Falsche Scham oder zu undurchsichtig? Bildungspaket betrifft 2500 Kinder und Jugendliche in Minden / Erst drei Prozent Anträge in Minden gestellt Von Karolin Idelberger und Milena Ramin Minden (idel/mr). Seit Anfang April stehen Empfängern von finanzieller staatlicher Unterstützung Zuschüsse für Freizeit- und Schulbedarf ihrer Kinder zu. Doch bisher gibt es in Minden sowie im gesamten Bundesgebiet (MT berichtete) nur eine geringe Resonanz. Rund 2500 Kinder und Jugendliche aus finanzschwachen Familien sind in der Stadt Minden leistungsberechtigt, so Sabine Ohnesorge, Pressesprecherin des Kreises. Ihnen stehen Zuschüsse für Mittagessen in Schulen und Kindertagesstätten, Schulausflüge und Nachhilfeunterricht zu. Freizeitaktivitäten wie Vereinssport oder Musikunterricht werden ebenfalls bezuschusst.Obwohl die Antragstellung bereits seit Anfang April möglich ist, haben in Minden nur etwa drei Prozent der Berechtigten diese Möglichkeit wahrgenommen, berichtet Peter Schwarze, Bereichsleiter für das SGB II der Stadtverwaltung Minden.Um seit Anfang Januar 2011 entstandene Kosten zurückerstattet zu bekommen, müssten Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld bis zum 30. April einen Antrag stellen. Familien, die Wohngeld oder den Kinderzuschlag beziehen, haben noch bis zum 31. Mai Zeit, den Anspruch auf Rückerstattung geltend zu machen. Zurzeit wird jedoch in der Politik über eine Fristverlängerung diskutiert. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen plant zusätzlich, betroffene Eltern durch Briefe über das Bildungspaket in Kenntnis zu setzen.Das sollen allerdings die zuständigen Kommunen übernehmen, meint die Ministerin, der von Kritikern vorgeworfen wird, ihre 2,3 Millionen Euro teure Werbeoffensive, unter anderem mit Großflächenplakaten, für ihr Bildungspaket sei wenig effektiv gewesen.Bislang erst 30 bis 40 AnträgeLaut Schwarze sind bei der Stadt Minden bisher 30 bis 40 Anträge auf Erstattung von Kosten bei Sportvereinen eingegangen. Das Interesse für Musikunterricht ist bisher gering. "Lediglich zwei Anträge wurden gestellt", teilte Jürgen Morche, Leiter der Musikschule Minden, mit. Die Schule bemühe sich jedoch mit zusätzlichen Ermäßigungen, mehr Kindern aus finanziell bedürftigen Familien eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Dabei werde sowohl Rabatt auf den Unterricht als auch auf Leihinstrumente gewährt.Trotz der Vorteile des Paketes gibt es Gründe, weshalb wohl auch in Zukunft von vielen berechtigten Familien dieses Angebot nicht genutzt werden wird. Dr. Christopher Kraus vom Mindener Arbeitslosenzentrum (MALZ) erklärt: "Viele Eltern schämen sich für ihre Situation und möchten nicht, dass durch einen Antrag an Schule oder Verein ihre finanzielle Lage preisgegeben wird." Demnach führe das Versenden der Briefe seiner Einschätzung nach zu keiner Verbesserung.In Minden komme hinzu, dass Mittagessen für bedürftige Grundschüler ohnehin subventioniert werden. Dies könnte dazu führen, dass Eltern eine Beantragung der Übernahme von Kosten für das Essen ihrer Kinder als unnötig empfinden, erläuterte die Pressestelle der Stadt Minden.Anträge für die finanzielle Unterstützung gibt es in den kommunalen Stellen von Pro Arbeit. Auch im Internet finden sich Antragsvordrucke unter "www.gegen-hartz.de". Eine unabhängige Beratung rund um das Bildungspaket bietet das MALZ jeden Dienstag zwischen 10 und 12.30 Uhr im alten Rathaus an. Dort gibt es auch außerhalb der Öffnungszeiten Informationen.

Falsche Scham oder zu undurchsichtig?

Minden (idel/mr). Seit Anfang April stehen Empfängern von finanzieller staatlicher Unterstützung Zuschüsse für Freizeit- und Schulbedarf ihrer Kinder zu. Doch bisher gibt es in Minden sowie im gesamten Bundesgebiet (MT berichtete) nur eine geringe Resonanz.

Nur sehr wenige Berechtigte haben das Angebot, den Musikunterricht ihrer Kinder bezuschussen zu lassen, bisher wahrgenommen. - © Foto: MT-Archiv
Nur sehr wenige Berechtigte haben das Angebot, den Musikunterricht ihrer Kinder bezuschussen zu lassen, bisher wahrgenommen. - © Foto: MT-Archiv

Rund 2500 Kinder und Jugendliche aus finanzschwachen Familien sind in der Stadt Minden leistungsberechtigt, so Sabine Ohnesorge, Pressesprecherin des Kreises. Ihnen stehen Zuschüsse für Mittagessen in Schulen und Kindertagesstätten, Schulausflüge und Nachhilfeunterricht zu. Freizeitaktivitäten wie Vereinssport oder Musikunterricht werden ebenfalls bezuschusst.

Obwohl die Antragstellung bereits seit Anfang April möglich ist, haben in Minden nur etwa drei Prozent der Berechtigten diese Möglichkeit wahrgenommen, berichtet Peter Schwarze, Bereichsleiter für das SGB II der Stadtverwaltung Minden.

Um seit Anfang Januar 2011 entstandene Kosten zurückerstattet zu bekommen, müssten Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld bis zum 30. April einen Antrag stellen. Familien, die Wohngeld oder den Kinderzuschlag beziehen, haben noch bis zum 31. Mai Zeit, den Anspruch auf Rückerstattung geltend zu machen. Zurzeit wird jedoch in der Politik über eine Fristverlängerung diskutiert. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen plant zusätzlich, betroffene Eltern durch Briefe über das Bildungspaket in Kenntnis zu setzen.

Das sollen allerdings die zuständigen Kommunen übernehmen, meint die Ministerin, der von Kritikern vorgeworfen wird, ihre 2,3 Millionen Euro teure Werbeoffensive, unter anderem mit Großflächenplakaten, für ihr Bildungspaket sei wenig effektiv gewesen.

Bislang erst 30 bis 40 Anträge

Laut Schwarze sind bei der Stadt Minden bisher 30 bis 40 Anträge auf Erstattung von Kosten bei Sportvereinen eingegangen. Das Interesse für Musikunterricht ist bisher gering. "Lediglich zwei Anträge wurden gestellt", teilte Jürgen Morche, Leiter der Musikschule Minden, mit. Die Schule bemühe sich jedoch mit zusätzlichen Ermäßigungen, mehr Kindern aus finanziell bedürftigen Familien eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Dabei werde sowohl Rabatt auf den Unterricht als auch auf Leihinstrumente gewährt.

Trotz der Vorteile des Paketes gibt es Gründe, weshalb wohl auch in Zukunft von vielen berechtigten Familien dieses Angebot nicht genutzt werden wird. Dr. Christopher Kraus vom Mindener Arbeitslosenzentrum (MALZ) erklärt: "Viele Eltern schämen sich für ihre Situation und möchten nicht, dass durch einen Antrag an Schule oder Verein ihre finanzielle Lage preisgegeben wird." Demnach führe das Versenden der Briefe seiner Einschätzung nach zu keiner Verbesserung.

In Minden komme hinzu, dass Mittagessen für bedürftige Grundschüler ohnehin subventioniert werden. Dies könnte dazu führen, dass Eltern eine Beantragung der Übernahme von Kosten für das Essen ihrer Kinder als unnötig empfinden, erläuterte die Pressestelle der Stadt Minden.

Anträge für die finanzielle Unterstützung gibt es in den kommunalen Stellen von Pro Arbeit. Auch im Internet finden sich Antragsvordrucke unter "www.gegen-hartz.de". Eine unabhängige Beratung rund um das Bildungspaket bietet das MALZ jeden Dienstag zwischen 10 und 12.30 Uhr im alten Rathaus an. Dort gibt es auch außerhalb der Öffnungszeiten Informationen.

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