Falsche Polizisten aus Minden und Petershagen verurteilt - Täter wollten Senior um dessen Ersparnisse bringen Nils Middelhauve Minden/Halle/Bielefeld. Wenn es einer Definition der Worte „maximal blöd gelaufen" bedürfte, so würden die drei Männer wohl einfach auf jenen Abend verweisen, an dem sie glaubten, schnell und leicht an das Geld anderer Leute zu kommen – ein Abend, der für sie jedoch in Handschellen endete. Das Bielefelder Amtsgericht verurteilte nun drei Männer aus Petershagen und Minden wegen versuchten Betrugs zu Bewährungsstrafen zwischen acht und achtzehn Monaten: Sie hatten im Auftrag einer Bande falscher Polizisten einen betagten Herrn in Halle um dessen Ersparnisse bringen sollen. Durch einen Zufall war das Unterfangen jedoch vollständig fehlgeschlagen. Im Spätsommer 2019 erhielt der nun verurteilte 27-jährige Inan T. (Namen aller Betroffenen geändert) aus Minden einen Anruf eines ihm unbekannten Manns. Bei diesem handelte es sich um einen seinerzeitigen Häftling, der die Nummer von T. von einer Knastbekanntschaft hatte. Der Anrufer berichtete ihm, dass er im Auftrag einer Bande falscher Polizisten Geldabholer suche und fragte, ob T. ihm nicht solche vermitteln könne. Inan T. stellte sodann den Kontakt zu dem nun ebenfalls geklagten Zubair L. aus Minden her, dieser wiederum holte den dritten Angeklagten, den aus Petershagen stammenden Jalal B. (31), sowie den gesondert verfolgten S. ins Boot. Am 10. September 2019 klingelte bei einem damals 93 Jahre alten Rentner in Halle das Telefon. Es meldete sich ein vermeintlicher Polizist, der dem Senioren eine der mittlerweile wohl hinlänglich bekannten Geschichten auftischte, dass dessen Geld nicht sicher sei und er dieses zur Aufbewahrung den bald erscheinenden Zivilkollegen übergeben solle. Der Rentner gab an, etwa 1.500 Euro Bargeld sowie Schmuck im Haus zu haben. Die Wertsachen und das Bargeld solle er, so der Anrufer, vor dem Haus deponieren – die Kollegen würden es dann einsammeln. Wie so oft in derartigen Fällen sagte der Anrufer, der 93-Jährige möge doch die 110 wählen, um sicher zu sein, dass er auch tatsächlich mit der Polizei spreche. Ein perfider Trick, denn auf diese Weise landen derartige Anrufe wieder bei den zumeist aus der Türkei heraus agierenden Callcentern. Allerdings – und hier entschied der Zufall über das weitere Geschehen – funktioniert dies nur, wenn das verunsicherte potenzielle Betrugsopfer seinen Festnetzanschluss benutzt. Im vorliegenden Fall war jedoch nach dem längeren Telefonat mit dem vermeintlichen Polizisten der Akku des Festnetztelefons des Rentners leer. Er nahm also ein Handy, wählte die 110 – und traf am anderen Apparat auf äußerst interessierte – echte – Polizisten. Der Senior legte in jener Nacht sodann absprachegemäß sein Geld vor die Tür und wartete, bis zunächst Zubair L., S. und Jalal B. und gleich darauf – quasi als Überraschungsgäste – die echten Polizisten vor seiner Tür erschienen. Der Rentner erhielt sein Geld zurück, die drei Abholer Handschellen angelegt. Vor dem Bielefelder Amtsgericht legten Inan T. und Zubair L. weitgehende Geständnisse ab, lediglich Jalal B. will nicht so recht gewusst haben, warum er mit den anderen eigentlich mit nach Halle habe fahren sollen. Dass er jedoch vor Ort angetroffen worden war, konnte er letztlich auch nicht leugnen. Sämtliche Angeklagte sind vorbestraft, Jalal B. war erst wenige Tage vor der Verhandlung vom Bielefelder Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Diese ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Falsche Polizisten aus Minden und Petershagen verurteilt - Täter wollten Senior um dessen Ersparnisse bringen

Polizei Foto: MT-Archiv © MT-Archiv

Minden/Halle/Bielefeld. Wenn es einer Definition der Worte „maximal blöd gelaufen" bedürfte, so würden die drei Männer wohl einfach auf jenen Abend verweisen, an dem sie glaubten, schnell und leicht an das Geld anderer Leute zu kommen – ein Abend, der für sie jedoch in Handschellen endete. Das Bielefelder Amtsgericht verurteilte nun drei Männer aus Petershagen und Minden wegen versuchten Betrugs zu Bewährungsstrafen zwischen acht und achtzehn Monaten: Sie hatten im Auftrag einer Bande falscher Polizisten einen betagten Herrn in Halle um dessen Ersparnisse bringen sollen. Durch einen Zufall war das Unterfangen jedoch vollständig fehlgeschlagen.

Im Spätsommer 2019 erhielt der nun verurteilte 27-jährige Inan T. (Namen aller Betroffenen geändert) aus Minden einen Anruf eines ihm unbekannten Manns. Bei diesem handelte es sich um einen seinerzeitigen Häftling, der die Nummer von T. von einer Knastbekanntschaft hatte. Der Anrufer berichtete ihm, dass er im Auftrag einer Bande falscher Polizisten Geldabholer suche und fragte, ob T. ihm nicht solche vermitteln könne.

Inan T. stellte sodann den Kontakt zu dem nun ebenfalls geklagten Zubair L. aus Minden her, dieser wiederum holte den dritten Angeklagten, den aus Petershagen stammenden Jalal B. (31), sowie den gesondert verfolgten S. ins Boot.


Am 10. September 2019 klingelte bei einem damals 93 Jahre alten Rentner in Halle das Telefon. Es meldete sich ein vermeintlicher Polizist, der dem Senioren eine der mittlerweile wohl hinlänglich bekannten Geschichten auftischte, dass dessen Geld nicht sicher sei und er dieses zur Aufbewahrung den bald erscheinenden Zivilkollegen übergeben solle.

Der Rentner gab an, etwa 1.500 Euro Bargeld sowie Schmuck im Haus zu haben. Die Wertsachen und das Bargeld solle er, so der Anrufer, vor dem Haus deponieren – die Kollegen würden es dann einsammeln. Wie so oft in derartigen Fällen sagte der Anrufer, der 93-Jährige möge doch die 110 wählen, um sicher zu sein, dass er auch tatsächlich mit der Polizei spreche. Ein perfider Trick, denn auf diese Weise landen derartige Anrufe wieder bei den zumeist aus der Türkei heraus agierenden Callcentern.

Allerdings – und hier entschied der Zufall über das weitere Geschehen – funktioniert dies nur, wenn das verunsicherte potenzielle Betrugsopfer seinen Festnetzanschluss benutzt.

Im vorliegenden Fall war jedoch nach dem längeren Telefonat mit dem vermeintlichen Polizisten der Akku des Festnetztelefons des Rentners leer. Er nahm also ein Handy, wählte die 110 – und traf am anderen Apparat auf äußerst interessierte – echte – Polizisten. Der Senior legte in jener Nacht sodann absprachegemäß sein Geld vor die Tür und wartete, bis zunächst Zubair L., S. und Jalal B. und gleich darauf – quasi als Überraschungsgäste – die echten Polizisten vor seiner Tür erschienen.

Der Rentner erhielt sein Geld zurück, die drei Abholer Handschellen angelegt.

Vor dem Bielefelder Amtsgericht legten Inan T. und Zubair L. weitgehende Geständnisse ab, lediglich Jalal B. will nicht so recht gewusst haben, warum er mit den anderen eigentlich mit nach Halle habe fahren sollen.

Dass er jedoch vor Ort angetroffen worden war, konnte er letztlich auch nicht leugnen. Sämtliche Angeklagte sind vorbestraft, Jalal B. war erst wenige Tage vor der Verhandlung vom Bielefelder Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Diese ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

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