Familienhaus am Deichhof soll 2020 fertig sein Monika Jäger Minden (mt). Die Idee war zukunftsorientiert: Ein Zentrum für Familien und junge Mütter, mitten in der Stadt, in dem Beratungsstellen, Hilfsangebote und ein Treffpunkt untergebracht sind. Den Traum von diesem Gemeinschaftshaus hatten vor drei Jahren viele heimische Träger. In der Rudloff-Stiftung fanden sie einen Partner, der bereit war, den auch aus ihrer Sicht wichtigen Gedanken in die Realität umzusetzen. Jetzt, zwei Jahre später, ist von diesem übergreifenden Ansatz nicht mehr viel geblieben. Mit Ausnahme der Stadt Minden seien inzwischen alle anderen abgesprungen, die damals auch Beratungsstellen mit im damals geplanten „Mifiz" – Mindener Familienzentrum – unterbringen wollten, berichtet Ute Kolbow, Vorstandsvorsitzende der Mindener Rudloff-Stiftung und der Dr. Strothmann-Stiftung. Dafür nennt sie mehrere Gründe. Die Umsetzung dauerte viel länger als geplant, und unter anderem zeigte sich für viele Interessenten, dass Theorie und Praxis nicht passten. So suchten einige nur für wenige Stunden in der Woche einen Büro- oder Beratungsraum. Die Stiftung jedoch vermietet Büros und auch Seminarräume nicht stundenweise. Ihr Konzept sieht vor, das Haus zu errichten, nicht jedoch eine kurzfristige Vermietung mit wechselnden Nutzern zu organisieren und zu managen. „Dafür haben wir überhaupt nicht das Personal." Auf jeden Fall werden jedoch die „Frühen Hilfen" der Stadt Minden einziehen, so Kolbow am Montag gegenüber dem MT. Das habe die Verwaltung zugesagt. Werdende Eltern und Eltern mit Kindern bis drei Jahren finden dort Unterstützung, Beratung, Information- und Entlastungsangebote. Bisher gibt es Sprechstunden im Johannes Wesling Klinikum und im Rathaus. Damit wären dann die Hälfte der Flächen vermietet, so Kolbow. Rund 300 weitere Quadratmeter stehen noch zur Verfügung. Und auch, wenn die ursprüngliche Idee eines gemeinsamen Zentrums für Familien mit einem Generalmieter sich zerschlagen hat, will Kolbow an der Grundidee festhalten. Angebote zu finden, die sich rund um das Thema „Kinder" drehen, ist ihr ein Anliegen. Denn das ist auch eines der zentralen Themen der beiden Stiftungen – zur Rudloff-Stiftung ist inzwischen die Dr Strothmann-Stiftung hinzugekommen. Auch andere Flächen sind bereits vermietet: 850 Quadratmeter wird ein Mutter-Kind-Zentrum eines heimischen Trägers nutzen, eine Großtagespflege mit 170 Quadratmetern wird einziehen. Abgesprungen ist allerdings auch der bisherige Interessent für das Bistro-Café an der Ecke. „Wir wünschen uns sehr, dass wir für alle freien Flächen und besonders das Café weitere soziale Einrichtungen als Mieter oder Betreiber finden", betont Kolbow. „Aber wenn das nicht funktioniert, sind wir auch für private Interessenten offen – sowohl für das Café als auch für die Büros." Dabei will die Stiftung das Thema „Kinder" im Auge behalten. Kinderärzte und Kinderpsychologen zum Beispiel könnten dann ebenfalls am Deichhof residieren. Dorthin ziehen können auch Mütter mit kleinen Kindern – neun Appartements sind dafür vorgesehen. Acht weitere Wohnungen werden barrierefrei eingerichtet, eine komplett rollstuhlgerecht – vorausgesetzt, es gibt dafür einen Mietinteressenten. „Wir wollen soweit es geht am sozialen Gedanken festhalten", sagt Kolbow. „Das war 2016 einer der Gründe dafür, dass wir den Zuschlag für das Gelände bekommen haben, und wir haben verstanden, dass dieser Aspekt der Mindener Politik und Verwaltung sehr wichtig ist." Nicht nur die Vermietung machte den Planern Kopfzerbrechen. Sehr bald zeigte sich: Der Untergrund ist schwierig – jedenfalls für alle, die dort eine Tiefgarage bauen wollen. „Torf und Wasser", sagt Kolbow: „Offenbar verläuft hier ein uraltes Bett der Bastau." Das macht Gründung und Dichtung des Gebäudes sehr viel aufwendiger als gedacht. Zehn Meter tief müssen die Betonpfeiler nun in den Boden getrieben werden, in einem schonenderen Verfahren als die sonst üblichen Metall-Spundwände. Keine Tiefgarage zu bauen, darüber haben die Stiftungsverantwortlichen auch nachgedacht. Doch das hätte wesentliche Einschnitte in das ursprüngliche Konzept bedeutet. Eine Etage wäre weggefallen, der Garten hätte nicht gebaut werden können. Und weil beim Zuschlag auch ein Aspekt war, dass die Mitbewerber keine Tiefgarage geplant hatten, entschied die Stiftung auch hier, an der Ursprungsidee festzuhalten. „Wir blieben dabei, weil wir die Alternativen nicht schön fänden." All diese Probleme verzögerten den Bau – auch das ist mit ein Grund, warum nicht mehr alle im Boot sind. Hat auch die Stiftung mal darüber nachgedacht, von dem Projekt Abstand zu nehmen? Kolbow nickt: „Die Zeiten hat es durchaus gegeben." Um das finanzielle Risiko zu streuen, sei inzwischen die Dr. Strothmann-Stiftung mit eingestiegen. „Die Bau-Detailplanung geht aber jetzt mit großen Schritten voran, der Bauantrag ist bei der Stadt Minden eingereicht", fasst Kolbow zusammen. 2020 soll das Zentrum nun fertig sein. Der Mindener Bauausschuss befasst sich in seiner Sitzung am Mittwoch nochmals mit dem Thema. Die damaligen Mitbewerber um das Grundstück am Deichhof wollten ein Mehrgenerationenhaus errichten. Diese konnten bisher jedoch kein passendes anderes Grundstück finden.

Familienhaus am Deichhof soll 2020 fertig sein

Entwurf für das neue Haus am Deichhof, das die Mindener Rudloff- und die Dr. Strothmann-Stiftung gemeinsam realisieren. Grafik: pm/pr

Minden (mt). Die Idee war zukunftsorientiert: Ein Zentrum für Familien und junge Mütter, mitten in der Stadt, in dem Beratungsstellen, Hilfsangebote und ein Treffpunkt untergebracht sind. Den Traum von diesem Gemeinschaftshaus hatten vor drei Jahren viele heimische Träger. In der Rudloff-Stiftung fanden sie einen Partner, der bereit war, den auch aus ihrer Sicht wichtigen Gedanken in die Realität umzusetzen. Jetzt, zwei Jahre später, ist von diesem übergreifenden Ansatz nicht mehr viel geblieben.

Mit Ausnahme der Stadt Minden seien inzwischen alle anderen abgesprungen, die damals auch Beratungsstellen mit im damals geplanten „Mifiz" – Mindener Familienzentrum – unterbringen wollten, berichtet Ute Kolbow, Vorstandsvorsitzende der Mindener Rudloff-Stiftung und der Dr. Strothmann-Stiftung. Dafür nennt sie mehrere Gründe. Die Umsetzung dauerte viel länger als geplant, und unter anderem zeigte sich für viele Interessenten, dass Theorie und Praxis nicht passten. So suchten einige nur für wenige Stunden in der Woche einen Büro- oder Beratungsraum. Die Stiftung jedoch vermietet Büros und auch Seminarräume nicht stundenweise. Ihr Konzept sieht vor, das Haus zu errichten, nicht jedoch eine kurzfristige Vermietung mit wechselnden Nutzern zu organisieren und zu managen. „Dafür haben wir überhaupt nicht das Personal."

Grafik: pm/pr
Grafik: pm/pr

Auf jeden Fall werden jedoch die „Frühen Hilfen" der Stadt Minden einziehen, so Kolbow am Montag gegenüber dem MT. Das habe die Verwaltung zugesagt. Werdende Eltern und Eltern mit Kindern bis drei Jahren finden dort Unterstützung, Beratung, Information- und Entlastungsangebote. Bisher gibt es Sprechstunden im Johannes Wesling Klinikum und im Rathaus.

Grafik: pm/pr
Grafik: pm/pr

Damit wären dann die Hälfte der Flächen vermietet, so Kolbow. Rund 300 weitere Quadratmeter stehen noch zur Verfügung. Und auch, wenn die ursprüngliche Idee eines gemeinsamen Zentrums für Familien mit einem Generalmieter sich zerschlagen hat, will Kolbow an der Grundidee festhalten. Angebote zu finden, die sich rund um das Thema „Kinder" drehen, ist ihr ein Anliegen. Denn das ist auch eines der zentralen Themen der beiden Stiftungen – zur Rudloff-Stiftung ist inzwischen die Dr Strothmann-Stiftung hinzugekommen.

Auch andere Flächen sind bereits vermietet: 850 Quadratmeter wird ein Mutter-Kind-Zentrum eines heimischen Trägers nutzen, eine Großtagespflege mit 170 Quadratmetern wird einziehen. Abgesprungen ist allerdings auch der bisherige Interessent für das Bistro-Café an der Ecke. „Wir wünschen uns sehr, dass wir für alle freien Flächen und besonders das Café weitere soziale Einrichtungen als Mieter oder Betreiber finden", betont Kolbow. „Aber wenn das nicht funktioniert, sind wir auch für private Interessenten offen – sowohl für das Café als auch für die Büros." Dabei will die Stiftung das Thema „Kinder" im Auge behalten. Kinderärzte und Kinderpsychologen zum Beispiel könnten dann ebenfalls am Deichhof residieren.

Dorthin ziehen können auch Mütter mit kleinen Kindern – neun Appartements sind dafür vorgesehen. Acht weitere Wohnungen werden barrierefrei eingerichtet, eine komplett rollstuhlgerecht – vorausgesetzt, es gibt dafür einen Mietinteressenten. „Wir wollen soweit es geht am sozialen Gedanken festhalten", sagt Kolbow. „Das war 2016 einer der Gründe dafür, dass wir den Zuschlag für das Gelände bekommen haben, und wir haben verstanden, dass dieser Aspekt der Mindener Politik und Verwaltung sehr wichtig ist."

Nicht nur die Vermietung machte den Planern Kopfzerbrechen. Sehr bald zeigte sich: Der Untergrund ist schwierig – jedenfalls für alle, die dort eine Tiefgarage bauen wollen. „Torf und Wasser", sagt Kolbow: „Offenbar verläuft hier ein uraltes Bett der Bastau."

Das macht Gründung und Dichtung des Gebäudes sehr viel aufwendiger als gedacht. Zehn Meter tief müssen die Betonpfeiler nun in den Boden getrieben werden, in einem schonenderen Verfahren als die sonst üblichen Metall-Spundwände. Keine Tiefgarage zu bauen, darüber haben die Stiftungsverantwortlichen auch nachgedacht. Doch das hätte wesentliche Einschnitte in das ursprüngliche Konzept bedeutet. Eine Etage wäre weggefallen, der Garten hätte nicht gebaut werden können. Und weil beim Zuschlag auch ein Aspekt war, dass die Mitbewerber keine Tiefgarage geplant hatten, entschied die Stiftung auch hier, an der Ursprungsidee festzuhalten. „Wir blieben dabei, weil wir die Alternativen nicht schön fänden."

All diese Probleme verzögerten den Bau – auch das ist mit ein Grund, warum nicht mehr alle im Boot sind. Hat auch die Stiftung mal darüber nachgedacht, von dem Projekt Abstand zu nehmen? Kolbow nickt: „Die Zeiten hat es durchaus gegeben." Um das finanzielle Risiko zu streuen, sei inzwischen die Dr. Strothmann-Stiftung mit eingestiegen.

„Die Bau-Detailplanung geht aber jetzt mit großen Schritten voran, der Bauantrag ist bei der Stadt Minden eingereicht", fasst Kolbow zusammen. 2020 soll das Zentrum nun fertig sein.

Der Mindener Bauausschuss befasst sich in seiner Sitzung am Mittwoch nochmals mit dem Thema. Die damaligen Mitbewerber um das Grundstück am Deichhof wollten ein Mehrgenerationenhaus errichten. Diese konnten bisher jedoch kein passendes anderes Grundstück finden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden