Fehlstart fürs Homeschooling: Systeme vielfach überlastet Christine Riechmann,Stefan Koch Minden. Schwerer Start für den Distanzunterricht: Online ging an vielen Mindener Schulen am Montag erstmal nicht viel. Das Einwählen aller Schüler von zuhause aus auf die Schulplattformen hat die Server überfordert und dazu geführt, dass Videokonferenzen oft nicht stattfinden konnten und das Herunterladen von Aufgaben nur schwer möglich war. „Bei uns geht nichts mehr", berichtet Ria Urban, Schulleiterin der Freiherr-von-Vincke-Realschule in Minden. Über die Schulplattform Iserv habe es teilweise bis zu 15 Minuten gedauert, Dokumente herunterzuladen. Auch Mails hätten nicht gelesen werden können und Videokonferenzen seien überhaupt nicht mehr zustande gekommen. Obwohl die Schulleiterin davon ausgeht, dass sich die Situation in den nächsten Tagen entspannen wird, sollen die Arbeitsmaterialien heute analog verteilt werden. Die Schüler sollen sich die Aufgaben zeitversetzt in der Schule abholen. Für Ria Urban steht an erster Stelle: „Wir müssen die Kinder erreichen." Nach den Sommerferien hatte das Herder-Gymnasium das Konferenzsystem Jitsi Meet eingeführt. Das Schulmanagementsystem, in das die Lehrer unter anderem Aufgaben für die Schüler einstellen, sei am Montag überfordert gewesen und habe nicht funktioniert wie sonst, so die Schulleiterin Heike Plöger. Und auch das schuleigene Videokonferenzsystem sei durch den gleichzeitigen Zugriff vieler Schüler überlastet gewesen. „Obwohl wir die Kapazitäten bereits erweitert haben", so Plöger. Das habe aber leider nicht ausgereicht. Insgesamt sei das eine schwierige Gemengelage, in der viele Probleme zusammenkämen. Manchmal hätten die technischen Schwierigkeiten auch mit einem schlechten Netz bei den Schülern zu Hause zu tun. Insgesamt sieht Heike Plöger den Montag und Dienstag als Versuchstage, an denen es in erster Linie darum geht, Kontakt zu den Schülern aufzunehmen und zu schauen, was wie funktioniert – oder eben nicht. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass die Kollegen alles geben würden, um mit den Schülern in Kontakt zu treten und den Unterricht weitestgehend zu gewährleisten. Was die nächsten Tage angeht ist die Schulleiterin zuversichtlich: Der Anbieter des Schulmanagementsystems habe die Probleme nach eigener Auskunft behoben und auch die Kapazitäten des Videokonferenzsystems seien erweitert worden. Ohne Probleme verlief der erste Tag des Distanzunterrichts am Besselgymnasium. „Bei uns läuft bisher alles stabil", konnte Andy Kracht, stellvertretender Schulleiter, am frühen Mittag vermelden. Die Schule arbeite mit Microsoft und würde Videokonferenzen über Teams führen. An der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule ließen sich nach MT-Informationen zumindest Aufgaben herunterladen. Das Ratsgymnasium hatte sich für eine Software-Lösung entschieden, bei der der Server aus Gründen des Schutzes personenbezogener Daten im eigenen Haus verbleibt. So ist auch am Rats Iserv im Einsatz, was aufgrund der hohen Nutzerzahl bei den Videokonferenzen der einzelnen Klassen am Montag zu einem Funktionsausfall geführt hatte. 864 Schüler und 100 Lehrer gibt es dort. Aber am Vormittag hatten die IT-Experten 1.600 Gerätezugriffe auf das System registriert. Cordula Küppers, Schulleiterin am Ratstgymnasium, zu dieser Zahl: „Nachdem viele am Montagmorgen zuhause feststellen mussten, dass die Datenübertragung nicht reibungslos funktionierte, wichen sie auf weitere Geräte wie Notebooks oder Smartphones von Angehörigen aus, weil sie glaubten, dass das Problem durch ihr eigenes Endgerät verursacht worden ist." Dadurch sei der Engpass dann noch weiter verschärft worden. Dabei habe der Anbieter Iserv noch vor den Weihnachtsferien die Rechenleistung des Systems verzehnfacht. Wenngleich am Ratsgymnasium kaum Videokonferenzen der einzelnen Klassen möglich waren, ging der Unterricht im Stundenplan weiter. Die Schüler erhielten auch ohne die direkte Kommunikation über den Bildschirm ihre Aufgaben über ein spezielle Modul oder ließen sich diese per E-Mail zusenden. Von Null auf Hundert Kommentar von Stefan Koch  Noch vor einem Jahr hätte es niemand zu denken gewagt, dass Schüler weiterführender Schulen zuhause vor Bildschirmen sitzend per Videokonferenz und Zugriff auf spezielle Aufgabenmodule unterrichtet werden. Ohnehin war das Thema der Digitalisierung von Schulen jahrelang eins, das zeigen sollte, wie rückschrittlich Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern dieser Welt ist. Da wurden Kreidetafeln und Overhead-Projektoren zu Riesenmonitoren und Tablet-Rundumversorgung von Bildungseinrichtungen anderer Länder ins Verhältnis gesetzt und die digitale Kompetenz mitunter als Maß aller Dinge verstanden. Und jetzt? Auch wenn es beim Homeschooling in Minden – so wie in vielen anderen Städten Deutschlands übrigens ebenfalls – haperte, ist das kein Beleg für ein Versagen. Schon vor Monaten nämlich hatten die Schulen zum Sprung nach vorn angesetzt und gezeigt, dass sie Digitalisierung können, wenn es darauf ankommt. So ist davon auszugehen, dass der Unterricht jenseits der gewohnten Klassenräume nach Anlaufschwierigkeiten funktioniert und über Wochen, wenn nicht sogar Monate aufrecht erhalten werden kann, wenn Covid-19 es so will. Durch den aktuellen Digitalschub wird auch nach der Pandemie nichts mehr so sein wie vorher. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass Homeschooling nur ein Notbehelf aber kein Modell der Zukunft ist.

Fehlstart fürs Homeschooling: Systeme vielfach überlastet

Besonders mit Videokonferenzen hat es am ersten Tag des Distanzunterrichts an vielen Mindener Schulen noch gehakt. Viele Systeme waren überlastet. Foto: Imago-Images © imago images/PhotoAlto

Minden. Schwerer Start für den Distanzunterricht: Online ging an vielen Mindener Schulen am Montag erstmal nicht viel. Das Einwählen aller Schüler von zuhause aus auf die Schulplattformen hat die Server überfordert und dazu geführt, dass Videokonferenzen oft nicht stattfinden konnten und das Herunterladen von Aufgaben nur schwer möglich war.

„Bei uns geht nichts mehr", berichtet Ria Urban, Schulleiterin der Freiherr-von-Vincke-Realschule in Minden. Über die Schulplattform Iserv habe es teilweise bis zu 15 Minuten gedauert, Dokumente herunterzuladen. Auch Mails hätten nicht gelesen werden können und Videokonferenzen seien überhaupt nicht mehr zustande gekommen.

Obwohl die Schulleiterin davon ausgeht, dass sich die Situation in den nächsten Tagen entspannen wird, sollen die Arbeitsmaterialien heute analog verteilt werden. Die Schüler sollen sich die Aufgaben zeitversetzt in der Schule abholen. Für Ria Urban steht an erster Stelle: „Wir müssen die Kinder erreichen."

Nach den Sommerferien hatte das Herder-Gymnasium das Konferenzsystem Jitsi Meet eingeführt. Das Schulmanagementsystem, in das die Lehrer unter anderem Aufgaben für die Schüler einstellen, sei am Montag überfordert gewesen und habe nicht funktioniert wie sonst, so die Schulleiterin Heike Plöger. Und auch das schuleigene Videokonferenzsystem sei durch den gleichzeitigen Zugriff vieler Schüler überlastet gewesen. „Obwohl wir die Kapazitäten bereits erweitert haben", so Plöger. Das habe aber leider nicht ausgereicht. Insgesamt sei das eine schwierige Gemengelage, in der viele Probleme zusammenkämen. Manchmal hätten die technischen Schwierigkeiten auch mit einem schlechten Netz bei den Schülern zu Hause zu tun.

Insgesamt sieht Heike Plöger den Montag und Dienstag als Versuchstage, an denen es in erster Linie darum geht, Kontakt zu den Schülern aufzunehmen und zu schauen, was wie funktioniert – oder eben nicht. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass die Kollegen alles geben würden, um mit den Schülern in Kontakt zu treten und den Unterricht weitestgehend zu gewährleisten. Was die nächsten Tage angeht ist die Schulleiterin zuversichtlich: Der Anbieter des Schulmanagementsystems habe die Probleme nach eigener Auskunft behoben und auch die Kapazitäten des Videokonferenzsystems seien erweitert worden.

Ohne Probleme verlief der erste Tag des Distanzunterrichts am Besselgymnasium. „Bei uns läuft bisher alles stabil", konnte Andy Kracht, stellvertretender Schulleiter, am frühen Mittag vermelden. Die Schule arbeite mit Microsoft und würde Videokonferenzen über Teams führen. An der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule ließen sich nach MT-Informationen zumindest Aufgaben herunterladen.

Das Ratsgymnasium hatte sich für eine Software-Lösung entschieden, bei der der Server aus Gründen des Schutzes personenbezogener Daten im eigenen Haus verbleibt. So ist auch am Rats Iserv im Einsatz, was aufgrund der hohen Nutzerzahl bei den Videokonferenzen der einzelnen Klassen am Montag zu einem Funktionsausfall geführt hatte. 864 Schüler und 100 Lehrer gibt es dort. Aber am Vormittag hatten die IT-Experten 1.600 Gerätezugriffe auf das System registriert.

Cordula Küppers, Schulleiterin am Ratstgymnasium, zu dieser Zahl: „Nachdem viele am Montagmorgen zuhause feststellen mussten, dass die Datenübertragung nicht reibungslos funktionierte, wichen sie auf weitere Geräte wie Notebooks oder Smartphones von Angehörigen aus, weil sie glaubten, dass das Problem durch ihr eigenes Endgerät verursacht worden ist." Dadurch sei der Engpass dann noch weiter verschärft worden. Dabei habe der Anbieter Iserv noch vor den Weihnachtsferien die Rechenleistung des Systems verzehnfacht.

Wenngleich am Ratsgymnasium kaum Videokonferenzen der einzelnen Klassen möglich waren, ging der Unterricht im Stundenplan weiter. Die Schüler erhielten auch ohne die direkte Kommunikation über den Bildschirm ihre Aufgaben über ein spezielle Modul oder ließen sich diese per E-Mail zusenden.

Von Null auf Hundert

Kommentar von Stefan Koch 

Noch vor einem Jahr hätte es niemand zu denken gewagt, dass Schüler weiterführender Schulen zuhause vor Bildschirmen sitzend per Videokonferenz und Zugriff auf spezielle Aufgabenmodule unterrichtet werden. Ohnehin war das Thema der Digitalisierung von Schulen jahrelang eins, das zeigen sollte, wie rückschrittlich Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern dieser Welt ist. Da wurden Kreidetafeln und Overhead-Projektoren zu Riesenmonitoren und Tablet-Rundumversorgung von Bildungseinrichtungen anderer Länder ins Verhältnis gesetzt und die digitale Kompetenz mitunter als Maß aller Dinge verstanden. Und jetzt?

Auch wenn es beim Homeschooling in Minden – so wie in vielen anderen Städten Deutschlands übrigens ebenfalls – haperte, ist das kein Beleg für ein Versagen. Schon vor Monaten nämlich hatten die Schulen zum Sprung nach vorn angesetzt und gezeigt, dass sie Digitalisierung können, wenn es darauf ankommt. So ist davon auszugehen, dass der Unterricht jenseits der gewohnten Klassenräume nach Anlaufschwierigkeiten funktioniert und über Wochen, wenn nicht sogar Monate aufrecht erhalten werden kann, wenn Covid-19 es so will.

Durch den aktuellen Digitalschub wird auch nach der Pandemie nichts mehr so sein wie vorher. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass Homeschooling nur ein Notbehelf aber kein Modell der Zukunft ist.

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