Fehlende Genehmigung: Pegelschlange mit Fragezeichen Benjamin Piel Minden. Es hatte den Anschein, dass das geplante Kunstwerk Pegelschlange am Ufer der Weser bereits in trockenen Tüchern sei. Eine Nachfrage bei der zuständigen Bezirksregierung Detmold allerdings zeigt: Eine Genehmigung liegt bisher nicht vor. Und es ist unklar, ob sie erteilt wird. Denn eigentlich ist es nicht vorgesehen, in Überschwemmungsgebieten Bauwerke zu errichten. Dort „gelten viele gesetzliche Verbote mit Genehmigungsvorbehalten", betont Peter Westphal, Sprecher der Bezirksregierung. Die Errichtung eines Kunstwerks sei höchstens vorstellbar „nach eingehender Prüfung" und mit einer Ausnahmegenehmigung. Ein entsprechender Antrag liege der Behörde zwar vor, werde aber noch geprüft. Wie lange das dauert, sei offen. Auch im Hinblick auf die Komplexität des Themas. Die Behörde prüft beispielsweise, ob die Gefahr besteht, dass sich in einem Bauwerk wie der Pegelschlange im Falle eines Hochwassers Baumstämme oder Ähnliches verfangen und den Abfluss behindern könnten. Die Weserfreunde bleiben optimistisch und gehen davon aus, dass die Bezirksregierung das Vorhaben genehmigen wird. Noch hat der Verein den Auftrag an die Berliner Künstlergruppe „Inges Idee" nicht erteilt. Und was, wenn es die Ausnahmegenehmigung nicht gibt? „Dann wird neu nachgedacht", antwortet Liane Hellmund aus dem Vorstand. Trotz der fehlenden Genehmigung haben die Weserfreunde bereits 15 Tonnen Stahlbeton als Fundament in den Boden gießen lassen. Die Bezirksregierung hatte dagegen keine Einwände, weil dadurch „keine nachteiligen Auswirkungen für den Hochwasserschutz" zu erwarten seien. Auch das Projekt Stadtblänke bewegt die Mindener Öffentlichkeit noch immer. Es ist jene Fläche, auf der die Pegelschlange einmal stehen soll. Vor allem eine Frage kommt auch gut ein Jahr nach Fertigstellung noch immer auf: Welchen Effekt hat die Blänke auf den Hochwasserschutz? Zur Erinnerung: Der Verein hatte die Idee bereits 2014 angeschoben, eine Fläche vor der ehemaligen Saftfabrik Löffler in ein Biotop umzugestalten. Die Vertiefung gleich neben dem Fluss soll dem Hochwasserschutz dienen. Ab Mai 2019 wurden rund 12.000 Kubikmeter Boden ausgebaggert. Die Kosten der Aktion liefen aus dem Ruder. Weil unter anderem Steine im Boden die Arbeiten verkomplizierten, schlugen statt veranschlagten 386.000 am Ende 658.000 Euro zu Buche. Das traf vor allem die Stadt Minden, die auf den Mehrkosten sitzen blieb und letztlich 200.000 Euro selbst zahlen musste (Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hatte es geheißen, die Stadt Minden habe für das Projekt 364.000 Euro gezahlt. Tatsächlich liegt der Kostenanteil bei 200.000 Euro. Die Differenz ist dadurch zu erklären, dass das Land sich bereiterklärt hatte, die Förderung auf Antrag der Stadt aufzustocken). „Eine sinnlose Investition", sagt ein pensionierter Wasserbauingenieur, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Weite Teile seines Berufslebens hatte er mit der Weser zu tun und kann bis heute nicht verstehen, inwiefern „dieses kleine Loch" zum Hochwasserschutz beitragen soll. „Ich habe nachgerechnet und komme zum Ergebnis, dass der Effekt minimal ist und schon gar nicht die immensen Kosten rechtfertigt", sagt er. Die Bezirksregierung Detmold hat das Projekt auf der Fläche im Besitz der Bundesrepublik genehmigt. Es sei in der aktuellen „Hochwasserrisikomanagementplanung der Flussgebietseinheit Weser" enthalten, sagt Sprecher Westphal. Die Maßnahme dürfe nicht insoliert, sondern müsse als ein Baustein von vielen gesehen werden: „Jeder gewonnene Kubikmeter Überschwemmungsraum ist aus Sicht des Hochwasserschutzes sinnhaft." Im Bereich der Stadtblänke stelle die Weserbrücke bei Hochwasser eine Engstelle dar: „Durch die Absenkung der angrenzenden Flächen, die bereits bei wenig über dem Mittelwasser liegenden Flusspegeln überflutet werden, und die Rückverlegung der Ufer vergrößert sich der Abflussquerschnitt." Die mehr oder weniger mit stehendem Wasser gefüllte Blänke biete gegenüber dem abfließenden Hochwasser eine geringere Reibung, also weniger Widerstand für eine Hochwasserwelle als bewachsenes Gelände. So könne das Hochwasser besser abfließen. Anders als der Ingenieur hielt und hält die Bezirksregierung das Projekt für sinnvoll. Die Weserfreunde sind „stolz auf das Vorhaben und betrachten es als gelungen", betont Vereinsvorstand Horst Spreckelmeyer. Aus einer Brennnesselwiese sei ein Ort geworden, „der mehr und anderen Arten Heimat bietet". Kringel auf dem Wasser würden von Fischreichtum zeugen, Menschen ziehe es zum Wasser. Und der Aspekt Hochwasserschutz? Den sehen die Weserfreunde als erfüllt an: „Auch wenn die Wirkung auf die Hochwasserstände gering ist: Jeder Zentimeter zählt." - Rechtliche Schritte angekündigt: Heftige Kritik der Anwohner für die Pegelschlange

Fehlende Genehmigung: Pegelschlange mit Fragezeichen

Die Stadtblänke am Rechten Weserufer in Minden sorgt immer wieder für Diskussionen. Dort soll die umstrittene Pegelschlange installiert werden. MT-Foto: Thomas Lieske © Thomas Lieske

Minden. Es hatte den Anschein, dass das geplante Kunstwerk Pegelschlange am Ufer der Weser bereits in trockenen Tüchern sei. Eine Nachfrage bei der zuständigen Bezirksregierung Detmold allerdings zeigt: Eine Genehmigung liegt bisher nicht vor. Und es ist unklar, ob sie erteilt wird. Denn eigentlich ist es nicht vorgesehen, in Überschwemmungsgebieten Bauwerke zu errichten. Dort „gelten viele gesetzliche Verbote mit Genehmigungsvorbehalten", betont Peter Westphal, Sprecher der Bezirksregierung. Die Errichtung eines Kunstwerks sei höchstens vorstellbar „nach eingehender Prüfung" und mit einer Ausnahmegenehmigung.

Ein entsprechender Antrag liege der Behörde zwar vor, werde aber noch geprüft. Wie lange das dauert, sei offen. Auch im Hinblick auf die Komplexität des Themas. Die Behörde prüft beispielsweise, ob die Gefahr besteht, dass sich in einem Bauwerk wie der Pegelschlange im Falle eines Hochwassers Baumstämme oder Ähnliches verfangen und den Abfluss behindern könnten.

Die Weserfreunde bleiben optimistisch und gehen davon aus, dass die Bezirksregierung das Vorhaben genehmigen wird. Noch hat der Verein den Auftrag an die Berliner Künstlergruppe „Inges Idee" nicht erteilt. Und was, wenn es die Ausnahmegenehmigung nicht gibt? „Dann wird neu nachgedacht", antwortet Liane Hellmund aus dem Vorstand.

Trotz der fehlenden Genehmigung haben die Weserfreunde bereits 15 Tonnen Stahlbeton als Fundament in den Boden gießen lassen. Die Bezirksregierung hatte dagegen keine Einwände, weil dadurch „keine nachteiligen Auswirkungen für den Hochwasserschutz" zu erwarten seien.

Auch das Projekt Stadtblänke bewegt die Mindener Öffentlichkeit noch immer. Es ist jene Fläche, auf der die Pegelschlange einmal stehen soll. Vor allem eine Frage kommt auch gut ein Jahr nach Fertigstellung noch immer auf: Welchen Effekt hat die Blänke auf den Hochwasserschutz?

Zur Erinnerung: Der Verein hatte die Idee bereits 2014 angeschoben, eine Fläche vor der ehemaligen Saftfabrik Löffler in ein Biotop umzugestalten. Die Vertiefung gleich neben dem Fluss soll dem Hochwasserschutz dienen. Ab Mai 2019 wurden rund 12.000 Kubikmeter Boden ausgebaggert. Die Kosten der Aktion liefen aus dem Ruder. Weil unter anderem Steine im Boden die Arbeiten verkomplizierten, schlugen statt veranschlagten 386.000 am Ende 658.000 Euro zu Buche. Das traf vor allem die Stadt Minden, die auf den Mehrkosten sitzen blieb und letztlich 200.000 Euro selbst zahlen musste (Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hatte es geheißen, die Stadt Minden habe für das Projekt 364.000 Euro gezahlt. Tatsächlich liegt der Kostenanteil bei 200.000 Euro. Die Differenz ist dadurch zu erklären, dass das Land sich bereiterklärt hatte, die Förderung auf Antrag der Stadt aufzustocken).

„Eine sinnlose Investition", sagt ein pensionierter Wasserbauingenieur, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Weite Teile seines Berufslebens hatte er mit der Weser zu tun und kann bis heute nicht verstehen, inwiefern „dieses kleine Loch" zum Hochwasserschutz beitragen soll. „Ich habe nachgerechnet und komme zum Ergebnis, dass der Effekt minimal ist und schon gar nicht die immensen Kosten rechtfertigt", sagt er.

Die Bezirksregierung Detmold hat das Projekt auf der Fläche im Besitz der Bundesrepublik genehmigt. Es sei in der aktuellen „Hochwasserrisikomanagementplanung der Flussgebietseinheit Weser" enthalten, sagt Sprecher Westphal. Die Maßnahme dürfe nicht insoliert, sondern müsse als ein Baustein von vielen gesehen werden: „Jeder gewonnene Kubikmeter Überschwemmungsraum ist aus Sicht des Hochwasserschutzes sinnhaft."

Im Bereich der Stadtblänke stelle die Weserbrücke bei Hochwasser eine Engstelle dar: „Durch die Absenkung der angrenzenden Flächen, die bereits bei wenig über dem Mittelwasser liegenden Flusspegeln überflutet werden, und die Rückverlegung der Ufer vergrößert sich der Abflussquerschnitt." Die mehr oder weniger mit stehendem Wasser gefüllte Blänke biete gegenüber dem abfließenden Hochwasser eine geringere Reibung, also weniger Widerstand für eine Hochwasserwelle als bewachsenes Gelände. So könne das Hochwasser besser abfließen. Anders als der Ingenieur hielt und hält die Bezirksregierung das Projekt für sinnvoll.

Die Weserfreunde sind „stolz auf das Vorhaben und betrachten es als gelungen", betont Vereinsvorstand Horst Spreckelmeyer. Aus einer Brennnesselwiese sei ein Ort geworden, „der mehr und anderen Arten Heimat bietet". Kringel auf dem Wasser würden von Fischreichtum zeugen, Menschen ziehe es zum Wasser. Und der Aspekt Hochwasserschutz? Den sehen die Weserfreunde als erfüllt an: „Auch wenn die Wirkung auf die Hochwasserstände gering ist: Jeder Zentimeter zählt."

- Rechtliche Schritte angekündigt: Heftige Kritik der Anwohner für die Pegelschlange

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