Fleischerei Geier schließt nach 52 Jahren in der Altstadt Ilja Regier Minden (mt). Das ist eine Hiobsbotschaft für die nicht mehr mobilen Menschen in der Altstadt. Vor allem für diejenigen, die auf den Mittagstisch angewiesen sind. Was mit den alten Postkarten an der Wand und den aufgestellten Schweinefiguren im Lokal passiert, weiß Christian Geier noch nicht. Er weiß jedoch, dass er mit seiner Frau Christine den eigenen Laden schließt. Nach 52 Jahren an der Königstraße macht damit ein weiterer Familienbetrieb in der Mindener Innenstadt zu. Der Pachtvertrag läuft bis zum Ende des Jahres, das Ehepaar hat ihn nicht verlängert. Frikadellen zum Mittag gibt es dann genauso wenig wie den Partyservice für den Abend. Drei Mitarbeiter müssen sich was Neues suchen. „Wir geben alles auf“, sagt Christian Geier. Dabei laufe das Geschäft nach wie vor gut. „Wir schalten keine Werbung, haben viele Stammkunden und sind ausgebucht“, sagt der 52-Jährige, der den Laden in der dritten Generation führt. Er hat andere Gründe, warum er nicht mehr weitermachen will. Ihn stören die Bürokratie und der Papierkram, der immer mehr zunehme, weil neue Vorschriften und Auflagen das fordern. „Die Schreibtischarbeit hat nichts mehr mit dem Beruf des Fleischers zu tun und frisst Zeit.“ Ihn wurmt auch, dass Behörden den Selbstständigen Steine in den Weg legen würden – auch das Finanzamt. Dabei zeigt er auf die alte analoge Kasse, die aus nostalgischen Gründen dort steht: „Die dürften wir gar nicht mehr haben, weil sie die Einnahmen nicht speichert.“ Hinzu kommt das Problem mit der Versicherung. Ein Wechsel von der privaten zur gesetzlichen Krankenversicherung sei ab dem 55. Lebensjahr nicht möglich. Schließt er mit 55 den Betrieb, muss er jede Behandlung beim Arzt aus der eigenen Tasche bezahlen. Das kann teuer werden. Zudem bemerkt der Fleischer, dass die Menschen nicht für Qualität bei Lebensmitteln zahlen wollen. „Auch beim Fleisch gilt: Geiz ist geil.“ Was ihm sonst missfällt, ist das Milieu in der Altstadt, das sich verändert habe. Geier berichtet von Respektlosigkeiten und Betrunkenen, die die Scheiben einschlagen. Mehrmals sei er von Männern beleidigt worden, die mit dicken Autos die Straße versperrten. Ohnehin nimmt die Zahl der Fleischereien und Bäckereien in Ostwestfalen-Lippe ab. Mehr als 30 Prozent der Handwerks-Fleischer zogen sich in den letzten zehn Jahren zurück. Doch die Geiers wollen noch lange nicht in den Ruhestand, obwohl sie manchmal bis zu hundert Stunden pro Woche für ihr Geschäft arbeiten. Der gemeinsame Urlaub liegt eine Weile zurück. Er fand nach der Hochzeit statt. Trotzdem möchten beide direkt ohne Auszeit für einen anderen Betrieb arbeiten und ihre Stammkunden mitnehmen. Erste Gespräche laufen bereits. In diesem Jahr schließen neben Geier weitere Läden und Lokale mit viel Tradition in der Innenstadt. Der Jeans- und US-Shop Gausmann macht nach 44 Jahren zu. Auch das Ratscafé verabschiedet sich im Juli (Berichte im MT).

Fleischerei Geier schließt nach 52 Jahren in der Altstadt

Christine und Christian Geier verabschieden sich bald. Beide machen mit der Fleischerei und dem Partyservice an der Königstraße Schluss. MT- © Foto: Ilja Regier

Minden (mt). Das ist eine Hiobsbotschaft für die nicht mehr mobilen Menschen in der Altstadt. Vor allem für diejenigen, die auf den Mittagstisch angewiesen sind. Was mit den alten Postkarten an der Wand und den aufgestellten Schweinefiguren im Lokal passiert, weiß Christian Geier noch nicht. Er weiß jedoch, dass er mit seiner Frau Christine den eigenen Laden schließt. Nach 52 Jahren an der Königstraße macht damit ein weiterer Familienbetrieb in der Mindener Innenstadt zu. Der Pachtvertrag läuft bis zum Ende des Jahres, das Ehepaar hat ihn nicht verlängert. Frikadellen zum Mittag gibt es dann genauso wenig wie den Partyservice für den Abend. Drei Mitarbeiter müssen sich was Neues suchen. „Wir geben alles auf“, sagt Christian Geier.

Dabei laufe das Geschäft nach wie vor gut. „Wir schalten keine Werbung, haben viele Stammkunden und sind ausgebucht“, sagt der 52-Jährige, der den Laden in der dritten Generation führt. Er hat andere Gründe, warum er nicht mehr weitermachen will.

Ihn stören die Bürokratie und der Papierkram, der immer mehr zunehme, weil neue Vorschriften und Auflagen das fordern. „Die Schreibtischarbeit hat nichts mehr mit dem Beruf des Fleischers zu tun und frisst Zeit.“ Ihn wurmt auch, dass Behörden den Selbstständigen Steine in den Weg legen würden – auch das Finanzamt. Dabei zeigt er auf die alte analoge Kasse, die aus nostalgischen Gründen dort steht: „Die dürften wir gar nicht mehr haben, weil sie die Einnahmen nicht speichert.“

Hinzu kommt das Problem mit der Versicherung. Ein Wechsel von der privaten zur gesetzlichen Krankenversicherung sei ab dem 55. Lebensjahr nicht möglich. Schließt er mit 55 den Betrieb, muss er jede Behandlung beim Arzt aus der eigenen Tasche bezahlen. Das kann teuer werden. Zudem bemerkt der Fleischer, dass die Menschen nicht für Qualität bei Lebensmitteln zahlen wollen. „Auch beim Fleisch gilt: Geiz ist geil.“

Was ihm sonst missfällt, ist das Milieu in der Altstadt, das sich verändert habe. Geier berichtet von Respektlosigkeiten und Betrunkenen, die die Scheiben einschlagen. Mehrmals sei er von Männern beleidigt worden, die mit dicken Autos die Straße versperrten.

Ohnehin nimmt die Zahl der Fleischereien und Bäckereien in Ostwestfalen-Lippe ab. Mehr als 30 Prozent der Handwerks-Fleischer zogen sich in den letzten zehn Jahren zurück. Doch die Geiers wollen noch lange nicht in den Ruhestand, obwohl sie manchmal bis zu hundert Stunden pro Woche für ihr Geschäft arbeiten. Der gemeinsame Urlaub liegt eine Weile zurück. Er fand nach der Hochzeit statt. Trotzdem möchten beide direkt ohne Auszeit für einen anderen Betrieb arbeiten und ihre Stammkunden mitnehmen. Erste Gespräche laufen bereits.

In diesem Jahr schließen neben Geier weitere Läden und Lokale mit viel Tradition in der Innenstadt. Der Jeans- und US-Shop Gausmann macht nach 44 Jahren zu. Auch das Ratscafé verabschiedet sich im Juli (Berichte im MT).

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