Folge der Coronakrise: Für die Gäste der Wärmestube gibt es keine Toilette Stefan Koch Minden. Die Lockerungen in der Coronakrise schreiten voran – für die Wärmestube des Caritasverbandes bleiben die Probleme bestehen. Schon seit mehr als einem Jahr versorgen die ehrenamtlichen Kräfte der Einrichtung Bedürftige mit warmem Mittagessen und müssen gleichzeitig die Toilette für die Gäste geschlossen halten. Der Grund sind strengere Vorgaben der Gesundheitsbehörde zum Infektionsschutz. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie ihre Notdurft in weniger einsehbaren Ecken des Umfeldes verrichten müssen. Dazu gab es vor einigen Monaten eine Besprechung mit der Stadt und anderen Beteiligten vor Ort. Eine Lösung des Problems blieb allerdings bislang aus. „Seit Beginn der Coronakrise haben wir keine Möglichkeit, unseren Gästen die eigenen Toiletten zu Verfügung zu stellen“, berichtet Schwester Annette Stuff, Leiterin der Wärmestube. Das fing im März vergangenen Jahres an. Um die Gäste – Menschen aus der Obdachlosenszene und solche mit geringem Einkommen – dennoch nicht unversorgt zu lassen, schloss die Wärmestube ihren Speiseraum und gab das Mittagessen nur noch über eine Durchreiche ab. Mittlerweile ist vor der Tür ein Zeltdach mit Sitzbänken aufgebaut, damit die Betroffen vor der Witterung geschützt ihr Essen verzehren können. Wie Annette Stuff erklärt, seien die Vorgaben der Gesundheitsbehörde derart massiv gewesen, dass niemand der Betroffenen Zugang zu den Toiletten erhalten konnten. So lautete unter anderem die Vorschrift, dass nach jedem Toilettengang eine Kraft eine umfangreiche Desinfektion durchzuführen hat. „Das konnten wir natürlich nicht leisten und hatten uns zu entschlossen, die Toiletten zu schließen.“ Gerade in der Pandemie war nämlich auch das Personal der Wärmestunde ausgedünnt. „Viele unserer Helferinnen und Helfer sind ältere Menschen. Weil sie zur Risikogruppe zählen, kamen sie nicht mehr vorbei“, berichtet Annette Stuff. Während die Wärmestube in guten Zeiten 25 bis 28 Ehrenamtliche hatte, sind es jetzt nur noch 15. „Nach dem Ende des Lockdowns sind viele der Älteren nicht mehr wiederkommen“, sagt die Leiterin. Während der Schließungen und Kontaktbeschränkungen seien zwar jüngere Kräfte eingesprungen, die den Leerlauf in ihrem Leben sinnvoll gestalteten wollten. Diese seien dann aber in ihre Ausbildung oder das Berufsleben zurückgekehrt. „Wir befinden uns in einer schwierigen Lage und brauchen auch jetzt dringend weitere Hilfen.“ Weil für den Toilettendienst keine freie Hand zur Verfügung stand, hatte sich Schwester Annette Stuff an den Seniorenbeirat und andere Stellen gewandt. Viele der Betroffenen hätten Toiletten von Bekannten oder einfach das Gebüsch aufgesucht. „Das ist letztendlich auch eine Frage der Menschenwürde“, sagt sie zu den Folgen der Hygienerichtlinien für die Besucher der Wärmestube. Zu den Leidtragenden der Toilettenschließung gehört unter anderem auch die Offene Kirche St. Simeonis in der Nachbarschaft. Sie besitzt zwar eine eigene Toilette. Die ist aber aus Sicherheitsgründen nur bei Bedarf für Kirchenbesucher geöffnete. Ehrenamtliche Helfer der Kirche berichten gegenüber dem MT, dass immer wieder am Haupteingang der Kirche die Notdurft verrichtet werde. Auch in den umliegenden Gärten der Nachbarschaft komme das vor. „Besonders in der Sommerzeit ist das übel“, sagt eine Zeugin. „Da kommt auch niemand von der Stadt und macht sauber.“ Pfarrer Andreas Brügmann von der Offenen Kirche St. Simeonis legt in diesem Zusammenhang auf die Feststellung Wert, dass es auch weiterhin keine Probleme mit der Wärmestube gebe und dass die Kirche die gute Nachbarschaft unterstütze. Vor einigen Monaten habe es deshalb ein Gespräch vor Ort mit der Stadt, der Stadtwache der Polizei und anderen gegeben. Tenor sei gewesen, dass die Stadt in der oberen Altstadt öffentliche Toiletten vorhalten müsse oder dass Miettoiletten aufgestellt würden. Eine Lösung des Problems habe es dann aber nicht gegeben. Wie Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Mindener Stadtverwaltung erklärt, gebe eine öffentliche Toilette für Bürger und Gäste der Stadt am ZOB, die regelmäßig gereinigt werde und auch während des Lockdowns nicht geschlossen worden sei. Weitere öffentliche Toiletten in der Innenstadt seien in Planung. Mittlerweile könnten auch einige Toiletten in Geschäften und der Gastronomie öffentlich genutzt werden. Zu den aktuellen Richtlinien der Gesundheitsbehörde teilt Sabine Ohnesorge, Pressesprecherin des Kreises Minden-Lübbecke, mit: „Für Toiletten gilt generell, dass sie in regelmäßigen Intervallen gereinigt werden müssen. Es müssen ein Handwaschplatz mit Seife und Einmalhandtüchern sowie Händedesinfektionsmittel vorhanden sein.“ Dies gelte auch, ohne dass ein explizites Hygienekonzept vorgelegt werden müsste.

Folge der Coronakrise: Für die Gäste der Wärmestube gibt es keine Toilette

20 bis 25 Gäste kommen täglich bei der Wärmestube vorbei. Während andernorts die Restaurants ihre Toiletten wieder öffnen, stehen sie vor verschlossenen Türen. MT-Foto: Stefan Koch © Stefan Koch

Minden. Die Lockerungen in der Coronakrise schreiten voran – für die Wärmestube des Caritasverbandes bleiben die Probleme bestehen. Schon seit mehr als einem Jahr versorgen die ehrenamtlichen Kräfte der Einrichtung Bedürftige mit warmem Mittagessen und müssen gleichzeitig die Toilette für die Gäste geschlossen halten. Der Grund sind strengere Vorgaben der Gesundheitsbehörde zum Infektionsschutz. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie ihre Notdurft in weniger einsehbaren Ecken des Umfeldes verrichten müssen. Dazu gab es vor einigen Monaten eine Besprechung mit der Stadt und anderen Beteiligten vor Ort. Eine Lösung des Problems blieb allerdings bislang aus.

„Seit Beginn der Coronakrise haben wir keine Möglichkeit, unseren Gästen die eigenen Toiletten zu Verfügung zu stellen“, berichtet Schwester Annette Stuff, Leiterin der Wärmestube. Das fing im März vergangenen Jahres an. Um die Gäste – Menschen aus der Obdachlosenszene und solche mit geringem Einkommen – dennoch nicht unversorgt zu lassen, schloss die Wärmestube ihren Speiseraum und gab das Mittagessen nur noch über eine Durchreiche ab. Mittlerweile ist vor der Tür ein Zeltdach mit Sitzbänken aufgebaut, damit die Betroffen vor der Witterung geschützt ihr Essen verzehren können.

Wie Annette Stuff erklärt, seien die Vorgaben der Gesundheitsbehörde derart massiv gewesen, dass niemand der Betroffenen Zugang zu den Toiletten erhalten konnten. So lautete unter anderem die Vorschrift, dass nach jedem Toilettengang eine Kraft eine umfangreiche Desinfektion durchzuführen hat. „Das konnten wir natürlich nicht leisten und hatten uns zu entschlossen, die Toiletten zu schließen.“


Gerade in der Pandemie war nämlich auch das Personal der Wärmestunde ausgedünnt. „Viele unserer Helferinnen und Helfer sind ältere Menschen. Weil sie zur Risikogruppe zählen, kamen sie nicht mehr vorbei“, berichtet Annette Stuff. Während die Wärmestube in guten Zeiten 25 bis 28 Ehrenamtliche hatte, sind es jetzt nur noch 15. „Nach dem Ende des Lockdowns sind viele der Älteren nicht mehr wiederkommen“, sagt die Leiterin. Während der Schließungen und Kontaktbeschränkungen seien zwar jüngere Kräfte eingesprungen, die den Leerlauf in ihrem Leben sinnvoll gestalteten wollten. Diese seien dann aber in ihre Ausbildung oder das Berufsleben zurückgekehrt. „Wir befinden uns in einer schwierigen Lage und brauchen auch jetzt dringend weitere Hilfen.“

Weil für den Toilettendienst keine freie Hand zur Verfügung stand, hatte sich Schwester Annette Stuff an den Seniorenbeirat und andere Stellen gewandt. Viele der Betroffenen hätten Toiletten von Bekannten oder einfach das Gebüsch aufgesucht. „Das ist letztendlich auch eine Frage der Menschenwürde“, sagt sie zu den Folgen der Hygienerichtlinien für die Besucher der Wärmestube.

Zu den Leidtragenden der Toilettenschließung gehört unter anderem auch die Offene Kirche St. Simeonis in der Nachbarschaft. Sie besitzt zwar eine eigene Toilette. Die ist aber aus Sicherheitsgründen nur bei Bedarf für Kirchenbesucher geöffnete. Ehrenamtliche Helfer der Kirche berichten gegenüber dem MT, dass immer wieder am Haupteingang der Kirche die Notdurft verrichtet werde. Auch in den umliegenden Gärten der Nachbarschaft komme das vor. „Besonders in der Sommerzeit ist das übel“, sagt eine Zeugin. „Da kommt auch niemand von der Stadt und macht sauber.“

Pfarrer Andreas Brügmann von der Offenen Kirche St. Simeonis legt in diesem Zusammenhang auf die Feststellung Wert, dass es auch weiterhin keine Probleme mit der Wärmestube gebe und dass die Kirche die gute Nachbarschaft unterstütze. Vor einigen Monaten habe es deshalb ein Gespräch vor Ort mit der Stadt, der Stadtwache der Polizei und anderen gegeben. Tenor sei gewesen, dass die Stadt in der oberen Altstadt öffentliche Toiletten vorhalten müsse oder dass Miettoiletten aufgestellt würden. Eine Lösung des Problems habe es dann aber nicht gegeben.

Wie Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Mindener Stadtverwaltung erklärt, gebe eine öffentliche Toilette für Bürger und Gäste der Stadt am ZOB, die regelmäßig gereinigt werde und auch während des Lockdowns nicht geschlossen worden sei. Weitere öffentliche Toiletten in der Innenstadt seien in Planung. Mittlerweile könnten auch einige Toiletten in Geschäften und der Gastronomie öffentlich genutzt werden.

Zu den aktuellen Richtlinien der Gesundheitsbehörde teilt Sabine Ohnesorge, Pressesprecherin des Kreises Minden-Lübbecke, mit: „Für Toiletten gilt generell, dass sie in regelmäßigen Intervallen gereinigt werden müssen. Es müssen ein Handwaschplatz mit Seife und Einmalhandtüchern sowie Händedesinfektionsmittel vorhanden sein.“ Dies gelte auch, ohne dass ein explizites Hygienekonzept vorgelegt werden müsste.

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