Fokus auf kleine Erfolge: Diese Frau kümmert sich um den Klimaschutz im Kreis Doris Christoph Minden. Bei allen Nachteilen kann Leona Eichel der Corona-Krise doch etwas Gutes abgewinnen: den Trend zum Homeoffice zum Beispiel. „Das ist unfassbar positiv“, sagt die Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin des Kreises. Wer nicht zur Arbeit fahren muss, der verursacht weniger Emissionen. „Wenn die Wirtschaft irgendwann wieder anläuft, muss darauf geachtet werden“, findet sie. Generell gebe es im Verkehr- und Gebäudesektor in Sachen Klimaschutz einen riesigen Nachholbedarf. Zurzeit ist auch sie sehr oft im Homeoffice, tauscht sich von dort via Zoom mit Kollegen über den Klimaschutz aus. Seit August arbeitet die 26-Jährige beim Kreis, ihre Stelle wird über die EU und das Land finanziert und ist bis Ende 2021 gesichert. Klima und Umwelt lagen ihr lange, bevor die Bewegung Fridays for Future dafür trommelte, am Herzen: „In meiner Kindheit habe ich viel Zeit draußen verbracht und mich für Natur und Umwelt interessiert“, berichtet Eichel, die im Oberbergischen Kreis aufgewachsen ist, in der Nähe von Bergisch Gladbach. Entsprechend fiel die Wahl ihres Studiengangs aus: In Münster studierte sie Geographie mit dem Nebenfach Landschaftsökologie, den Masterabschluss machte sie in Köln im Fach Geographie, Umwelt und Gesellschaft und arbeitete hier als wissenschaftliche Hilfskraft. Schon da sei es viel um Klimaschutz und die Mensch-Umwelt-Beziehung gegangen. Während dieser Zeit gewann das Thema durch die vor allem von Jugendlichen getragene Fridays-for-Future-Bewegung an Aufmerksamkeit und kam aus der Ökoecke. Eichel hat das interessiert beobachtet. „In Köln gab es natürlich auch Demos.“ Sie war bei einigen Vorträgen, wirkte aber nicht in der Bewegung mit. Sie findet es aber „unfassbar“ wichtig, dass sich junge Menschen einbringen.„Durch Corona hat sich leider der Fokus verlagert. Klimaschutz ist etwas Langfristiges. Das ist für viele nicht so greifbar.“ In diesem Bereich seien 30-Jahres-Perspektiven üblich. „Das Thema ist so groß wie nie zuvor. Es wird wieder aufflammen, wenn Corona abklingt“, ist sie zuversichtlich. Der Kreis Minden-Lübbecke hat sich – wie viele andere Kommunen auch – auf das Thema eingestellt: Es gibt das Integrierte Klimaschutzkonzept mit 61 Maßnahmen, das im vergangenen Jahr vom Kreistag beschlossen wurde. Dank der Klimaoffensive muss zudem bei allen größeren Projekten der Klimaschutz berücksichtigt werden. Außerdem will der Kreis Vorreiter in Sachen Wasserstoffmobilität werden. Viele Aufgaben also, die sich Eichel und ihre Kollegen aufgeteilt haben. Sie arbeitet vor allem als Klimaanpassungsmanagerin, die sich um die bestehenden Folgen kümmert, wie Hitze, Dürre, Starkregen und Überschwemmungen. Mehr Begrünung in der Stadtplanung, etwa von Dächern und Fassaden, könne beispielsweise helfen. „Pflanzen fördern die Verdunstungskühlung. Bei Steinen ist Hitze hingegen sofort fühlbar“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Ihr Ziel ist, dass die Verwaltung bei eigenen Liegenschaften mit gutem Beispiel bei der Begrünung oder Ausstattung mit Photovoltaikanlagen vorangeht. Auch Bürger sollen über den Kreis Mittel vom Land oder Bund dafür beantragen können. Sie würde sich mehr Bürgerbeteiligung wünschen, berichtet Leona Eichel im Zoom-Gespräch. „Aber wir können derzeit nicht viel raus an die Öffentlichkeit gehen.“ Irgendwann soll es eine Baumpflanzaktion geben, die Klimabotschafter-Website ist in Arbeit und ein Klimasparbuch, in dem es Gutscheine für nachhaltige, regionale Läden gibt. Dazu laufen derzeit die Vorbereitungen. In der Verwaltung gebe es eine starke Aufbruchstimmung, ist ihr Eindruck. In Videokonferenzen hält Leona Eichel Kontakt zu den Klimamanagern im Kreisgebiet und auf OWL-Ebene. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Vor- und Nachbereitung des Projekts Evolving Regions der Technischen Universität Dortmund. Die startet im Sommer eine Klimawirkungsanalyse im Kreis und schaut, wie sich zum Beispiel der Gebäude- und Siedlungsbereich auf den Klimawandel vor Ort auswirkt. Daraus können dann konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Beim Klimaschutz hänge alles mit allem zusammen, betont Eichel. „Man muss alle Bereiche mitdenken.“ Das fängt beim Essen an und geht bis zur Sanierung des Hauses. So wie man sich um den Körper kümmere, müsse man das auch beim Planeten tun. Leute deswegen zu bevormunden, sei aber falsch. Niemand könne alles perfekt machen, auch sie nicht. Bei manchen Sachen fällt es ihr allerdings schwer, nachsichtig zu sein. Dass etwa der Regenwald weiter abgeholzt werde mit Auswirkungen aufs globale Klima oder der Ausstoß von Emissionen weitergehe – „das zu sehen, tut weh.“ Ihr Rezept um weiterzumachen: sich auf die kleinen Erfolge konzentrieren.

Fokus auf kleine Erfolge: Diese Frau kümmert sich um den Klimaschutz im Kreis

Minden. Bei allen Nachteilen kann Leona Eichel der Corona-Krise doch etwas Gutes abgewinnen: den Trend zum Homeoffice zum Beispiel. „Das ist unfassbar positiv“, sagt die Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin des Kreises. Wer nicht zur Arbeit fahren muss, der verursacht weniger Emissionen. „Wenn die Wirtschaft irgendwann wieder anläuft, muss darauf geachtet werden“, findet sie. Generell gebe es im Verkehr- und Gebäudesektor in Sachen Klimaschutz einen riesigen Nachholbedarf.

Leona Eichel ist seit August Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin beim Kreis Minden-Lübbecke. Foto: Stephanie Kunde /privat - © stephanie kunde
Leona Eichel ist seit August Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin beim Kreis Minden-Lübbecke. Foto: Stephanie Kunde /privat - © stephanie kunde

Zurzeit ist auch sie sehr oft im Homeoffice, tauscht sich von dort via Zoom mit Kollegen über den Klimaschutz aus. Seit August arbeitet die 26-Jährige beim Kreis, ihre Stelle wird über die EU und das Land finanziert und ist bis Ende 2021 gesichert. Klima und Umwelt lagen ihr lange, bevor die Bewegung Fridays for Future dafür trommelte, am Herzen: „In meiner Kindheit habe ich viel Zeit draußen verbracht und mich für Natur und Umwelt interessiert“, berichtet Eichel, die im Oberbergischen Kreis aufgewachsen ist, in der Nähe von Bergisch Gladbach.

Entsprechend fiel die Wahl ihres Studiengangs aus: In Münster studierte sie Geographie mit dem Nebenfach Landschaftsökologie, den Masterabschluss machte sie in Köln im Fach Geographie, Umwelt und Gesellschaft und arbeitete hier als wissenschaftliche Hilfskraft. Schon da sei es viel um Klimaschutz und die Mensch-Umwelt-Beziehung gegangen. Während dieser Zeit gewann das Thema durch die vor allem von Jugendlichen getragene Fridays-for-Future-Bewegung an Aufmerksamkeit und kam aus der Ökoecke.

Eichel hat das interessiert beobachtet. „In Köln gab es natürlich auch Demos.“ Sie war bei einigen Vorträgen, wirkte aber nicht in der Bewegung mit. Sie findet es aber „unfassbar“ wichtig, dass sich junge Menschen einbringen.„Durch Corona hat sich leider der Fokus verlagert. Klimaschutz ist etwas Langfristiges. Das ist für viele nicht so greifbar.“ In diesem Bereich seien 30-Jahres-Perspektiven üblich. „Das Thema ist so groß wie nie zuvor. Es wird wieder aufflammen, wenn Corona abklingt“, ist sie zuversichtlich.

Der Kreis Minden-Lübbecke hat sich – wie viele andere Kommunen auch – auf das Thema eingestellt: Es gibt das Integrierte Klimaschutzkonzept mit 61 Maßnahmen, das im vergangenen Jahr vom Kreistag beschlossen wurde. Dank der Klimaoffensive muss zudem bei allen größeren Projekten der Klimaschutz berücksichtigt werden. Außerdem will der Kreis Vorreiter in Sachen Wasserstoffmobilität werden.

Viele Aufgaben also, die sich Eichel und ihre Kollegen aufgeteilt haben. Sie arbeitet vor allem als Klimaanpassungsmanagerin, die sich um die bestehenden Folgen kümmert, wie Hitze, Dürre, Starkregen und Überschwemmungen. Mehr Begrünung in der Stadtplanung, etwa von Dächern und Fassaden, könne beispielsweise helfen. „Pflanzen fördern die Verdunstungskühlung. Bei Steinen ist Hitze hingegen sofort fühlbar“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Ihr Ziel ist, dass die Verwaltung bei eigenen Liegenschaften mit gutem Beispiel bei der Begrünung oder Ausstattung mit Photovoltaikanlagen vorangeht. Auch Bürger sollen über den Kreis Mittel vom Land oder Bund dafür beantragen können.

Sie würde sich mehr Bürgerbeteiligung wünschen, berichtet Leona Eichel im Zoom-Gespräch. „Aber wir können derzeit nicht viel raus an die Öffentlichkeit gehen.“ Irgendwann soll es eine Baumpflanzaktion geben, die Klimabotschafter-Website ist in Arbeit und ein Klimasparbuch, in dem es Gutscheine für nachhaltige, regionale Läden gibt. Dazu laufen derzeit die Vorbereitungen. In der Verwaltung gebe es eine starke Aufbruchstimmung, ist ihr Eindruck.

In Videokonferenzen hält Leona Eichel Kontakt zu den Klimamanagern im Kreisgebiet und auf OWL-Ebene. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Vor- und Nachbereitung des Projekts Evolving Regions der Technischen Universität Dortmund. Die startet im Sommer eine Klimawirkungsanalyse im Kreis und schaut, wie sich zum Beispiel der Gebäude- und Siedlungsbereich auf den Klimawandel vor Ort auswirkt. Daraus können dann konkrete Maßnahmen entwickelt werden.

Beim Klimaschutz hänge alles mit allem zusammen, betont Eichel. „Man muss alle Bereiche mitdenken.“ Das fängt beim Essen an und geht bis zur Sanierung des Hauses. So wie man sich um den Körper kümmere, müsse man das auch beim Planeten tun. Leute deswegen zu bevormunden, sei aber falsch. Niemand könne alles perfekt machen, auch sie nicht.

Bei manchen Sachen fällt es ihr allerdings schwer, nachsichtig zu sein. Dass etwa der Regenwald weiter abgeholzt werde mit Auswirkungen aufs globale Klima oder der Ausstoß von Emissionen weitergehe – „das zu sehen, tut weh.“ Ihr Rezept um weiterzumachen: sich auf die kleinen Erfolge konzentrieren.

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