintergründen

Für das Ladengeschäft in dem prägnanten dunkelroten Eckhaus an der Obermarktstraße wird ein neuer Mieter gesucht. Foto Oehlmann im Erdgeschoss bleibt wohl dauerhaft geschlossen. MT-Foto: Alex Lehn

Minden/Kirchlengern.Der Siegeszug der Smartphones hat die Branche verändert. Laien können den Unterschied zwischen dem Foto einer Spiegelreflexkamera und dem eines Smartphones kaum noch erkennen. Von den vielen Fotofachgeschäften, die mal in den Fußgängerzonen zu finden waren, sind nur wenige übrig geblieben. Eines der letzten seiner Art war das Fotofachgeschäft Oehlmann an der Obermarktstraße. Auch dies scheint jetzt dauerhaft geschlossen zu sein. Noch hängt eine Notiz hinter der Glasscheibe der Eingangstür: „Wegen Krankheit unseres Mitarbeiters geschlossen.“ Nachbarn aus Kirchlengern, wo der langjährige Inhaber wohnte und auch ein Lager hatte, berichten allerdings, er sei Anfang September überraschend verstorben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Trotz mehrerer Versuche laufen E-Mails und Telefonate seitens des MT ins Leere.

Der Inhaber war Mitte 70. Trotz der schwierigen Situation der Branche hatte Oehlmann bis ins Rentenalter und darüber hinaus weiter gemacht. „Ich bin Kaufmann durch und durch. Wenn ich den Laden aufgebe, fehlt mir das Zwischenmenschliche ja auch“, sagte er im Juni in einem MT-Interview. Nebenher hatte er bereits seit einigen Jahren einen Internet-Handel etabliert. Laut Handelsregister war der Inhaber für die Foto Oehlmann GmbH & Co. KG als einziger Verantwortlicher eingetragen. MT-Informationen zufolge gibt es keinen Nachfolger für das Ladengeschäft in Minden. Der Hinweis „Wir schließen“ findet sich schon länger an den Scheiben des Geschäfts. Bei der Online-Suche findet sich unter dem Eintrag des Geschäfts der Hinweis „Dauerhaft geschlossen“. Der Mietvertrag scheint vor Wochen ausgelaufen zu sein.

Ein Mindener Immobilienmakler sucht online nach einem Nachmieter für die Verkaufsräume im Erdgeschoss (ca. 115 Quadratmeter). Das prägnante dunkelrote Haus liegt an der Ecke Obermarktstraße/Leiterstraße und damit in unmittelbarer Nähe zum ZOB. Es eignet sich als Einzelhandelsimmobilie, könnte aber auch für andere Branchen ein attraktiver Standort sein. „Das Wohn- und Geschäftshaus befindet sich in einem soliden baulichen Zustand“, heißt es auf der Homepage des Immobilienmaklers. Die Kaltmiete ist mit 1.120 Euro angegeben. Allerdings können mögliche Interessenten aktuell noch nicht zur Besichtigung kommen. Denn noch ist der Laden vollgestellt mit Equipment.

Vieles hat sich angesammelt über die Jahre: Stative und Fototaschen, dazu Zubehör wie Objektive, Blitze, Akkus, Filter und Speicherkarten aller Art füllen die Regale. Großformatige Bilderrahmen lehnen an den Wänden. Nicht so einfach, sich einen Überblick über das Inventar zu verschaffen. Vermutlich wird zunächst ein Nachlassverwalter kommen müssen, um die Dinge zu ordnen. Bis dahin herrscht Stillstand.

Malina Reckordt

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Durchaus möglich, dass es noch laufende Aufträge gibt. Vielleicht haben Kunden ihre Kamera zur Reparatur gegeben oder warten noch auf Abzüge ihrer Bilder. Nachbarn in der Obermarktstraße haben in den vergangenen Wochen jedenfalls mehrfach beobachtet, dass Passanten Schreiben im Briefkasten hinterlassen haben, um Kontakt aufzunehmen. Offenbar ohne Erfolg.

Wolfgang Oehlmann war fast 50 Jahre im Geschäft – eine aus heutiger Sicht unfassbar lange Zeit. Im MT-Interview vom Juni blickte er noch auf die Anfänge zurück: „1973 habe ich in Minden auf dem Domhof angefangen, da flossen noch Milch und Honig, da war die Stadt rappelvoll.“ Später ärgerte er sich oft darüber, dass die meisten Kunden nur noch zur Beratung kämen, die Ware dann aber schließlich beim günstigsten Anbieter im Internet bestellen würden. Durch den Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie ist zusätzlich das Drumherum-Geschäft weggebrochen. Früher kauften Kunden auch Filme, brachten sie zur Entwicklung, ließen nachträglich weitere Abzüge machen und nahmen vielleicht noch ein Album oder einen Rahmen mit. Heute reichen den meisten Menschen Urlaubsfotos auf dem Smartphone aus.

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