Forderung nach mehr Ernährungssouveränität Teilnehmer der Podiumsdiskussion wollen Verbraucher für Qualität von Lebensmitteln sensibilisieren Carsten Korfesmeyer Minden/Petershagen (mt). In Petershagen hat die Slowfood Youth Akademie zum ersten Mal Station gemacht. Ernährungssouveränität ist das Thema – und Teil des Programms ist eine Diskussionsrunde, in der vier Teilnehmer über den Globalen Handel und seine Auswirkungen sprechen. Auf die Frage „Welche Hände entscheiden über unser Essen?“ soll es in der Jugendherberge Antworten geben. Und mit Sebastian Cramer, dessen Familienbetrieb sechs Edeka-Märkte betreibt, sitzt ein Vertreter des Handels auf dem Podium. Deutlich bezieht er Position und lässt durchblicken, dass ihm die Slowfood-Idee durchaus sympathisch ist. „Regionalität ist bei uns ein großes Thema“, sagt er. Auch auf saisonale Produkte zu setzen, sei ganz in seinem Sinn. Warum beispielsweise zu Weihnachten Erdbeeren und Spargel im Sortiment sein müssen, verstehe er nicht. „Die sind dann auch viel teurer.“ In der von Tagungskoordinatorin Elia Carceller moderierten Veranstaltung fordert Tatjana Wolff mehr Selbstbestimmung für Kunden. „Wir brauchen aufgeklärte Verbraucher“, sagt die Frau des Marktforschungsinstituts „Planet Retail“. Die Strukturen des Einzelhandels müssten sich dahingehend verändern, dass bewusster zu bestimmten Nahrungsmitteln gegriffen werde. In Deutschland habe man keine Not, sagt sie. „Wir kennen keinen Hunger. Wir kennen höchstens Appetit.“ Als Vertreterin des Inkota-Netzwerks nimmt Lena Michelsen an der Podiumsdiskussion teil. Sie ist Referentin für Welternährung und nimmt die Landwirtschaft unter die Lupe. „Wir Verbraucher entscheiden nicht, was in den Regalen liegt“, sagt sie. Und auch für Sven Perter vom Projekt Goliathwatch gehört die Ernährungssouveränität zu den Herausforderungen unserer Zeit. Die Menschen müssten besser darüber Bescheid wissen, was sie essen. Dazu müsse ein Umdenkungsprozess einsetzen. Lesen Sie auch Die Entdeckung der Langsamkeit des Essens

Forderung nach mehr Ernährungssouveränität

Kira van den Hövel (v.l), Romy Marquart und Moritz Vogt testen fair gehandelten Kaffee. MT- © Foto: Korfesmeyer

Minden/Petershagen (mt). In Petershagen hat die Slowfood Youth Akademie zum ersten Mal Station gemacht. Ernährungssouveränität ist das Thema – und Teil des Programms ist eine Diskussionsrunde, in der vier Teilnehmer über den Globalen Handel und seine Auswirkungen sprechen.

Auf die Frage „Welche Hände entscheiden über unser Essen?“ soll es in der Jugendherberge Antworten geben. Und mit Sebastian Cramer, dessen Familienbetrieb sechs Edeka-Märkte betreibt, sitzt ein Vertreter des Handels auf dem Podium. Deutlich bezieht er Position und lässt durchblicken, dass ihm die Slowfood-Idee durchaus sympathisch ist.

Die Wege vom Erzeuger zum Verbraucher sollten möglichst kurz sein, sagen die Slowfoodler. Foto: Frank Leonhardt/dpa - © Frank Leonhardt
Die Wege vom Erzeuger zum Verbraucher sollten möglichst kurz sein, sagen die Slowfoodler. Foto: Frank Leonhardt/dpa - © Frank Leonhardt

„Regionalität ist bei uns ein großes Thema“, sagt er. Auch auf saisonale Produkte zu setzen, sei ganz in seinem Sinn. Warum beispielsweise zu Weihnachten Erdbeeren und Spargel im Sortiment sein müssen, verstehe er nicht. „Die sind dann auch viel teurer.“

In der von Tagungskoordinatorin Elia Carceller moderierten Veranstaltung fordert Tatjana Wolff mehr Selbstbestimmung für Kunden. „Wir brauchen aufgeklärte Verbraucher“, sagt die Frau des Marktforschungsinstituts „Planet Retail“. Die Strukturen des Einzelhandels müssten sich dahingehend verändern, dass bewusster zu bestimmten Nahrungsmitteln gegriffen werde. In Deutschland habe man keine Not, sagt sie. „Wir kennen keinen Hunger. Wir kennen höchstens Appetit.“

Als Vertreterin des Inkota-Netzwerks nimmt Lena Michelsen an der Podiumsdiskussion teil. Sie ist Referentin für Welternährung und nimmt die Landwirtschaft unter die Lupe. „Wir Verbraucher entscheiden nicht, was in den Regalen liegt“, sagt sie.

Und auch für Sven Perter vom Projekt Goliathwatch gehört die Ernährungssouveränität zu den Herausforderungen unserer Zeit. Die Menschen müssten besser darüber Bescheid wissen, was sie essen. Dazu müsse ein Umdenkungsprozess einsetzen.

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